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Hochwasser in Stolberg: Nein, dieser Brief belegt nicht, dass Betroffene nur 250 Euro Soforthilfe erhalten
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Auf Facebook kursiert ein Brief aus Stolberg, der angeblich belegen soll, dass Menschen, die die Soforthilfe der Stadt von 250 Euro erhalten haben, später leer ausgingen. Das zeigt der Brief aber nicht. Betroffene können die Soforthilfe der Stadt zwar nur einmal beantragen, es gibt aber auch andere Hilfsprogramme wie die „Soforthilfe NRW“. von Sarah Thust Auf Facebook verbreitet sich der Beitrag einer Frau, die laut ihrer Profilbeschreibung aus Stolberg kommt. Sie veröffentlichte am 23. August ein Foto eines Briefs vom Sozialamt Stolberg. Dazu schreibt sie: „Die Hochwasserhilfe 2 wird abgelehnt, weil man ja die Ersthilfe von 250 Euro erhalten habe. Wurde nur nirgends gesagt, dass man damit seinen Anspruch verwirkt.“ Der Beitrag wurde mehr als 2.500 Mal auf Facebook geteilt. Andere Menschen griffen den Beitrag auf Facebook auf und interpretierten ihn weiter. „Die Opfer der Flutkatastrophe sind verarscht worden“, schreibt einer. „Wer damals die Soforthilfe von 250 bis 300 Euro bekommen hat, geht nun vollkommen leer aus.“ Damit wird suggeriert, dass die vom Hochwasser betroffenen Menschen nicht mehr als 250 Euro bekommen könnten. Das stimmt nicht. Unsere Recherche ergab: Das Schreiben ist echt, die Kommentare dazu sind jedoch irreführend. In Stolberg wird tatsächlich ein Antrag auf die Hochwasser-Soforthilfe II abgelehnt, wenn man bereits Soforthilfe I erhalten hat. Die Summen, die im Rahmen der Soforthilfe I und II ausgezahlt werden, sind gleich hoch. Die Menschen gehen aber später nicht „leer aus“, da weitere Hilfen beispielsweise in Nordrhein-Westfalen beantragt werden können. Am 22. und 23. Juli standen laut Medienberichten viele Menschen an den Ausgabestellen in Stolberg Schlange, weil die ersten Hochwasser-Soforthilfen bar ausgezahlt wurden. Im August teilte die Stadt auf ihrer Webseite mit, dass jeder, der beim ersten Mal keine Soforthilfe erhalten hat, „Hochwasser-Soforthilfe II“ beantragen könne. Es handelte sich also um eine Wiederholung der ersten Maßnahme, nicht um eine Ergänzung. Die Summe, die Betroffene in Stolberg erhalten, ist bei Soforthilfe I oder Soforthilfe II jeweils gleich hoch. Einzelpersonen bekommen laut der Webseite der Stadt 250 Euro, kleinere Familien 500 Euro und größere Familien 750 Euro. Der Brief vom 18. August, den die Facebook-Nutzerin veröffentlichte, stammt laut der auf dem Schreiben erkennbaren E-Mail-Adresse vom Sozialamt Stolberg. Es handelt sich um eine Ablehnung des Antrags auf die „Stolberger Hochwasser-Soforthilfe II“. Die Antragstellerin habe bereits Soforthilfe I erhalten und sei „somit von der Zahlung der Soforthilfe II ausgeschlossen“, heißt es als Begründung. Das Schreiben ist echt und die Beschwerde der Frau ist der Stadt bekannt, wie uns ein Sprecher des Büros des Bürgermeisters am 27. August in einer E-Mail mitteilte. „Die Soforthilfe II wurde zu Recht abgelehnt, da Soforthilfe I bereits gewährt wurde. Die Dame hat also städtische Soforthilfen erhalten.“ Das Sozialamt habe diese Woche zweimal mit der Frau telefoniert – dieser sei nun zusätzlich zur Soforthilfe I die Soforthilfe NRW gewährt worden, teilte uns der Sprecher weiter mit. Die Soforthilfe des Landes Nordrhein-Westfalen beträgt 1.500 Euro pro Haushalt, dazu kommen 500 Euro für jede weitere Person im Haushalt. Maximal werden 3.500 Euro ausgezahlt. Wir haben versucht, die Frau auf Facebook zu erreichen, erhielten aber bisher keine Antwort. Bereits am 22. Juli schrieb die Stadt Stolberg, die städtische Soforthilfe sei eine erste Maßnahme – die Auszahlung weiterer Hilfen aus Landes- und Bundesmitteln folge, sobald das Geld zur Verfügung stehe. Es stimmt außerdem nicht, dass die Stadt Stolberg Menschen nicht darüber informiere, dass Soforthilfe I und II nicht beide bezogen werden können. Wer den Antrag auf Soforthilfe II ausfüllt, muss schriftlich versichern, dass der Haushalt „noch keine Leistungen aus der Stolberger Hochwasser-Soforthilfe I (Barauszahlung) erhalten hat“ (PDF, Download). Die Stadt schreibt auch auf ihrer Webseite: „Anspruchsberechtigt (für Soforthilfe II) sind sämtliche Adressen im Stolberger Stadtgebiet, die einen Hochwasserschaden zwischen 1.000 Euro und 5.000 Euro glaubhaft machen können. […] Alle Personen und Haushalte, die bereits Leistungen im Rahmen der Hochwasser-Soforthilfe I (22.07. u. 23.07.) erhalten haben, sind von der Hochwasser-Soforthilfe II ausgeschlossen.“ Fazit: Es stimmt, dass man die Soforthilfe II der Stadt Stolberg nicht bekommen kann, wenn man bereits Soforthilfe I erhalten hat. Die beiden Maßnahmen beinhalten jedoch exakt denselben Geldbetrag. Die Menschen, die vom Hochwasser betroffen sind, können laut der Stadt Stolberg außerdem noch weitere Hilfsangebote, zum Beispiel des Landes NRW, beantragen. Sie gehen also nicht „leer aus“, wenn sie die Soforthilfe I bereits erhalten haben. Redigatur: Steffen Kutzner, Alice Echtermann
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Sarah Thust
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Im Netz kursiert ein Brief aus Stolberg zur Hochwasser-Soforthilfe. Er soll zeigen, dass Betroffene nur 250 Euro erhalten. Das stimmt nicht.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
] |
Wirtschaft und Umwelt
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2021-08-30T11:44:29+02:00
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2021-08-30T11:44:29+02:00
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2021-08-30T16:15:48+02:00
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Ein Brief zeige, dass in Stolberg die Soforthilfe II abgelehnt werde, wenn man 250 Euro durch die Soforthilfe I erhalten habe; der Schaden der Betroffenen sei aber viel höher.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2021-08-23 00:00:00
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https://www.facebook.com/iris.hansen.18/posts/3901396403298193
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Fehlender Kontext
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Fehlender Kontext. Die Stolberger Hochwasser-Soforthilfen I und II beinhalten exakt denselben Geldbetrag – ausgezahlt wird die Soforthilfe aber pro Haushalt nur einmal. Betroffene in Stolberg können darüber hinaus weitere Hilfen beantragen, zum Beispiel die „Soforthilfe NRW“ (einmalig 1.500 Euro pro Haushalt oder mehr).
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/08/30/hochwasser-in-stolberg-nein-dieser-brief-belegt-nicht-dass-betroffene-nur-250-euro-soforthilfe-erhalten/
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Gefälschter Tweet: Nein, Luisa Neubauer hat die Explosion im Chempark Leverkusen nicht mit dem Klimawandel begründet
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In Sozialen Netzwerken kursiert ein Tweet, der angeblich von der Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer stammen soll. Sie habe die Explosion in einer Chemiefabrik als Auswirkung des Klimawandels bezeichnet. Der Tweet stammt aber nicht von Neubauer, er ist gefälscht. von Sarah Thust Am Morgen des 27. Juli kam es zu einer Explosion im Chempark Leverkusen. Kurz darauf ist auf Facebook ein Foto aufgetaucht, das einen Tweet der Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer zeigen soll. Der Tweet ist auf denselben Tag datiert, wie der Facebook-Beitrag. Darin heißt es: „Erst das Hochwasser und jetzt die Explosion in einer Chemiefabrik; die Auswirkungen des Kliamwandels (sic!) werden immer gravierender. Fehlt nur noch ein Vulkanausbruch in Deutschland #Wirmüssenetwastun“. Wenige Stunden später veröffentlichte auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin E. Renner das Bild auf Facebook und schrieb dazu: „Ist zwar ein Fake. Könnte aber durchaus von der epochalen Denkerin und der unstudierten Wissenschaftlerin des Jahrhunderts stammen“. Etliche Nutzer hielten den Tweet dennoch für echt, wie viele Kommentare unter dem Beitrag Renners zeigen. Auch auf dem Telegram-Kanal von Pegida-Initiator Lutz Bachmann wurde das Bild geteilt. Der Tweet ist eine Fälschung, das Zitat von Luisa Neubauer ist frei erfunden. CORRECTIV.Faktencheck erklärt, woran sich erkennen lässt, dass der Tweet nicht echt ist. Die Schriftart: Auf dem Screenshot ist zu erkennen, dass sich die Schriftart von der Schriftart auf Twitter unterscheidet. Der Text und auch Datum und Uhrzeit der Veröffentlichung sind anders formatiert. Sonderzeichen und Tippfehler: Auch im Layout sind Unterschiede zu erkennen. Auf Twitter werden Uhrzeit, Datum und der Hinweis „Twitter for iPhone“ durch einen mittigen Punkt getrennt – in dem verbreiteten Beitrag fehlt dieser. Zudem steht dort „Twitter for Iphone“, der Name der Smartphone-Marke ist also falsch geschrieben. Am 2. August schrieb Luisa Neubauer auf Twitter, dass der Tweet eine Fälschung sei und teilte einen Faktencheck der AFP dazu auf Twitter. Wir haben das angebliche Zitat auch auf Google und in der Pressedatenbank Genios gesucht – und keine Belege gefunden, dass sich Neubauer so geäußert hätte. Durch eine Twitter-Suche fanden wir zudem heraus, dass das Hashtag „#wirmüssenetwastun“ auf der Twitter-Seite von Luisa Neubauer nicht zu finden ist (Stand: 4. August). Auch die Explosion in der Chemiefabrik in Leverkusen erwähnt Neubauer in keinem öffentlichen Tweet. Redigatur: Uschi Jonas, Till Eckert
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Sarah Thust
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Laut einem Tweet soll Luisa Neubauer die Explosion im Chempark Leverkusen mit dem Klimawandel erklärt haben. Das stimmt nicht.
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[
"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
] |
Klima
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2021-08-05T09:00:28+02:00
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2021-08-05T09:00:28+02:00
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2021-09-10T16:40:59+02:00
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Luisa Neubauer habe getwittert: „Erst das Hochwasser und jetzt die Explosion in einer Chemiefabrik; die Auswirkungen des Klimawandels werden immer gravierender. Fehlt nur noch ein Vulkanausbruch in Deutschland“.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2021-07-27 00:00:00
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https://www.facebook.com/roland.frundsberg.9/posts/347940306833999
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Frei erfunden
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Frei erfunden. Der Tweet ist eine Fälschung und das Zitat ist frei erfunden.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/08/05/gefaelschter-tweet-nein-luisa-neubauer-hat-die-explosion-im-chempark-leverkusen-nicht-mit-dem-klimawandel-begruendet/
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Nein, der „Fluthilfe-Fonds“ wurde nicht speziell für Geflüchtete verwendet
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Ein rechter Influencer behauptet, 2014 sei beschlossen worden, Geld aus dem „Fluthilfe-Fonds“ für Geflüchtete auszugeben. Das stimmt nicht: Aus dem Fonds wurden Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 beglichen. 1,8 Milliarden Euro blieben übrig und flossen zurück in den Bundeshaushalt. von Sarah Thust Nach dem Hochwasser in Deutschland behauptet der rechte Influencer „Neverforgetniki“, 2014 sei beschlossen worden, Geld aus „dem Fluthilfe-Fonds“ für Geflüchtete auszugeben. Er erweckt den Eindruck, deswegen fehle es nun an Hilfsgeldern für Betroffene. Der Beitrag wurde auf Facebook und Twitter insgesamt mehr als 1.700 Mal geteilt – doch die Behauptung ist falsch. Es wurde nie beschlossen, Geld aus dem Aufbaufonds aus dem Jahr 2013 zweckgebunden für Geflüchtete zu verwenden. Der im Beitrag genannte Fonds wurde zudem längst verteilt. Er hat nichts mit den schweren Hochwassern 2021 zu tun, sondern mit der Hochwasserkatastrophe 2013. Der Hintergrund: Nach einer Hochwasserkatastrophe in Deutschland im Mai und Juni 2013 hat der Bund acht Milliarden Euro Aufbauhilfen gestellt. Laut Medienberichten gab es 2014 Pläne, nicht genutzte Mittel an die Länder zu verteilen für die Unterbringung von Asylbewerbern – das sei jedoch nicht umgesetzt worden. 2015 und 2016 gingen nicht genutzte 1,8 Milliarden zurück in den Bundeshaushalt, wie uns das Bundesfinanzministerium bestätigte. Wir haben auf Google nach den Begriffen „Fluthilfe-Fonds Flüchtlinge“ gesucht – und fanden weitere Medienberichte, die sich alle auf das Hochwasser 2013 beziehen. Mit dem Aufbauhilfefonds finanzierten Bund und Länder damals die Schadensbeseitigung und den Wiederaufbau. Insgesamt wurde der Fond „Ausbauhilfe“ mit acht Milliarden Euro ausgestattet. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums schrieb uns am 30. Juli per E-Mail: „In den Jahren 2015 und 2016 wurden insgesamt rund 1,8 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen ‘Aufbauhilfe’ wieder im Bundeshaushalt vereinnahmt, weil die Schadensermittlung ergeben hatte, dass die Mittel für den gesetzlich bestimmten Zweck nicht mehr benötigt wurden.“ Auch aus den Bundeshaushaltsplänen für 2017 und 2018 geht hervor, dass 2015 und 2016 rund 1,754 Milliarden Euro aus dem Aufbauhilfe-Fonds in den Bundeshaushalt zurückgeflossen sind. Solche Mittel, die nicht mehr benötigt werden und in den Bundeshaushalt zurückfließen, dienen der Finanzierung aller Ausgaben – und sind nicht zweckgebunden. Es kann sein, dass indirekt Teile des Geldes für Geflüchtete ausgegeben wurden. Seit 2016 beteiligt sich der Bund finanziell an den Kosten der Unterkunft für Geflüchtete, um Länder und Kommunen zu entlasten. Dies wurde aber nicht explizit durch die Aufbauhilfen finanziert, sondern aus dem Bundeshaushalt. Am 21. Juli kündigte Finanzminister Olaf Scholz laut Medienberichten an, dass zunächst 200 Millionen Euro Soforthilfen aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt würden. Dazu sollten die Länder 200 Millionen Euro beisteuern. Die Sprecherin des Bundesfinanzministeriums schrieb uns zudem: „In Bezug auf die aktuelle Hochwasserkatastrophe hat die Bundesregierung beschlossen, dass sich der Bund zu 50 Prozent an den Soforthilfen der betroffenen Länder beteiligt. Derzeit laufen die Gespräche mit den Ländern zur Umsetzung des Beschlusses.“ Die Mittel dafür sollten aus dem Bundeshaushalt außerplanmäßig bereitgestellt werden. Fazit: Es stimmt nicht, dass 2014 beschlossen wurde, Geld aus dem „Fluthilfe-Fonds“ für Geflüchtete auszugeben. Richtig ist: Nach der Hochwasserkatastrophe 2013 hat die Bundesregierung einen Aufbaufonds für Betroffene angelegt. 1,8 Milliarden aus dem Fonds blieben übrig – und flossen 2015 und 2016 zurück in den Bundeshaushalt. Die Soforthilfen nach der Hochwasserkatastrophe 2021 werden aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt. Redigatur: Till Eckert, Tania Röttger
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Sarah Thust
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Ein rechter Influencer behauptet, 2014 sei beschlossen worden, Geld aus dem „Fluthilfe-Fonds“ für Geflüchtete auszugeben. Das stimmt nicht.
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[
"Faktencheck",
"Migration",
"Wirtschaft und Umwelt"
] |
Migration
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2021-08-04T13:38:47+02:00
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2021-08-04T13:38:47+02:00
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2021-08-04T13:49:30+02:00
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Die Hilfen der Bundesregierung für die Betroffenen des Hochwassers seien „so gering“, weil 2014 beschlossen worden sei, Geld aus dem Fluthilfe-Fonds für Geflüchtete auszugeben.
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Neverforgetniki
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2021-07-20 00:00:00
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https://www.facebook.com/neverforgetniki/posts/349798233182394
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Der Aufbaufonds nach dem Hochwasser 2013 hat mit den aktuellen Fluthilfen nichts zu tun und es wurde auch nicht 2014 beschlossen, Geld aus dem damaligen Fonds für Geflüchtete auszugeben. 2015 und 2016 gingen nicht verteilte Gelder daraus zurück in den Bundeshaushalt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/08/04/nein-der-fluthilfe-fonds-wurde-nicht-speziell-fuer-gefluechtete-verwendet/
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Falsche Fotos von Explosion im Chempark Leverkusen im Umlauf
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Am 27. Juli gab es eine schwere Explosion im Chempark Leverkusen in Nordrhein-Westfalen. In Sozialen Netzwerken werden anschließend Fotos von Explosionen mit falschem Kontext geteilt: Es wird behauptet, sie zeigten den Vorfall – sie sind jedoch älter und aus dem Ausland. von Alice Echtermann Der AfD-Kreisverband Leverkusen hat am 27. Juli auf Facebook den Opfern einer Explosion im Chempark Leverkusen sein Beileid ausgesprochen. Dazu teilte die Partei jedoch ein Foto, das nicht diesen Vorfall zeigt. Das Bild einer Feuerwolke stammt aus Mexiko. Genauso wie weitere Fotos, die derzeit in Sozialen Netzwerken kursieren, hat es also nichts mit dem aktuellen Vorfall zu tun. Laut Medienberichten gab es am Dienstagmorgen eine schwere Explosion im Chempark Leverkusen, mit zahlreichen Verletzten und zwei Todesopfern (Stand 28. Juli, 12:30 Uhr). Ein Tanklager mit Chemikalien war in Brand geraten. Auf Bildern des Unglücks ist eine schwarze Rauchsäule zu sehen, die über dem Gelände aufsteigt. In Sozialen Netzwerken verbreiten sich anschließend noch dramatischere Bilder, die Explosionen mit Wolken aus Feuer zeigen. Unsere Recherche zeigt: Diese Fotos sind irreführend. Sie wurden in falschen Kontext gesetzt und entstanden an anderen Orten. Das Bild, das die AfD Leverkusen teilte, fanden wir mit Bilderrückwärtssuchen mit Google und Yandex in Berichten aus Mexiko von April 2021. Sie zeigen demnach eine Explosion einer Raffinerie (Refinería Lázaro Cárdenas) in Minatitlán, einer Stadt im Bundesstaat Veracruz. Die Explosion ist zum Beispiel auf der Webseite Uno TV in einem Video zu sehen. Das Foto selbst findet sich in einem mexikanischen Medienbericht vom 7. April 2021 und wurde am 8. April vom Nachrichtensender ABC Noticias auf Twitter verbreitet. Pressefotos nach der Explosion des Chemparks in Leverkusen zeigen vor allem dichten, schwarzen Rauch. Manche Aufnahmen haben eine gewisse Ähnlichkeit zu dem Foto von der Raffinerie in Mexiko, das die AfD Leverkusen auf Facebook teilte. Es ist ein ähnlicher Schornstein zu sehen. Das ist mutmaßlich der Grund, weshalb das falsche Foto für echt gehalten wird. In der Facebook-Gruppe „Nettwerk Leverkusen“ warnt ein Nutzer bereits vor mehreren falschen Fotos, die seiner Aussage nach in Chatgruppen auf Whatsapp oder Telegram kursieren. Wir fanden ebenfalls mehrere Facebook-Beiträge, in denen echte Aufnahmen des Vorfalls in Leverkusen mit zwei weiteren falschen Explosionsfotos vermischt verbreitet wurden (hier, hier und hier). Das eine Foto, auf dem Rauch, Feuer und verkohlte Trümmer im Vordergrund zu sehen sind, fanden wir über eine Bilderrückwärtssuche in einem Beitrag von Mai 2021 über einen Unfall auf einer Straße zwischen den Städten Lagos und Ibadan in Nigeria. Es handelt sich jedoch mutmaßlich um ein Symbolbild, denn es taucht auch im August 2020 in einem anderen Medienbericht über eine Gasexplosion in einem Slum in Lagos auf. Den genauen Ursprung des Fotos konnten wir nicht verifizieren. Fest steht aber, dass es nicht den Chempark Leverkusen zeigt. Das dritte Foto, das eine Explosion auf einer Straße zeigt, ist schon mehrere Jahre alt. Wir fanden es in Berichten über einen Unfall in Italien (hier und hier). Den Artikeln zufolge explodierte dort am 6. August 2018 ein Lastwagen mit Gas nahe der Stadt Bologna. Auch die Welt berichtete im August 2018 über den Unfall und zeigte ein Video von der Explosion des Lastwagens auf der Straße. Redigatur: Uschi Jonas, Till Eckert
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Alice Echtermann
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Am 27. Juli gab es eine Explosion im Chempark Leverkusen. In Sozialen Netzwerken werden anschließend falsche Fotos von Explosionen geteilt.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
] |
Wirtschaft und Umwelt
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2021-07-28T13:12:03+02:00
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2021-07-28T13:12:03+02:00
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2021-07-28T13:12:03+02:00
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Fotos zeigten die Explosion im Chempark Leverkusen.
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Facebook-Beiträge
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2021-07-27 00:00:00
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https://www.facebook.com/afd.leverkusen/posts/3027936407450635
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Fotos zeigen nicht den Chempark Leverkusen.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/07/28/falsche-fotos-von-explosion-im-chempark-leverkusen-im-umlauf/
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Frau rettet Esel aus Hochwasser: Dieses Foto entstand 2015 in Irland
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Immer wieder werden bei Naturkatastrophen Fotos von Tieren verbreitet, die darunter leiden. Manche werden jedoch aus dem Kontext gerissen und zeigen nicht das aktuelle Geschehen. So ist es auch bei einem Bild eines geretteten Esels, das aktuell auf Facebook geteilt wird. von Alice Echtermann Als „Heldin des Tages“ wird eine Frau auf Facebook bezeichnet. Die Seite „Tierschutz.news“ verbreitet am 26. Juli ein Foto eines Esels, der offenbar aus dem Wasser gerettet wurde und erleichtert zu grinsen scheint. „Diese Dame hat einen Esel aus dem Hochwasser gerettet und wie man sieht, freut sich der Esel über beide Ohren“, heißt es in dem Beitrag, der bereits mehr als 500 Mal geteilt wurde. Durch die aktuelle Verbreitung des Fotos und die Aussage „Heldin des Tages“ entsteht der Eindruck, es sei während des Hochwassers in Deutschland im Juli 2021 entstanden. Das Foto des „lächelnden“ Esels ist aber fast sechs Jahre alt und aus Irland. Mit einer Bilderrückwärtssuche bei Google fanden wir zahlreiche Berichte über den Esel. Die britische Boulevardzeitung Daily Mail schrieb zum Beispiel am 8. Dezember 2015 darüber. Dem Artikel zufolge war das Tier in Killorglin im County Kerry während eines Sturms aus dem Stall ausgebrochen. Es wurde von Mitgliedern eines Ruderclubs aus dem Wasser gerettet. Der Artikel enthält mehrere Aufnahmen der Rettungsaktion. Im Winter 2015/2016 kam es in Irland zu starken Überschwemmungen. Auch die nordirische Zeitung Belfast Telegraph hat am 7. Dezember 2015 einen Artikel über die Geschichte veröffentlicht, so wie zahlreiche weitere internationale Medien. Das Foto des Esels verbreitete sich so rasant im Internet, weil es so aussieht, als würde das Tier lächeln. Im Kontext von Naturkatastrophen werden in Sozialen Netzwerken häufiger Fotos leidender Tiere verbreitet. So war es beispielsweise auch bei den Waldbränden im Amazonasgebiet 2019 (hier und hier). Aktuell zum Hochwasser in Deutschland kursieren mehrere Bilder von Haustieren wie Hunden, die teils mehrere Jahre alt sind. Alte Fotos oder Symbolfotos nicht zu kennzeichnen ist irreführend. Denn die dramatischen Aufnahmen können für aktuell gehalten werden und vermitteln somit ein falsches Bild der Lage. Redigatur: Sarah Thust, Uschi Jonas
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Alice Echtermann
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Faktencheck: Ein Bild eines Esels, das auf Facebook kursiert, entstand nicht während der aktuellen Hochwasser-Katastrophe in Deutschland.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2021-07-27T16:00:07+02:00
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2021-07-27T16:00:07+02:00
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2021-07-27T16:00:07+02:00
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Ein Foto zeige einen Esel, der von einer Frau aus dem Hochwasser gerettet wurde und aus Dankbarkeit zu grinsen scheint.
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Facebook-Beitrag
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2021-07-26 00:00:00
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https://www.facebook.com/newstierschutz/photos/a.601581553265941/4336855136405212/?type=3&theater
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Fehlender Kontext
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Fehlender Kontext. Das Foto ist nicht aktuell, es entstand 2015 in Irland.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/07/27/frau-rettet-esel-aus-hochwasser-dieses-foto-entstand-2015-in-irland/
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Hochwasser: Was ein Foto von Wasserständen aus der Schweiz mit dem Klimawandel zu tun hat
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In Sozialen Netzwerken kursiert ein Foto von einer Hauswand, an der Wasserstände von Hochwasser-Ereignissen der vergangenen Jahre markiert sind. Der höchste Wasserstand wurde 1852 dokumentiert. Viele Menschen sehen das als Hinweis, dass Hochwasser nichts mit dem Klimawandel zu tun habe. Wir erklären, wieso das nicht stimmt. von Alice Echtermann „Man hätte SUVs schon 1852 verbieten müssen“, schreibt jemand auf Facebook ironisch zu einem Foto, das Hochwasser-Stände aus verschiedenen Jahren an einer Hauswand zeigt. Auf Twitter verbreitete unter anderem der AfD-Politiker Max Kneller das Bild, ebenfalls mit einem ironischen Kommentar („Die Klimakatastrophe von 1852 war besonders schlimm“). Die Botschaft ist klar: Es wird suggeriert, der Ausstoß von CO2 und der Klimawandel hätten nichts mit Hochwasser zu tun, da es bereits 1852 ein Rekord-Hochwasser gab. Damit wird ein komplexes Thema verkürzt und wichtiger Kontext weggelassen. Richtig ist: Starkregen-Ereignisse (große Niederschlagsmengen, die in sehr kurzer Zeit fallen) sind selten; die langfristige Erwärmung des Klimas verursacht solche Ereignisse nicht direkt. Doch grundsätzlich kann Extremwetter laut Forschenden aufgrund des Klimawandels häufiger auftreten und intensiver werden. Dazu zählen nicht nur Starkregen, sondern auch Hitze und Dürreperioden. Auch in der Schweiz sind solche Trends zu beobachten. Von dort stammt das Foto, das in den Sozialen Netzwerken kursiert. Per Google-Bilderrückwärtssuche lässt sich herausfinden, dass das Bild in dem Facebook-Beitrag aus der Schweiz stammt. Das Foto ist mutmaßlich ein Ausschnitt eines Bildes von der Luzerner Zeitung vom 13. Juli 2021 (Bild 8 von 8). Dieselbe Hauswand ist auch in einem Tweet vom 13. Juli 2021 zu sehen. Das Foto zeigt also die Stadt Olten in der Schweiz und ist aktuell. Der Blog Volksverpetzer hat dazu auch bereits einen Artikel veröffentlicht. Mit den Suchbegriffen „Wasserstände Olten“ fanden wir außerdem ein anderes Foto der Hauswand auf der Webseite „Mapio“. Es ist schon älter, denn die Wasserstände der Jahre 2001, 2006 und 2007 fehlen. Durch die Stadt Olten fließt der Fluss Aare. Das Foto von Twitter wurde wahrscheinlich von der Alten Brücke aus aufgenommen. Der Wasserstand auf dem Bild liegt knapp unter der 2001-Markierung. Der Twitter-Nutzer hat es am Dienstag, 13. Juli, um 19.53 Uhr hochgeladen; nach seinen Angaben war das der Höhepunkt des Hochwassers. Am Telefon sagte uns jedoch Franco Giori, Leiter der Abteilung Ordnung und Sicherheit bei der Stadtverwaltung Olten, der Höhepunkt des Hochwassers sei in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gewesen (14. auf 15. Juli). Wie hoch das Wasser in Olten genau gestiegen ist, konnten wir nicht herausfinden. Wenn die Aare in Olten über die Ufer steige, liege das meist an mehreren Faktoren, vor allem an den großen Seen in der Schweiz, erklärt Giori. Der Regen müsse gar nicht in Olten selbst fallen: Wenn die Seen voll liefen, werde daraus Wasser abgelassen, dieses laufe in Flüsse wie die Aare und könne zu Hochwasser in Olten führen. Das passiert aber nicht willkürlich. Giori sagt, das Ganze sei streng reguliert; es gebe ein Abkommen, das festlege, wie viel Wasser durch die Aare fließen darf. Nach dem letzten schweren Hochwasser 2007 sei dieses Abkommen nochmal aktualisiert worden. Ganz verhindern lassen sich Überschwemmungen aber nicht, wie der aktuelle Fall zeigt. Laut dem schweizerischen Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) ist das Klima in der Schweiz großen Schwankungen unterworfen. „Diese Schwankungen waren bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorwiegend natürlich bedingt. Danach gibt es Effekte, insbesondere der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte, die nur noch als Folge der steigenden Treibhausgasemissionen erklärt werden können (Klimawandel).“ Die aktuellen Überschwemmungen in Deutschland wurden nicht von normalem Regen, sondern von Starkregen verursacht. Dabei fällt in kurzer Zeit extrem viel Regen. Auch in der Schweiz waren laut Medienberichten Unwetter die Ursache dafür, dass Flüsse und Seen überliefen. Im SRF sagte die Wissenschaftlerin Sonia Seneviratne, solche Ereignisse würden durch den Klimawandel häufiger und extremer werden. Wir haben Seneviratne per E-Mail kontaktiert, und sie wies uns auf eine Information des schweizerischen National Centre for Climate Services hin. „Seit 1901 hat die Niederschlagsmenge von einzelnen Starkniederschlägen in der Schweiz um 12 Prozent zugenommen“, heißt es darin. Das liege unter anderem physikalisch daran, dass wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen könne. Dieser Trend werde sich in Zukunft fortsetzen. Ein wissenschaftlicher Artikel von 2016 von Autorinnen und Autoren von Meteoschweiz und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich kommt zu dem Schluss, dass trotz großer lokaler Schwankungen Trends in den Messungen zu beobachten seien. Eine Analyse der Daten von 1901 bis 2014/2015 zeige, dass sowohl schwerer Niederschlag als auch heiße Tage in der Schweiz zunehmen. Die beobachteten Entwicklungen im ganzen Land seien höchstwahrscheinlich nicht zufällig und stimmten mit Klimamodellen überein. Auf unsere Presseanfrage hin schickte uns Meteoschweiz außerdem per E-Mail ein Statement eines der Autoren zu. Simon Scherrer von der ETH Zürich erklärte: „Aus den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen oder Veröffentlichungen wird klar, dass die klimaänderungsgetriebene Tendenz von stärkeren und starken Niederschlägen sowohl in Häufigkeit wie Intensität in Richtung Zunahme geht.“ Aufgrund der großen natürlichen Schwankungen seien in den nächsten Jahrzehnten sowohl Zunahmen als auch Abnahmen möglich. „Die Signale einer Zunahme von stärkeren und starken Niederschlägen werden nach 2050 deutlicher. […] Die Frage, ob ‘man heute schon in der beobachteten Entwicklung etwas Deutliches sieht’ ist somit eigentlich zweitrangig und deren Antwort ist zumindest für sehr starke Events im Prinzip ‘nein’. Das heisst aber nicht, dass im Hintergrund nichts passiert.“ Mit statistischen Methoden könne heute schon eine „schleichende Änderung“ wahrgenommen werden. Für Deutschland gibt es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ebenfalls wissenschaftliche Prognosen, die mit einer Zunahmen von Starkregen und somit Überschwemmungen rechnen. Diese Zunahme sei bedingt durch den Klimawandel. Auch der DWD betont, solche extremen Wetterereignisse seien dennoch insgesamt selten. Das Science Media Center hat zum aktuellen Hochwasser in Deutschland Einschätzungen von Forschenden zusammengetragen. Sebastian Sippel, Mitglied der Forschungsgruppe Klimaphysik an der ETH Zürich, sagt: „Es ist nach wie vor sehr schwierig, Einzelereignisse kausal auf den Klimawandel zurückzuführen. Das dürfte auch für den aktuellen Starkregen gelten.“ Die Attributionsforschung könne jedoch in vielen Fällen aufzeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse und ihre Intensität durch den Klimawandel zunehmen. Das sei auch durch „Trends in Beobachtungsdaten“ und „physikalische Gesetzmäßigkeiten“ belegt. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ordnet das Geschehen ähnlich ein: „Das Wettergeschehen ist heute immer ein Zusammenspiel aus dem üblichen Wetterzufall und den veränderten Randbedingungen durch die stark erhöhte Treibhausgasmenge in unserer Atmosphäre“, sagt er dem Science Media Center. Bei Niederschlagsextremen sei die Zunahme noch nicht so groß, weil die natürlichen Schwankungen im Vergleich zum Effekt der Erderwärmung stärker seien. „Man kann daher nicht sagen, ob dieses Ereignis eine Folge der Erderwärmung ist, aber man kann festhalten, dass derartige Ereignisse durch die Erderwärmung häufiger werden.“ Das Foto von Wasserständen in der Stadt Olten in der Schweiz sagt nichts über das Zusammenspiel von Klimawandel und Starkregen aus. Es ist weder ein Beleg gegen einen Einfluss des Klimawandels auf solche Wetterereignisse, noch ist es ein Beleg dafür. Eine einzelne Katastrophe, wie die aktuellen Überschwemmungen, kann nicht als direkte Auswirkung des Klimawandels bezeichnet werden. Die Wissenschaft beobachtet daher die langfristigen Entwicklungen und erstellt Prognosen. Und diese sind eindeutig: Forschende warnen, dass extremes Wetter – darunter Starkregen, Hitze und Trockenheit – mit der Erwärmung der Erde häufiger werden wird. Update, 22. Juli 2021: Auch das schweizerische Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat sich nun auf unsere Anfrage zurückgemeldet. Es teilte mit, in der Schweiz habe es in den letzten 30 Jahren zehn Hochwasser-Ereignisse gegeben: Im August 1978, August 1987, September 1993, das Pfingsthochwasser 1999, Oktober 2000, das Alpenhochwasser August 2005, August 2007, Mai/Juni 2013, Juli/August 2014 und Juli 2021. Als Folge des Hochwassers 2005 habe die Schweiz ihr Warnsystem angepasst und viele Schutzmaßnahmen umgesetzt. Laut Michèle Oberhänsli, Hydrologin beim Bafu, wird Hochwasser meist durch langanhaltende und intensive Niederschläge verursacht. „In den letzten Jahrzehnten wurden in der Schweiz und in vielen anderen Regionen Europas eine Häufung von großräumigen Hochwassern beobachtet. Betrachtet man die letzten 500 Jahre, so waren die letzten 30 Jahren die hochwasserreichsten von Europa.“ Redigatur: Tania Röttger, Matthias Bau Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
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Alice Echtermann
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Es wird behauptet, da es 1852 ein Rekord-Hochwasser gab, habe der Klimawandel keinen Einfluss auf solche Ereignisse. Das ist irreführend.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-07-20T16:44:35+02:00
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2021-07-20T16:44:35+02:00
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2021-07-22T14:30:18+02:00
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Ein Foto zeige, dass es auch schon 1852 Hochwasser gab, daher habe die aktuelle Überschwemmung nichts mit dem Klimawandel zu tun.
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Beitrag in Sozialen Netzwerken
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2021-07-15 00:00:00
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https://www.facebook.com/photo.php?fbid=4112147015541532&set=a.1941728605916728&type=3&theater
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Fehlender Kontext
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Fehlender Kontext. Das Foto stammt aus Olten in der Schweiz. Seltene Ereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen werden nicht direkt durch den Klimawandel verursacht. Sie werden jedoch laut Prognosen mit der Erwärmung der Erde wahrscheinlicher – ebenso wie extreme Hitze und Dürre.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/07/20/hochwasser-was-ein-foto-von-wasserstaenden-aus-der-schweiz-mit-dem-klimawandel-zu-tun-hat/
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Hochwasser: Nein, dieses Video zeigt nicht den Bruch einer Talsperre bei Wuppertal
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Menschen auf Facebook, Twitter und Telegram verbreiten ein Video mit der Behauptung, die „Talsperre in Wuppertal“ sei gebrochen. Die Stadt stellt klar: Das stimmt nicht. Das Video zeigt einen überfluteten Tagebau mehr als 100 Kilometer von der Wuppertalsperre entfernt. von Steffen Kutzner , Sarah Thust Entgegen anderslautender Behauptungen auf Facebook (hier, hier und hier), Twitter und Telegram ist bei Wuppertal keine Talsperre gebrochen. In den Beiträge ist von der „Talsperre in Wuppertal“ die Rede; gemeint ist mutmaßlich die Wuppertalsperre. Ein Video, das dazu verbreitet wird, ist ein Zusammenschnitt aus zwei Perspektiven. Es zeigt reißendes Schlammwasser und einige eingestürzte Holzkonstruktionen in der Nähe eines Stegs. Das Video wurde seit dem Abend des 15. Juli in Zusammenhang mit der Behauptung über die Wuppertalsperre gebracht und bisher (Stand: 16. Juli, 15.30 Uhr) allein auf Telegram 30.000 Mal gesehen. Es zeigt jedoch einen anderen Ort. Die Feuerwehr Wuppertal hat den Behauptungen bereits am Abend des 15. Juli auf Twitter widersprochen. Dort war das Video mit den Hashtags „Dammbruch“ und „Wuppertal“ veröffentlicht worden. Die Feuerwehr kommentierte dazu: „Diese Situation stellt nicht die Lage in Wuppertal dar. Bitte verbreiten Sie keine Falschinformationen.“ Auch die Pressestelle der Stadt Wuppertal bestätigte uns telefonisch, dass die Wuppertalsperre am frühen Morgen des 15. Juli zwar für einige Stunden übergelaufen, jedoch nicht gebrochen sei. Laut Medienberichten wurde befürchtet, dass die Wuppertalsperre unkontrolliert überlaufen könnte, Menschen wurden aus dem Gefahrenbereich evakuiert. Das Wasser könne aber kontrolliert ablaufen, wird die Feuerwehr am Donnerstag (15. Juli) zitiert. Das Video entstand am 15. Juli und zeigt den Tagebau Inden in der Nähe der Stadt Jülich, unweit von Aachen und etwa 120 Kilometer von der Wuppertalsperre entfernt. Das bestätigte ein Pressesprecher von RWE uns gegenüber per E-Mail. Der Fluss Inde hat den Tagebau durch die starken Regenfälle am 15. Juli laut Medienberichten geflutet und große Schäden angerichtet. Dass das Video den Tagebau zeigt, geht aus einem Twitter-Beitrag eines Nutzers hervor, der einen Teil davon am Nachmittag des 15. Juli veröffentlicht hatte. Auch die Grünen im Rhein-Erft-Kreis veröffentlichten diesen Teil des Videos auf Facebook mit dem Kommentar, dass es sich um den Tagebau Inden handele. Im Video deutlich zu erkennen sind die langen, geraden Stege des Tagebaus, die auch in einem Beitrag der Jülicher Zeitung mit einem Drohnenvideo zu sehen sind. Ein Arbeiter in dem Braunkohletagebau von RWE wird Medienberichten zufolge noch vermisst; die Überflutung ging im Laufe des Freitags (16. Juli) zurück, heißt es. Redigatur: Till Eckert, Alice Echtermann
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Steffen Kutzner
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Ein Video von reißenden Wassermassen soll den Bruch einer Talsperre bei Wuppertal zeigen. Zu sehen ist jedoch ein Tagebau bei Aachen.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-07-16T16:41:04+02:00
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2021-07-16T16:41:04+02:00
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2021-07-16T16:41:04+02:00
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Ein Video zeige, dass die „Talsperre in Wuppertal“ gebrochen sei.
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Facebook-Beitrag
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2021-07-15 00:00:00
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https://www.facebook.com/heidi.assmus/posts/4259522170735438
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Wuppertalsperre ist laut einer Pressesprecherin der Stadt nicht gebrochen. Das verbreitete Video ist zwar aktuell, zu sehen ist jedoch die Überflutung eines Tagebaus in der Nähe von Aachen.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/07/16/hochwasser-nein-dieses-video-zeigt-nicht-den-bruch-einer-talsperre-bei-wuppertal/
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Fotos zeigen ausrangierte Elektroautos der Deutschen Post, die durch ein Nachfolgemodell ersetzt wurden
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Auf Facebook wird behauptet, die Deutsche Post halte Elektromobilität für „unbrauchbar“. Als Beleg sollen Fotos eines „Autofriedhofs“ dienen. Die Fotos werden jedoch in einen irreführenden Kontext gesetzt: Sie zeigen zwar ausrangierte E-Autos der Post, diese wurden aber durch ebenfalls elektrische Nachfolgemodelle ersetzt. von Steffen Kutzner In einem Facebook-Beitrag, der mehr als 3.500 Mal geteilt wurde, sind Fotos von dutzenden eng geparkten Post-Fahrzeugen zu sehen. Dazu wird kommentiert: „Es sollte ein Vorzeigemodell zur Elektromobilität sein, wie sie endete, sieht man deutlich. Einst angeschafft im Anflug von Wahn, damals und als unbrauchbar heute erkannt.“ Unsere Recherche zeigt: Dieser Kontext ist irreführend. Die Fotos sind echt, aber sie beweisen nicht, dass die Deutsche Post Elektromobilität „als unbrauchbar erkannt“ habe. Wir haben die Deutsche Post kontaktiert und gefragt, ob es sich tatsächlich um deren Fahrzeuge handelt. Alexander Edenhofer, Pressesprecher der Post unter anderem für Elektromobilität, bestätigt uns via E-Mail, dass es sich um Fahrzeuge handele, die die Post eingesetzt habe: „Die Fahrzeuge gehörten zur ersten Serie von Fahrzeugen des Typs StreetScooter, die wir zu betrieblichen Tests dieser Fahrzeugkategorie vor Jahren bei uns in der Zustellung eingesetzt hatten.“ Edenhofer erklärt weiter, dass die Fahrzeuge „planmäßig durch das Folgemodell in unserem Betrieb ersetzt“ und danach an einen gewerbsmäßigen Fahrzeugaufkäufer verkauft worden seien. Den Verkauf bestätigen auch mehrere Medienberichte von Juli 2021, nach denen die Fahrzeuge wieder hergerichtet und an Betriebe weiterverkauft würden. Wir haben den in den Medienberichten erwähnten Käufer der StreetScooter, Bernd Biank, kontaktiert und gefragt, ob auf den Facebook-Bildern tatsächlich die Autos zu sehen sind, die er von der Post gekauft hatte. Er bestätigte, dass es seine Fahrzeuge seien und auch dass es sich um den Standort in Wunstorf (Niedersachsen) handele, der in dem Facebook-Beitrag genannt wurde. Biank hatte die Autos im Sommer 2020 gekauft und sie unter anderem auf dem Gelände in Wunstorf abgestellt. Telefonisch teilt er uns mit: „Die Autos haben fast alle Batterien, aber nur die wenigsten sind momentan tatsächlich angeschlossen.“ In dem Facebook-Post wird suggeriert, die eng geparkten Autos stellten eine Brandgefahr dar: „Schaut man genauer hin, erkennt man, dass auch der Abstand von fünf Metern zwischen den Fahrzeugen nicht vorhanden ist […]. Man stelle sich vor, nur eines dieser Fahrzeuge geriete in Brand, es würde eine Kettenreaktion geben, schlicht eine Katastrophe“, heißt es darin. Von Elektroautos und speziell deren Akkus geht keine höhere Brandgefahr aus als von Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Das schreibt uns eine Pressesprecherin des Fraunhofer Instituts für Kurzzeitdynamik in Freiburg, wo unter anderem die Belastungsgrenzen für Elektro-Autobatterien untersucht wurden, per E-Mail. Sie erklärt auch: „Eine Selbstentzündung der Batterie ohne externe Einwirkung ist äußerst unwahrscheinlich. In der Regel haben Batteriebrände externe Ursachen, z. B. mechanische Einwirkung bei einem Unfall.“ Dicht geparkte Elektroautos können eine Kettenreaktion auslösen, sollte eines davon anfangen zu brennen – dasselbe gelte aber auch für herkömmliche Fahrzeuge. Zudem haben wir Volker Blandow, Leiter Elektromobilität beim TÜV Süd, nach der Brandgefahr gefragt. Auch er hält es nicht für realistisch, dass die Batterien sich von selbst entzünden. Er schreibt uns per E-Mail, dass sich Batterien zudem innerhalb einiger Wochen von selbst entladen. Sie seien dann „weit weniger reaktiv“. Bernd Biank, der Käufer der StreetScooter, erklärte uns außerdem am Telefon, dass er auf die Besorgnis einiger Anwohner reagiert und die Autos habe umstellen lassen, sodass sie nun in mehreren Blöcken stünden, zwischen denen ein Abstand von fünf Metern liege. Die StreetScooter wurden von einem Tochterunternehmen der Deutschen Post produziert. Einem Artikel der Automobilwoche zufolge wird die Produktion noch bis zum Jahresende 2022 fortgeführt. Eigentlich sollte sie bereits 2020 „wegen hoher Verluste“ beendet werden, heißt es in dem Artikel. Auch der Tagesspiegel berichtete 2020 darüber. Die Post wolle aber weiter auf E-Antriebe umstellen. Edenhofer, der Sprecher der Deutschen Post, schreibt uns, dass von den aktuell 57.000 Fahrzeugen der Deutschen Post und DHL „über 15.000 Elektrofahrzeuge“ seien. Laut einer Pressemitteilung von April 2021 sollen aus diesen 15.000 in den nächsten vier Jahren 37.000 werden. Die Behauptung, die Post hätte Elektromobilität als „unbrauchbar erkannt“, ist also falsch. Redigatur: Matthias Bau, Alice Echtermann
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Steffen Kutzner
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Fotos eines „Autofriedhofs“ beweisen nicht, dass die Post E-Mobilität für unbrauchbar halte. Die Autos wurden durch Nachfolgemodelle ersetzt.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-07-16T08:57:11+02:00
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2021-07-16T08:57:11+02:00
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2021-07-16T08:57:11+02:00
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Fotos eines „Autofriedhofs“ mit E-Autos der Deutschen Post seien der Beleg, dass die Post Elektromobilität als „unbrauchbar“ betrachte. Von den dicht stehenden Autos gehe eine Brandgefahr aus.
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viraler Facebook-Beitrag
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2021-06-29 00:00:00
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https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=6033221683362165&id=100000231808154
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Fotos zeigen tatsächlich ausrangierte Elektroautos der Deutschen Post. Diese wurden jedoch durch das Nachfolgemodell ersetzt und weiterverkauft. Dass sich Batterien von selbst entzünden, ist unwahrscheinlich – und der Käufer der Fahrzeuge hat inzwischen nach eigenen Angaben für größere Abstände gesorgt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/07/16/fotos-zeigen-ausrangierte-elektroautos-der-deutschen-post-die-durch-ein-nachfolgemodell-ersetzt-wurden/
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Nein, dieses Bild zeigt keinen E-Auto-Friedhof in Frankreich
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In den Sozialen Netzwerken verbreitet sich das Bild von einem angeblichen E-Auto-Friedhof in Frankreich. Nach Recherchen von CORRECTIV.Faktencheck stehen die Autos jedoch in China. Ob sie weiterhin genutzt werden, ist unklar. von Matthias Bau Auf Facebook (hier, hier, hier und hier), Twitter und Reddit verbreitet sich ein Bild von kleinen weißen Autos, die auf einer Wiese stehen. Versehen ist das Bild häufig mit dem Kommentar: „Hier ist ein E-Auto-Friedhof in Frankreich. Niemand will ein gebrauchtes Elektroauto kaufen, wenn die Batterie raus ist.“ Anders als behauptet, stehen die Autos aber in China und nicht in Frankreich. Sie gehören den Unternehmen Kandi und Microcity. Presseanfragen von CORRECTIV.Faktencheck, ob die Autos noch Akkus enthalten, ließen sowohl Kandi als auch Microcity unbeantwortet. Auf Reddit kommentiert ein User das Bild des angeblichen E-Auto-Friedhofs mit den Worten: „Das sind 100 prozentig chinesische Wagen, elektrische Leihwagen von Kandi. Ob sie in China oder Frankreich stehen, kann ich nicht sagen.“ Wir nahmen diesen Hinweis auf und suchten zunächst nach dem Suchbegriff „Kandi electric rentals“ (Kandi elektrische Leihwagen). Bei der Firma Kandi handelt es sich nach eigenen Angaben um einen chinesischen Autohersteller und -verleiher. Laut Medienberichten plante die Firma im Jahr 2020, eine Flotte von 300.000 E-Leihautos zu bauen. Die Bilder der Autos, die wir über die Suche finden, sehen denen auf dem Bild in Sozialen Netzwerken sehr ähnlich. Die grün-weißen Fahrzeuge sind auch auf dem Bild, das sich auf Facebook verbreitet, gut zu erkennen. Als nächstes suchten wir nach dem Ursprungsbild, diesmal in Kombination mit dem Suchbegriff „Kandi electric rental“. Bei der Suche stoßen wir auf den Blog Shanghaiist. Dort finden sich Bilder, die dem Ursprungsbild aus den sozialen Netzwerken ähnlich sehen. Auf dem Blog heißt es, die Autos stünden am Qiantang-Fluss am Rand der chinesischen Stadt Hangzhou. Wir vergleichen die Bilder auf der Seite von Shanghaiist mit dem Bild, dass auf Facebook verbreitet wird. Auf dem Facebook-Bild sind im Hintergrund ein weißes Hausdach, Strommasten und ein weiteres weißes Gebäude zwischen Bäumen zu erkennen. Diese Merkmale finden sich auch auf zwei Bildern von Shanghaiist wieder. Das legt nahe, dass sie am gleich Ort, nur aus unterschiedlichen Perspektiven, aufgenommen wurden. Den Faktencheckern der AFP ist es gelungen, den genauen Standort, an dem sich die Autos befinden, über den Dienst „Zoom Earth“ ausfindig zu machen. Die Autos stehen demnach tatsächlich am Rande der Stadt Hangzhou entlang des Flusses Qiantang. Ob sich in den Autos keine Batterien mehr befinden, wie in den Sozialen Medien behauptet wird, lässt sich nicht sagen. Laut der Webseite Scmp, gehören die Autos nicht Kandi, sondern dem Unternehmen Microcity, das die Autos angeblich weiterhin benutzen wolle. Verschiedene chinesischsprachige Berichte deuten laut Scmp aber darauf hin, dass die Autos tatsächlich ausrangiert wurden. Eine entsprechende Presseanfrage von CORRECTIV.Faktencheck ließen sowohl Kandi als auch Microcity unbeantwortet. Update 15. Juli 2021: Wir haben die Bewertung angepasst und von „Größtenteils falsch“ in „Falscher Kontext“ geändert. Redigatur: Steffen Kutzner, Till Eckert
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Matthias Bau
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In den Sozialen Netzwerken verbreitet sich das Bild von einem angeblichen E-Auto-Friedhof in Frankreich. Die Autos stehen jedoch in China.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2021-07-14T16:58:34+02:00
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2021-07-14T16:58:34+02:00
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2021-07-19T10:21:02+02:00
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Ein Bild zeige einen E-Auto-Friedhof in Frankreich. Die Autos enthielten keine Batterien mehr.
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Facebook-Beitrag
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2021-08-07 00:00:00
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https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=121842300121961&id=100068885749477
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Falscher Kontext
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Größtenteils falsch. Die Autos stehen nicht in Frankreich, sondern in China. Ob sie Batterien enthalten, ist unklar.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/07/14/nein-diese-bild-zeigt-keinen-e-auto-friedhof-in-frankreich/
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Nein, die Produktion einer Tesla-Batterie verursacht keine 17 Tonnen CO2
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Angeblich verursache die Produktion einer Tesla-Batterie mehr CO2 als ein Verbrennungsmotor auf 200.000 Kilometer, wird auf Facebook behauptet. Das stimmt nicht, wie unser Faktencheck zeigt. von Matthias Bau Auf Facebook kursiert ein Bild mit Text, auf dem es heißt: „Die Produktion einer Tesla-Batterie stößt 17 Tonnen CO2 aus. Also so viel wie ein Verbrenner in 200.000 km seiner Lebenszeit.“ Bisher wurde der Beitrag 10.000 Mal geteilt. Eine Recherche von CORRECTIV.Faktencheck zeigt: Die Behauptung ist falsch. Ein Auto mit Verbrennungsmotor produziert durchschnittlich mehr als 35 Tonnen CO2 auf 200.000 Kilometer. Die Produktion einer Batterie für ein Elektrofahrzeug des Herstellers Tesla verursacht hingegen im schlechtesten von uns berechneten Fall 13 Tonnen CO2-Emissionen. Um zu überprüfen, ob der Vergleich korrekt ist, haben wir zunächst berechnet, wie viel CO2 ein Auto mit Verbrennungsmotor im Durschnitt auf 200.000 Kilometer verursacht. Laut dem Kraftfahrtbundesamt waren am 1. Januar 2021 in Deutschland 48,2 Millionen PKW mit einem Durchschnittsalter von 9,8 Jahren zugelassen. Zahlen des Bundesumweltamtes zufolge verbrauchten PKW und Kombis im Jahr 2019 durchschnittlich 7,4 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Dabei handelt es sich um einen Mittelwert, unabhängig von der Art des Kraftstoffs (Benzin oder Diesel). Bei der Verbrennung eines Liters Diesel entstehen laut der Helmholtz-Gemeinschaft etwa 2,65 Kilogramm CO2, bei einem Liter Benzin etwa 2,37 Kilogramm CO2. Anhand dieser Angaben können wir den CO2-Ausstoß eines Autos mit Verbrennungsmotor auf 200.000 Kilometer berechnen. Wenn ein Auto im Schnitt auf 100 Kilometern 7,4 Liter Kraftstoff verbraucht, dann verbraucht es auf 200.000 Kilometern 14.800 Liter. Den Gesamtverbrauch an Kraftstoff multiplizieren wir mit der Menge CO2, die laut der Helmholtz-Gemeinschaft entsteht, wenn ein Liter Diesel beziehungsweise ein Liter Benzin verbrannt wird. Im Ergebnis entstehen bei der Verbrennung von 14.800 Litern Benzin 35,076 Tonnen CO2. Bei der Verbrennung von Diesel sind es 39,220 Tonnen CO2. Die Behauptung im Facebook-Beitrag ist demnach falsch: ein Verbrennungsmotor verursacht im Schnitt auf 200.000 Kilometern etwa doppelt so viel CO2 wie darin behauptet wird. Als nächstes schauen wir uns an, ob die angegebenen 17 Tonnen CO2, die bei der Produktion einer Tesla-Batterie entstehen sollen, korrekt sind. In Elektroautos werden sogenannte Lithium-Ionen Batterien verbaut. Der Hersteller Tesla vertreibt Elektroautos mit verschieden großen Batterien. Der Energiegehalt der Batterien liegt laut Medienberichten zwischen 50 und 130 Kilowattstunden. Batterien stoßen selbst – anders als die Verbrennung von Kraftstoff – kein CO2 aus, aber bei ihrer Produktion werden Energie und Rohstoffe verbraucht. Als Emissionsquellen von Treibhausgasen nennt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung von Januar 2020 beispielsweise den Abbau der für die Batterie-Produktion benötigten Rohstoffe. Das sind zum Beispiel Lithium oder Kobalt. Wie viel CO2 bei der Herstellung dieser Batterien verursacht wird, ist nicht so eindeutig zu beantworten. Ein Bericht der Universität Eindhoven geht davon aus, dass bei der Produktion zwischen 40 und 100 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde Energiegehalt der Batterie anfallen. CO2-Äquivalent ist eine Maßeinheit, mit der der Einfluss verschiedener Treibhausgase auf die Erwärmung der Erde so umgerechnet werden kann, dass er mit dem Erwärmungspotential von CO2 vergleichbar ist. Eine Studie des schwedischen Umweltforschungsinstituts, die im Jahr 2019 überarbeitet wurde, kam auf Werte zwischen 61 und 106 Kilogramm CO2-Äquivalente Emissionen pro Kilowattstunde Energiegehalt der Batterie, die produziert wird. Die Studie bezieht ebenfalls den Abbau der benötigten Rohstoffe mit ein, aber auch, aus welchen Quellen der Strom stammt, der bei der Produktion verwendet wird. Wir berechnen den CO2-Ausstoß für den ungünstigsten Fall, also für eine 130 Kilowattstunden starke Batterie und einen Ausstoß von 106 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde bei der Produktion dieser Batterie. Das ergibt 13 Tonnen CO2. Der Wert liegt somit immer noch deutlich unter dem auf Facebook angegebenen und ist etwa dreimal so niedrig wie derjenige, der sich in unserer Berechnung für einen Verbrennungsmotor auf 200.000 Kilometern ergeben hat. Ein Faktencheck der DPA kam zu dem gleichen Ergebnis wie wir. Laut des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung verursacht die Produktion eines Elektroautos mehr Emissionen als die Produktion eines Diesel- oder Benzinfahrzeugs. Die Nutzung des Elektroautos verursache dann aber wesentlich weniger Emissionen, so dass es am Ende „über seine Lebensdauer 15 bis 30 Prozent niedrigere Treibhausgasemissionen“ verursache als ein konventioneller PKW. Update 7. Juli 2021: Wir haben den Satz ergänzt, dass es sich bei dem angegebenen Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern um einen Mittelwert unabhängig von der Art des Kraftstoffs (Benzin oder Diesel) handelt. Redigatur: Till Eckert, Alice Echtermann
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Matthias Bau
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Die Produktion einer Tesla-Batterie verursache mehr CO2 als ein Verbrennungsmotor auf 200.000 Kilometer, wird auf Facebook behauptet. Das stimmt nicht.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-07-06T16:16:02+02:00
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2021-07-06T16:16:02+02:00
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2021-07-16T12:53:17+02:00
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Die Produktion einer Tesla-Batterie stoße 17 Tonnen CO2 aus, so viel wie ein Verbrennungsmotor auf 200.000 Kilometer.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2021-03-06 00:00:00
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https://www.facebook.com/photo.php?fbid=551095509387682&set=a.106488957181675&type=3&theater
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Falsch
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Falsch. Die Produktion einer Tesla-Batterie verursacht keine Emissionen von 17 Tonnen CO2. Ein Verbrennungsmotor produziert zudem auf 200.000 Kilometern durchschnittlich deutlich mehr als 17 Tonnen CO2.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/07/06/nein-die-produktion-einer-tesla-batterie-verursacht-keine-17-tonnen-co2/
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Keine Belege, dass in den letzten fünf Jahren 130 Menschen in Deutschland durch Jäger umgekommen seien
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Auf Facebook wird die Behauptung verbreitet, in den vergangenen fünf Jahren seien in Deutschland 130 Menschen durch Jäger umgekommen, durch Wölfe seit 40 Jahren jedoch niemand in ganz Europa. Das stimmt so nicht – ein Faktencheck. von Steffen Kutzner Am 1. Juni 2021 veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin ein Bild, auf dem behauptet wird, dass in den letzten fünf Jahren in Deutschland „über 130 Menschen durch Jäger ums Leben“ gekommen seien, durch Wölfe sei jedoch seit 40 Jahren in ganz Europa niemand gestorben. Quellen dafür werden nicht genannt. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland 130 Menschen durch Jäger getötet worden sind. Wir haben beim Bundesministerium für Landwirtschaft, beim Bundesministerium für Umwelt, beim Bundesministerium für Inneres und beim Statistischen Bundesamt nachgefragt, ob es Daten dazu gibt. Die Behörden teilten uns mit, dass sie keine Daten speziell zu Jagdunfällen erheben, beziehungsweise nicht dafür zuständig sind. Nur zu Unfällen mit Waffen insgesamt werden Zahlen erhoben. Diese werden in der Todesfallstatistik des Statistischen Bundesamts erfasst. Wir haben uns die letzten fünf verfügbaren Todesfallstatistiken des Bundesamtes für Statistik angeschaut und konnten mittels einer Suche nach dem Wort „Waffe“ insgesamt 4.115 Todesfälle durch Schusswaffen in den Todesfallstatistiken 2015 bis einschließlich 2019 finden. Diese Zahlen beziehen sich jedoch nicht spezifisch auf Unfälle mit Jagdwaffen, sondern schließen zum Beispiel auch tödliche Unfälle durch Waffen von Polizisten, Soldaten oder Waffensammlern mit ein. Das ist auch auf der Webseite des Deutschen Jagdverbandes zu lesen. Der Deutsche Jagdverband erhebt selbst Daten zu Jagdunfällen. „Wir werten seit 21 Jahren die Meldungen über Jagdunfälle mit Waffen von der Nachrichtenagentur DPA aus“, erklärt Torsten Reinwald, Pressesprecher und stellvertretender Geschäftsführer des Jagdverbandes uns per E-Mail. Seit dem Jahr 2000 habe es demnach 65 tödliche Unfälle mit Jagdwaffen gegeben. Insgesamt gibt es derzeit etwa 385.000 aktive Jägerinnen und Jäger in Deutschland. An der Jagd unbeteiligte Menschen, die beispielsweise von Querschlägern getroffen werden, sind laut Reinwald jedoch nur sehr selten von Jagdunfällen betroffen: Der Verband habe dafür vier tödliche Fälle seit dem Jahr 2000 verzeichnet, wie er in einer E-Mail an uns erklärt. Alle anderen Jagdunfälle betrafen die Jäger selbst. Reinwald nennt auch einen Grund für die geringen Fälle: „Der Grundsatz bei der Jagd lautet: Nur was ich genau ansprechen kann, darf ich erlegen. Ansprechen bedeutet: Ich muss Art, Geschlecht und Alter des Tieres beurteilen, bevor ich schieße.“ Ein Schuss ins Dickicht sei verboten, so Reinwald. Tatsächlich kommt es dennoch mitunter zu genau solchen Szenarien. Dass in den letzten fünf Jahren 130 Menschen durch Jäger umgekommen seien, belegen die Daten des Jagdverbandes und auch die Todesfallstatistik des Statistischen Bundesamts also nicht. Andere Daten listet die Tierschutzorganisation Peta auf ihrer Webseite: Dort sind Jagdunfälle und Gesetzesverstöße von Jägern seit dem Jahr 2013 in Deutschland, Österreich und der Schweiz verzeichnet und mit Links zu entsprechenden Medienberichten belegt. Die Liste beinhaltet Ereignisse bis zum Dezember 2020. Auch diese Daten belegen jedoch keine 130 gestorbenen Personen in den vergangenen fünf Jahren. In der Medienberichtsliste von Peta tauchen zwischen 2015 und 2020 rund 30 Fälle mit einem tödlichen Ausgang in den drei Ländern auf. Doch nicht alle davon betreffen Unfälle bei der Jagd, sondern einige zum Beispiel Familien- oder Nachbarschaftsstreits mit tödlichem Ausgang, bei denen Jäger beteiligt waren. Und bei vielen der Vorfälle hätten sich Jäger selbst tödlich verletzt – und nicht andere. Insgesamt bleiben 15 Jagdunfälle mit tödlichem Ausgang übrig, die Peta zwischen 2015 und 2020 anhand von Medienberichten listet. Der größte Teil davon betrifft Jäger, die sich versehentlich selbst oder an der Jagd Beteiligte erschossen hätten. In nur drei dieser Fälle geht es um an der Jagd unbeteiligte Menschen, die im öffentlichen Raum durch Jäger umgekommen seien. In zwei weiteren Fällen sollen Jäger, versehentlich, zuhause Familienmitglieder erschossen haben. Auch die Auflistung von Peta belegt folglich nicht, dass 130 Menschen in fünf Jahren durch Jäger ums Leben gekommen wären. Woher die Zahl in dem Facebook-Beitrag stammt, bleibt unklar. Denkbar wäre jedoch, dass jemand die Zahlen zu Unfällen mit Schusswaffen der Todesfallstatistiken von 2015 bis 2019 addiert hat: Man kommt dabei auf die Zahl 137. Wie bereits erläutert, handelt es sich dabei jedoch nicht nur um Jagdunfälle, sondern auch um andere Arten von Unfällen mit Waffen, etwa denen von Soldaten oder Polizisten. Was Angriffe von Wölfen betrifft, gibt die Studie „The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans“ (Deutsch: Die Angst vor dem Wolf: Eine Übersicht über Wolfsangriffe auf Menschen) des Norwegischen Instituts für Naturforschung aus dem Jahr 2002 einen Überblick. Darin werden Berichte über Wolfsangriffe auf Menschen in Europa zusammengetragen und dem Grunde nach untersucht. Die Studie wurde von den Forschern und Forscherinnen im Jahr 2021 um eine Folgestudie ergänzt, die sich nur auf die Jahre 2002 bis 2020 konzentriert. Die Studie aus dem Jahr 2002 kommt zu folgendem Ergebnis: In Deutschland gab es seit dem 17. Jahrhundert keine Wolfsangriffe mehr (Seite 20 im PDF). Zuletzt war 1674 eine Frau von einem tollwütigen Wolf getötet worden (Seite 61 im PDF). In Bremen wurde zwar 1977 ein Kind von einem Wolf getötet, dabei handelte es sich jedoch um ein kurz zuvor entlaufenes Zootier, das in Gefangenschaft aufgewachsen war, wie der Weser-Kurier berichtete. Zwischen 1950 und 2000 gab es zudem in ganz Europa lediglich neun tödliche Wolfsangriffe auf Menschen, fünf davon durch die in weiten Teilen Europas inzwischen ausgerottete Tollwut verursacht, keiner davon geschah in Deutschland (Seite 6 im PDF). Die Studie berichtet von einem Fall in Lettland, der sich 1985 oder 1986 ereignete. Damals wurde im Kreis Aizkraukle im Süden des Landes ein älterer Mann von einem mit Tollwut infizierten Wolf gebissen und starb kurz darauf. Ob an den Verletzungen oder an der Tollwut, ist unklar (Seite 61 im PDF). Im Jahr 1980 starb zudem eine ältere Frau in Estland nach einem Angriff durch einen tollwütigen Wolf (Seite 17 im PDF). Zwischen 2002 und 2020 gab es der Folgestudie aus dem Jahr 2021 zufolge in Europa keinen einzigen Fall eines tödlichen Wolfsangriffs (ab Seite 18 im PDF). Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fasst zusammen: „Ein Angriff durch einen Wolf, wie auch durch andere Wild-, Nutz- oder Haustiere, kann niemals völlig ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch äußerst gering.“ Das Bundesministerium für Umwelt bestätigte uns per E-Mail: „Seit der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland und dem ersten Nachweis eines Rudels im Jahr 2000 wurden keine Angriffe auf Menschen gemeldet.“ Es gibt aber vereinzelte Berichte über tödliche Angriffe auf Haustiere und durchaus Angriffe auf Nutz- und Weidevieh, wie etwa Schafe, die in den vergangenen Jahren in Deutschland zugenommen haben. Dass in Deutschland in den letzten fünf Jahren 130 Menschen durch Jäger getötet worden wären, ist unbelegt. Wir konnten keine Zahlen finden, die das bestätigen. Stattdessen gibt es Berichte über einige tödliche Jagdunfälle, die jedoch fast ausschließlich die beteiligten Jäger selbst betreffen. Dass durch den Wolf seit 40 Jahren niemand mehr in Europa getötet worden ist, stimmt nicht ganz, obwohl solche Vorfälle absolute Ausnahmen sind. Update, 01. Juli 2021: Wir haben nach einem Hinweis durch eine Leserin einen Satz zu einem Vorfall ergänzt, bei dem 1977 ein entlaufener Wolf aus einem Zoo einen Menschen in Bremen getötet hatte. Redigatur: Uschi Jonas, Till Eckert
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Steffen Kutzner
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Sind seit 2015 in Deutschland 130 Menschen durch Jäger umgekommen, durch Wölfe aber in ganz Europa niemand? Das stimmt so nicht.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2021-06-24T17:13:20+02:00
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2021-06-24T17:13:20+02:00
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2021-09-29T15:11:01+02:00
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In den letzten fünf Jahren seien in Deutschland 130 Menschen durch Jäger umgekommen, durch Wölfe jedoch in ganz Europa seit 40 Jahren niemand.
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Facebook-Beitrag
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2021-01-06 00:00:00
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https://www.facebook.com/photo.php?fbid=4549855701694559&set=a.231921300154709&type=3&theater
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Es gibt keine Belege dafür, dass in Deutschland 130 Menschen durch Jäger umgekommen sind. Jagdunfälle werden nicht offiziell erfasst. In den vergangenen 40 Jahren gab es in Europa zwei belegte Wolfsangriffe auf Menschen, die tödlich endeten.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/06/24/keine-belege-dass-in-den-letzten-fuenf-jahren-130-menschen-in-deutschland-durch-jaeger-umgekommen-seien/
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Pünktlich zur Sommerhitze: Irreführende Collage mit Wetterkarten der „Tagesschau“ wird erneut verbreitet
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Steigen im Sommer die Temperaturen, taucht regelmäßig ein Bild in den Sozialen Netzwerken auf: eine Collage mit Wetterkarten. Sie soll zeigen, dass die Medien angeblich ihre Farbgestaltung verändern, um hohe Temperaturen dramatischer aussehen zu lassen. Das Bild ist irreführend. von Alice Echtermann Aktuell wird eine Collage mit drei Wetterkarten auf Facebook verbreitet. Ein Beitrag des AfD-Politikers Sven Tritschler, stellvertretender Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion in NRW, wurde mehr als 1.100 Mal geteilt. Inzwischen hat Tritschler ihn wieder gelöscht. Die Collage kursiert seit drei Jahren in unterschiedlichen Versionen und ist irreführend. Die Wetterkarten zeigen verschiedene Dinge und lassen sich nicht vergleichen. Zudem wurde das unterste Bild in der aktuellen Version der Collage manipuliert: Der glühend rote Hintergrund wurde nachträglich eingefügt. Die oberen beiden Bilder zeigen Ansichten aus der Sendung „Tagesschau“. Die Kombination tauchte erstmals im Sommer 2019 auf. Der Vorwurf: Die Sendung habe die Farbgestaltung ihrer Wetterkarten über die Jahre verändert, so dass dieselben Temperaturen, die 2009 in Grün dargestellt wurden, 2019 in Rot dramatischer wirken. Das stimmt nicht. Wie wir schon 2019 in einem Faktencheck recherchiert haben, zeigen die Wetterkarten unterschiedliche Teile der Wettervorhersage, die in jeder „Tagesschau“-Sendung eingeblendet werden: einmal die Temperaturvorhersage für den nächsten Tag und einmal die Wettervorschau für die drei darauffolgenden Tage. In einer „Tagesschau“-Sendung vom 17. August 2009 beispielsweise ist zu sehen, dass es auch damals für den nächsten Tag, den 18. August, eine „rote“ Temperaturkarte gab. Die „Tagesschau“ benutzte also auch 2009 schon rote Farbe für hohe Temperaturen. Die Vorschau für die danach kommenden drei Tage ist anders gestaltet, weil sie nicht nur Temperaturen anzeigt, sondern einen generellen Wetterüberblick gibt. Etwa ein Jahr nach unserem ersten Faktencheck, im Juni 2020, tauchten die „Tagesschau“-Wetterkarten wieder in Sozialen Netzwerken auf. Diesmal kombiniert mit einem dritten Bild, das jedoch nicht von der „Tagesschau“ stammte, sondern von dem Sender „Weather Channel“. Der Vergleich ergab keinen Sinn, da es sich um unterschiedliche Sendungen handelte. Auch in der aktuell kursierenden Version der Grafik wurde die „Tagesschau“-Collage um ein drittes Bild ergänzt. Es zeigt ein Logo der Seite Wetter.de (unten links im Bild), die zur RTL Mediengruppe gehört. Diese Sendung ist also nicht mit der „Tagesschau“ vergleichbar. Außerdem wurde der Hintergrund des Fotos manipuliert. Darüber berichtete die DPA in einem Faktencheck. Der älteste Facebook-Betrag, den wir per Google-Bilderrückwärtssuche mit dieser Version der Collage fanden, ist vom 20. August 2020. Die Jahreszahlen im untersten Bild wurden nachträglich eingefügt. In einer aktuellen Version steht dort „2021“. Das Bild stammt aus einer Sendung von RTL. Das mutmaßliche Original tauchte im August 2019 auf Twitter auf, und man sieht: Ursprünglich war der Hintergrund ein Sonnenuntergang über dem Meer. Die manipulierte Version mit dem Feuer im Hintergrund fand die DPA in einem Beitrag im Sozialen Netzwerk VK vom 5. Juli 2020. Auf unsere Anfrage an die Pressestelle von RTL meldete sich der Meteorologe Christian Häckl bei uns, der die Sendung moderiert. Er bestätigte, dass das Bild mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund das Original sei, auch wenn die Rottöne in dem Standbild auf Twitter bereits etwas verstärkt wurden. Es handele sich um den Wetterbericht der Hauptnachrichten „RTL aktuell“ um 19.05 Uhr. Als Beleg schickte Häckl uns die Originalsendung vom 22. August 2019 als Video zu: Redigatur: Matthias Bau, Tania Röttger Update, 22. Juni 2021: Wir haben den Faktencheck um weitere Informationen von RTL ergänzt.
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Alice Echtermann
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Eine Collage soll belegen, dass Medien die Farbe ihrer Wetterkarten verändern, um zu manipulieren. Doch das Bild ist selbst manipuliert.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-06-21T17:30:56+02:00
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2021-06-21T17:30:56+02:00
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2021-06-22T16:24:00+02:00
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Die „Tagesschau“ habe die Farben ihrer Wetterkarten in der Sendung verändert. Hohe Temperaturen, die 2009 in Grün dargestellt wurden, seien 2019 in Rot gestaltet. Ein anderer Sender zeige als Hintergrund des Wetterberichts Feuer.
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virale Facebook-Beiträge
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2021-06-13 00:00:00
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https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1938915849618679&set=a.115696141940668&type=3&theater
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Falsch
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Falsch. Die Farben der Wetterkarten der „Tagesschau“ wurden nicht von Grün auf Rot geändert. Es handelt sich um zwei verschiedene Arten von Vorhersagen. Das dritte Bild stammt von RTL und wurde manipuliert.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/06/21/puenktlich-zur-sommerhitze-irrefuehrende-collage-mit-wetterkarten-der-tagesschau-wird-erneut-verbreitet/
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Nein, der Physikprofessor Nir Shaviv hat den Klimawandel nicht als „Schwindel“ entlarvt
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In den Sozialen Netzwerken wird ein Artikel geteilt, der mit mehreren Behauptungen den Klimawandel in Frage stellt. Sie sind falsch. von Matthias Bau Ein Artikel der Webseite Freie Welt, der den menschengemachten Klimawandel infrage stellt und bereits im Jahr 2019 geteilt wurde, verbreitet sich aktuell erneut auf Facebook (hier und hier). In dem Artikel, der zum größten Teil eine Kopie eines im Dezember 2018 erschienen Textes der Webseite Legitim ist, wird behauptet, CO2 sei für den Klimawandel unbedeutend, das Landeis am Südpol sei zwischen 1992 und 2008 gewachsen, die Eisbärpopulation am Nordpol verzeichne „Rekordzahlen“ und ein Forscher habe sich wegen eines gefälschten Klimadiagramms vor Gericht verantworten müssen. Unser Faktencheck zeigt: Die Behauptungen sind falsch und werden ohne Belege verbreitet. Der menschengemachte Klimawandel und die Bedeutung von Treibhausgasen wie CO2 ist wissenschaftlich belegt, der Wissenschaftler Michael E. Mann wurde nicht wegen eines gefälschten Diagramms vor Gericht verurteilt und das Landeis am Südpol schrumpf laut Daten der Nasa seit dem Jahr 2002. Bereits die Überschrift des Artikels auf Freie Welt ist falsch. Dort heißt es, der Physikprofessor Nir J. Shaviv von der Hebräischen Universität in Jerusalem habe vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Richtig ist, dass Shaviv als Sachverständiger im November 2018 an einem „öffentlichen Fachgespräch des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit“ teilnahm, wie auf der Seite des Bundestages zu lesen ist. Bei einem Ausschuss handelt es sich um eine Arbeitsgruppe, an der nur ein kleiner Teil der Bundestagsabgeordneten teilnimmt. In dem Artikel auf der Webseite Freie Medien wird unter anderem behauptet, es sei „unwissenschaftlich“ von einem menschengemachten Klimawandel zu sprechen, weil sich in der Atmosphäre der Erde nur wenig CO2 befinde. Diese Behauptung ist falsch, sie lässt wichtige Informationen über Treibhausgase wie CO2 außer Acht und beruht zudem auf falschen Daten. Im Text wird behauptet, die Atmosphäre setze sich aus „78 % Stickstoff, 21% Sauerstoff, ca. 1 % Edelgase (Argon, Xenon, Neon, Krypton…) und 0,038 % CO2“ zusammen. Die Angabe zum CO2-Anteil ist falsch, wie wir schon 2019 gezeigt haben. Er lag bereits 2019 bei 405 Teilen pro Million, also 0,0404 Prozent. Seitdem ist er weiter angestiegen und liegt aktuell bei 416 Teilen pro Million, wie Daten der Nasa zeigen. Auch die Berechnung in dem Beitrag, die den Anteil des Menschen an dieser Entwicklung darstellen soll, ist irreführend. In dem Beitrag heißt es „Wir haben also 0,038 % CO2 in der Luft. Davon produziert die Natur selbst etwa 96 %. Den Rest, also 4 %, der Mensch. Das sind also 0,00152 % der Luft.“ Die Rechnung ist zwar richtig, lässt aber zwei Dinge außer acht: Zum einen sammelt sich immer mehr vom Menschen verursachtes CO2 in der Atmosphäre an. Bereits im Jahr 2019 teilte uns das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) per E-Mail mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 44 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Atmosphäre verblieben und nicht vom natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden konnten. 29 Prozent des in diesem Zeitraum vom Menschen verursachten CO2 wurde den Angaben des PIK zufolge von der Landvegetation aufgenommen und 22 Prozent von den Ozeanen. Zum anderen ist es unsinnig anzunehmen, dass nur weil der CO2-Teil in der Luft sehr klein ist, ein starker Anstieg keine Auswirkungen haben könne: Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat in einer Faktensammlung zum Klimawandel erklärt, weshalb der geringe Anteil CO2 große Auswirkungen auf das Klima hat. Träfen Sonnenstrahlen auf die Oberfläche der Erde, werde ein Drittel der Strahlen reflektiert, zwei Drittel würden von der Erde „aufgenommen“ und als Wärme wieder abgestrahlt, erklären die Wissenschaftler der Leopoldina in ihrer Veröffentlichung. Dass die abgestrahlte Wärme nicht einfach ins Weltall abgegeben wird, liegt daran, dass die Erde eine Atmosphäre hat, also eine gasförmige Hülle. Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid und Methan in der Atmosphäre sorgen dafür, dass von der reflektierten Strahlung der Sonne nicht alles verloren geht. Das nennt man den natürlichen Treibhauseffekt. „Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt“, schreiben die Forschenden der Leopoldina, „läge die globale Durchschnittstemperatur nicht bei rund 14 Grad Celsius, sondern bei −18 Grad Celsius“. Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2) oder Methan sind für diesen Effekt relevant. Sie sind „infrarotaktive“ Gase, wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten schreibt, das heißt, sie können Wärme speichern. Das, so der Wissenschaftliche Dienst weiter, sei nur bei etwas 0,1 Prozent aller Gase in der Atmosphäre der Fall. Seit Jahren steigt die Konzentration von Treibhausgasen wie Methan oder CO2 in der Atmosphäre. Vor allem der CO2-Gehalt in der Atmosphäre sei so hoch, wie noch nie in den letzten 800.000 Jahren, heißt es in dem Papier der Leopoldina. Zu diesem Ergebnis kam auch der Weltklimarat in seinem Bericht aus dem Jahr 2014. Durch diese Veränderung der Zusammensetzung der Atmosphäre komme es zu einem Energieüberschuss und somit zur globalen Erwärmung. Weiter heißt es auf der Seite von Freie Medien, der „Klimaschwindel“ werde mit einem „gefälschten Diagramm“, dem sogenannten Hockeystick-Diagramm des Forschers Michael E. Mann, „vermarktet“. Dieses lasse die „mittelalterliche Wärmezeit“ aus und verzerre so die Darstellung des globalen Klimawandels. Michael E. Mann habe sich wegen Wissenschaftsbetrugs vor Gericht verantworten müssen. Er habe sich jedoch geweigert seine Forschungsdaten offenzulegen, sie seien sein geistiges Eigentum. Auch diese Behauptungen sind falsch. Bereits im September 2019 hat CORRECTIV.Faktencheck in einem Artikel die Behauptungen über Michael E. Mann richtiggestellt. Korrekt ist, dass Mann der Urheber der sogenannten „Hockeyschläger-Kurve“ ist. Die wissenschaftliche Arbeit dahinter veröffentlichte er erstmals 1998. Darin stellte er die Entwicklung der Erdtemperatur dar. Die Kurve zeigt am rechten Ende steil nach oben, weshalb sie ein bisschen aussieht wie ein Hockeyschläger. Die treibende Kraft des Wandels seien im 20. Jahrhundert die Treibhausgase gewesen, schreiben Mann und seine Co-Autoren. Wie die Seite klimafakten.de, eine Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation, schreibt, gab es nach der Veröffentlichung eine wissenschaftliche Kontroverse um die Arbeit. Eine zwölfköpfiges Expertenkomitee, das auf Bitten des Wissenschaftsausschusses des US-Repräsentantenhauses einberufen worden sei, sei 2006 zu dem Ergebnis gekommen, dass der Hauptbefund der Studie plausibel sei: Die Nordhalbkugel habe sich während der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts stärker erwärmt, als während aller vergleichbaren Zeitabschnitte des vorherigen Jahrtausends. Ein Gerichtsverfahren gegen Mann bezüglich der Studie hat es nie gegeben. Mann selbst verklagte aber den Wissenschaftler Timothy Ball – ein pensionierter Professor für Geographie von der University of Winnipeg – der den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bestreitet. In der Klage ging es um verbale Angriffe von Ball gegen Mann aus dem Jahr 2011. Ball sagte, Mann gehöre in Gefängnis. Das Verfahren wurde jedoch wegen Verzögerung eingestellt, zu einem Urteil kam es nie. Eine weitere Behauptung, die in dem Artikel aufgestellt wird, lautet, dass der Eisschild am Südpol „zwischen 1992 und 2008 um 135 Milliarden Tonnen pro Jahr“ gewachsen sei. Außerdem wird behauptet, die „arktische Polarbärenpopulation“ sei auf eine Rekordzahl angewachsen. Beide Behauptungen sind falsch und werden ohne Belege verbreitet. Für die Behauptung über das Eiswachstum in der Arktis wird in dem Artikel keine Quelle genannt. Woher die Daten stammen sollen, konnten wir nicht herausfinden. Daten der Nasa zeigen, dass die Landeismassen sowohl am Süd- als auch am Nordpol seit dem Jahr 2002 zurückgehen (Daten bis April 2021). Auf der Webseite des Deutschen Klima-Konsortiums heißt es mit Verweis auf den Sonderbericht des Weltklimarates, dass Teile des Eispanzers am Südpol starke Verluste zu verzeichnen hätten. Dort gingen „seit 2006 etwa 150 Milliarden Tonnen Eismasse pro Jahr verloren“. Auch für die Behauptung, die Anzahl der Eisbären sei auf einem Rekordhoch, gibt der Artikel keine Quellen an. Eisbären stehen auf der roten Liste der bedrohten Arten und gelten als „gefährdet“. Das bedeutet, dass sie laut der Einschätzung der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) mit einem hohen Risiko vom Aussterben in der freien Natur bedroht sind. Der Organisation zufolge gibt es aktuell nicht nur eine Art von Eisbären, sondern 19 verschiedene Unterarten. Insgesamt sei deren Populationsentwicklung unbekannt. Bei ihren Aussagen beruft sich die IUCN auf Erkenntnisse der Polar Bear Specialist Group. Die Gruppe veröffentlicht regelmäßig Zahlen zu den Beständen der Eisbärpopulationen. Aktuell liegen Zahlen aus dem Jahr 2019 vor, aus denen hervorgeht, dass sich von den 19 Eisbärunterarten lediglich zwei vermehrt haben. Bei vier der 19 Arten ist die Zahl der Tiere gesunken, für acht Arten liegen keine verlässlichen Daten vor und bei fünf Arten ist die Population wahrscheinlich stabil geblieben. Alle aufgestellten Behauptung sind falsch. Der Physikprofessor Nir J. Shaviv sprach nicht vor dem Bundestag, sondern vor einem Fachausschuss, an dem nur wenige Bundestagsabgeordnete teilnahmen. Anders als im Text behauptet, ist die Bedeutung von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid oder Methan für den Klimawandel wissenschaftlicher Konsens. Weil solche Gase Wärme speichern und sich ihre Konzentration in der Atmosphäre erhöht, beeinflussen sie die globale Durchschnittstemperatur. Auch die Behauptung, der Wissenschaftler Michael E. Mann habe sich wegen gefälschter Forschung vor Gericht verantworten müssen, ist falsch und wurde von uns bereits im Jahr 2019 widerlegt. Mann hatte den den Wissenschaftler Timothy Ball wegen verbaler Angriffe verklagt, zu einer Verhandlung kam es nie. Dafür, dass das Eis in der Arktis zwischen 1992 und 2008 gewachsen sein soll, fanden wir keine Belege. Daten der Nasa und des Weltklimarates zeigen, dass das Eis seit 2002 beziehungsweise 2006 schrumpft. Die Behauptung über das Wachstum der Eisbärpopulation am Nordpol ist undifferenziert. „Die Eisbären“ gibt es nicht, sondern 19 Unterarten, deren Populationen sich nicht einheitlich entwickeln. Update 25. Juni 2021: Wir haben die Aussage korrigiert, die Berechnung des vom Menschen verursachten CO2-Anteils an der Luft in dem Artikel sei falsch. Die Rechnung ist korrekt. Sie führt allerdings in die Irre, weil sie suggeriert, dass ein kleiner Teil der Luft keine großen Auswirkungen auf das Klima haben könnte. Wir haben in unserem Text außerdem einen Absatz ergänzt, der erklärt, dass das durch Menschen verursachte CO2 in Teilen in der Atmosphäre verbleibt. Redigatur: Steffen Kutzner, Till Eckert
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Matthias Bau
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In den Sozialen Netzwerken wird ein Artikel geteilt, der mit mehreren Behauptungen den Klimawandel in Frage stellt. Sie sind falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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2021-06-18T10:58:25+02:00
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2021-06-18T10:58:25+02:00
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2023-05-24T17:04:28+02:00
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Ein Diagramm, das den globalen Temperaturanstieg zeige, sei gefälscht. Sein Urheber, Michael E. Mann, sei deswegen vor Gericht verklagt worden. Die Menge des Landeises am Südpol sei zwischen 1992 und 2008 um 135 Milliarden Tonnen jährlich gewachsen und die Zahl der Eisbären am Nordpol sei auf einem Rekordhoch. CO2 und andere Treibhausgase trügen nicht zum Klimawandel bei.
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Freie Medien
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2019-04-12 00:00:00
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https://freie-medien.tv/endlich-physik-professor-entlarvt-klimaschwindel-vor-dem-deutschen-bundestag/
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Falsch
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Falsch. Der Wissenschaftler Michael E. Mann wurde nicht wegen eines gefälschten Diagramms vor Gericht gestellt, die Eismasse an den Polen schrumpft laut der Nasa seit 2002. Die Rolle von CO2 für den Klimawandel ist wissenschaftlich anerkannt. Die Zahl der Eisbären ist nicht auf einem Rekordhoch.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/06/18/nein-ein-physikprofessor-hat-den-klimawandel-nicht-als-schwindel-entlarvt/
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Keine Hinweise, dass ausrangierte Elektroautos aus Paris den Boden vergiften
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Auf Facebook verbreitet sich die Behauptung, dass ausrangierte Elektroautos aus Paris auf einer Wiese stehen und „verrotten“ würden. Weil die Autos immer noch Batterien enthalten würden, könnten sie nicht recycelt werden und würden nun den Boden „vergiften“. Das ist laut französischen Medienberichten falsch. von Matthias Bau Auf Facebook verbreiten sich Fotos ausrangierter Elektroautos, die auf einer Wiese stehen. Die Wagen sollen aus Paris stammen und nun angeblich zu hunderten „verrotten“ und „den Boden vergiften“, wie ein Nutzer behauptet. Weil sie angeblich immer noch Batterien enthielten, könnten sie nicht recycelt werden. Bisher wurde der Beitrag über 4.200 Mal geteilt (Stand 19. Mai). Tatsächlich wurden die Batterien aber entfernt. Nach Recherchen von CORRECTIV.Faktencheck sind die Bilder echt, die Autos sind laut französischen Medienberichten in der Region Romorantin-Lanthenay unter freiem Himmel abgestellt worden. Eine Gefahr für die Umwelt stellen sie voraussichtlich aber nicht dar, da die Batterien aus den Autos entfernt worden seien. Durch eine Bilder-Rückwärtssuche bei Google finden wir auf Anhieb zwei französischsprachige Berichte, die die gleiche Aufnahme enthalten wie der Facebook-Beitrag. Ein Bericht stammt vom öffentlich-rechtlichen französischen Radiosender Franceinfo, bei dem anderen Beitrag handelt es sich offenbar um einen Blog-Artikel. Wie aus dem Bericht von Franceinfo hervorgeht, handelt es sich bei den Autos um ausgemusterte Elektroautos aus Paris, Bordeaux und Lyon. In Paris wurden sie demnach vom Anbieter Bolloré unter dem Namen Autolib gemeinsam mit der Stadt Paris zum Car-Sharing angeboten. Wie mehrere deutschsprachige Medien übereinstimmend berichten, wurden im Großraum Paris etwa 4.000 der Elektroautos zur Miete angeboten. Das Angebot wurde laut des Spiegels jedoch im Jahr 2018 eingestellt, weil es zu einer Verschuldung von mehreren hundert Millionen Euro gekommen sei. In dem Facebook-Beitrag heißt es, dass die Auto erst recycelt werden könnten, wenn die Batterien ausgebaut seien. Mit „dem Problem der Batterien“ wolle sich bisher aber keine Firma beschäftigen. So komme es nun zu der angeblichen Umweltverschmutzung. Diese Aussage ist laut französischsprachigen Medienberichten falsch. Wie Franceinfo berichtet, befinden sich die Autos nach ihrer Ausmusterung auf einem Industriegebiet in Romorantin-Lanthenay. Dem Bericht zufolge gehören sie zwei Unternehmen der Firmen „Autopuzz“ und „Atis Production“. Einen Manager des Unternehmens Atis Production zitiert das Medium mit den Worten: „Unsere Fahrzeuge sind ordnungsgemäß gelagert […]. Alle Batterien wurden entfernt, die Anschlüsse sind isoliert.“ (Übersetzt mit Google Translate). Laut eines weiteren Berichts von Franceinfo vom März 2021 kam die Regionaldirektion für Umwelt, Entwicklung und Wohnen der Region Centre-Val de Loire bereits 2019 zu dem Einschätzung, dass das Risiko einer Umweltverschmutzung nach dem Entfernen der Batterien „sehr begrenzt“ sei (übersetzt mit Google Translate). Diese Aussage bestätigte die Behörde gegenüber den Faktencheckern der AFP am 18. Mai 2021. Einig der Autos enthielten jedoch noch Brems- oder Getriebeflüssigkeit, schreibt Franceinfo. Das sei der Fall, weil die Autos nicht zur Verschrottung vorgesehen seien, erklärte ein Manager von Atis Production gegenüber Franceinfo. Das Unternehmen Autopuzz erklärte gegenüber Franceinfo, dass man im Monat etwa 50 der Wagen verkaufe. Man werde bald 2.000 der insgesamt 2.800 Gebrauchtwagen verkauft haben. CORRECTIV.Faktencheck kontaktierte die Unternehmen und die Regionaldirektion von Centre-Val de Loire zum Thema, hat jedoch bis zur Veröffentlichung dieses Textes keine Antworten erhalten. Redigatur: Till Eckert, Steffen Kutzner
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Matthias Bau
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Ausrangierte E-Autos aus Paris stehen seit Jahren auf einer Wiese. Bilder davon verbreiten zusammen mit einer falschen Behauptung im Netz.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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2021-05-19T16:59:02+02:00
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2021-05-19T16:59:02+02:00
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2021-06-18T11:33:44+02:00
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Ausrangierte Elektroautos aus Paris würden verrotten und den Boden vergiften.
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Viraler Facebook-Post
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2021-05-16 00:00:00
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https://www.facebook.com/jeff.borer.54/posts/119164500285004
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Die gezeigten Bilder sind zwar echt und die Autos stammen größtenteils aus Paris – doch französischen Medienberichten zufolge wurden die Batterien aus den Autos entfernt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/19/keine-hinweise-dass-ausrangierte-elektroautos-aus-paris-den-boden-vergiften/
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Was kostet das Fahren mit Elektroautos? Facebook-Beitrag geht von unrealistisch hohen Verbrauchswerten und Strompreisen aus
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Auf Facebook wird eine irreführende Berechnung verbreitet: Das Laden eines Elektroautos koste angeblich mehr als einen Euro pro Kilowattstunde – somit liege der Preis für eine Ladung bei mehr als 87 Euro, und 100 Kilometer zu fahren koste 29 Euro. Damit werden die Kosten für Elektromobilität übertrieben dargestellt. von Alice Echtermann In einem Facebook-Beitrag, der bisher mehr als 2.000 Mal geteilt wurde, wird behauptet: Weil der Stromtanksäulen-Betreiber Ionity im Januar den Preis auf 1,09 Euro pro Kilowattstunde (kWh) erhöht habe, koste ein üblicher Ladevorgang eines Elektroautos nun mehr als 87 Euro. Der Preis pro 100 Kilometer liege bei 29 Euro. Diese Darstellung ist nach unseren Recherchen irreführend. Es fehlt wesentlicher Kontext und die Werte, die der Berechnung zugrunde liegen, sind unrealistisch hoch angesetzt. Ionity ist ein Joint-Venture verschiedener großer Automobilkonzerne, darunter BMW und Mercedes-Benz. Es stellt ein Netzwerk von öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos zur Verfügung. Ionity verspricht dabei besonders kurze Ladezeiten. Laut einer Preisliste auf der Webseite kostet die Kilowattstunde in Deutschland für Direktkunden aktuell 79 Cent. Wie kommt es also zu der Behauptung, der Preis von Ionity betrage 1,09 Euro? Im Dezember 2020 und Januar 2021 gab es tatsächlich Medienberichte über die geplante Preiserhöhung (hier, hier und hier). Konkret hieß es, diese gelte ab Mitte Januar 2021. Die Preiserhöhung kam aber nicht von Ionity selbst, sondern von dem Mobilitätsanbieter Plugsurfing. Plugsurfing ist eine Art Abrechnungssystem für Besitzer von Elektroautos, mit denen diese bei verschiedenen Anbietern von Ladesäulen tanken können – also auch bei Ionity. Die App navigiert das Fahrzeug zur nächsten Ladesäule, und man bezahlt zentral über Plugsurfing anstatt direkt an die verschiedenen Ladesäulenbetreiber. Anfang des Jahres schaffte Plugsurfing sein Abo-Modell für Deutschland ab und führte Festpreise ein. Und hier gilt dann tatsächlich seit dem 15. Januar 2021, dass die Kilowattstunde an Ionity-Säulen 1,09 Euro kostet. Es ist also nicht so, dass eine Kilowattstunde Strom für ein Elektroauto überall 1,09 Euro kostet. Dieser Preis gilt nur, wenn man an einer Ionity-Schnellladesäule tankt und über Plugsurfing bezahlt. An anderen Ladesäulen nimmt Plugsurfing pro kWh 49 Cent (reguläres Laden, Wechselstrom) oder 59 Cent (Schnellladen, Gleichstrom). Grundsätzlich speichern Batterien von Elektroautos nur Gleichstrom (DC). AC-Ladesäulen liefern Wechselstrom (AC), also muss der Strom vom Auto umgewandelt werden. DC-Ladesäulen wie die bei Ionity, wandeln selbst den Strom um, weshalb das Laden schneller geht. Ein Preis von einem Euro pro kWh, wie der Tarif von Plugsurfing, ist nicht üblich. Preise um die 40 Cent pro kWh sind realistischer. Der ADAC listet auf seiner Webseite verschiedene Tarife von Ladesäulenbetreibern auf. Ein Preisvergleich ist schwierig, denn teilweise werden die Preise auch nach Ladezeit abgerechnet, und manche Betreiber haben monatliche Grundgebühren. Von denjenigen in der Liste des ADAC, die pro Kilowattstunde berechnen, nimmt aber keiner mehr als 50 Cent pro kWh. Das Onlineportal „Lichtblick“ nannte in einer Auswertung im Oktober 2020 Preise zwischen 31 und 52 Cent. Wer sein Auto mit der DC-Technologie schneller aufladen wolle, zum Beispiel an einer Schnellladesäule von Ionity, zahle mehr. In dem Facebook-Beitrag wird weiter behauptet, ein Ladevorgang von 80 kWh sei „bei einem größeren Akku an der Tagesordnung“. Wenn diese Ladung 87,20 Euro koste, seien das bei einer „geladenen Reichweite von 300 Kilometern“ 29 Euro pro 100 Kilometer. Diese Rechnung setzt voraus, dass das Elektroauto auf 300 Kilometer 80 kWh verbraucht. Das sind 26,7 kWh pro 100 Kilometer. Das mag auf manche Modelle zutreffen, die meisten Elektroautos verbrauchen aber viel weniger. Der ADAC hat im Januar 2021 einen Test veröffentlicht, bei dem der Stromverbrauch verschiedener Elektroautos pro 100 Kilometer gemessen wurde. Die Hälfte lag unter 20 kWh. Mehr als 26 kWh verbrauchten lediglich drei Modelle, gebaut von Jaguar, Mercedes und Nissan. In dem ADAC-Testbericht wird die Kapazität der Batterien der verschiedenen Elektroautos nach Herstellerangabe angegeben. Manche haben kleine Batterien mit etwa 32 kWh, andere sehr große mit mehr als 90 kWh. Die Reichweite von Elektroautos hänge aber nicht nur mit der Größe der Batterie zusammen. Manche Autos seien effizienter als andere. Zudem benötigten manche Batterien durch sogenannte Ladeverluste mehr Strom als offiziell angegeben, um voll zu laden. So hat ein Mercedes EQC 400 AMG Line eine 80-kWh-Batterie, brauchte aber im ADAC-Test 93 kWh, um voll geladen zu sein. Mit dieser Ladung kam das Auto dann 335 Kilometer weit. Pro 100 Kilometer verbrauchte das Auto also rund 28 kWh. Dieselbe Reichweite von 335 Kilometern hatte laut ADAC jedoch auch ein Renault Zoe R135 Z.E. mit einer 52-kWh-Batterie. Dieses Modell brauchte im Test 64,3 kWh, um voll geladen zu sein. Das Auto verbrauchte also rund 19 kWh pro 100 Kilometer. Fazit: Die Rechnung in dem Facebook-Beitrag stellt die Kosten für das Fahren mit Elektroautos übertrieben dar – sie nimmt einen besonders hohen Strompreis (1,09 Euro pro kWh) und einen hohen Verbrauch durch das Auto (26,7 kWh pro 100 Kilometer) als Beispiel. Eine Beispielrechnung mit Preisen im Mittelfeld zeigt, dass die Kosten deutlich niedriger ausfallen können: Mit einem Stromverbrauch von 20 kWh pro 100 Kilometer und einen Strompreis von 40 Cent pro kWh, würden 100 Kilometer nur acht Euro kosten. Redigatur: Tania Röttger, Till Eckert
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Alice Echtermann
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Auf Facebook wird behauptet, 100 Kilometer mit einem Elektroauto zu fahren koste 29 Euro. Die Berechnung ist jedoch irreführend.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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2021-05-18T16:38:29+02:00
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2021-05-18T16:38:29+02:00
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2021-06-18T09:55:02+02:00
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Der Strom-Ladesäulen-Betreiber Ionity habe zum 15. Januar 2021 seine Preise auf 1,09 Euro pro Kilowattstunde erhöht. Ein üblicher Ladevorgang von 80 kWh koste damit 87,20 Euro. Bei einer Reichweite von 300 Kilometern entspreche das einem Preis von 29 Euro pro 100 Kilometer.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2021-04-21 00:00:00
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https://www.facebook.com/photo.php?fbid=4446299702065933&set=a.212200108809268&type=3&theater
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Fehlender Kontext
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Fehlender Kontext. Die Berechnung geht von besonders hohen Werten zu Strompreisen und Stromverbrauch von Elektroautos aus. Es gibt deutlich günstigere Preise.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/18/was-kostet-das-fahren-mit-elektroautos-facebook-beitrag-geht-von-unrealistisch-hohen-verbrauchswerten-und-strompreisen-aus/
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Nein, es gab keine 20.000 Insolvenzanträge in der ersten Maiwoche 2021
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Gab es Anfang Mai 2021 besonders viele Insolvenzanträge? Das wird in zwei Facebook-Beiträgen behauptet, die tausendfach geteilt werden. Allerdings basiert die Behauptung auf einer falschen Interpretation der Daten im Portal für Insolvenzbekanntmachungen. von Tania Röttger In zwei Facebook-Beiträgen vom 9. Mai (hier und hier) wird behauptet, in der ersten Maiwoche seien in Deutschland 20.453 Insolvenzen beantragt worden. Als Quelle dient das Portal für Insolvenzbekanntmachungen, das vom Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen verantwortet wird. Tatsächlich sind dort für die betreffende Woche 20.434 Einträge gelistet (Stand: 12. Mai). Allerdings sind das keine Insolvenzanträge, sondern Bekanntmachungen, von denen es mehrere in einem Insolvenzverfahren geben kann. Die Zahl der Insolvenzen pro Monat in Deutschland liegt wesentlich niedriger und ist während der Pandemie eher zurückgegangen. Ein Grund hierfür liegt mutmaßlich darin, dass 2020 die Insolvenzantragspflicht für diejenigen, die staatliche Corona-Hilfen beantragt haben, ausgesetzt war. Manche befürchten, dass es seit dem Ende dieser Maßnahme zu einer Welle von Insolvenzen kommen könnte. Ein solcher starker Anstieg der Insolvenzen ist aber bisher nicht zu erkennen. Die hohe Anzahl Treffer im Portal für Insolvenzbekanntmachungen, die die Facebook-Beiträge zitieren, erscheint nur, wenn in der Suchmaske „Alle Bekanntmachungen innerhalb des Verfahrens“ ausgewählt werden. Gelistet werden dann zum Beispiel auch Termine oder Abweisungen von Insolvenzanträgen. Daniel Bergner, Geschäftsführer vom Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands, erklärt die Funktionsweise des Portals am Telefon mit CORRECTIV.Faktencheck. „Insolvenzanträge werden in Deutschland nicht öffentlich gemacht“, sagt er. Denn zum Beispiel könnten auch Gläubiger – also Personen und Unternehmen, denen etwas geschuldet wird – beim Amtsgericht einen Antrag auf Insolvenz stellen. Daher prüfe das Gericht zunächst, ob überhaupt eine Insolvenz vorliege. Bergner sagt, Sicherungsmaßnahmen seien relevante Bekanntmachungen in einem Verfahren, die öffentlich gemacht werden müssen. Während der gerichtlichen Prüfung, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird oder nicht, gibt es häufig diese sogenannten Sicherungsmaßnahmen. Für die Zeit der Prüfung setzt das Gericht dann einen vorläufigen Insolvenzverwalter ein, um betroffene Gläubiger zu schützen, damit das vorhandene Geld des Schuldners – oder die „Masse“, wie es im Insolvenzjargon heißt – gesichert wird. Im Zeitraum vom 1.5. bis 7.5.2021 haben Gerichte 142 Sicherungsmaßnahmen angeordnet. Ein anderer Wert, der etwas über einzelne Verfahren aussagt, sind Eröffnungen der Insolvenzverfahren vor einem Gericht, davon gab es in der ersten Maiwoche 2.412. Allerdings beziehen sich diese Bekanntmachungen auf Insolvenzanträge, die schon Wochen oder sogar Monate vor dem entsprechenden Zeitraum eingereicht wurden. Das Justizministerium verweist auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck auf ein Register der Humboldt-Universität Berlin. Dieses liefere eine Annäherung an die Anzahl der gestellten Insolvenzanträge von Unternehmen. Im Zeitraum zwischen 1. Mai und 7. Mai 2021 wurden demnach 246 Anträge gestellt. Tatsächlich hat es seit Beginn der Corona-Pandemie weniger Insolvenzen als üblich gegeben. Zahlen vom Statistischen Bundesamt bestätigen das. Ein Grund dafür sei, teilte das Bundesamt im Dezember mit, dass die Insolvenzantragspflicht vom 1. März bis 30. September 2020 für zahlungsunfähige Unternehmen ausgesetzt war. Seit Beginn der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie im März 2020 hat sich (mit einer Ausnahme) die Zahl der Insolvenzen im Vergleich zu den Vorjahresmonaten verringert. Das betrifft sowohl Unternehmen als auch Privatinsolvenzen von Verbrauchern. So gab es beispielsweise im Oktober 2020 laut Statistischem Bundesamt insgesamt rund 4.000 Insolvenzen, das sind 56 Prozent weniger als im Oktober 2019. Im Februar 2021 hat sich dieser Trend geändert, da gab es insgesamt 11.185 Insolvenzen und eine Zunahme von 37,5 Prozent im Vergleich zu Februar 2020. Allerdings bezieht sich diese Zunahme nur auf Verbraucher, nicht auf Unternehmen. Ein Grund dafür ist offenbar, dass Anfang des Jahres eine entscheidende Gesetzesänderung in Kraft trat. Menschen, die Privatinsolvenz angemeldet haben, können nun schon nach drei Jahren Restschuldbefreiung beantragen, anstatt wie zuvor nach sechs Jahren. Diese Gesetzesänderung verringere für die Betroffenen die negativen Konsequenzen einer Insolvenz, schreibt das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH). Die aktuellsten öffentlichen Zahlen zu Insolvenzen vom Statistischen Bundesamt sind von Februar 2021 (Stand: 14. Mai 2021). Einen Grund für die gesunkene Anzahl von Insolvenzen während der Corona-Pandemie sieht das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in den Hilfsmaßnahmen der Regierung. Diese könnten mit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zu einem Rückstau von Insolvenzen führen, so die Warnung. Die genauen Auswirkungen der Corona-Pandemie lassen sich möglicherweise noch nicht voll erkennen. Die 2020 ausgesetzte Insolvenzantragspflicht war bis zum bis zum 30. April 2021 verlängert worden für jene Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit dem 1. November vorgesehenen Corona-Hilfen noch ausstand. Das IWH betreibt aber auch ein eigenes Insolvenz-Monitoring und veröffentlicht dazu jeden Monat die aktuellen Trends. Demnach lag die Gesamtzahl im April 2021 für Insolvenzen von Unternehmen und Personen bei 769, nochmal deutlich niedriger als 2020. Obwohl sich Anfang Mai das Insolvenzrecht änderte, erwarteten die Forscher des IWH keinen Anstieg von Insolvenzen. Die Ängste vor einer Insolvenzwelle bei Unternehmen seien unbegründet. Eine Pressemitteilung vom 6. Mai zitiert Steffen Müller, der die Insolvenzforschung leitet: „Eine Welle von Unternehmensinsolvenzen mit massiven Jobverlusten aufgrund der Rückkehr zur Insolvenzantragspflicht ist unwahrscheinlich.“ Redigatur: Uschi Jonas, Alice Echtermann Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
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Tania Röttger
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Ein Faktencheck zeigt: Diese Behauptung basiert auf einer falschen Interpretation der Daten im Portal für Insolvenzbekanntmachungen.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2021-05-14T10:15:07+02:00
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2021-05-14T10:15:07+02:00
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2021-05-14T10:15:07+02:00
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Vom 1. bis 7. Mai 2021 habe es in Deutschland 20.453 Insolvenzanträge gegeben.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2021-09-05 00:00:00
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https://www.facebook.com/BerrinBerker/posts/10225734971461241
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Falsch
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Falsch. Die Behauptung basiert offenbar auf einer falschen Interpretation der Insolvenzdatenbank. Die Anzahl der Anträge wird nicht veröffentlicht. Es gab in dem Zeitraum 142 Sicherungsmaßnahmen und 2.412 Eröffnungen.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2021/05/14/nein-es-gab-keine-20-000-insolvenzantraege-in-der-ersten-maiwoche-2021/
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Nein, die Entwicklung des Meereises am Südpol stellt nicht die Wissenschaft über den Klimawandel infrage
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Stellt ein Wachstum des Meereises rund um den Südpol die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel infrage? Das behauptet der Verein Eike. Doch der Artikel ist irreführend; er enthält falsche Aussagen und lässt wichtigen Kontext aus. von Matthias Bau Am 8. April veröffentlichte der Verein „Europäisches Institut für Klima und Energie“ (Eike) einen Artikel, der den Klimawandel infrage stellen soll. Verbreitet wird er auch auf Facebook (hier und hier) und wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bereits 1.800 Mal geteilt. Der Artikel behauptet in der Überschrift, das Meereis „an beiden Polen“ wachse, anstatt zu schrumpfen. Im Text steht dann, das Meereis am Südpol sei „auf einem Höhenflug“ – eine Tatsache, die die „Klimaille“ (mutmaßlich abwertende Bezeichnung für Menschen, die vor dem Klimawandel warnen) „nur schwer erklären“ könne. Der Text ist offenbar eine Übersetzung aus dem Englischen von dem Blog „Ice Age Now“. Das Wachstum des Meereises am Südpol sei nach „der Theorie der globalen Erwärmung“ ein „Ding der Unmöglichkeit“, wird behauptet. Unsere Recherche zeigt: Die Entwicklung des Meereises am Südpol ist kein sinnvoller Indikator für den globalen Klimawandel und gleicht auch nicht den Eisverlust am Nordpol aus, wie im Artikel behauptet wird. Der Artikel verstrickt sich in Widersprüche und lässt wichtigen Kontext weg. So wird etwa in der Überschrift behauptet, das Eis sei an beiden Polen gewachsen, im Text heißt es aber, das Wachstum des Meereises in der Antarktis gleiche „das ‘fehlende’ Eis in und um die Arktis leicht aus“. Zudem fehlt die Information, dass für die Entwicklung des Eises die Meerestemperatur wesentlich wichtiger ist, als die Temperatur der Luft. Über den Verein Eike und seine Verbindung zur amerikanischen Klimawandelleugner-Lobby hat CORRECTIV umfassend berichtet. In dem Artikel heißt es, Satellitendaten zeigten, dass „die Meereisausdehnung um den Südpol in den letzten 40+ Jahren tatsächlich gewachsen“ sei. Aber was ist Meereis und welche Rolle spielt es für das globale Klima? Antworten auf die Fragen finden sich unter anderem auf der Seite meereisportal.de. Bei der Internetseite handelt es sich um eine Kooperation mehrerer Forschungseinrichtungen mit der Universität Bremen. Auf der Seite wird erklärt, dass es sich bei Meereis um gefrorenes Meer-, also Salzwasser, handelt, das auf den Ozeanen schwimmt. Neben dem Meereis gebe es außerdem noch das sogenannte Schelfeis und das Landeis, beides bestehe aus Süßwasser. Ideale Bedingungen für die Bildung von Meereis lägen im Winter vor, Einflussfaktoren für die Bildung von Meereis seien Wind- und Meeresströmungen. Wie viel Meereis es gibt, hänge stark von den Jahreszeiten ab, heißt es auf der Webseite weiter. Wesentlich sei aber auch, ob man den Nordpol (Arktis) oder den Südpol (Antarktis) betrachte. Denn dort seien die Entwicklungen des Eises sehr verschieden. So schreibt das Deutsche Klima-Konsortium auf seiner Internetseite, dass „das Meereis rund um den Nordpol schrumpft“. Sowohl das Eisvolumen als auch die dort mit Eis bedeckte Ozeanfläche sei „seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 stetig zurückgegangen – um durchschnittlich mehr als zehn Prozent pro Dekade“. Für den Südpol lasse sich bisher aber noch kein Trend ausmachen. Auf unsere Anfrage schickte uns das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) eine ausführliche Stellungnahme per E-Mail zu: „In der Antarktis ist seit Beginn der kontinuierlichen Satellitenbeobachtungen im Jahr 1979 in den Monaten November bis Januar ein leicht abnehmender, in den Monaten Februar bis Oktober ein leicht zunehmender Trend im Monatsmittel der Meereisausdehnung zu verzeichnen“. In den Jahren 2016/17 habe die Meereisausdehnung plötzlich stark abgenommen, im Jahr 2020/21 sei „die Eisbedeckung jedoch wieder auf das langjährige mittlere Niveau gestiegen“. Anders als im Beitrag von Eike behauptet, kann man also nicht sagen, dass sich die Entwicklung des Meereises in der Antarktis „auf einem Höhenflug“ befindet. Das zeigt auch eine Grafik, auf die uns Dirk Notz, Professor für Meereis und Kryosphäre an der Universität Hamburg, in einem Telefonat hinweist. Sie wurde mit Hilfe der Daten der zwischenstaatlichen Organisation Eumetsat mit Sitz in Darmstadt erstellt und zeigt die tagesaktuelle Entwicklung des Meereises am Nord- (links) und Südpol (rechts). Im Vergleich ist zu erkennen, dass sich aktuell weniger Meereis am Nordpol (Arctic Sea) bildet (schwarze Linie) als in den 80er oder 90er Jahren (violette und blaue Linien). Für den Südpol (Antarctic Sea) ist keine so eindeutige Entwicklung sichtbar. In dem Artikel von Eike wird außerdem behauptet, dass „die Temperatur auf dem Kontinent [in der Antarktis, Anm. d. Red.] keinen wirklichen Trend“ aufweise. Diese Aussage stimmt, doch ihr fehlt Kontext. In seiner Stellungnahme weist das AWI darauf hin, dass sich die Temperatur am Südpol je nach Gebiet unterschiedlich entwickle: „Es gibt Gebiete, die starke Erwärmung zeigen, insbesondere an der Antarktischen Halbinsel, wo die Temperatur um mehr als 2,5 °C in 50 Jahren angestiegen ist“, schreibt das Institut. Auch der Weltklimarat weist in seinem Sonderbericht darauf hin, dass es zwar keine gleichförmige Entwicklung in allen Teilen der Antarktis gebe. Die östliche Antarktis weise insgesamt keine signifikante Veränderung auf, aber der westliche Teil des Kontinents habe sich erwärmt. Zusammen mit der behaupteten Entwicklung des Meereises suggeriert der Beitrag von Eike, dass die Eismassen am Südpol nicht vom Klimawandel bedroht seien. Doch das Argument führt in die Irre. Übereinstimmend erklären uns Dirk Notz und das AWI, dass die Eisentwicklung des Landeises am Südpol weitgehend unabhängig von der Lufttemperatur sei. Der Südpol besitze im Gegensatz zum Nordpol eine gewisse Resistenz gegenüber Veränderungen der Lufttemperatur. „Während der Arktische Ozean ein Binnenmeer ist, das von Landmassen umsäumt ist, ist die Antarktis ein Kontinent, der von einem Ozean umgeben ist“, erklärt das AWI in seiner Stellungnahme. Zum einen wirke der Eisschild am Südpol wie ein großer Kühlschrank, und zum andere gebe es den sogenannten Antarktischen Zirkumpolarstrom, der die Antarktis umfließt und „den antarktischen Kontinent thermisch isoliert“, wie es bei meereisportal.de heißt. Beides stabilisiere die Region gegenüber klimatischen Veränderungen. Das sei der Grund dafür, sagt uns Dirk Notz, dass für die Eisentwicklung am Südpol die Meerestemperatur wesentlich wichtiger sei als die Lufttemperatur. Für wärmeres Wasser in der Antarktis sorgten „tiefere Meeresströmungen“, die „mehr Wärme in Richtung Antarktis“ transportierten, so das AWI. So werde „insbesondere das Schmelzen von Schelfeis“ (Eis, das sich vom Land ins Wasser erstreckt) beschleunigt. Auf der Webseite des Deutschen Klima-Konsortiums heißt es mit Verweis auf den Sonderbericht des Weltklimarates, dass „Teile des antarktischen Eispanzers“, also des Eises auf dem Festland, starke Verluste zeigten. Dort gingen „seit 2006 etwa 150 Milliarden Tonnen Eismasse pro Jahr verloren“. Der Weltklimarat führt diese Entwicklung auf den globalen Klimawandel zurück. Dazu, dass das Landeis in der Antarktis seit Jahren schrumpft, haben wir auch Anfang 2020 einen Faktencheck geschrieben. Am Ende des Texte behauptet Eike, dass „die Zuwächse in der Antarktis das ‚fehlende‘ Eis in und um die Arktis leicht“ ausgleichen würden. Die Aussage überrascht, da sie in direktem Widerspruch zur Überschrift des Artikel steht. Dort wurde fälschlich behauptet, dass das Meereis an beiden Polen wachse. Inhaltlich ist auch die Aussage, das Eiswachstum am Südpol würde den Verlust am Nordpol ausgleichen, falsch. Darüber hat die Seite klimafakten.de bereits im Juni 2016 geschrieben. Die Webseite ist eine Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation, in ihrem Wissenschaftlichen Beirat sitzen zahlreiche Forschende. Auch das AWI erklärt in seiner Stellungnahme an uns, dass „der Schwund des sommerlichen Meereises am Nordpol deutlich schwerwiegendere Folgen“ für den Energiehaushalt der Erde habe, „als der winterliche Zuwachs am Südpol“. Mit Verweis auf den Bericht des Weltklimarates aus dem Jahr 2013 schreibt klimafakten.de, dass die Ausdehnung des Meereises „zwischen 1979 und 2012“ in der Arktis um etwa 3,8 Prozent pro Jahrzehnt zurückgegangen sei, während in der Antarktis ein Wachstum um nur „etwa 1,5 Prozent pro Jahrzehnt“ zu verzeichnen gewesen sei. Dirk Notz, von der Universität Hamburg, sagt im Telefongespräch, dass man davon ausgehen müsse, dass der Nordpol in 10 bis 30 Jahren zeitweise frei von Meereis sei. Das Alfred-Wegener-Institut erklärt uns per E-Mail: „Geht Landeis oder Inlandeis durch Schmelzen verloren, fließt Schmelzwasser in den Ozean, das den Meeresspiegel ansteigen lässt. Meereis hingegen schwimmt, wie der Name sagt, auf dem Meer; und wenn es schmilzt, hat dies praktisch keine Auswirkungen auf den Meeresspiegel.“ Schmelze beispielsweise das gesamte Landeis von Grönland und der Antarktis, stiege der Meeresspiegel „um mehr als 65 Meter“. Beim Verlust des Meereises sei jedoch der sogenannte Albedo-Effekt und dessen Wirkung auf den Temperaturhaushalt der Erde entscheidend. „Wenn ein Ozean seine Eisbedeckung verliert, nimmt er mehr Wärme auf – denn die helle Eisoberfläche reflektiert einen Großteil der Sonnenstrahlung (Albedo), während das dunkle Wasser sie stärker absorbiert“, so das AWI. Im Sommer sei dieser Effekt aufgrund der Sonneneinstrahlung stärker als im Winter. Das führt zu einem sich selbst verstärkenden Prozess. Gibt es weniger Meereis, wird mehr Strahlung aufgenommen und es kommt zu einer noch stärkeren Eisschmelze. Das ist der sogenannte Eis-Albedo-Rückkopplungseffekt. Laut dem AWI hat dieser Effekt bereits dazu geführt, „dass sich die Arktis doppelt bis dreifach so schnell erwärmt wie der Rest der Erde“. Weil das Meereis am Nordpol vor allem im Sommer zurückgehe, habe das „für den Energiehaushalt der gesamten Erde“ deutlich „schwerwiegendere Folgen als der winterliche Zuwachs am Südpol“. Der Artikel auf der Webseite von Eike ist irreführend: Redigatur: Steffen Kutzner, Alice Echtermann Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
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Matthias Bau
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Die Entwicklung des Meereises am Südpol ist kein sinnvoller Indikator für den globalen Klimawandel und gleicht auch nicht den Eisverlust am Nordpol aus.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-05-11T13:51:46+02:00
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2021-05-11T13:51:46+02:00
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2021-06-18T09:55:26+02:00
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Das Meereis an beiden Polen wachse, anstatt zu schrumpfen; das Meereis am Südpol sei „auf einem Höhenflug“, die Temperatur am Südpol weise keinen klaren Trend auf und der Zuwachs an Eis dort gleiche den Verlust am Nordpol leicht aus.
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Robert W. Felix / Eike
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2021-08-04 00:00:00
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https://www.eike-klima-energie.eu/2021/04/08/im-gegensatz-zum-verbreiteten-glauben-waechst-das-meereis-an-beiden-polen-anstatt-zu-schrumpfen/
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Der Artikel enthält falsche Aussagen und lässt Kontext weg. Die Entwicklung des Meereises am Südpol ist kein geeigneter Indikator für den globalen Klimawandel.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/11/nein-die-entwicklung-des-meereises-am-suedpol-stellt-nicht-die-wissenschaft-ueber-den-klimawandel-infrage/
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Nein, diese Fotos beweisen nicht, dass es Chemtrails gibt
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Ein populärer Verschwörungsmythos besagt, dass Flugzeuge Chemikalien in der Atmosphäre versprühen, um das Klima zu beeinflussen. Seit Jahren ist bekannt, dass das nicht stimmt – Kondensstreifen bestehen vor allem aus Wasserdampf. Doch nun kursieren auf Facebook Fotos, die die Existenz von Chemtrails belegen sollen. Wir haben sie überprüft. von Alice Echtermann Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April einen Beitrag mit 30 Fotos, die angeblich belegen sollen, dass es sogenannte Chemtrails gibt. Sie wurden mehr als 1.700 Mal geteilt. Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsmythos, dass von Flugzeugen verursachte Kondensstreifen am Himmel in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich 2011 ausführlich dazu geäußert: Es gibt keinerlei Belege für diese Theorie. Die 30 Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen ihre angebliche Existenz nicht. Sie werden teils seit Jahren im Kontext des Chemtrail-Mythos verbreitet. Das Umweltbundesamt (UBA) schreibt: Seit 2004 ein Artikel mit dem Titel „Die Zerstörung des Himmels“ in einer Zeitschrift erschienen sei, erreichten das Amt „zahlreiche Anfragen besorgter Bürgerinnen und Bürger“. In dem Artikel ging es darum, dass im Rahmen geheimer Projekte der USA Chemikalien in die Atmosphäre gebracht werden. Das UBA recherchierte daher 2011 beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), bei der Deutschen Flugsicherung, dem Deutschen Wetterdienst und dem Bundesministerium für Verteidigung. Keine der Institutionen, die sich umfassend mit dem Thema Wetter und dem Flugverkehr in Deutschland beschäftigen, habe bestätigen können, dass Flugzeuge Chemikalien zur Beeinflussung des Klimas versprühen. „Das Hauptquartier der US-Luftwaffe Europa teilte mit, dass es die beschriebenen Projekte bei der US-Luftwaffe weder gibt noch gegeben hat“, schreibt das UBA. Theoretische Überlegungen, ob man das Klima mit Hilfe von Chemikalien in der Atmosphäre verändern könne, habe es zwar gegeben. Aber keine dieser Ideen sei umgesetzt worden. Insgesamt seien die Behauptungen über Chemtrails „nicht glaubwürdig“. „Auch auf den verschiedenen Fotos, die Bürgerinnen und Bürger dem UBA zusandten, sind nach Erkenntnis des Amtes langlebige Kondensstreifen und Zirruswolken zu sehen“, erklärt das UBA weiter. Zwei Fotos in dem Facebook-Beitrag (hier und hier) zeigen Muster solcher Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel. Kondensstreifen entstehen laut Umweltbundesamt durch Wasserdampf, der aus den Triebwerken von Flugzeugen ausgestoßen wird. Ist die Luft ausreichend kalt, bilden sich Wolken. „Bei niedriger Feuchte lösen sich Kondensstreifen rasch wieder auf. Ist die Atmosphäre jedoch hinreichend feucht, können Kondensstreifen länger existieren und weiter wachsen. Unter geeigneten Bedingungen können sie sich zu großflächigen Zirruswolken, die im Falle einer solchen Entstehungsgeschichte Contrail-Cirrus heißen, entwickeln.“ Diese sähen am Himmel flächig und milchig weiß aus. Kondensstreifen oder Zirruswolken seien zudem kontraproduktiv, um den Klimawandel zu stoppen – denn sie können nach wissenschaftlichen Erkenntnissen selbst das Klima erwärmen. Laut Umweltbundesamt könnten sich die Wasserdampf-Streifen durch Strömungen in der Atmosphäre verschieben oder verformen. „Da Windrichtung und -geschwindigkeit praktisch nie gleich sind, entstehen aus vormals geraden Mustern gekrümmte Formen. Außerdem fliegen Flugzeuge nicht immer nur geradeaus, sondern auch Kurven, insbesondere während Warteschleifen in Flughafennähe. In diesem Fall können gekrümmte Kondensstreifen entstehen.“ Wir haben die Herkunft aller 30 Bilder in dem Facebook-Beitrag überprüft. Die meisten kursieren seit Jahren in Verbindung mit der Chemtrail-Thematik im Netz. Nur bei einem Foto konnten wir den Ursprung nicht ermitteln. Alle anderen Fotos haben nichts mit Chemtrails zu tun. Die Existenz eines Aufnähers mit der Aufschrift „Team Chemtrail – Spray and Pray“ beweist beispielsweise nicht, dass es Chemtrails wirklich gibt. Man kann den Aufnäher im Internet kaufen, als ironische Anspielung („Damit verwirren Sie garantiert viele Verschwörungstheoretiker!“) und es gibt T-Shirts mit solchen Logos und Schriftzügen. Das Foto, das offenbar eine Armatur eines Flugzeugs mit der Aufschrift „Chemtrails” und einem Schalter zeigen soll, ist laut Faktencheckern von Snopes ein Fake. Mit digitaler Bildbearbeitung sei der Schriftzug eines Panels eines Flugzeugs verändert worden; normalerweise stehe dort „Sterile Light“. Die Fälschung sei unter anderem, so Snopes, an der Schriftart erkennbar, die bei dem Wort „Chemtrails“ anders sei als bei den restlichen Beschriftungen auf dem Foto – gut zu sehen am Buchstaben S. Und eines der Bilder von einem Flugzeug, aus dessen Düsen viel Dampf austritt, fanden wir auf der Webseite „Airliners“ – den Angaben dort zufolge zeigt es eine Boeing von der Fluggesellschaft Emirates. Es handelt sich also um eine zivile Maschine – weshalb so viel Dampf aus ihren Triebwerken austritt, ist unklar. Der Facebook-Beitrag mit den 30 Fotos bedient einen bekannten Verschwörungsmythos. Die Fotos, die die Existenz von Chemtrails beweisen sollen, haben wir zurückverfolgt und bei 29 den Ursprung gefunden: Sie zeigen zivile oder militärische Flugzeuge, Löschflugzeuge, Treibstoff- oder Ballasttanks und Kondensstreifen. Keines der Fotos belegt, dass es Chemtrails gibt. Redigatur: Steffen Kutzner, Till Eckert
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Alice Echtermann
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Um zu belegen, dass Flugzeuge Chemikalien in der Atmosphäre versprühen, werden Fotos verbreitet. Sie sind jedoch kein Beleg für Chemtrails.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Militär",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-05-05T16:48:05+02:00
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2021-05-05T16:48:05+02:00
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2021-06-18T09:55:45+02:00
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30 Fotos von Flugzeugen und Streifen am Himmel sollen beweisen, dass es Chemtrails gibt.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2021-04-18 00:00:00
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https://www.facebook.com/MrDarkDust/posts/121251016726127
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Fotos zeigen unter anderem Kondensstreifen und verschiedene Treibstoff- oder Wassertanks von Flugzeugen. Chemtrails sind ein Verschwörungsmythos.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/05/nein-diese-fotos-beweisen-nicht-dass-es-chemtrails-gibt/
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Keine Chemtrails: Diese Flugzeuge versprühen Chemikalien gegen Insekten oder Ölverschmutzung
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Auf Facebook werden Fotos von Militärflugzeugen, die Chemikalien versprühen, als Beleg präsentiert, dass es sogenannte Chemtrails gebe. Tatsächlich zeigen sie aber Sprüh-Flugzeuge, mit denen Schädlinge oder ausgetretenes Öl im Meer bekämpft werden können. von Alice Echtermann Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April Fotos, die die angebliche Existenz sogenannter Chemtrails belegen sollen. Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsmythos, dass Kondensstreifen am Himmel, die durch Flugzeuge verursacht werden, in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich bereits 2011 ausführlich dazu geäußert und erklärt, dass diese Behauptungen unglaubwürdig sind. Kondensstreifen bestehen aus Wasserdampf, der im Abgas der Flugzeuge enthalten ist. Er kondensiert an Partikeln in der Luft, gefriert in der kalten Atmosphäre und bildet Eiskristalle. Die Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen zudem nicht die Existenz von Chemtrails. Drei davon zeigen zwar tatsächlich Sprüh-Flugzeuge, diese werden jedoch nicht eingesetzt, um das Klima zu beeinflussen, sondern um Gefahren am Boden zu bekämpfen. Eines der Fotos in dem Facebook-Beitrag (siehe Titelbild) zeigt ein fliegendes US-Militärflugzeug, das aus einem dünnen Apparat an seiner Unterseite etwas zu versprühen scheint. Wir fanden das Bild zunächst per Bilder-Rückwärtssuche auf einer Webseite namens „Metabunk“ in einem Hinweis von 2014, dass es ein Flugzeug des Typs C-130 sei. Diese würden eingesetzt, um Pestizide gegen Moskitos zu versprühen. Tatsächlich gibt es verschiedene Berichte über einen solchen Einsatz von Militärflugzeugen, zum Beispiel nach dem Hurricane Harvey 2017 in den USA. Auch ein weiteres Foto in dem Facebook-Beitrag, das Tanks im Inneren eines Flugzeugs zeigt, stammt aus diesem Kontext. Wir fanden es auf der Webseite Chemtrail-Fragen, die sich ebenfalls mit Fakes rund um den Chemtrail-Verschwörungsmythos beschäftigt. In einem dort verlinkten Video der Air Force (ab Minute 1:21) ist das Innere eines solchen Flugzeugs zu sehen. Das Video ist von 2014 und dokumentiert der Beschreibung zufolge ein „Aerial Spray Training“ der MacDill Air Force Base in Florida. Auch auf einer offiziellen Webseite des US-Militärs wird dieses Training erklärt. In einem ganz ähnlichen Video, ebenfalls von 2014, heißt es dort, dass die Sprüh-Missionen dazu dienen, Fliegen oder Moskitos zu bekämpfen, zum Beispiel nach Naturkatastrophen wie Hurricanes. Die Flugzeuge kommen jedoch auch gegen austretendes Öl zum Beispiel auf Ölplattformen zum Einsatz. Auch ein anderes Foto, das auf Facebook verbreitet wurde, stammt mutmaßlich aus dem Inneren eines solchen Sprühflugzeugs. Es zeigt der Webseite Chemtrail-Fragen zufolge Tanks eines Sprühflugzeugs, das unter anderem für „Ölbekämpfung aus der Luft“ eingesetzt werde. Das Foto findet sich in einem Artikel von 2011 über eine Maschine des Typs DC-4. Diese war damals offenbar ebenfalls in Florida im Einsatz, um Dispergiermittel gegen ausgetretenes Öl zu versprühen. Diese Chemikalien bewirken, dass ein Ölteppich zum Beispiel auf einer Wasseroberfläche zersetzt wird, leichter abbaubar ist und nicht mehr so gefährlich wird für Tiere und Pflanzen. Fazit: Es gibt zwar Flugzeuge, die Chemikalien versprühen – aber nicht in der Atmosphäre, um das Klima zu beeinflussen, sondern in Bodennähe, um etwa Waldbrände, Ölteppiche oder Ungeziefer zu bekämpfen. Ein Beleg, dass es Chemtrails gibt, ist das nicht. Die weiteren Fotos aus dem Facebook-Beitrag haben wir in Faktenchecks hier überprüft. Redigatur: Steffen Kutzner, Till Eckert
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Alice Echtermann
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Auf Facebook werden Fotos von Militärflugzeugen, die Chemikalien versprühen, als Beleg präsentiert, dass es sogenannte Chemtrails gebe.
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"Faktencheck",
"Militär",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Militär
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2021-05-05T16:40:43+02:00
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2021-05-05T16:40:43+02:00
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2021-05-05T17:06:16+02:00
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Fotos von Flugzeugen, die etwas versprühen oder Tanks im Inneren haben, seien Belege für Chemtrails.
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Facebook-Beitrag
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2021-04-18 00:00:00
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https://www.facebook.com/MrDarkDust/posts/121251016726127
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Fotos zeigen Flugzeuge, mit denen das Militär Chemikalien gegen Insekten oder Öl versprüht.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/05/keine-chemtrails-diese-flugzeuge-verspruehen-chemikalien-gegen-insekten-oder-oelverschmutzung/
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Chemtrails? Nein, diese Tanks sind lediglich Ballast für Testflüge von Flugzeugherstellern
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Auf Facebook werden Fotos von Tanks an Bord von Flugzeugen als Beleg präsentiert, dass es sogenannte Chemtrails gäbe. Tatsächlich sind die Tanks aber einfach nur Ballast für Testflugzeuge großer Hersteller wie Airbus oder Boeing. von Alice Echtermann Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April Fotos, die angeblich belegen sollen, dass es sogenannte Chemtrails gibt. Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsmythos, dass Kondensstreifen am Himmel, die durch Wasserdampf aus den Düsen von Flugzeugen verursacht werden, in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich bereits 2011 ausführlich dazu geäußert und erklärt, dass diese Behauptungen unglaubwürdig sind. Die Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen zudem nicht die Existenz von Chemtrails. Mehrere davon zeigen Tanks an Bord von Flugzeugen – diese enthalten aber keine Chemikalien zum Versprühen, sondern sind Ballast, um das Gewicht von Ladung oder Passagieren bei Testflügen zu simulieren. Zwei der Fotos (hier und hier) zeigen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Gruppe Personen im Inneren eines Flugzeugs, in dem viele runde Behälter stehen. Die Aufnahmen entstanden nach unseren Recherchen 2014 bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin, die Merkel eröffnete. Das Flugzeug ist den Informationen auf der Webseite der Bundesregierung zufolge ein neuer Airbus A350. Weitere Fotos in dem Facebook-Beitrag (hier, hier, hier und hier) zeigen ganz ähnliche runde Tanks mit rotem Deckel. Eines der Fotos fanden wir zum Beispiel auf der Webseite „Airliners“. Dort wird erklärt, dass es sich um Wassertanks handelt, um bei Testflügen das Gewicht von Passagieren oder Ladung zu ersetzen. Es gibt auch Medienberichte (hier und hier) darüber, dass der Flugzeughersteller Airbus Wassertanks als Gewichte einsetzt, um neue Flugzeuge zu testen. Fotos von Ballasttanks sind offenbar sehr beliebt in Chemtrail-Foren. Auf der Webseite „Chemtrail-Fragen“, die sich mit Fakes rund um den Verschwörungsmythos beschäftigt, findet sich eine große Sammlung solcher Fotos, die zweckentfremdet wurden, um die Existenz von Chemtrails zu beweisen. Auf der Webseite „Metabunk“ wird ebenfalls ausführlich erklärt, was es mit den Tanks auf sich hat. Die Behälter können unterschiedlich aussehen, erfüllen jedoch den gleichen Zweck. Bei einem weiteren Foto aus dem Facebook-Beitrag liefert „Chemtrail-Fragen“ zum Beispiel den Hinweis, dass es sich um einen Ballasttank in einer Boeing 787 handelt. Ein weiteres Foto zeigt offenbar Ballasttanks in einer Boeing 747-8. Ganz ähnliche Bilder finden sich in einem Medienbericht von Wired von 2010 über das damals neue Testflugzeug. Darin wird erklärt, dass die Tanks mit Wasser gefüllt seien. Fazit: Die Tanks an Bord von Flugzeugen enthalten keine Chemikalien, um sie in der Atmosphäre zu versprühen. Sie sind Gewichte, mit denen Hersteller neue Flugzeuge testen, ohne gleich Passagiere an Bord zu nehmen. Die weiteren Fotos aus dem Facebook-Beitrag haben wir in Faktenchecks hier überprüft. Redigatur: Steffen Kutzner, Till Eckert
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Alice Echtermann
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Fotos von Tanks in Flugzeugen werden als Beleg präsentiert, dass es Chemtrails gäbe. Tatsächlich sind die Tanks aber einfach nur Ballast.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2021-05-05T16:38:47+02:00
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2021-05-05T16:38:47+02:00
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2021-05-05T17:05:07+02:00
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Fotos von Tanks im Inneren von Flugzeugen seien Belege für Chemtrails.
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Facebook-Beitrag
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2021-04-18 00:00:00
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https://www.facebook.com/MrDarkDust/posts/121251016726127
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Fotos zeigen Ballasttanks für Testflüge.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/05/chemtrails-nein-diese-tanks-sind-lediglich-ballast-fuer-testfluege-von-flugzeugherstellern/
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Diese Flugzeuge versprühen keine Chemtrails, sondern löschen Waldbrände
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Auf Facebook werden Fotos von Tanks, die in Militärflugzeuge geladen werden, als Beleg für sogenannte Chemtrails verbreitet. Tatsächlich enthalten die Tanks aber eine Löschflüssigkeit gegen Waldbrände. von Alice Echtermann Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April Fotos, die angeblich belegen sollen, dass es sogenannte Chemtrails gibt. Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsglaube, dass Kondensstreifen am Himmel, die durch Wasserdampf aus den Düsen von Flugzeugen verursacht werden, in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich bereits 2011 ausführlich dazu geäußert und erklärt, dass diese Behauptungen unglaubwürdig sind. Die Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen zudem nicht die Existenz von Chemtrails. Mehrere davon zeigen militärisch aussehende Flugzeuge mit großen Tanks. Diese enthalten aber keine Chemikalien, sondern Löschflüssigkeiten, mit denen Waldbrände bekämpft werden. Ein Foto eines militärisch aussehenden Flugzeugs mit einem großen Tank (siehe Titelfoto) fanden wir in der Bilddatenbank Alamy und bei Wikimedia. Den Angaben in den Datenbanken zufolge handelt es sich bei dem Flugzeug im Hintergrund um eine C-130-Maschine der Air National Guard von North Carolina, sprich der für den Luftraum zuständigen Nationalgarde der Vereinigten Staaten. Das Foto wurde im Mai 2008 in Kalifornien aufgenommen. Der Tank im Vordergrund wird als Modular Airborne Fire Fighting System (MAFFS) bezeichnet, darin befindet sich demnach Löschflüssigkeit. MAFFS-Tanks sind tragbare Feuerlöschsysteme, die in militärische C-130-Flugzeuge eingebaut werden können, um diese zu Löschflugzeugen zu machen und Brände aus der Luft zu löschen. Dasselbe gilt für ein weiteres Foto aus dem Facebook-Beitrag, in dem Tanks in ein ähnliches Flugzeug des US-Militärs verladen werden. Auch dieses Bild findet man in der Alamy-Datenbank; es wurde im Juni 2008 in Kalifornien aufgenommen. In Kalifornien gab es 2008 Medienberichten zufolge schwere Waldbrände. Die weiteren Fotos aus dem Facebook-Beitrag haben wir in Faktenchecks hier überprüft. Redigatur: Uschi Jonas, Matthias Bau
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Alice Echtermann
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Tanks, die in Militärflugzeuge geladen werden, enthalten eine Löschflüssigkeit gegen Waldbrände. Sie sind kein Beleg für Chemtrails.
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"Faktencheck",
"Militär",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Militär
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2021-05-05T16:20:59+02:00
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2021-05-05T16:20:59+02:00
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2021-05-05T17:09:44+02:00
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Fotos von Tanks, die in Militärflugzeuge verladen werden, seien Belege für Chemtrails.
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Facebook-Beitrag
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2021-04-18 00:00:00
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https://www.facebook.com/MrDarkDust/posts/121251016726127
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Fotos zeigen Tanks mit Flüssigkeit zum Löschen von Waldbränden.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/05/diese-flugzeuge-verspruehen-keine-chemtrails-sondern-loeschen-waldbraende/
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Chemtrail-Anhänger verbreiten Fotos von Treibstofftanks als angebliche Belege für Verschwörung
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Auf Facebook wird behauptet, Fotos von großen Flugzeugtanks seien der Beweis für sogenannte Chemtrails. Tatsächlich enthalten die abgebildeten Behälter jedoch Treibstoff. von Alice Echtermann Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April Fotos, die die angebliche Existenz sogenannter Chemtrails belegen sollen. Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsglaube, dass Kondensstreifen am Himmel, die durch Wasserdampf aus den Düsen von Flugzeugen verursacht werden, in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich bereits 2011 ausführlich dazu geäußert und erklärt, dass diese Behauptungen unglaubwürdig sind. Die Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen zudem nicht die Existenz von Chemtrails. Mehrere davon zeigen sehr große Tanks für Flugzeuge. Diese enthalten jedoch nach unseren Recherchen Treibstoff. Zwei Fotos (hier und hier) zeigen offenbar denselben großen Tank im Inneren eines Flugzeugs. Eines der Bilder stammt von der Webseite „Airliners“ und zeigt den Angaben dort zufolge einen Treibstofftank in einem Flugzeug der britischen Luftwaffe des Typs Vickers VC10. Das Foto stammt von 2013. Flugzeuge dieses Typs wurden unter anderem als Tank-Flugzeuge eingesetzt, transportierten also große Mengen Treibstoff. Auch ein Foto eines anderen Flugzeugs, in das ein großer gelber Tank verladen wird (siehe Titelfoto), zeigt mutmaßlich einen Treibstofftank. Wir konnten ganz ähnliche Aufnahmen aus Russland im Netz finden. Auf den Aufnahmen auf der russischen Webseite sind ebenfalls gelbe Tanks zu sehen, einmal im Inneren eines Flugzeugs und einmal draußen auf dem Rollfeld. Es ist von „Tankern“ die Rede. Auf den Flugzeugen ist ein roter Stern zu erkennen, das Symbol der russischen Luftstreitkräfte. Außerdem sieht man ein Flugzeug mit blauen Streifen an der Seite, das sehr ähnlich aussieht wie das Flugzeug im Foto auf Facebook. Die Maschinen werden in dem russischen Bericht als Transportflugzeuge bezeichnet. Die weiteren Fotos aus dem Facebook-Beitrag haben wir in Faktenchecks hier überprüft. Redigatur: Uschi Jonas, Matthias Bau
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Alice Echtermann
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Auf Facebook wird fälschlich behauptet, Fotos von großen Treibstofftanks für Flugzeuge seien der Beweis für sogenannte Chemtrails.
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"Faktencheck",
"Militär",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Militär
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2021-05-05T16:19:04+02:00
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2021-05-05T16:19:04+02:00
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2021-05-05T17:08:54+02:00
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Fotos von Tanks für Flugzeuge seien Belege für die Existenz von Chemtrails.
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Facebook-Beitrag
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2021-04-18 00:00:00
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https://www.facebook.com/MrDarkDust/posts/121251016726127
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Fotos zeigen Treibstoffbehälter von Tankerflugzeugen.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/05/chemtrail-anhaenger-verbreiten-fotos-von-treibstofftanks-als-angebliche-belege-fuer-verschwoerung/
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Nein, Patente auf Sprühtechnologien für Flugzeuge beweisen nicht, dass es Chemtrails gibt
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Auf Facebook verbreiten sich die Fotos dreier Patente, die angeblich belegen sollen, dass es Chemtrails gäbe. Dieser Verschwörungsmythos besagt, dass Chemikalien in der Atmosphäre verteilt werden, um das Klima zu beeinflussen. Es geht bei den Patenten tatsächlich um Sprühtechnologien – doch ein Beleg für Chemtrails sind sie nicht. von Alice Echtermann Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April Fotos, die angeblich belegen sollen, dass es sogenannte Chemtrails gäbe. Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsglaube, dass Kondensstreifen am Himmel, die durch Wasserdampf aus den Düsen von Flugzeugen verursacht werden, in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich bereits 2011 ausführlich dazu geäußert und erklärt, dass es keinerlei Beweise für diese Theorie gibt. Die Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen zudem nicht die Existenz von Chemtrails. Drei davon zeigen Dokumente von Patenten für Technologien, mit denen Flugzeuge etwas versprühen können. Sie sind jedoch kein Beleg dafür, dass es Chemtrails gibt. Das Umweltbundesamt (UBA) schrieb bereits 2011: Seit 2004 ein Artikel mit dem Titel „Die Zerstörung des Himmels“ in einer Zeitschrift erschienen sei, erreichten das Amt „zahlreiche Anfragen besorgter Bürgerinnen und Bürger“. In dem Artikel ging es darum, dass im Rahmen geheimer Projekte der USA Chemikalien in die Atmosphäre gebracht werden. Das UBA recherchierte daher 2011 beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), bei der Deutschen Flugsicherung, dem Deutschen Wetterdienst und dem Bundesministerium für Verteidigung. Keine der Institutionen, die sich umfassend mit dem Thema Wetter und dem Flugverkehr in Deutschland beschäftigen, konnte demnach bestätigen, dass Flugzeuge Chemikalien versprühen. „Das Hauptquartier der US-Luftwaffe Europa teilte mit, dass es die beschriebenen Projekte bei der US-Luftwaffe weder gibt noch gegeben hat“, schreibt das UBA. Theoretische Überlegungen, ob man das Klima mit Hilfe von Chemikalien in der Atmosphäre beeinflussen könne, habe es zwar gegeben. Aber keine dieser Ideen sei umgesetzt worden. Insgesamt seien die Behauptungen über Chemtrails „nicht glaubwürdig“. Fotos angeblicher Chemtrails seien Kondensstreifen von Flugzeugen oder sogenannte Zirruswolken. Doch was genau zeigen die Patente in dem Facebook-Beitrag? Das erste Bild ist lediglich eine Skizze eines Flugzeugs mit Tanks. Sie stammt von einem Patent für ein System, um Brände aus der Luft zu löschen (Aerial Delivery System). Löschflugzeuge kommen in manchen Ländern bei Waldbränden zum Einsatz. In dem Facebook-Beitrag werden aber noch zwei weitere Dokumente von Patenten aus den 1970er-Jahren gezeigt. Das zweite Bild zeigt ein Patent für ein System namens Centrifugal Aerosol Dispenser Assembly. Es soll dazu dienen, Aerosole (kleinste Partikel) wolkenförmig in die Atmosphäre auszustoßen, zum Beispiel um einer Radarortung zu entgehen. In dem dritten auf Facebook abgebildeten Patent geht es um eine Vorrichtung zur Erzeugung von einer Art „Kondensstreifen“ aus farbigem Pulver (pigment powder). Es soll dabei helfen, Flugzeuge besser zu orten beziehungsweise zu sichten. Keines der drei Patente beweist also, dass es Chemtrails gibt, oder dass Chemikalien in der Atmosphäre versprüht werden, um das Klima zu beeinflussen. Die weiteren Fotos aus dem Facebook-Beitrag haben wir in Faktenchecks hier überprüft. Redigatur: Uschi Jonas, Matthias Bau
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Alice Echtermann
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Patente sollen die Existenz von Chemtrails beweisen. Es geht um Sprühtechnologien – doch den Verschwörungsmythos belegen sie nicht.
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"Faktencheck",
"Militär",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Militär
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2021-05-05T16:17:03+02:00
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2021-05-05T16:17:03+02:00
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2021-05-05T17:08:10+02:00
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Patente auf Sprühtechnologien für Flugzeuge seien der Beleg, dass es Chemtrails gibt.
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Facebook-Beitrag
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2021-04-18 00:00:00
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https://www.facebook.com/MrDarkDust/posts/121251016726127
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Die Patente beziehen sich nicht auf die Beeinflussung des Klimas durch Chemikalien und belegen nicht die Existenz von Chemtrails.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/05/nein-patente-auf-spruehtechnologien-fuer-flugzeuge-beweisen-nicht-dass-es-chemtrails-gibt/
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Nein, das ist keine Düse, um Chemtrails zu versprühen, sondern eine Antenne
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Auf Facebook wird das Foto eines Trichters am Heck eines Flugzeugs verbreitet. Chemtrail-Anhänger scheinen darin so etwas wie eine Düse zu sehen und nutzen das Bild als Beleg für einen Verschwörungsmythos. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Antenne. von Alice Echtermann Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April Fotos, die angeblich belegen sollen, dass es sogenannte Chemtrails gibt. Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsglaube, dass Kondensstreifen am Himmel, die durch Wasserdampf aus den Düsen von Flugzeugen verursacht werden, in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich bereits 2011 ausführlich dazu geäußert und erklärt, dass diese Behauptungen unglaubwürdig sind. Die Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen zudem nicht die Existenz von Chemtrails. Eines davon zeigt einen roten Trichter am Heck eines Flugzeugs. Es wirkt, als zeige es eine Düse, mit der etwas versprüht werden kann. Es handelt sich aber um eine Antenne. Wir suchten nach dem Foto mit Hilfe einer Rückwärtssuche bei Google. So stießen wir unter anderem auf der Webseite „Chemtrail-Fragen“ auf Hinweise, dass das Bild eine militärische Boeing E-6 Mercury zeigen könnte. Die Flugzeuge dieses Typs werden für die US Navy hergestellt. Sie haben am Heck einen roten Trichter (auch hier und hier zu sehen). In einem Video auf Youtube von „US Military News“ wird das trichterförmige Teil am Heck von Nahem gezeigt. Es wird erklärt, dass es sich dabei um eine Antenne handele (ab Minute 3:55). In einem Artikel der spanischen Zeitung El Confidencial von 2017 fanden wir dann dasselbe Foto, das auf Facebook verbreitet wurde, zusammen mit einer Skizze des Flugzeugs. Auch hier wird erklärt, dass der rote Trichter eine Antenne ist. Es handelt sich dabei um sogenannte Schleppantennen, die während des Flugs aus der Maschine herausgelassen werden kann. Auf Nachfrage bestätigte uns zudem ein Pressesprecher von Boeing per E-Mail, dass es sich um eine Antenne handelt, mit der das Flugzeug kommunizieren kann. Die weiteren Fotos aus dem Facebook-Beitrag haben wir in Faktenchecks hier überprüft. Redigatur: Uschi Jonas, Matthias Bau
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Alice Echtermann
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Auf Facebook wird das Foto eines Trichters am Heck eines Flugzeugs verbreitet. Dieser hat jedoch nichts mit Chemtrails zu tun.
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"Faktencheck",
"Militär",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Militär
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2021-05-05T16:14:53+02:00
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2021-05-05T16:14:53+02:00
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2021-05-05T17:07:26+02:00
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Ein Foto eines roten Trichters am Heck eines Flugzeugs sei ein Beleg dafür, dass es Chemtrails gibt.
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Facebook-Beitrag
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2021-04-18 00:00:00
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https://www.facebook.com/MrDarkDust/posts/121251016726127
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Es handelt sich um eine Antenne.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/05/05/nein-das-ist-keine-duese-um-chemtrails-zu-verspruehen-sondern-eine-antenne/
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Behauptung über angeblich nicht zugelassenen nachhaltigen Diesel von Bosch kursiert erneut im Netz
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Das Bundesumweltministerium verweigere Bosch die „Zulassung“ für synthetischen Diesel, heißt es aktuell auf Facebook. Die Behauptung ist alt und größtenteils falsch. Bosch ist ein Autozulieferer, aber kein Kraftstoffhersteller. Zudem gibt es kein Zulassungsverfahren für Kraftstoffe. von Sarah Thust Aktuell wird eine altbekannte Falschmeldung wieder auf Facebook verbreitet: Das „Bundesministerium“ verweigere Bosch die Zulassung für „100 Prozent synthetischen Diesel“, weil sich Deutschland auf Elektromobilität festgelegt habe. Der zehntausendfach geteilte Beitrag ist ursprünglich von November 2019, Kopien davon tauchten jedoch kürzlich wieder auf Facebook auf (hier oder hier). Die Behauptung ist größtenteils falsch. In einer ähnlichen Form haben wir sie bereits 2019 überprüft. Sie bezog sich damals auf den Kraftstoff „Care-Diesel“, der angeblich von der Bundesregierung blockiert wurde. Der Autozulieferer Bosch ist kein Kraftstoffhersteller und deshalb auch nicht für die Zulassung von Kraftstoffen zuständig, erklärte Bosch-Sprecher Joern Ebberg gegenüber CORRECTIV.Faktencheck telefonisch. Vereinzelt nutze Bosch den Biokraftstoff „Care“. Im Facebook-Beitrag sei vermutlich dieser Biokraftstoff gemeint, sagte Ebberg. „Care“-Diesel ist ein synthetischer Kraftstoff aus Rest- und Abfallstoffen (wie altem Öl und Fettresten). Er wird von dem finnischen Unternehmen Neste hergestellt und in Deutschland vom Unternehmen Tool-Fuel vertrieben. Es handelt sich dabei um einen alternativen Diesel-Kraftstoff fürs Auto, der aus hydriertem Pflanzenöl besteht (HVO). „Als Rohstoff zur Produktion von HVO können unterschiedliche Pflanzenöle (Palmöl, Rapsöl etc.) oder Abfallfett der Lebensmittelindustrie, Fischerei und Schlachtereien dienen“, schrieb Frank Brühning, Pressesprecher des Verbandes für Biokraftstoffe CORRECTIV.Faktencheck im Jahr 2020. In Deutschland gibt es kein staatliches Genehmigungsverfahren für Kraftstoffe, wie das Bundesumweltministerium auf seiner Webseite schreibt. Kraftstoffe, die in Deutschland an der Tankstelle verkauft werden, müssen aber dennoch bestimmte Normen erfüllen. Diese Normen werden in die Bundesimmissionsschutz-Verordnung aufgenommen. Die 10. Bundesimmissionsschutz-Verordnung stelle sicher, „dass nur Kraftstoffe verkauft werden dürfen, für die die Fahrzeughersteller einen einwandfreien Betrieb garantieren. Für Kraftstoffe, die vollständig aus Altspeiseöl bestehen, geben die Fahrzeughersteller derzeit keine Freigabe für PKW-Motoren. Wer Kraftstoffe ohne Herstellerfreigabe verwendet, kann sich bei Fahrzeugschäden daher nicht auf die Garantie berufen.“ Die Qualitätsanforderungen sind in Deutschland per DIN-Norm geregelt. Für normale Dieselkraftstoffe gelten die Anforderungen der Norm DIN EN 590. Die „Paraffinischen Dieselkraftstoffe aus Synthese oder Hydrierungsverfahren“, zu denen auch „Care-Diesel“ gehört, seien ebenfalls normiert, allerdings in der DIN EN 15940, erklärte uns Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium im Januar 2020. Sie habe keinen Einzug in das Bundes-Immissionsschutzgesetz gefunden. Die Bundesregierung habe sich aufgrund fehlender Freigaben der Autohersteller dagegen entschieden. In Reinform wird „Care-Diesel“ für Autos in Deutschland also nicht verkauft. Das Unternehmen Tool-Fuel bestätigte uns Anfang 2020, es gebe in Deutschland bisher keine PKW, die eine Herstellerfreigabe für den alternativen Diesel haben. Die gesetzlichen Regelungen jedoch erlauben eine Beimischung von hydrierten Pflanzenölen zu normalem Diesel für Autos von bis zu 26 Prozent, erklärte Stolzenberg weiter. Zudem darf bis zu sieben Prozent Biodiesel aus Altspeiseölen hinzugefügt werden. Insgesamt also bis zu 33 Prozent. Das ist auch immer noch aktuell (hier und hier). Ein solcher gemischter Kraftstoff ist zum Beispiel R33 Blue von Shell – er besteht zu 33 Prozent aus Biokomponenten, ist laut Shell für alle Dieselfahrzeuge zugelassen und in Deutschland seit 2019 im Einsatz. Für die Behauptung des Facebook-Beitrags, alternative Kraftstoffe würden in Deutschland blockiert, um die Elektromobilität zu bevorzugen, gibt es keine Belege. Alternative Kraftstoffe wie Biokraftstoffe, synthetische oder strombasierte Kraftstoffe werden aktuell durch die Treibhausgas-Minderungsquote (THG-Quote) des Bundes-Immissionsschutzgesetzes gefördert. Um die Treibhausgas-Bilanz ihrer Kraftstoffe zu verbessern, mischen die Hersteller ihnen alternative Kraftstoffe bei, erklärt Christopher Stolzenberg vom Umweltministerium uns Ende März per E-Mail: „Als Erfüllungsoptionen können die verpflichteten Unternehmen Biokraftstoffe, synthetische oder strombasierte Kraftstoffe einsetzen. Elektrischer Strom, der in Straßenfahrzeugen eingesetzt wird, ist ebenfalls als Erfüllungsoption zugelassen.“ Sollte sich die Elektromobilität „dynamischer“ entwickeln als erwartet, stellt laut Stolzenberg ein Mechanismus im Gesetz sicher, dass die Quote angehoben wird und „auch weiterhin eine große Menge an alternativen Kraftstoffen gefördert bzw. eingesetzt werden, da alternative Kraftstoffe auch in Zukunft notwendig sein werden, um notwendige THG-Minderungen im Fahrzeugbestand zu erreichen“. „Care“-Diesel ist nach Herstellerangaben zu 100 Prozent regenerativ, da er aus Abfällen erstellt werde. Allerdings fielen für die Herstellung des Kraftstoffes Strom, Gas und Transportkosten an. So kommen CO2-Einsparungen zwischen 50 und 90 Prozent (je nach verwendetem Rohstoff) im Vergleich zu normalem Diesel zustande, wie der Hersteller des Treibstoffs Neste auf seiner Homepage schreibt. Frank Brühning, Pressesprecher des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie, schreibt, die Aussage, der Kraftstoff verursache nur ein Drittel der Schadstoffe, die ein Diesel ausstößt, sei so pauschal falsch. „Mit Palmöl als Rohstoff erreicht HVO [hydriertes Pflanzenöl wie bei „Care-Diesel“, Anm. d. Red.] eine Einsparung des CO2-Ausstoßes von ca. 70 Prozent. Wird Abfallöl, also beispielsweise Frittieröl genutzt, kommt man auf etwa 90 Prozent.“ Allerdings könne mit der Minderung des Schadstoffausstoßes auch gemeint sein, dass weniger Ruß und NOx (Stickstoffoxide) ausgestoßen werden. „HVO kann auch die Ruß- und NOx-Emissionen deutlich reduzieren.“ Der Facebook-Beitrag bringt einige Fakten durcheinander. Bosch stellt keinen synthetischen Diesel-Kraftstoff her, das Unternehmen nutzt laut eigenen Angaben lediglich „Care“-Diesel (aus Öl- und Fettresten) in einigen Fahrzeugen. Es stimmt, dass „Care“-Diesel bisher in Deutschland nicht an der Tankstelle erhältlich ist, der Grund ist jedoch nicht, dass eine Zulassung verweigert wird. Ein Zulassungsverfahren für Kraftstoffe gibt es in Deutschland nicht. Hydrierte Pflanzenöle werden zudem bereits normalen Kraftstoffen beigemischt. Redigatur: Matthias Bau, Alice Echtermann Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
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Sarah Thust
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Deutschland verweigere Bosch die „Zulassung“ für synthetischen Diesel, heißt es auf Facebook. Die Behauptung ist alt und größtenteils falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-04-08T16:56:04+02:00
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2021-04-08T16:56:04+02:00
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2021-06-18T09:56:03+02:00
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Das Bundesministerium verweigere Bosch die Zulassung für synthetischen Diesel, weil sich Deutschland auf Elektromobilität festgelegt habe.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2019-08-11 00:00:00
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https://www.facebook.com/LKR.Bayern/posts/2067800479988639#
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Der Autozulieferer Bosch stellt keinen synthetischen Diesel her, und es gibt keine Zulassungsverfahren für Kraftstoffe.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/04/08/behauptung-ueber-angeblich-nicht-zugelassenen-nachhaltigen-diesel-von-bosch-kursiert-erneut-im-netz/
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Nein, Schnee und Eis ließen Windkraftanlagen in Deutschland nicht stillstehen
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Auf Facebook wird behauptet, dass Schnee und Eis Anfang Februar Windkraftanlagen lahmgelegt hätten. Außerdem seien Millionen von Sonnenkollektoren durch den Wintereinbruch nicht nutzbar. Verbände und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie widersprechen. von Matthias Bau Auf Facebook kursiert seit dem 13. Februar ein Foto einer zugeschneiten Photovoltaikanlage. Versehen ist das Bild mit dem Kommentar: „Millionen von Sonnenkollektoren sind mit Schnee und Eis bedeckt, und eiskaltes Wetter lässt die 30.000 Windkraftanlagen überwiegend stillstehen. Soviel zum ‘Übergang’ zu einer wind- und sonnengetriebenen Zukunft.“ Der Kommentar bezieht sich offenbar auf das Winterwetter, das Anfang Februar in Teilen Deutschlands für starke Schneefälle sorgte. Unsere Recherche ergab: Die Aussage ist größtenteils falsch. Auch wenn einzelne Windräder im Winter stillstanden, hatten Schnee und Eis keine Auswirkung auf die Versorgung mit Strom aus Erneuerbaren Energien, wie der Bundesverband Solarwirtschaft und der Bundesverband Windenergie bestätigen. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie weist die Behauptung zurück. Das gezeigte Foto, das eine zugeschneite Photovoltaikanlage zeigt, stammt zudem aus Russland und nicht aus Deutschland. „Die Behauptung, dass durch Wetterbedingungen Windkraftanlagen im ganzen Land überwiegend stillstehen würden, ist schlichtweg falsch. Am Wochenende des 6. und 7. Februar, als die Temperaturen in Teilen Deutschlands auf -18 Grad sanken, lagen die Stromerzeugungsmengen aus Wind sogar über dem Monatsmittel“, sagt Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie. Vereiste Rotorblätter spielten für die über 31.000 Windkraftanlagen in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Sie würden bei Vereisung automatisch abgeschaltet. In Regionen wie Skandinavien, in denen die Eisbildung eine größere Rolle spiele, gäbe es sogar spezielle „Blattheizungen“, um eine Vereisung zu verhindern, erklärt er. CORRECTIV.Faktencheck hat darüber bereits am 18. Februar berichtet. Susanne Ungrad, Pressesprecherin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, teilte per E-Mail mit, dass „Windenergieanlagen bei den in Deutschland gegeben klimatischen Bedingungen ganzjährig betrieben werden“ könnten. Die Windenergie habe in der ersten Februarwoche „teilweise erhebliche Beiträge für die Stromversorgung“ beigesteuert. In dem Facebook-Beitrag heißt es außerdem, dass „Millionen von Sonnenkollektoren“ mit Schnee und Eis bedeckt seien. Daraus zieht die Nutzerin den Schluss, dass die Energiewende gescheitert sei: „Soviel zum ‘Übergang’ zu einer wind- und sonnengetriebenen Zukunft“, kommentiert sie. Die Behauptung, dass Photovoltaikanlagen im Winter nicht zur Stromerzeugung geeignet seien, weist Karsten Schäfer, Pressesprecher des Bundesverbandes Solarwirtschaft, als „Unsinn“ zurück. Er schreibt per E-Mail: „Sobald die ersten Sonnenstrahlen auf schneebedeckte Module treffen, erwärmen die sich durch die sehr dunklen Solarzellen hinter der glatten Glasoberfläche so schnell, dass die Schneeschicht leicht antaut und durch die Neigung des Moduls sehr schnell komplett herunterrutscht.“ So sei Schnee auf Photovoltaikanlagen „in der Solarwirtschaft kein Thema“. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie teilte CORRECTIV.Faktencheck auf Anfrage mit, dass Photovoltaikanlagen im Winter zwar weniger Strom erzeugten als im Sommer, das sei aber kein Problem, weil dafür die Windenergie im Winter mehr Strom beisteuere. Beide Stromerzeugungsarten ergänzten sich und seien somit „ganzjährig zur Stromerzeugung geeignet.“ Die verschneite Solaranlage, die auf dem Foto auf Facebook zu sehen ist, steht zudem gar nicht in Deutschland. Eine Google-Suche nach dem Bild aus dem Facebook-Beitrag führt zu den Symbolbild-Agenturen Shutterstock und iStock. Der Anzeige bei iStock zufolge ist das Bild dort bereits am 14. Februar 2017 eingestellt worden. Als Urheber ist dort der Name Alexey Murzin angegeben. Gegenüber den Faktenchecker der AFP bestätigte der Fotograf, dass er das Bild nahe der russischen Großstadt Orsk aufgenommen habe. Redigatur: Tania Röttger, Sarah Thust Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
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Matthias Bau
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Schnee und Eis sorgten im Februar nicht dafür, dass Windkraftanlagen und Phozovoltaikanlagen nutzlos wurden.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-03-10T16:43:11+01:00
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2021-03-10T16:43:11+01:00
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2021-06-18T09:56:21+02:00
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Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen würden bei Schnee und Eis stillstehen.
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Facebook-Beitrag
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2021-02-13 00:00:00
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https://www.facebook.com/simone.gaede.3/posts/1367255816958482
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Schnee und Eis haben in Deutschland keine Auswirkungen auf die Stromversorgung durch Erneuerbare Energien. Windenergieanlagen können bei den in Deutschland gegeben klimatischen Bedingungen ganzjährig betrieben werden, Photovoltaikanlagen liefern im Winter weniger Energie.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/03/10/nein-schnee-und-eis-liessen-windkraftanlagen-in-deutschland-nicht-stillstehen/
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Nein, dieses Foto zeigt nicht, wie eine Windkraftanlage mit Chemikalien enteist wird
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Auf Facebook kursiert ein Foto, das angeblich zeigen soll, wie ein Hubschrauber Chemikalien versprüht, um eine Windkraftanlage zu enteisen. Das ist falsch. Das Bild ist mehrere Jahre alt, stammt aus Schweden und der Hubschrauber versprüht heißes Wasser. von Uschi Jonas Ein Foto zeigt die vereisten Rotorblätter eines Windrads und einen Hubschrauber, der offenbar eine Flüssigkeit versprüht. Seit Anfang Februar kursiert dieses Foto auf Facebook (zum Beispiel hier, hier oder hier) und wurde bereits mehrere tausend Mal geteilt. In einem Beitrag heißt es zum Beispiel: „Ein Hubschrauber versenkt jede Menge Kerosin um giftiges Frostschutzmittel auf unsere Ökorettung zu sprühen“. In einem anderen Beitrag wird behauptet, es handle sich um eine Aufnahme aus Deutschland. Unsere Recherchen zeigen: Das Foto stammt nicht aus Deutschland, sondern aus Schweden und ist mehrere Jahre alt. Zu sehen ist eine Enteisung mit heißem Wasser, und nicht mit Chemikalien. In Deutschland findet eine solche Art der Enteisung laut dem Bundesverband Windenergie nicht statt. Auf unsere Anfrage erläutert der Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie e.V. (BWE), Wolfram Axthelm, in einer E-Mail: „Die Aufnahme zeigt die äußerst unübliche Enteisung eines Windrades im Jahr 2016 in Schweden. Dabei wurde heißes Wasser eingesetzt. Eine solche Enteisung wird in Deutschland grundsätzlich nicht durchgeführt.“ Dies teilt der Verband ebenfalls in einer Pressemitteilung mit. Über eine Bilderrückwärtssuche bei Google für das Jahr 2016 in Zusammenhang mit dem Stichwort „Enteisung Windkraftanlage“ auf Schwedisch („Avisning av vindkraftverk“) stoßen wir auf zahlreiche Treffer für das verbreitete Foto. Über eine Google-Suche nach Artikeln zu diesem Thema auf Schwedisch mit den Stichwörtern „Windkraft Enteisung mit heißem Wasser“ („vindkraft avisning med varmt vatten“) stoßen wir auf einen Artikel der Webseite NyTeknik, der exakt das auf Facebook verbreitete Foto zeigt. Der Artikel stammt vom 25. Januar 2015, in der Bildunterschrift steht: „Durch heißes Wasser schmilzt das Eis auf der Turbine. Das Bild wurde während eines Tests im Windpark Uljabuouda im letzten Winter aufgenommen.“ Mutmaßlich stammt das Foto folglich bereits aus 2014; das bestätigt auch eine weitere Bilderrückwärtssuche für den Zeitraum 2014 mit dem Stichwort „Schweden“. Unsere Recherche bestätigt, dass der genannte Windpark in Schweden existiert (Kartenansicht). Als Bild-Quelle wird in dem Artikel von NyTeknik „Alpine Helicopter“ angegeben. Eine Firma mit diesem Namen ist im Norden von Schweden zu finden. In Deutschland spielten vereiste Rotorblätter „eine untergeordnete Rolle“, sagt BWE-Geschäftsführer Axthelm: „Bei normalen Wetterlagen kommt es selbst im Winter kaum vor. Tritt doch Vereisung auf, werden die Anlagen automatisch abgeschaltet und erst wieder in Betrieb genommen, wenn der Eisansatz abgetaut ist.“ 2021 sei es in der Mitte Deutschlands durch eine seit vielen Jahren „einmalige Wetterlage“ – mit Regen bei sehr niedrigen Temperaturen und anschließend anhaltenden Minusgraden – zu einer Besonderheit gekommen. „Deshalb standen vor allem in Hessen die Anlagen einige Tage still. Die so entstehenden Verluste sind zu vernachlässigen.“ Eine größere Rolle als in Deutschland spiele die Eisbildung an Windenergieanlagen in der Schweiz, Österreich und Skandinavien. Axthelm erklärt: „Die Hersteller bieten dafür spezielle Cold-Climate-Anlagen an. Diese beinhalten unter anderem Blattheizungen, die den Eisansatz verhindern können. Außerdem gibt es Sensoren, die den Eisansatz erkennen und die Anlage frühzeitig abschalten. Solche Anlagen werden auch in eisansatzgefährdeten Gebieten in Deutschland gebaut. Chemische Mittel werden nicht eingesetzt.“ Auch die Faktenchecker von Mimikama und der AFP haben bereits Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Die AFP zitiert eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des Umweltbundesamts, die sagt: „Wenn es einen solchen Einsatz von Hubschraubern und Chemikalien zur Enteisung von Windrädern überhaupt als Methode in Deutschland geben würde, müssten die Betreiber das bereits im Rahmen der Genehmigung beantragen.“ So sei das beispielsweise auch für den Einsatz für Löschmittel im Rahmen des Brandschutzes der Fall. Solche Anträge von Windkraftanlagen-Betreibern seien dem Umweltbundesamt jedoch „überhaupt nicht bekannt“. Redigatur: Sarah Thust, Till Eckert Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
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Uschi Jonas
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Auf Facebook kursiert ein Foto, das zeigen soll, wie ein Hubschrauber angeblich mit Chemikalien eine Windkraftanlage enteise. Das ist falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2021-02-18T17:59:51+01:00
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2021-02-18T17:59:51+01:00
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2023-12-19T16:35:50+01:00
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Ein Foto zeige, dass Hubschrauber eingesetzt werden, um mit Chemikalien die Rotorblätter von Windkraftanlagen zu enteisen.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2021-07-02 00:00:00
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https://www.facebook.com/originalbachmannlutz/posts/1637687483059962
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Falscher Kontext
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Falscher Kontext. Das verbreitete Foto ist nicht aktuell, sondern mehrere Jahre alt. Es stammt aus Schweden und zeigt eine Enteisung mit heißem Wasser. In Deutschland werden solche Enteisungen nicht durchgeführt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2021/02/18/nein-dieses-foto-zeigt-nicht-wie-eine-windkraftanlage-mit-chemikalien-enteist-wird/
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Ja, diese Fotos zeigen Rotorblätter von Windkraftanlagen, die in Wyoming lagern
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In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, dass Rotorblätter von Windkraftanlagen nicht recycelbar seien. Darum würden sie vergraben. Dazu sind einige Fotos zu sehen. Die Bilder sind echt, sie wurden im US-Bundesstaat Wyoming aufgenommen. Windturbinen von benachbarten Windparks werden dort auf einer Mülldeponie gelagert – in Deutschland geht man jedoch anders vor. von Sarah Thust Eine Luftaufnahme zeigt hunderte riesige Rotorblätter von Windrädern aneinandergereiht auf einem Acker. Es wirkt, als würden sie mit Baumaschinen mit Erde bedeckt. Ein Beitrag mit Bildern davon wurde mehr als 6.500 Mal auf Facebook geteilt. Der Nutzer schreibt dazu: „Hier werden die Rotorblätter von Windkraftanlagen vergraben, da sie als nicht recycelbar gelten – eine riesige Umweltsauerei unter dem Deckmantel alternativer Energie. Die Flügel sind Sondermüll, da es sich um Glasfaserverstärkten Kunststoff (Polyesterharz, kurz GFK) handelt, der nicht recycelbar ist. Das ist schon lange bekannt, wird aber gerne verschwiegen.“ Wo die Fotos aufgenommen wurden, steht nicht dabei. Als Quellen werden ein Artikel von Bloomberg und ein Artikel des Blogs ErneuerbareEnergien.NRW verlinkt. Unsere Recherchen ergaben: Die Fotos zeigen tatsächlich Rotorblätter von Windkraftanlagen, die auf einer Mülldeponie lagern. Allerdings wurde das nicht verschwiegen. Mehrere Medien berichteten darüber. Die Fotos aus dem Facebook-Beitrag stammen aus dem Bericht von Bloomberg vom 5. Februar 2020. Die Überschrift des Textes lautet: „Windturbinenblätter können nicht recycelt werden, also türmen sie sich auf Mülldeponien“. In einer Bildunterschrift steht: „Teile von Windturbinenblättern warten darauf, auf der regionalen Mülldeponie Casper in Wyoming vergraben zu werden. Fotograf: Benjamin Rasmussen für Bloomberg Green“. Auch Focus Online berichtete im Februar 2020 über die Rotorblätter, die in Casper, im US-Bundesstaat Wyoming, gelagert werden. In dem Bericht heißt es auch, die Rotorblätter seien kein großes Umweltrisiko – sie würden einfach nur daliegen. Die Mülldeponie in Casper, Wyoming, konnten wir auf Google Maps finden. Auch die US-amerikanischen Faktenchecker von Snopes berichteten am 27. Oktober über die Deponie in Casper. Demnach hieß es in einem Fact Sheet (Seite 27) vom 17. September 2020, das im Council der Stadt besprochen wurde, dass die Mülldeponie bis zum 16. September 2020 insgesamt 1.124 Rotorblätter von drei benachbarten Windparks erhalten habe. Im Geschäftsjahr 2021 wurden weitere Rotorblätter und damit Umsätze erwartet. An einer Stelle heißt es in dem Dokument, die Gebiete, in denen die Rotorblätter „vergraben“ würden, würden dokumentiert, so dass man sie später wieder bergen könne. Auch deutschsprachige Faktenchecker von Mimikama hatten bereits im Juni 2020 einen nahezu identischen Beitrag auf Facebook überprüft. Dieser Beitrag bezog sich ebenfalls auf den Bericht von Bloomberg. Tatsächlich sind einige Bauteile von Windrädern nicht leicht zu entsorgen. Das steht auch in einer Zusammenfassung des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie (ICT) und der Technischen Universität Dresden: „Für fast alle, in einer WKA [Windkraftanlage] verwendeten Materialien existieren geeignete Entsorgungswege, wodurch eine Recyclingquote von 80-90 % erreicht werden kann. Eine Ausnahme bildet die Rotorblattentsorgung, hierbei besteht weiter Forschungsbedarf nach einer ökonomisch und ökologisch sinnvollen Verwertung.“ Rotorblätter werden in Deutschland aber anders entsorgt, als es in dem Facebook-Beitrag zu sehen ist. In dem Blog Erneuerbare Energien.NRW im Jahr 2018, der auch in dem Facebook-Beitrag verlinkt wurde, hieß es, eine Deponie-Lagerung sei nicht möglich. „Weil seit 2005 die Deponierung von GFK-Abfällen gesetzlich verboten ist, kommt eine Lagerung des Materials nicht in Frage. Rotorblätter werden deshalb geschreddert und darin enthaltene Metallreste abgeschieden. Die übrigen Abfälle werden bislang als Brennstoff und Sandsubstitut in der Zementindustrie thermisch eingesetzt oder in konventionellen Müllverbrennungsanlagen verbrannt.” Auch die Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Abfall (Laga) schrieb in einem Bericht im Juli 2019, dass sich für die zur Entsorgung in Deutschland anfallenden Rotorblätter inzwischen ein geeignetes Entsorgungssystem etabliert habe: in Zementwerken. Wie das Wissenschaftsmagazin Spektrum im Februar 2020 berichtete, können Zementwerke das Material der Flügel wegen des hohen Heizwertes verwenden. Darauf spezialisiert habe sich unter anderem das Bremer Unternehmen Neocomp. In einer Auswertung vom Umweltbundesamt im Oktober 2019 hieß es (Seite 92), für den Bereich der Entsorgung und Verwertung sei eine gute Dokumentation geschaffen worden, „vereinzelt gaben Akteure jedoch auch an, dass Entsorgungsnachweise nicht durchgehend eingefordert werden“. „So wurde auch beschrieben, dass bspw. das Vergraben von ganzen Rotorblättern in Einzelfällen praktiziert worden sei.“ Beim zukünftigen Recycling der Rotorblätter gebe es noch Ungewissheit, schrieb das Umweltbundesamt in einer Pressemitteilung im November 2019. Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck: Redigatur: Steffen Kutzner, Alice Echtermann
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Sarah Thust
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In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, dass Rotorblätter von Windkraftanlagen vergraben würden. In Deutschland geht man aber anders vor.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-12-09T16:03:18+01:00
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2020-12-09T16:03:18+01:00
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2021-06-18T09:57:58+02:00
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Rotorblätter von Windkraftanlagen würden vergraben, da sie als nicht recycelbar gelten würden.
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Viraler Facebook-Beitrag
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2020-05-12 00:00:00
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https://www.facebook.com/kurt.wachter/posts/3736771439718254
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Größtenteils richtig
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Größtenteils richtig. Die Fotos sind echt, sie zeigen Rotorblätter von Windkraftanlagen. Ihnen fehlt jedoch Kontext in Bezug auf Deutschland.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/12/09/ja-diese-fotos-zeigen-rotorblaetter-von-windkraftanlagen-die-in-wyoming-lagern/
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Nein, Vögel in Thurgau fielen nicht wegen 5G tot vom Himmel
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In einem Blog-Artikel wird suggeriert, dass 120 Stare im Schweizer Kanton Thurgau wegen 5G-Strahlung tot vom Himmel gefallen seien. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass Mobilfunkstrahlung Tieren gefährlich werden könnte – die zuständige Vogelwarte geht von einer anderen Todesursache aus. von Till Eckert Immer wieder wird im Netz behauptet, Tiere würden wegen des neuen Mobilfunkstandards 5G sterben. So sollen in Sierra Madre etwa hunderte Bienen tot vom Himmel gefallen sein, in Nordwales und Kroatien Vögel. All diese Fälle haben wir bereits in Faktenchecks widerlegt. In einem Artikel des Blogs Legitim.ch vom 11. März mit der Überschrift „STOPPT ENDLICH DAS 5G–MASSAKER! 120 Stare fallen im Thurgau tot vom Himmel !!!“ wird an mehreren Stellen suggeriert, 5G sei die Todesursache der Vögel gewesen. So steht etwa im Text, die Vögel hielten „diese Last“ der Strahlung nicht aus und würden „gegrillt“ und innerlich „verbluten“. 5G ist im Schweizer Kanton Thurgau zwar seit über einem halben Jahr flächendeckend verfügbar, jedoch ändere sich die Gesamt-Strahlen-Exposition – also die Einwirkung von Strahlung auf Lebewesen – in der Region dadurch nicht, wie das zuständige Umweltamt mitteilte. Das deutsche Bundesgesundheitsministerium teilte CORRECTIV für einen früheren Faktencheck außerdem mit, dass es unterhalb der gängigen Grenzwerte „keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren“ durch 5G-Mobilfunkstrahlung gebe. Das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigte das uns gegenüber. Dass die Tiere also aufgrund von 5G-Strahlung innerlich „verbluteten“, ist unwahrscheinlich. Wir haben zur Todesursache außerdem bei der zuständigen Vogelwarte Sempach und dem Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin an der Universität Bern angefragt, wo einige der toten Vögel untersucht wurden. Es zeigt sich: 5G ist auch hier nicht Schuld am Tod der Vögel. Marie-Pierre Ryser, Professorin am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern, teilte auf CORRECTIV-Anfrage per E-Mail mit, dass im Zentrum einige der toten Vögel untersucht wurden. „Unsere Untersuchung bestand aus einer pathologischen Sektion, um herauszufinden, woran die eingesandten Vögel (es waren natürlich nicht alle) gestorben waren. Da es klare Hinweise auf ein stumpfes Trauma gab, hatten wir keinen Grund, weitere Untersuchungen einzuleiten“, sagte Ryser. Die Ursache des Traumas hätten die Forscher aufgrund der Befunde nicht eruieren können. Aber: „Mir sind keine nachweisbaren organischen Veränderungen bekannt, die durch 5G-Strahlung verursacht werden. Wir haben einfach Blutungen an verschiedenen Körperstellen beobachtet“, sagt Ryser. Livio Rey, Sprecher der Vogelwarte Sempach, teilte per Mail mit, Schädeltraumata und Lungenblutungen seien „typische Verletzungen bei einem Aufprall“, zum Beispiel mit einem Gebäude oder Fahrzeug. „Die plausibelste Erklärung in diesem Fall ist deshalb der Zusammenprall mit einem Fahrzeug wie einem Lastwagen“, sagt Rey. Dass in einem kleinen Gebiet manchmal sehr viele tote Vögel gefunden würden, sei laut Rey schon länger bekannt: „Die letzten mir bekannten Fälle (unter anderem Triboltingen, Barcelona, Den Haag) betreffen hauptsächlich den Star. Dass es sehr oft Starengruppen sind, die tot gefunden werden, liegt an ihrer Biologe. Sie sind oft in dichten Schwärmen und der Nähe von Menschen unterwegs. Dies begünstigt das Auftreten dieser scheinbar ‘mysteriösen’ Vogeltode.“ Wenn elektromagnetische Strahlung für den Tod der Vögel verantwortlich wäre, bliebe laut Rey die Frage, weshalb Stare stärker betroffen sein sollten, als etwa Tauben, Segler oder Sperlinge, die ebenfalls häufig in Siedlungen vorkommen würden. Die Vogelwarte führe außerdem ein jährliches, systematisches und landesweites Monitoring der Schweizer Brutvögel durch. „Die Schweiz wurde in den vergangenen Jahrzehnten mit einem flächendeckenden Netz von Funksendern überzogen. Hätten die Emissionen all dieser Sender einen messbaren Einfluss auf Vögel, so müssten in unseren systematischen Kartierungen entsprechende Auswirkungen sichtbar sein. Wir finden jedoch in unseren umfassenden und landesweiten Daten keine Hinweise darauf, dass Mobilfunkstrahlung ganze Vogelpopulationen oder Arten beeinflusst“, sagt Rey.
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Till Eckert
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In einem Blog-Artikel wird suggeriert, dass 120 Stare im Schweizer Kanton Thurgau wegen 5G-Strahlung gestorben seien. Ein Faktencheck.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-08-07T12:53:27+02:00
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2020-08-07T12:53:27+02:00
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2021-01-04T18:39:38+01:00
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Falsch
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Falsch. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Vögel wegen 5G starben – die zuständige Vogelwarte geht von einem Zusammenprall mit einem Fahrzeug aus.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/08/07/nein-voegel-in-thurgau-fielen-nicht-wegen-5g-tot-vom-himmel/
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Nein, dieses Video zeigt kein explodierendes Elektroauto auf der A8
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Eine auf Facebook verbreitete Aufnahme eines brennenden Fahrzeugs stammt angeblich von Ende Juli aus Süddeutschland. Tatsächlich ist die Aufnahme schon drei Jahre alt und zeigt – anders als behauptet – kein brennendes Elektroauto. von Steffen Kutzner Am 23. Juli hätten „die umweltfreundlichen Elektroautos auf der A8 ihr wahres Gesicht gezeigt“, behauptete ein Facebook-Nutzer in einem Beitrag vom 26. Juli. Dazu teilte er ein Video eines Fahrzeugbrands und mehrerer Explosionen auf einer Autobahn. CORRECTIV-Recherchen zeigen jedoch: Die Aufnahmen stammen weder aus Deutschland, noch sind sie aktuell, noch stehen sie in Zusammenhang mit Elektroautos. Es ist zwar zutreffend, dass am 23. Juli auf der A8 in der Nähe des Kreuz Stuttgart laut der örtlichen Feuerwehr ein Fahrzeug brannte, es war aber kein Elektroauto. Und das Facebook-Video hat mit diesem Ereignis nichts zu tun. Ein Faktencheck von Mimikama kam zu dem Ergebnis, dass die Aufnahmen aus Frankreich stammen und im September 2017 entstanden. Tatsächlich wurde das Video am 19. September 2017 mit französischer Beschreibung von der Webseite Break For Buzz auf der Videoplattform Daily Motion hochgeladen. Die Schlagzeile dazu lautet: „Explosion eines mit Gasflaschen beladenen Lastwagens auf der Autobahn RN10“. Der Vorfall ereignete sich einem Bericht der Lokalzeitung Charente Libre vom 18. September 2017 zufolge in der Nähe der französischen Kleinstadt Chevanceaux in der Region Charente-Maritime. Ein Screenshot des Videos wurde auch von der Webseite Journalistenwatch als „Symbolbild“ für einen am 29. Juli veröffentlichten Artikel über einen Unfall verwendet, bei dem laut Medienberichten eine junge Frau in ihrem Elektroauto verbrannte. Immer wieder kursieren in Sozialen Netzwerken Behauptungen über brennende oder explodierende Elektroautos. Über die Herausforderungen für die Feuerwehr, einen brennenden Akku zu löschen, haben wir bereits einen ausführlichen Faktencheck veröffentlicht. Experten bestätigten, dass ein solcher Brand mit herkömmlichen Mitteln gelöscht werden kann, aber sehr lange gekühlt werden müsse. Im November 2019 kam ein Forschungsprojekt der Dekra Unfallforschung und der Verkehrsunfallforschung der Universitätsmedizin Göttingen zu dem Ergebnis, dass die getesteten Elektrofahrzeuge bei sogenannten Crash-Tests den „vergleichbaren konventionell angetriebenen Fahrzeugen bei der Sicherheit in nichts nach[stehen]“. Es sei auch bei starker Deformation der Batterien kein Brand ausgebrochen. Dass die Brandgefahr mit der eines normalen PKW vergleichbar sei, bestätigte im Dezember 2019 auch der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Knorr, in einem Interview mit dem Spiegel.
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Steffen Kutzner
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Angeblich explodierte Ende Juli auf der A8 ein Elektroauto. Die Aufnahme stammt weder aus Deutschland, noch ist sie aktuell, noch zeigt sie ein Elektroauto.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-08-04T12:16:11+02:00
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2020-08-04T12:16:11+02:00
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2021-06-18T09:58:38+02:00
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Falsch
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Falsch. Die Aufnahme zeigt den Brand eines mit Gasflaschen beladenen LKW, der 2017 auf einer Autobahn in Frankreich explodierte.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/08/04/nein-dieses-video-zeigt-kein-explodierendes-elektroauto-auf-der-a8/
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Diese Wetterkarten zeigen verschiedene Dinge und lassen sich nicht vergleichen
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„Normale Sommertemperaturen“ würden auf Wetterkarten inzwischen blutrot bis schwarz angezeigt, um die Zuschauer zu „manipulieren“. Das suggeriert ein aktueller Beitrag der Facebook-Seite „Frieden rockt“. Das Problem ist: Die gezeigten Karten zeigen unterschiedliche Darstellungen des Wetters. Sie lassen sich nicht miteinander vergleichen. von Bianca Hoffmann „Fühlst du dich manipuliert?“ – diese Frage wird in einem Facebook-Bild gestellt, auf dem drei Wetterkarten übereinander dargestellt sind. Eine stammt dabei angeblich von 2009, eine von 2019 und eine von 2020. Die angebliche Manipulation liegt in der verwendeten Farbgebung in Kombination mit den Temperaturen: Während auf der Karte von 2009 die Farbtöne Grün und Gelb bei 36 Grad Celsius vorherrschen, wird – so scheint es jedenfalls – bei der gleichen Temperatur im Jahr 2019 die Farbe Rot verwendet. Und auf dem unteren Bild sogar die Farbe Schwarz. Dabei seien die Temperaturen im Sommer seit Jahrzehnten die gleichen, heißt es in dem Text der Facebook-Seite „Frieden rockt“, der zu der Collage geteilt wird. Die Farben in den Bildern würden der Manipulation und Panikmache dienen, um die Diskussion um den Klimawandel anzuheizen. Für diesen Vorwurf gibt es nach unseren Recherchen keine Grundlage. Bei der Facebook-Collage gibt es gleich mehrere Ungereimtheiten. Während die oberen beiden Wetterkarten augenscheinlich von der ARD stammen, handelt es sich bei der unteren Wetterkarte um einen Videoausschnitt des Weather Channel. Und auch die Karten der ARD zeigen unterschiedliche Ansichten einer Wettervorschau. Die beiden Wetterkarten der ARD wurden bereits im vergangenen Jahr im Sommer verbreitet. Unser Faktencheck kam damals zu dem Urteil, dass die Bilder nicht miteinander vergleichbar sind, weil die eine Karte einen Tag zeigt, und die andere eine Drei-Tage-Vorschau. Für diese wird offenbar von der ARD stets ein anderer Stil verwendet. Uwe Kirsch vom Deutschen Wetterdienst schreibt uns per E-Mail ebenfalls, dass der irreführende Vergleich schon länger im Netz kursiere. „Das Problem […] ist, dass die Grafik von 2009 eine allgemeine Wettervorhersage darstellt mit gezielten Hinweisen auf Temperatur (Zahlen), grafischen Elementen wie Bewölkung, Blitze, Sonnenschein sowie dem Wetter der Folgetage.“ Die Grafik von 2019 beschäftige sich hingegen ausschließlich mit den Temperaturen des Tages, „und das wird, um ein Zahlenmeer auf einer Karte zu vermeiden, üblicherweise durch Farbverläufe als Untergrund dargestellt, manchmal mit Legende oder hier ergänzt durch ein paar Temperaturangaben für Regionen zur schnellen Orientierung.“ Für die Leiterin der ARD-Wetterredaktion, Silke Hansen, sind die Wetterkarten ebenfalls nichts Neues. Sie schreibt uns per E-Mail: „Das Wetter von 2009 sind die Aussichten (da gibt es keine Temperaturfarben).“ Die ARD sei ebenfalls nicht zum ersten Mal mit den beiden Wetterkarten konfrontiert worden. Hansen schickt uns zum Vergleich Grafiken aus den Jahren 2009 (Tagesansicht) und 2019 (Drei-Tage-Vorschau). Eine Tagesgrafik von 2009 zeigt die Temperaturen des 18. August 2009, und auch hier sind die Temperaturen um die 30 Grad in Rot dargestellt. Es gibt also keinen Unterschied zur Farbgebung im Jahr 2019. Und die Drei-Tage-Ansicht vom 3. Juni 2019 kam genau wie die 2009 ohne rote Farben aus. Die Karte von 2009, so wie sie in der Collage abgebildet ist, wurde so übrigens laut der Redaktion nicht in einer Sendung gezeigt. In der Tagesschau vom 18. August 2009 (Minute 13:31) ist eine Karte, die bis auf einen Wert mit jener aus der Collage übereinstimmt. Die dritte Wetterkarte von 2020 stammt allerdings nicht von der ARD, sondern vom Weather Channel. Das Video, aus dem der Ausschnitt stammt, wurde am 17. Juni 2020 auf der Webseite online gestellt. Die Wetterkarten lassen sich also nicht miteinander vergleichen. In der vergangenen Woche hat der Wetterexperte des Weather Channel, Jan Schenk, bei Facebook in einem Live-Video (ab Minute 36:00) erklärt, was es mit den dunkelroten Temperaturzahlen auf sich hat. „Die Sache ist doch die: Ist es nicht egal, welche Farbe es ist? Es kommt doch darauf an, gibt es Gefahren für die Menschen, ja oder nein. Und wenn ich sage, ab 30 Grad mit ‘ner gewissen Feuchtigkeit habe ich mäßige bis starke Schwüle, also eine starke Hitzebelastung.“ Diese Hitze sei vor allem für Menschen mit Kreislaufbeschwerden gefährlich. Im weiteren Verlauf des Videos erklärt er, dass die Farben als Warnung verstanden werden sollten, so wie auch vor Sturm oder Gewitter gewarnt werde. Im vergangenen Jahr musste die Farbskala tatsächlich erweitert werden, so Schenk. Denn Temperaturen um 42 Grad, wie sie im vergangenen Sommer im Emsland erreicht wurden, waren darin nicht vorgesehen. Im Jahr 2019 wurden Temperaturen um 40 Grad beim Weather Channel mit der Farbe Lila dargestellt. „Aber wie oft gibt es 30 Grad? Das ist jetzt auch nicht so oft, und da müssen wir sagen: Das ist jetzt eine Ausnahmesituation, und darauf hinzuweisen ist kein Fehler, das ist sogar unser Job“, sagt Schenk vom Weather Channel (im Facebook-Live-Video ab Minute 37:30). Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV hat der Burda-Verlag, zu dem der Weather Channel gehört, bis Veröffentlichung dieses Artikels nicht geantwortet. Die Behauptung aus dem Text der Facebook-Seite „Frieden rockt“, die Temperaturen im Sommer hätten sich seit Jahrzehnten nicht geändert, ist ebenfalls nicht richtig. Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst schreibt uns dazu: „Mit Blick auf die in Deutschland seit 1881 flächendeckend vorliegenden Temperaturmessungen läßt sich ausrechnen, dass die Mitteltemperatur der meteorologischen Sommer (Juni, Juli, August) hierzuland von 1881 bis 2019 um 1,5 Grad gestiegen ist.“ Welche Farben von welchen Redaktionen oder Wetterdiensten gewählt werden, sei international nicht festgelegt, schreibt uns Kirsche. „Es ist aber offensichtlich, dass sowohl Medien als auch der DWD Wärme rot darstellen und diese Farbe um so „dunkler“ wird, je ‘heißer’ das dargestellte Wetter sein soll. Wo die jeweilige Grafik-Abteilung da welchen Farbton wählt, differiert.“ Fazit: Die drei verwendeten Karten lassen sich nicht miteinander vergleichen, weil sie unterschiedliche Ansichten zeigen und zudem aus unterschiedlichen Medien stammen. In den vergangenen 138 Jahren sind die Mitteltemperaturen im Sommer zudem um 1,5 Grad gestiegen und es kam zu Hitzerekorden wie im Sommer 2019. Der Weather Channel musste seine Farbskala deswegen im vergangenen Jahr für die höheren Temperaturen erweitern. Korrektur, 18. April 2024: Wir haben konkretisiert, dass die Karte vom 18. August 2009 nicht exakt jene ist, wie in der Collage.
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Till Eckert
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Normale Temperaturen würden auf Wetterkarten inzwischen blutrot bis schwarz angezeigt, um die Zuschauer zu „manipulieren“. Ein Faktencheck.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-06-30T11:09:33+02:00
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2020-06-30T11:09:33+02:00
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2024-04-18T12:37:52+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Es gibt keine Manipulation. Die Wetterkarten zeigen unterschiedliche Dinge und lassen sich nicht miteinander vergleichen.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/06/30/diese-wetterkarten-zeigen-verschiedene-dinge-und-lassen-sich-nicht-vergleichen/
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Foto in falschem Kontext: Was hinter dem erstaunlich leichten „Leichensack“ steckt
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Auf Facebook wurde ein Foto von Leichensäcken geteilt, die auf einem Fußweg aufgereiht liegen. Eine Frau trägt mit einer Hand einen davon weg. Nutzer leiten daraus ab, dass sich in den Säcken nicht wirklich Leichen befinden können und die Pandemie deshalb ein „Schwindel“ sei. Unsere Recherche zeigt jedoch: Die Säcke waren Teil einer Protestaktion in Miami. von Steffen Kutzner „Pandemie oder ein großer Schwindel?“ Diese Frage stellt ein Facebook-Nutzer in einem Beitrag vom 30. Mai. Auf einem Foto ist zu sehen, wie eine Frau einen schwarzen Sack, der aussieht wie ein Leichensack, mit nur einer Hand trägt. Neben ihr liegen auf einem Bordstein mindestens 15 weitere Säcke aufgereiht. Es sind auch einige Plüschtiere, Fotos und ein Kranz zu sehen, die den Eindruck erwecken, es handele sich um eine Aufbahrung von Verstorbenen auf offener Straße. Das ist jedoch nicht der Fall – die angeblichen Leichensäcke sind Teil einer Inszenierung während einer Protestaktion in Miami, Florida. Der Facebook-Nutzer, dessen Beitrag mehr als 2.300 Mal geteilt wurde, merkt offenbar ironisch an, dass „amerikanische Frauen extrem stark“ seien, weil sie „einen Leichensack mit einer Hand bewegen“ könnten. Auch den Umstand, dass der Plastiksack nicht reißt, deutet der Nutzer als Hinweis darauf, dass sich in den Säcken keine Leichen befinden könnten. Damit liegt der Autor des Beitrags richtig – in den Säcken befinden sich keine Leichen. Das hatten allerdings auch weder die Veranstalter der Protestaktionen behauptet, noch wurde die These in Medienberichten aufgestellt. Die Aufnahme stammt vom 27. Mai 2020 und zeigt laut der Bildbeschreibung des Fotos bei der Bilddatenbank Shutterstock einen symbolischen Trauerzug in Miami. Der war als Protest gegen die Wiedereröffnung der Wirtschaft ohne staatliche Corona-Hilfen abgehalten worden. In den Plastiksäcken befanden sich also keine echten Leichen, und dies wurde von den Fotografen auch deutlich gemacht. Das Foto beweist also nicht, dass die Pandemie ein „Schwindel“ ist, wie es der Facebook-Nutzer unterstellt. Medien berichteten über die Aktion in Florida und machten ebenfalls deutlich, dass es ein symbolischer Protest war. Vergleichbare Aktionen gab es in den vergangenen Wochen häufiger, Berichten zufolge nicht nur in Florida, sondern auch in Washington D.C., Texas und Arizona. Der Text des Facebook-Beitrags wurde vermutlich mit einem Programm automatisch übersetzt, worauf etwa der Satz „Ich war noch nie gut in Physik, aber wenn ich mich recht erinnere, versuchen viele Pakete an diesem einen Punkt, wo sie aufbewahrt wird, die Tasche zu reißen“ hindeutet. Fazit: Das Foto mit den vermeintlichen Leichensäcken zeigt eine Protestaktion in Miami am 27. Mai 2020.
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Steffen Kutzner
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Auf Facebook wurde ein Foto geteilt, auf dem eine Frau einhändig einen Leichensack trägt. Darin ist keine Leiche. Das Foto stammt von einer Protestaktion.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-06-02T19:24:18+02:00
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2020-06-02T19:24:18+02:00
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2020-06-02T19:24:18+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Das Foto wird in falschen Kontext gestellt. Es zeigt einen symbolischen Trauerzug bei einer Protestaktion.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/06/02/foto-in-falschem-kontext-was-hinter-dem-erstaunlich-leichten-leichensack-steckt/
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Coronavirus: Doch, bayerische Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern erhalten weiterhin Soforthilfen
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Auf einem Blog wird behauptet, das Land Bayern zahle keine Soforthilfen mehr an Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Diese Behauptung ist irreführend. Bayern zahlt Fördermittel des Bundes an die Betriebe aus. von Matthias Bau „Bayern zahlt keine Soforthilfe für Unternehmen bis 10 Mitarbeiter – Enttäuschung für viele Unternehmen“ lautet die Überschrift eines Blogartikels, der bei Facebook mehr als 4.000 Mal geteilt wurde. Diese Behauptung ist irreführend, da sie wesentlichen Kontext weglässt. In Bayern erhalten Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern auch weiterhin Fördermittel, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern, wie uns das bayerische Wirtschaftsministerium auf Anfrage am 30. März per E-Mail mitteilte. Bis zum 29. März konnten diese demnach Fördermittel beim Bundesland Bayern beantragen. Unternehmen mit nicht mehr als zehn Mitarbeitern wurden dabei mit bis zu 7.500 Euro unterstützt. Diese Förderung wird seit dem 30. März vom Bund übernommen und ist sogar verdoppelt worden: Betroffene Betriebe erhalten nun für drei Monate bis zu 15.000 Euro. Bearbeitet werden die Anträge weiterhin in Bayern und die Leistungen werden ebenfalls weiterhin vom Land ausgezahlt. Es ist somit irreführend zu behaupten, dass das Bundesland Bayern keine Soforthilfen mehr zahlt – die Fördermittel kommen lediglich aus Bundes- und nicht wie bisher aus Landesmitteln. Das bayerische Wirtschaftsministerium schreibt uns, dass das für Unternehmen bis zu zehn Mitarbeitern „in jedem Fall eine Verbesserung“ sei, weil die Höchstbeträge gestiegen seien. Im Blogbeitrag heißt es außerdem, dass die Förderprogramme nicht miteinander kombinierbar seien. Diese Aussage ist korrekt. Bayern geht bei der Förderung nach dem sogenannten Günstigkeitsprinzip vor, welches vorsieht, dass Antragsteller diejenigen Hilfen in Anspruch nehmen dürfen, die für sie vorteilhafter sind. Unternehmen, die vor der bundesweiten Regelung schon einen Antrag für die bayerische Soforthilfe gestellt und bewilligt bekommen haben, können die Differenz der Förderbeträge auf Antrag zusätzlich bekommen. Im Blogbeitrag heißt es außerdem, dass die beiden Soforthilfen nicht miteinander kombinierbar seien. Diese Aussage ist korrekt. Bayern geht bei der Förderung nach dem sogenannten Günstigkeitsprinzip vor, welches vorsieht, dass Antragsteller diejenigen Hilfen in Anspruch nehmen dürfen, die für sie vorteilhafter sind. Das bayerische Soforthilfe-Programm existiert dabei aber weiter, wurde also nicht „gestrichen“, wie es in dem Blog heißt. Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern erhalten die bayerische Soforthilfe von 30.000 Euro für bis zu 50 Beschäftigte und 50.000 Euro für bis zu 250 Beschäftigte (PDF, Punkt 5). Denn für große Unternehmen hat der Bund keine Soforthilfen beschlossen. In den Richtlinien Bayerns steht außerdem, dass eine Kumulierung der Unterstützungsangebote möglich sei (PDF, Punkt 6.2). Der Autor des Blogs unterstellt, diese Formulierung sei „das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde“ – nennt dafür aber keine Belege. Auf erneute Nachfrage von CORRECTIV bestätigte das Ministerium, dass Unternehmen neben den Soforthilfen weitere, andere Hilfsprogramme in Anspruch nehmen können, solange die Höhe ihres Liquiditätsengpasses insgesamt nicht überschritten werde. Auf die irreführende Meldung haben uns Leserinnen hingewiesen. Zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind zahlreiche Falschmeldungen im Umlauf. Um sie effektiv zu bekämpfen, sind wir auf Hilfe angewiesen. In unserem CrowdNewsroom zum Coronavirus kann jeder Nachrichten oder Artikel einreichen, die unser Team sichtet und gegebenenfalls Faktenchecks dazu veröffentlicht. Update, 15. April: Wir haben die Bewertung von „größtenteils falsch“ zu „teilweise falsch“ geändert, da dem Blog-Artikel vor allem Kontext fehlt. Update, 17. April: Wir haben zur Erklärung weitere Details des bayerischen Soforthilfe-Programms und der Möglichkeit, die Soforthilfen mit anderen Angeboten zu kombinieren, eingefügt.
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Cristina Helberg
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Auf einem Blog wird behauptet, das Land Bayern zahle keine Soforthilfen mehr an Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Diese Behauptung ist irreführend.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-04-14T17:03:37+02:00
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2020-04-14T17:03:37+02:00
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2020-04-17T09:17:24+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Bayerische Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern bekommen weiter Soforthilfen. Die Höhe der Fördermittel wurde verdoppelt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/04/14/coronavirus-doch-bayerische-unternehmen-mit-bis-zu-zehn-mitarbeitern-erhalten-weiterhin-soforthilfen/
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Nein, Windkraftanlagen werden nicht zwangsläufig abgerissen, nur weil die EEG-Förderung ausläuft
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Eine Facebook-Seite behauptet, in Deutschland würden Windkraftanlagen abgerissen, obwohl sie alle noch funktionsfähig wären – nur weil die Förderung durch das EEG ausgelaufen sei. Ganz so einfach ist es nicht. von Bianca Hoffmann Die Facebook-Seite „Frieden rockt“ veröffentlichte am 22. Januar ein Bild, auf dem zu lesen ist: „Abriss alter Windräder: Tonnenweise Sondermüll“. Die Behauptungen darin beziehen sich auf einen Artikel des NDR, in dem es um den Rückbau alter Windkraftanlagen geht. Der Beitrag wurde rund 4.000 Mal auf Facebook geteilt. Das Bild wurde zuerst von „Informiert statt Uninformiert“ auf Facebook veröffentlicht und dort mehr als 21.000 Mal geteilt. Die Seite wurde inzwischen gelöscht, wir haben den Beitrag aber archiviert. Die zentralen Behauptungen sind: Um die Behauptungen zu überprüfen, hat CORRECTIV mit dem Umweltbundesamt und dem Interessenverband Bundesverband Windenergie gesprochen. Die Aussagen auf dem Facebook-Bild sind teils richtig, teils unbelegt oder teilweise falsch. Das Bild bezieht sich zwar auf einen NDR-Artikel, die darin genannte Zahl von 6.000 Anlagen ist jedoch laut Umweltbundesamt falsch. Zudem schreibt der NDR nicht, dass alle Anlagen noch funktionstüchtig seien. Vielmehr heißt es dort, die Gründe für den Abriss seien entweder, dass die Anlagen ihr Lebensende erreicht hätten, oder dass die EEG-Förderung auslaufe. Im Jahr 2019 gab es in Deutschland circa 29.000 Windkraftanlagen. Das schreibt eine Sprecherin des Umweltbundesamtes in einer E-Mail an CORRECTIV. Ganz sicher ließe sich das nicht sagen, da es eine gewisse Unsicherheit bei der Anzahl kleinerer Anlagen gebe. Fast alle älteren Anlagen werden mit Hilfe des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) gefördert. Seit der Gesetzesreform von 2017 trifft das nur noch auf einen Teil der neueren Windkraftanlagen zu. Pro Kilowattstunde Strom, die ins Netz eingespeist wird, haben Betreiber von Windkraftanlagen an Land im Jahr 2018 durchschnittlich 5,5 Cent erhalten (PDF, S. 98). Die EEG-Förderung wird für 20 Jahre gezahlt (EEG, Paragraph 25). Im Schnitt waren Windkraftanlagen 2018 laut Umweltbundesamt für 17 Prozent der Stromversorgung in Deutschland verantwortlich (PDF, S. 5). Und das, obwohl es sich um einen relativ jungen Industriezweig handelt, der erst in den 1990er Jahren entstand (PDF, S. 21). In dem Text des NDR wird behauptet, dass 6.000 Windkraftanlagen vor dem Abriss ständen. Als Quelle wird eine Studie des Umweltbundesamts angegeben. Diese Zahl kann vom Umweltbundesamt jedoch nicht nachvollzogen werden. „Zu Anfang 2021 fallen ca. 4.500 Windenergieanlagen mit einer Leistung 3.762 MW aus der Förderung“, schreibt Petra Weißhaupt in einer E-Mail an CORRECTIV. Der Rückbau könnte sich laut Umweltbundesamt tatsächlich zum Problem entwickeln. „Das Umweltbundesamt hat mögliche Schwierigkeiten bei der Ausführung eines Rückbaus erkannt und ein Rückbaukonzept erarbeiten lassen. Dieses umfasst technische und rechtliche Empfehlungen und bietet somit eine Orientierung, wenn ein Rückbau bevorsteht“, schreibt Weißhaupt. „Ein Weiterbetrieb der Anlagen ist auch ohne EEG-Förderung möglich, wenn die erzielbaren Gewinne durch die direkte Vermarktung am Strommarkt die notwendigen Betriebskosten übersteigen“, schreibt uns Petra Weißhaupt. Wie viele Windkraftanlagen weiter betrieben werden, sei allerdings aktuell schwer abschätzbar. Das Umweltbundesamt befürworte den Weiterbetrieb, da sich so ökologisch verantwortungsvoll Strom erzeugen lasse und man unnötige Abfälle vermeide. Christoph Zipf vom Interessenverband Bundesverband Windenergie schätzt die Lage etwas anders ein. Es sei fraglich, ob die Betriebskosten durch die Preise, die an der Strombörse erzielt werden können, zu tragen seien. Dafür müsste mindestens ein Preis zwischen 3,5 und 6 Cent pro Kilowattstunde erzielt werden. Der Kurs liege momentan aber bei knapp unter 3,5 Cent pro Kilowattstunde. „Potenziell besteht also die Gefahr, dass zum 1. Januar 2021 4.200 Anlagen zurückgebaut werden. Es ist aber denkbar, dass ein großer Teil dieser Anlagen zumindest bis zur ersten größeren Reparatur weiterbetrieben werden.“ Fazit: Die Behauptung ist unbelegt. Subventionen nach dem EEG laufen zum 31. Dezember 2020 für etwa 4.200 Windkraftanlagen aus. Ob sie dann noch rentabel sind, richtet sich nach dem für die Betreiber zu erzielenden Strompreis. „Das muss man im Einzelfall sehen“, schreibt Zipf. „Aus technischer Sicht sind die Anlagen durchaus für mehr als 20 Betriebsjahre ausgelegt. Es ist im Normalfall möglich, 30-35 Jahre zu betreiben.“ Es komme aber darauf an, ob die Windkraftanlagen regelmäßig gewartet werden. Nach 20 Jahren könnten durchaus schon Verschleißeffekte auftreten. Petra Weißhaupt erklärt darüber hinaus: „Selbstverständlich gibt es in Deutschland defekte Windenergieanlagen. Für gewöhnlich nehmen Betreiber in einem solchen Fall Reparaturen vor und stellen die Funktionstüchtigkeit wieder her.“ Fazit: Es lässt sich nicht belegen, ob die Anlagen „alle noch funktionsfähig“ sind. „Selbstverständlich entstehen Abfälle, nämlich das Material und die Betriebsmittel, aus welchen die Anlage besteht“, schreibt das Umweltbundesamt per Mail an CORRECTIV. Christoph Zipf vom Bundesverband Windenergie erklärt ebenfalls per E-Mail: „Es bestehen gerade für das Fundament, den Stahlturm und die Betonelemente etablierte Recyclingkreisläufe. Hier gibt es nichts zu befürchten. Der problematischste Teil sind die Rotorblätter, da sie extrem widerstandsfähig gebaut werden müssen, um 20 Jahre im Wind drehen zu können. Die genutzten Harze und Faserverbindungen sind entsprechend schwer voneinander zu trennen und zu recyceln.“ Diese sogenannten CFK-Abfälle (Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) müssten nach heutigem Stand mit einem speziellen Verfahren verwertet werden. „Aufgrund der Größe und Beschaffenheit der Rotorblätter kann man durchaus schnell von ‘tonnenweise’ Müll sprechen.“ Je nach Modell liegt der Anteil des problematischen Kunststoffes in den Rotorblättern laut Umweltbundesamt bis zu 20 Prozent (PDF, S. 107). Die Datengrundlage für diese Schätzung sei aber schlecht. Das Umweltbundesamt weist zudem darauf hin, dass es bislang nur ein Aufbereitungswerk in der Nähe von Bremen gebe, bei dem die Kapazitäten „auch vorerst ausreichend hoch“ seien. „Das Umweltbundesamt hat die Schwierigkeit der Rotorblattaufbereitung erkannt und wird sich der Fragestellung in einem weiteren Forschungsvorhaben widmen.“ Fazit: Die Behauptung ist größtenteils richtig. Durch den Rückbau von Windkraftanlagen entsteht tatsächlich „tonnenweise“ Müll. Allerdings handelt es sich nur bei einem Teil davon um Sondermüll, der mit Hilfe eines speziellen Verfahrens entsorgt werden muss. „Der Rückbau einer Anlage ist nicht kostengünstiger als der weitere Betrieb“, schreibt Petra Weißhaupt. Mit dem Rückbau seien gewissen Kosten verbunden, und diese Kosten würden, dem Zeitpunkt des Rückbaus entsprechend, früher oder später unweigerlich auftreten. Die Kosten für den Abriss einer Windkraftanlage richten sich je nach Modell (PDF, ab S. 140). Dafür legen die Betreiber Geld zurück – sogenannte Rückstellungen. Damit solle am Ende der Lebensdauer der Windkraftanlagen der Abriss bezahlt werden, schreibt Weißhaupt. Die Betriebskosten seien hingegen vergleichsweise gering. „Die Anlagen produzieren Strom und sind eine sichere Einnahmequelle für die Betreiber.“ Weißhaupt schreibt weiter, dass eine möglichst lange Betriebsdauer kosteneffizient sei. Allerdings sei es ähnlich wie bei Fahrzeugen und anderen Gebrauchsgegenständen – gegen Ende der Lebensdauer würden auch Windkraftanlagen zu mehr Defekten neigen und Reparaturen erforderlich machen. „Dann sollte ein Rückbau erfolgen, denn langfristig außer Betrieb genommene Anlagen sollten nicht in der Umwelt verbleiben.“ Dass eine möglichst lange Betriebsdauer effizient sei, gelte aber nur, so lange die Windkraftanlage noch Gewinne erwirtschaftet, schreibt Christoph Zipf. „Kein Betreiber wird die Anlagen weiterlaufen lassen, wenn er damit monatlich Verlust einfährt.“ Fazit: Die Behauptung ist teilweise falsch. Die Kosten für den Abriss sind je nach Modell unterschiedlich hoch, die Betreiber sorgen aber während der Betriebszeit dafür vor und bilden Rückstellungen. Der Weiterbetrieb ist zunächst laut Umweltbundesamt immer günstiger, aber nur, solange die Betreiber damit weiter Geld verdienen und die Anlagen nicht kaputtgehen.
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Bianca Hoffmann
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Eine Facebook-Seite behauptet, in Deutschland würden Windkraftanlagen abgerissen, obwohl sie alle noch funktionsfähig wären. Ein Faktencheck.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-03-11T11:21:16+01:00
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2020-03-11T11:21:16+01:00
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2021-06-18T10:36:01+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Einige Behauptungen in dem Facebook-Bild sind teilweise falsch oder unbelegt und es fehlt Kontext.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/03/11/nein-windkraftanlagen-werden-nicht-zwangslaeufig-abgerissen-nur-weil-die-eeg-foerderung-auslaeuft/
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Nein, Vögel in Nordwales fielen nicht „wegen einer 5G-Anlage“ tot vom Himmel
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In einem zehntausendfach geteilten Artikel wird behauptet, in Nordwales seien hunderte Vögel wegen einer 5G-Anlage vom Himmel gefallen. In der Region gibt es aber gar kein 5G. Das Ermittlungsteam geht von einer anderen Ursache aus. von Till Eckert Immer häufiger sehen wir Behauptungen darüber, dass der neue Mobilfunkstandard 5G am Tod von Tieren Schuld sein soll. So sollen laut eines viralen Youtube-Videos im kalifornischen Sierra Madre wegen zweier 5G-Masten angeblich Bienen gestorben sein – in der Stadt gibt es aber gar kein 5G, wie wir recherchierten. Eine ähnliche Behauptung zirkuliert seit dem 15. Dezember 2019 im Netz: In einem Artikel des Blogs Legitim.ch wird behauptet, auf der nordwalisischen Insel Anglesey seien hunderte Vögel wegen einer 5G-Anlage tot vom Himmel gefallen, dort seien „Tests“ von Vodafone durchgeführt worden. Den Fall gibt es zwar, aber auch hier gilt: In der Region gibt es kein 5G. Das bestätigte uns Rob Taylor, Leiter des North Wales Rural Crime Teams, einer Polizeieinheit, die den Fall ermittelt, per E-Mail. Das zeigt auch ein Blick auf die Webseite „Ookla“, die den 5G-Ausbau nach eigenen Angaben anhand „verifizierter öffentlicher Quellen“ verfolgt. Demnach gibt es in Nordwales 5G nur in Llandudno, einem mit dem Auto etwa 50 Minuten von dem betreffenden Ort auf Anglesey entfernen Ort. Zudem sagte ein Sprecher von Vodafone der Tageszeitung Daily Post im Dezember 2019: „Wir können bestätigen, dass es in der Gegend um Bodedern [der angrenzende Ort, Anm.] kein Vodafone-5G gibt und auch keine Tests durchgeführt wurden.“ Dass die Vögel auf Anglesey wegen 5G starben, kann demnach ausgeschlossen werden, weil es dort keines gibt. Zudem gibt es bisher keine Belege dafür, dass die Strahlung Tieren gefährlich werden könnte. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums antwortete uns in dem Zusammenhang für den Faktencheck über die Bienen in Sierra Madre: „Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte.“ Aber was ist die Ursache für den Fall in Anglesey? Die zuständige Polizeieinheit berichtet über den Ermittlungsfortschritt auf ihrem verifizierten Twitter-Account. Am 16. Januar veröffentlichte sie mehrere Tweets zu dem Fall. Sicher ist demnach: Am Dienstag, 10. Dezember 2019 starben laut Polizei mindestens 200 Stare auf einer Straße nahe Bodedern auf Anglesey. Einige hätten noch gelebt, als sie gefunden wurden, seien aber schwach und flugunfähig gewesen, bevor sie starben. Das Ermittlungsteam und Mitarbeiter der Animal Plant and Health Agency entfernten laut Polizei 35 Vögel und brachten sie zu einer Untersuchung. „Alle untersuchten Vögel hatten ein schweres inneres Trauma durch den Aufprall“, schreibt die Polizei. Dies spreche dafür, dass die Vögel durch den Aufprall auf die Straße gestorben sind: Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Schwarm in der Luft ein Ausweichmanöver vollzog, da möglicherweise ein Raubvogel hinter der Gruppe her war. Die Polizei geht davon aus, dass einige nicht rechtzeitig hochziehen konnten und auf den Boden aufschlugen. Die Polizei schreibt außerdem: „Bitte bedenken Sie, dass die vollständige Toxikologie noch nicht vorliegt, so dass eine endgültige Theorie nicht bestätigt werden kann, aber wir sind uns über die Gründe und die Ursache der Todesfälle der Vögel ziemlich sicher.“ CORRECTIV.Faktencheck beobachtet schon länger, dass mit dem Thema 5G Stimmung im Netz gemacht wird. Für einen Hintergrund-Bericht haben wir uns mit der Forschungslage beschäftigt. Zusammengefasst: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt weder abschätz- noch belegbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf Menschen und Tiere wirken könnte. Zudem ist nicht belegt, ob sie gesundheitliche Schäden verursachen könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen und erforscht werden.
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Till Eckert
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In einem zehntausendfach geteilten Artikel wird behauptet, in Nordwales seien hunderte Vögel wegen einer 5G-Anlage vom Himmel gefallen. In der Region gibt es aber gar kein 5G. Das Ermittlungsteam geht von einer anderen Ursache aus.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-02-18T17:50:44+01:00
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2020-02-18T17:50:44+01:00
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2020-02-18T17:50:44+01:00
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Falsch
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Falsch. In der Region in Nordwales gibt es gar kein 5G.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2020/02/18/nein-voegel-in-nordwales-fielen-nicht-wegen-einer-5g-anlage-tot-vom-himmel/
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Ein wachsender Gletscher auf Grönland bedeutet nicht, dass es keinen Klimawandel gibt
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Eine Webseite streut Zweifel am Klimawandel, weil angeblich laut Nasa-Daten ein Gletscher in Grönland wachse und das Eis in der Antarktis zunehme. Letzteres stimmt nicht – und aus dem Gletscher-Wachstum zieht der Artikel falsche Schlüsse. von Alice Echtermann Ein Gletscher auf Grönland wächst wieder. Gibt es also doch keinen Klimawandel? Das behauptet die Seite Happy Times in einem Artikel, der laut dem Analysetool Crowdtangle bereits mehr als 13.200 Mal auf Facebook geteilt wurde. Es geht darin um den Jakobshavn-Gletscher auf Grönland und um die Eismenge am Südpol, die angeblich zu- statt abgenommen habe. Die Seite beruft sich für beide Behauptungen auf die US-Weltraumbehörde Nasa und schreibt von der „neuesten Fehlprognose der Klimawissenschaft“. Mit dieser Einschätzung liegt sie falsch. Zwar wächst der Gletscher auf Grönland tatsächlich – dies lässt aber keine Schlüsse über den Klimawandel zu. Die Ausdehnung des Meereises sowie die Eismasse der Antarktis schrumpfen. Tatsächlich teilte die Nasa im März 2019 mit, der Jakobshavn-Gletscher auf Grönland werde dicker und bewege sich langsamer. Der Gletscher mündet ins Meer. Die Nasa erklärte den Grund für das Wachstum mit seit 2016 deutlich kühler gewordenem Wasser, das durch Meeresströmungen zu ihm gelangt sei. Die Ursache für das kalte Wasser sei ein bekanntes Klimaphänomen namens Nordatlantische Oszillation (North Atlantic Oscillation, NAO). Wenn es sich verändere, werde der Gletscher wieder stärker schmelzen. Ähnliches führte die Nasa auch in einem Blogartikel von Oktober 2019 aus. Das Wachstum des Gletschers klinge nur auf den ersten Blick nach guten Nachrichten für die globale Erwärmung. „Die NAO ist ein ozeanisches Klimaphänomen, das die Wassertemperaturen im Nordatlantik alle fünf bis 20 Jahre zwischen Warm und Kalt wechseln lässt.“ Es sei nicht von Dauer – der Klimawandel jedoch passiere langfristig. Auf Nachfrage bekräftigt einer der verantwortlichen Forscher der Nasa-Studie, Josh Willis, dies per E-Mail an CORRECTIV: „Obwohl dieser Gletscher gewachsen ist, hat Grönland insgesamt an Eis verloren; 2019 verlor es die zweitgrößte Menge in den letzten zwei Dekaden.“ Die Forschung zeige, wie empfindlich Gletscher auf Veränderungen des Ozeans reagieren. Langfristig werde sich dieser unvermeidlich durch den Klimawandel erwärmen. Und an der Ursache der globalen Erwärmung gebe es keinen Zweifel: „Wir sind es.“ Erst kürzlich, Anfang Februar, teilte das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung mit, der Eispanzer Grönlands schmelze insgesamt immer schneller: „Zum einen taut der Eispanzer an der Oberseite, weil er der Sonne und den steigenden Temperaturen ausgesetzt ist. Doch schmilzt das Eis inzwischen auch von unten – und zwar auch im Nordosten Grönlands, wo sogenannte Gletscherzungen zu finden sind.“ Wir haben die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts um eine Einschätzung zum Wachstum des Jakobshavn-Gletschers im Westen Grönlands gebeten. Die Antwort des Glaziologen Veit Helm: „Der Artikel zeigt in keinster Weise die von Klimaskeptikern gern gesehene Fehlprognose der Klimawissenschaft, sondern verdeutlicht vielmehr den großen Einfluss von geringen Ozeantemperaturschwankungen auf das dynamische Verhalten der Gletscher, umso mehr im Hinblick auf sich gobal erwärmenden Ozeane!“ Die zweite Behauptung des Artikels von Happy Times lautet, die Eisfläche am Südpol nehme angeblich zu, sie habe sich um 17.000 Quadratkilometer vergrößert. Als Quelle wird die Nasa genannt, wir konnten diese Daten jedoch nicht finden. Auf unsere Nachfrage sagen die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, ihnen sei keine Studie bekannt, die diese konkrete Aussage stützt. Es gebe lediglich eine Nasa-Studie von 2015 des Forschers Jay Zwally: Darin ist von einem Zuwachs der Eismasse im Osten der Antarktis die Rede. Dieser sei so groß, dass er den Verlust durch die schmelzenden Gletscher im Westen aufwiege. Die Studie sei jedoch umstritten, schreibt uns Veit Helm vom Alfred-Wegener-Institut. „Alle anderen Wissenschaftler, die mit derselben Datengrundlage gearbeitet haben, kommen auf eine nur geringe Massenzunahme oder sich im Gleichgewicht befindende Ostantarktis. Eine Vergleichsstudie (IMBIE), die Massenbilanzen verschiedener Wissenschaftler Teams und Methoden zusammenfasst, zeigt sehr deutlich, dass die Werte von Zwally in keinster Weise bestätigt werden konnten.“ Josh Willis, der die Nasa-Studie über den Jakobshavn-Gletscher verfasste, schreibt uns auf Nachfrage zu der Antarktis: „Das Eis auf dem Land in der Antarktis schrumpft seit 20 Jahren.“ Bei dem schwimmenden Eis – dem Meereis – rund um den Kontinent gebe es keinen eindeutigen Trend, aber in den vergangenen Jahren sei es ebenfalls auf einem Rekord-Minimum gewesen. Die Nasa schrieb im April 2019 in einem Blogartikel, die schwimmende Eisfläche rund um die Antarktis nehme ab, nachdem sie die Jahre zuvor eher zugenommen habe. Der Grund sei, dass sich „langfristige, großflächige Windphänomene“ umgekehrt hätten, die zuvor das Eis von der Antarktis weggeschoben hatten. Globale Klimamodelle hätten dieses Verhalten vorhergesagt. Auch aus den Daten auf der Webseite der Nasa (bis 2017) geht hervor, dass die Masse des Land-Eises in der Antarktis seit 2002 insgesamt abnimmt, ebenso wie die Eismasse in Grönland. Am Nordpol schrumpft das Meereis ebenfalls seit Jahren stark. In dem Beitrag von 2019 erklärte die Nasa, die Ausdehnung des Eises in der Arktis sei auf dem niedrigsten Stand seit 1850. Die Größe der Eisfläche an den Polen sei wichtig in Bezug auf den Klimawandel, schreibt die Nasa: Das Eis reflektiere mit seiner hellen Oberfläche 50 bis 70 Prozent der Energie der Sonne zurück ins Weltall. Wenn es im Sommer schmelze, entblöße es die dunkle Oberfläche des Meeres, die 90 Prozent des Sonnenlichtes absorbiere. „Wenn der Ozean sich erwärmt, steigen die Temperaturen weiter.“ Dies habe einen Effekt auf die gesamte Erde, auf Ozeanströmungen und somit das Klima. Auch eine weitere Frage, die der Artikel von Happy Times aufwirft („Erwärmt sich die Erde wirklich?“) ist klar zu beantworten: Die globale Oberflächentemperatur hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts laut Nasa um 0,9 Grad Celsius erhöht. Die größte Erwärmung fand in den letzten 35 Jahren statt. Die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen ereigneten sich alle seit 2010.
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Alice Echtermann
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Eine Webseite streut Zweifel am Klimawandel, weil angeblich laut Nasa-Daten ein Gletscher in Grönland wachse und das Eis in der Antarktis zunehme. Letzteres stimmt nicht – und aus dem Gletscher-Wachstum zieht der Artikel falsche Schlüsse.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-02-14T13:06:01+01:00
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2020-02-14T13:06:01+01:00
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2021-06-18T10:38:46+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Der Gletscher in Grönland wächst seit ein paar Jahren, das lässt jedoch keine Schlüsse über den Klimawandel zu. Insgesamt nehmen sowohl die Eismengen in Grönland als auch der Antarktis ab.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/02/14/ein-wachsender-gletscher-auf-groenland-bedeutet-nicht-es-keinen-klimawandel-gibt/
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Nein, der Wissenschaftler Harald Lesch hat 2001 nicht den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bezweifelt
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Der Astrophysiker Harald Lesch informiert öffentlich über den menschengemachten Klimawandel. In einem Youtube-Video wurde nun seine alte TV-Sendung so geschnitten, dass es wirkt, als sei er damals anderer Meinung gewesen. Das Video ist irreführend. von Alice Echtermann Ein Video mit der Überschrift „Harald Lesch vor 20 Jahren! Klimawandel nicht menschengemacht?“ wurde am 16. Januar auf dem Youtube-Kanal „AfD Community“ veröffentlicht und bisher mehr als 2.100 Mal aufgerufen. Der Account ist kein offizieller Kanal der AfD und hat sich inzwischen umbenannt in „Einfach Freiheit“. In dem Video wird eine Episode der Sendung alpha-Centauri von 2001 irreführend zusammengeschnitten. Harald Lesch ist Astrophysiker und tritt seit Jahren im deutschen Fernsehen auf. Erst kürzlich veröffentlichte das ZDF eine Dokumentation über den Klimawandel mit ihm als Moderator. Er spricht darin von einer „menschengemachten Katastrophe“. Von 1998 bis 2007 moderierte Lesch die Wissenschaftssendung alpha-Centauri im Bayerischen Rundfunk. Das geschnittene Video von „AfD Community“ legt nahe, er habe damals in Bezug auf den Klimawandel ganz andere Positionen als heute vertreten. Das Original-Video zeigt jedoch, dass es dafür keine Anhaltspunkte gibt. In dem Original-Beitrag von 2001, der in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks zu finden ist, erklärte Lesch, wie Eiszeiten entstehen, und dass wir aktuell in einer Warmzeit innerhalb einer Eiszeit leben (im Original-Video ab Minute 10:00). In reinen Warmzeiten sei die Erde viel wärmer als heute gewesen, und in diesem Klima hätten sich zum Beispiel die Dinosaurier entwickeln können (ab Minute 5:46). Die Gründe für die Entstehung von Eiszeiten seien tektonische Plattenverschiebungen und Veränderungen von Meeres- und Luftströmungen. Auch die Neigung der Erdachse könne einen gewissen Anteil haben, diesen bezeichnete Lesch allerdings als gering (ab Minute 11:28). Er erwähnte auch, dass es in den letzten drei oder vier Millionen Jahren immer wieder starke Sprünge innerhalb von zehn Jahren in der Durchschnittstemperatur von bis zu 14 Grad gegeben habe. „Das Wetter scheint in den Eiszeiten wesentlich instabiler zu sein, als in den Warmzeiten.“ (ab Minute 8:50) Vor allem auf diese letzten Aussagen fokussiert sich das geschnittene Video von „AfD Community“ und reißt das, was Lesch sagt, aus dem Kontext. Besonders hervorgehoben wird der Satz: „Man muss erstmal wissen, wovon man spricht, bevor man anfängt, vorzuschlagen, was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun, beziehungsweise, wovor müssen wir uns schützen.“ (Im Original bei Minute 1:29) Im Youtube-Video von „AfD Community“ wird dieser Satz direkt nach andere Aussagen gesetzt, so dass er wie Kritik an denjenigen wirkt, die einen menschlichen Einfluss auf das Klima prognostizieren (ab Minute 1:30): Zur Zeit der Dinosaurier sei es viel wärmer als heute gewesen, „[…] also es war sehr, sehr warm. Es war sehr, sehr schwül. [Schnitt] Wir leben in einer Eiszeit. Meine Damen und Herren, jetzt ist Eiszeit. [Schnitt] Wir sind zwar jetzt in einer Eiszeit, aber wir sind in einer Warmzeit einer Eiszeit. [Schnitt] Aber der größte Teil der Erdgeschichte war völlig eisfrei. [Schnitt] Man muss erstmal wissen, wovon man spricht, bevor man anfängt, vorzuschlagen, was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun, beziehungsweise, wovor müssen wir uns schützen.“ Der Satz stammt jedoch aus einem ganz anderen Kontext und steht ganz am Anfang des Original-Videos. Lesch kündigt an, es werde um Eiszeiten gehen, und sagt dann: „Natürlich höre ich schon einige, die sagen: ‘Jetzt kommt der mir mit Eiszeiten. Wir sind doch in der Zeit des Global Warming.’ […] Am Ende der Sendung werden wir schon noch dahin kommen, aber wenn man versteht, wie Eiszeiten entstehen, […] dann versteht man mehr über das Wetter. Und wenn man mehr über das globale Wetter versteht, dann versteht man vielleicht auch, wie es zum Global Warming kommt, ob wir Menschen darauf einen erheblichen Einfluss darauf haben, oder ob es sich um rein natürliche Phänome… Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich will hier niemandem das Wort reden, jetzt in Zukunft weiter Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen. Aber man muss erstmal wissen, wovon man spricht, bevor man anfängt, vorzuschlagen, was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun, beziehungsweise, wovor müssen wir uns schützen.“ Am Ende des Original-Videos kommt Lesch noch einmal auf den Klimawandel zurück (ab Minute 12:57): „Das Wetter ist eine unglaublich instabile Angelegenheit. Gerade diese Sprünge, die innerhalb von zehn Jahren solche Temperaturänderung von bis zu 14, 15 Grad bedeuten – das wäre eine absolute Katastrophe, wenn uns das heute passieren würde. Und wir müssen sagen, um wieder auf das Global Warming zurückzukommen: Wir müssen aufpassen. Oder, um es so zu sagen: Der Homo Sapiens erkennt das Richtige, tut aber manchmal das Falsche.“ Es wird also klar, dass Lesch mit dem Video nicht vorhatte, den Einfluss von Treibhausgasen auf das Klima zu bestreiten. Er betonte aber, dass es wichtig sei, auch andere Faktoren, die das Klima verändern, zu kennen. Auf Anfrage von CORRECTIV schreibt Lesch per E-Mail: „Die Eiszeiten sind eine Erscheinung des Klimas. Die Temperatursprünge, von denen ich im Rahmen eines Videos spreche, heißen Dansgaard-Oeschger-Ereignisse und sind verursacht durch Zusammenbrüche von Meeresströmungen, wie dem Golfstrom […]. Die Eiszeiten haben ihren Ursprung durch astronomische Faktoren (Milanković-Zyklen), die werden aber durch den vom Menschen verursachten Klimawandel inzwischen ausgeschaltet.“ Am Telefon ergänzt Lesch, er habe in keinem seiner früheren Videos gesagt, dass das Klima nicht vom Menschen beeinflusst werde. Aber Ehrlichkeit sei ihm wichtig: Es sollte nicht verschwiegen werden, dass es auch natürliche Einflüsse auf das Klima gebe. „Niemand bestreitet, dass das Klima natürliche Schwankungen hat, aber der menschliche Einfluss ist die Spritze direkt in die Vene des Klimasystems.“ Lesch verweist auch auf einen Wissenschaftsartikel des Tagesspiegel von Mai 2018, in dem es ebenfalls heißt, die nächste Eiszeit könnte ausfallen: „Unsere Emissionen von Kohlendioxid haben uns auf eine rasante Reise in ein Heißzeit-Klima geschickt, wie es keiner unserer fernsten Vorfahren je erlebte. Es könnte demjenigen gleichen, das auf der Erde herrschte, ehe das aktuelle Eiszeitalter anbrach.“
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Alice Echtermann
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Der Astrophysiker Harald Lesch informiert öffentlich über den menschengemachten Klimawandel. In einem Youtube-Video wurde nun seine alte TV-Sendung so geschnitten, dass es wirkt, als sei er damals anderer Meinung gewesen. Das Video ist irreführend.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-02-05T15:32:55+01:00
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2020-02-05T15:32:55+01:00
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2021-06-18T10:39:13+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Das Video ist so geschnitten, dass ein falscher Eindruck entsteht.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2020/02/05/nein-der-wissenschaftler-harald-lesch-hat-2001-nicht-den-menschlichen-einfluss-auf-den-klimawandel-bezweifelt/
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Honig kann verderben – aber er ist sehr lange haltbar
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In einem Instagram-Beitrag der Seite „Patenfakten“ wird behauptet, dass Honig nie verderbe und auch nach 3.000 Jahren noch essbar sei. Das stimmt nicht ganz. von Till Eckert „Honig ist das einzige Lebensmittel, dass nie verdirbt. Ihr könntet also durchaus Honig essen, der 3.000 Jahre alt ist“, behauptet die Instagram-Seite „Patenfakten“ in einem Beitrag vom 20. Dezember 2019. Doch stimmt das auch? Wir haben beim Bundeszentrum für Ernährung und beim Deutschen Imkerbund nachgefragt. Harald Seitz vom Bundesamt für Ernährung, das auf seiner Webseite über Honig informiert, schrieb auf unsere Anfrage per E-Mail: „Die Haltbarkeit von Honig ist abhängig von der Qualität des Honigs und von den Lagerbedingungen. Je höher der Zuckergehalt, je niedriger der Wassergehalt eines Honigs und je homogener der Honig bereits bei der Abfüllung ist, umso besser sind die Voraussetzungen für eine lange Haltbarkeit.“ Laut Seitz beeinflussen Imker bereits bei der Honigernte und -bearbeitung die Haltbarkeit. Diese legten auch selbst das gesetzlich vorgeschriebene Mindesthaltbarkeitsdatum fest, meist zwei Jahre. „Bei Honigen mit höherem Wassergehalt (z. B. Heidehonig) oder saureren Honigen (z. B. Gamander-Honig, Honig aus dem Blütennektar von Lippenblütlern der Pflanzengattung Gamander) ist meist ein Mindesthaltbarkeitsdatum von 12 Monaten angegeben“, schreibt Seitz. Grundsätzlich solle man darauf achten, ob der Honig gleichmäßig aussieht und keinen Fremdgeruch habe. Dann sei alles in Ordnung. „Es kann jedoch passieren, dass Honig umkippt und zu gären beginnt“, schreibt Seitz. Das könne zum Beispiel der Fall sein, wenn der Honig einen zu hohen Wassergehalt habe. Dann könnten sich Hefen vermehren und den Zucker zu Kohlendioxid und Alkohol abbauen. „Der Deckel wölbt sich dann eventuell und es kann beim Öffnen des Honigglases ein wenig zischen. Ein gegorener Honig riecht fruchtig oder säuerlich-alkoholisch. Auf der Oberfläche des Honigs bilden sich kleine Bläschen, bei stärkerer Gärung auch Schaum. Sie sollten vergorenen Honig nicht mehr verzehren.“ Auch Olaf Lück, der Geschäftsführer des Deutschen Imkerbunds, schreibt per E-Mail: „In der Tat ist Honig tatsächlich sehr lange haltbar – vorausgesetzt, er wird dunkel, kühl und trocken gelagert.“ Honig könne aber sortenabhängig verderben, beziehungsweise säuern, wenn der Wassergehalt über 18 Prozent liege. „Dann können zuckerliebende Hefen, die sich in der Luft befinden und im Glas mit eingeschlossen sind, vermehren, da genügend nicht an Zucker gebundenes Wasser vorhanden ist. Dann wird durch die Verstoffwechselung der Hefen aus den Zuckern Alkohol; der Honig gärt. Dieses Produkt ist im Ergebnis als Met bekannt.“ Der Imkerverband legt in seinen Qualitätsrichtlinien für die Bezeichnung „Echter Deutscher Honig“ fest, dass der Wassergehalt unter 18 Prozent liegen müsse. Honig aus angefangenen Gläsern könne auch solange verzehrt werden, „wie er schmeckt“, schreibt Lück. Gärenden Honig könne man sogar noch zum Backen verwenden. „Für länger bereits geöffnete Gläser empfehlen wir, kurz zu probieren und dann entscheiden, ob aufs Brot oder in den Kuchen.“
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Till Eckert
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In einem Instagram-Beitrag der Seite „Patenfakten“ wird behauptet, dass Honig nie verderbe und auch nach 3.000 Jahren noch essbar sei. Das stimmt nicht ganz.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-02-05T13:11:08+01:00
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2020-02-05T13:11:08+01:00
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2020-02-05T13:11:08+01:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Honig kann sortenabhängig verderben, wenn der Wassergehalt zu hoch ist; richtig gelagert ist er aber sehr lange haltbar.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2020/02/05/honig-kann-verderben-aber-er-ist-sehr-lange-haltbar/
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Nein, das Sumatra-Nashorn ist nicht ausgestorben
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In einem Instagram-Beitrag von „Faktastisch“ wird behauptet, nachdem das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia gestorben sei, sei die Art nun „offiziell ausgestorben“. Das ist falsch – sie ist in Malaysia ausgestorben, anderswo gibt noch Tiere, wenn auch nur wenige. von Alice Echtermann Im November 2019 berichteten Medien über den Tod des letzten Sumatra-Nashorns in Malaysia. Das Weibchen namens Iman sei an Krebs gestorben. Daraufhin veröffentlichte die Seite „Faktastisch“, die Nachrichten und kurze Fakten über verschiedene Themen verbreitet, am 25. November auf Instagram ein Bild, in dem es heißt: „Malaysias letztes Sumatra-Nashorn ist gestorben. Damit ist die Tierart jetzt offiziell ausgestorben.“ Der Beitrag hat bereits mehr als 186.500 Likes (Stand: 22. Januar 2020). Die Formulierung von „Faktastisch“ kann so verstanden werden, dass es nun weltweit kein einziges Sumatra-Nashorn mehr gebe. Das stimmt nicht, wie auch Nutzer auf Instagram bereits in den Kommentaren angemerkt haben. Der Link, der in dem Instagram-Post unten links als Quelle angegeben wird, funktioniert nicht. Was stimmt, ist, dass das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia im November 2019 gestorben ist. Das Umweltministerium des Bundesstaates Sabah hatte bereits Ende 2017 mitgeteilt, bei dem Weibchen sei Krebs im Uterus diagnostiziert worden. In den Medienberichten über den Tod des Tieres, zum Beispiel bei National Geographic oder dem Spiegel, wird jedoch stets erwähnt, dass noch andere Exemplare der Nashorn-Art auf Sumatra, also in Indonesien, leben. So steht es auch in einer Pressemitteilung des WWF von November 2019. Die Art sei aber stark vom Aussterben bedroht. Die „letzte Hoffnung“ sei die Sumatra-Nashorn-Allianz der indonesischen Regierung mit dem WWF, der Weltnaturschutzunion IUCN, National Geographic, der International Rhino Foundation und Global Wildlife Conservation. Sie solle die wild lebenden Tiere schützen und ein Zuchtprogramm vorantreiben. Laut dieser Initiative (Sumatran Rhino Rescue) gibt es aktuell weniger als 80 Sumatra-Nashörner weltweit. Offiziell ausgestorben ist die Art aber noch nicht.
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Alice Echtermann
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In einem Instagram-Beitrag von „Faktastisch“ wird behauptet, nachdem das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia gestorben sei, sei die Art nun „offiziell ausgestorben“. Das ist falsch – sie ist in Malaysia ausgestorben, anderswo gibt noch Tiere, wenn auch nur wenige.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-01-23T12:50:31+01:00
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2020-01-23T12:50:31+01:00
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2020-01-23T12:51:49+01:00
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Falsch
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Falsch. Das Sumatra-Nashorn ist nicht ausgestorben. Die Art ist vom Aussterben bedroht, es gibt aber noch Tiere in Indonesien.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2020/01/23/nein-das-sumatra-nashorn-ist-nicht-ausgestorben/
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Australien: Nein, die Grünen haben nicht kontrollierte Brände zur Vorbeugung von Buschfeuern gestoppt
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Im Kontext der Buschbrände in Australien wird immer wieder die Behauptung verbreitet, die Grünen seien Schuld an der starken Ausbreitung der Feuer – denn sie hätten das kontrollierte Abbrennen von Unterholz gestoppt, das eingesetzt werde, um großen Bränden vorzubeugen. Das ist nicht richtig. von Alice Echtermann In gleich zwei Artikeln auf der Webseite Epoch Times wird den Grünen in Australien die Schuld am Ausmaß der Buschbrände der vergangenen Monate gegeben. In einem Artikel mit dem Titel „Die Waldbrände in Australien – Desaster durch Verordnungswut der Grünen“ heißt es, um Buschbrände zu verhindern, hätten bereits die Ureinwohner Australiens kontrolliert Feuer gelegt. Diese Maßnahmen seien vor 20 Jahren durch die Grünen abgeschafft worden: „Das Verbot der vorsorglichen Brände auf Druck der Grünen führte zu einem Desaster.“ Nach großen Waldbränden 2016 sei das Abbrennen dann vorgeschrieben worden. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 600 Mal auf Facebook geteilt. Die Behauptung, die Grünen hätten ein Verbot der kontrollierten Brände erwirkt, ist jedoch falsch. Der zweite Text mit dem Titel „Australischer Feuerwehrverband: Der Klimawandel ist nicht an der Brandkatastrophe schuld“ wurde mehr als 2.300 Mal geteilt. Darin wird eine Mitteilung eines Verbands der Freiwilligen Feuerwehr im Bundesstaat New South Wales zitiert, und ebenfalls behauptet: „Das kontrollierte Abbrennen wurde von der Grünen Ideologie gestoppt, weil dem jeweils eine Menge Bodenfauna zum Opfer fiel.“ Auch die Behauptung, die Grünen hätten die kontrollierten Brände gestoppt, ist falsch. Kontrolliertes Abbrennen von Unterholz oder trockenen Blättern wird in Australien laut dem Forscher David Bowman von der University of Tasmania als „prescribed burning“, „hazard reduction burning“ oder auch „fuel reduction burning“ bezeichnet. Solche Brände werden je nach Region unterschiedlich regelmäßig durchgeführt. Im Bundesstaat Western Australia gibt der Parks and Wildlife Service sogar explizit Tipps für die Planung eines solchen Feuers und zeigt auf seiner Webseite, wo am jeweiligen Tag Brände geplant sind. Der Guardian hat bereits im November in einem Faktencheck die Vorwürfe gegen die australischen Grünen untersucht, die offenbar auch in Australien weit verbreitet sind, und kam zu dem Schluss, dass sie haltlos seien: Allein in New South Wales habe der National Parks and Wildlife Service 2018 und 2019 Brandmaßnahmen auf mehr als 139.000 Hektar durchgeführt. Die Meldung des Feuerwehrverbands Volunteer Firefighters Association aus New South Wales, die die Epoch Times in dem Artikel vom 14. Januar 2020 zitiert und auch verlinkt, stammt von September 2013. Tatsächlich steht darin, der Verband weise die Behauptung von „grünen Alarmisten“ zurück, dass vor allem der Klimawandel für Buschbrände in der Region verantwortlich sei. „Die wahre Schuld liegt bei den Grünen und ihrer Ideologie, weil sie fortwährend unsere Bemühungen zur Gefahrenreduzierung [hazard reduction] in den kühleren Monaten untergraben und Landbesitzer davon abhalten, ihr Land zu säubern, um das Buschfeuer-Risiko zu reduzieren.“ Diese Meldung hat jedoch mit den Buschfeuern in der Saison 2019/2020 nichts zu tun. Die Feuerwehr gibt den Grünen darin außerdem vor allem die Schuld an der Bürokratie, die sie zu durchlaufen habe, um ein präventives Feuer genehmigt zu bekommen. Von einem Verbot ist nicht die Rede. Auch zu der Behauptung, die Feuer seien vor 20 Jahren verboten und erst 2016 wieder eingeführt worden, konnten wir keine Quellen finden. Google-Suchen nach „prescribed burnings Australia“ und „hazard reduction burning Australia“ zwischen 2000 und 2016 führen zu zahlreichen Treffern, aus denen hervorgeht, dass die Feuer nicht verboten waren. Eine Auswertung für das australische Parlament von 2002 nannte die kontrollierten Brände als das wichtigste Mittel, um das Risiko von Buschfeuern zu reduzieren. Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass sie sie nicht völlig verhindern können: Unter extremen Bedingungen könne das Feuer auch über Land mit sehr wenig brennbarem Material ziehen. Die kontrollierten Brände sollten nicht uniform angewendet werden, sondern die Frequenz und Größe sollte sich nach der Beschaffenheit der jeweiligen Region richten. Die grüne Partei Australiens (The Greens) widerspricht aktuell auf ihrer Webseite der Behauptung, sie verhindere des Legen kontrollierter Brände: „Die Australischen Grünen unterstützen Brände zur Gefahrenreduzierung und Gegenbrände [um ein existierendes Feuer einzudämmen, Anm. d. Red.], um die Auswirkungen von Buschfeuern zu reduzieren, wenn sie von der besten wissenschaftlichen, ökologischen und Notfallexpertise begleitet werden.“ Die Grünen greifen auch die Vorwürfe gegen sie in einer Art Faktencheck auf und schreiben, die Anschuldigungen seien falsch. Die Grünen waren in Australien noch nie an der Regierung. Generell fanden wir bei der Recherche keine Hinweise, dass sie ein Verbot von kontrollierten Bränden gefordert haben. Allerdings weisen die Grünen stets darauf hin, dass die Feuer umweltverträglich sein müssten. Auf der Webseite der Grünen in New South Wales heißt es, die kontrollierten Brände müssten gut geplant und ökologisch verträglich sein. Dasselbe schreiben auch die Grünen im Bundesstaat Victoria auf ihrer Webseite. Es gibt gesetzliche Regularien für den präventiven Umgang mit Buschfeuern, über die das australische Umweltministerium auf seiner Webseite informiert. Das Gesetz ist von 1999. Auch dort ist nirgends von einem Verbot kontrollierter Feuer die Rede. Teilweise sei aber nach dem nationalen Umweltrecht eine Genehmigung nötig. Über die Effektivität der kontrollierten Brände wird in Australien diskutiert, Forscher wollen sie aktuell noch besser untersuchen. Der Forscher David Bowman schrieb in seinem Artikel 2014, die Maßnahmen seien zwar wichtig, aber auch teuer und gefährlich. Seit Jahren ist es in Australien also ein Streitthema, ob es mehr oder weniger dieser kontrollierten Brände geben sollte. So berichtete ABC im Februar 2019, ein ehemaliger Feuerwehrchef aus Victoria habe mehr solcher Maßnahmen gefordert. Viele seien zu zögerlich damit. In einem weiteren Medienbericht von ABC vom 6. Januar 2020 kommen ebenfalls Experten zu Wort, nach deren Meinung es zu wenig kontrollierte Brände gibt. In dem Artikel sagt derselbe Experte jedoch auch, dass die Grünen zu Unrecht beschuldigt würden. Denn es gebe viele Erklärungen, warum die kontrollierten Brände selten ausgeführt werden, zum Beispiel, dass sich manche Gegenden nicht dafür eignen würden. Außerdem, wie der ehemalige Feuerwehr-Commission Greg Mullins aus New South Wales im November 2019 in einem Meinungsbeitrag im Sydney Morning Herald schrieb, hielten wärmere und trockene Wetterbedingungen mit höherer Feuergefahr die Behörden davon ab. Es sei oft entweder zu nass, zu trocken oder zu windig, um das Unterholz sicher zu verbrennen. „Den ‘Greenies’ die Schuld am Stop dieser wichtigen Maßnahmen zu geben, ist eine bekannte, populistische, aber unwahre Behauptung“, so Mullins. Weitere Behauptungen über die Buschfeuer in Australien haben wir hier überprüft.
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Alice Echtermann
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Im Kontext der Buschbrände in Australien wird immer wieder die Behauptung verbreitet, die Grünen seien Schuld an der starken Ausbreitung der Feuer – denn sie hätten das kontrollierte Abbrennen von Unterholz gestoppt, das eingesetzt werde, um großen Bränden vorzubeugen. Das ist nicht richtig.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-01-23T12:16:05+01:00
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2020-01-23T12:16:05+01:00
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2021-06-18T10:39:40+02:00
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Falsch
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Falsch. Die Grünen haben kontrollierte Brände zur Vorbeugung von Buschfeuern in Australien nicht gestoppt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/23/australien-nein-die-gruenen-haben-nicht-kontrollierte-braende-zur-vorbeugung-von-buschfeuern-gestoppt/
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Buschbrände in Australien: Keine Belege, dass Mitglieder einer „grünen Bewegung“ Feuer gelegt haben
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Im Netz kursiert die Behauptung, in Australien seien etwa 180 Menschen wegen Verdacht auf Brandstiftung festgenommen worden, die der „grünen Bewegung“ zugerechnet würden. Dafür gibt es keine Belege. von Till Eckert Eine Facebook-Nutzerin behauptet in einem Beitrag vom 12. Januar, dass in Australien etwa „200 Personen wegen dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen“ worden seien. Davon könnten etwa „180 der australischen grünen Bewegung zugerechnet“ werden. Einen Beleg oder eine Quelle dafür liefert die Facebook-Nutzerin nicht. Der Beitrag wurde bisher rund 540 Mal geteilt. Der Ursprung der Behauptung ist womöglich ein Tweet vom 10. Januar. Er wurde bisher mehr als 400 Mal retweetet. Die angegeben Zahlen stammen vermutlich aus einer Pressemitteilung der Polizei New South Wales, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. Dass also 200 Personen festgenommen wurden, weil sie „Brände gelegt haben sollen“, lässt sich so nicht sagen. Richtig ist: Es gab in den vergangenen Monaten in verschiedenen Bundesstaaten Ermittlungen und Anklagen gegen Menschen, die mutmaßlich fahrlässig handelten oder absichtlich Feuer legten. Die Polizei in Victoria etwa widerspricht der Behauptung, nach der die Feuer hauptsächlich durch Brandstiftung entstanden seien laut einem Bericht des Guardian – es gebe dafür keine Indizien. Auf CORRECTIV-Anfrage an die Polizei in New South Wales, ob die Personen, gegen die wegen Brandstiftung ermittelt wurde, der „grünen Bewegung“ zugeordnet werden könnten, antwortete Sprecherin Joanne Elliot: „Die angeklagten Personen sind nun vor Gericht, es gibt jedoch keine unmittelbare Information über ihre Motivation.“ Wegen Brandstiftung angeklagt wurden laut Polizei lediglich die oben genannten 24 Personen. Bei den restlichen Personen lag wie gesagt Fahrlässigkeit vor.
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Till Eckert
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Im Netz kursiert die Behauptung, in Australien seien etwa 180 Menschen wegen Verdacht auf Brandstiftung festgenommen worden, die der „grünen Bewegung“ zugerechnet würden. Dafür gibt es keine Belege.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-01-20T19:31:55+01:00
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2020-01-20T19:31:55+01:00
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2021-06-18T10:40:16+02:00
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Unbelegt
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Unbelegt. Wales ermittelte gegen etwa 180 Personen, aber nur gegen 24 wegen Brandstiftung. Es gibt keine Belege dafür, dass diese 24 angeklagten mutmaßlichen Brandstifter der „grünen Bewegung“ angehören.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/20/buschbraende-in-australien-keine-belege-dass-mitglieder-einer-gruenen-bewegung-feuer-gelegt-haben/
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Keine Belege, dass die Strahlenbelastung durch 5G zunehmen wird
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Steigt durch 5G die Strahlenbelastung und die gesundheitliche Gefahr für Menschen? Das wird immer wieder im Netz behauptet. Belege dafür gibt es allerdings keine. von Till Eckert Ein Facebook-Beitrag vom 11. Juli verbreitet das Bild von einem Text, in dem mehrere Behauptungen zum neuen Mobilfunkstandard 5G aufgestellt werden. So soll angeblich mehr Volt pro Meter als bisher ausgestrahlt werden, außerdem gebe es generell eine „Zunahme der Strahlenbelastung“ durch 5G. Dadurch werde sich das „Gefährdungspotenzial um ein mehrfaches steigern“. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus dem Flugblatt „Stimme und Gegenstimme“, Ausgabe 12/2019, wie wir durch eine Google-Suche herausfanden. Der Beitrag wurde bisher mehr als 230 Mal geteilt. Ein Leser hat ihn uns zugeschickt und bat uns, die Sache zu prüfen. Das hat ergeben: Es gibt für keine Belege für die Behauptung. Der Facebook-Beitrag suggeriert, dass für die 5G-Technik höhere Grenzwerte gelten würden als bisher: So dürften die aktuellen Mobilfunknetze nicht mehr als fünf bis sechs Volt pro Meter „an Sendeleistung strahlen“, bei 5G jedoch müssten circa „alle 100 Meter Mobilfunkantennen stehen, deren elektrische Feldstärke weit über 61 Volt pro Meter“ betrage. Beides ist nicht der Fall. Was stimmt: 5G benötigt mehr Funktechnologie als die bisherigen Mobilfunkstandards. Das wird laut Bundesamt für Strahlenschutz tatsächlich zu einem „deutlichen Ausbau der Sendeanlagen“ führen. Das Bundesamt schreibt zudem: „Auch die Zahl der Sendeanlagen und Geräte, die elektromagnetische Felder erzeugen, nimmt damit [durch den 5G-Ausbau] zu.“ Wie viele neue Sendeanlagen letztlich wirklich benötigt werden, um ein flächendeckendes Netz bereitzustellen, ist allerdings unklar, das hängt laut Bundesumweltministerium von den „individuellen Netzplanungen der Anbieter“ und „der Entwicklung des Marktes“ ab – und die in Deutschland vorhandenen circa 75.000 Mobilfunkstandorte können überwiegend auch für 5G mitgenutzt werden. Ob neue Anlagen sich in 100 Metern Abstand befinden „müssen“, lässt sich ebenfalls nicht so pauschal sagen, das Bundesumweltministerium schreibt dazu (unter „Elektromagnetische Felder“): „Da die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, ist die genaue Feldverteilung noch nicht bekannt.“ Die elektrische Feldstärke Volt pro Meter ist bei 5G außerdem nicht höher als bei LTE oder UMTS. Der Grenzwert bleibt gleich hoch bei 61 Volt pro Meter. Die Bundesnetzagentur legt für jede Antenne einzeln Sicherheitsabstände für Orte fest, in denen sich Menschen aufhalten, und berücksichtigt dabei auch die bisher vorhandenen Antennen im Umkreis. Der Sicherheitsabstand muss „üblicherweise nur wenige Meter in Abstrahlrichtung der Antenne liegen“. In Sachen Sicherheitsabstände und Grenzwerte gelten laut Bundesumweltministerium (unter „Elektromagnetische Felder“) alle Regelungen „für 5G in gleicher Weise wie für die bisherigen Mobilfunknetze“. Die 5G-Technologie soll anders als die bisherigen Mobilfunktechnologien funktionieren. Daten sollen zum Beispiel durch sogenanntes „Beamforming“ nur dann übertragen werden, wenn Nutzer in der Nähe sind und sie auch benötigen. Das Verfahren findet laut des Magazins IP-Insider bereits bei aktuellen WLAN-Routern Verwendung. Vodafone testet die „Beamforming“-Technik bei 5G nach eigenen Angaben seit Mai 2018. Die Daten über die Funksendeanlagen sollen demnach flexibel übertragen werden – je nach Bedarf. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags schreibt dazu (PDF, Seite 4): „Die intelligenten Antennen, auch ‘adaptive’ Antennen genannt, können das Signal in die Richtung des Nutzers bzw. des Mobilfunkgerätes fokussieren. Damit wird in die Richtung des Nutzers eine hohe Leistung abgestrahlt, in allen anderen Richtungen ist die Leistung jedoch niedriger. Insgesamt haben adaptive Antennen dadurch eine geringere Strahlenbelastung zur Folge als herkömmliche Antennen.“ Weil die Datenübertragung also immer schwanken und verschiedene Antennentechniken zum Einsatz kommen sollen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, ob die Strahlenbelastung zunehmen wird. Zudem ist nicht geklärt, wann und in welchem Ausmaß der 5G-Ausbau stattfinden wird. In Berlin wird 5G laut der Telekom schon seit Mai 2018 ausgebaut und getestet. Ein Sprecher sagte CORRECTIV im Mai am Telefon, bisher gebe es 70 Antennenstandorte in Berlin, die meisten davon im Stadtteil Charlottenburg. Doch verlässliche deutschlandweite Erhebungen zur Anzahl der neuen Sendeanlagen und der möglichen Strahlenbelastung soll es erst dann geben, wenn 5G flächendeckend in Betrieb gegangen ist. Informationen zu Grenzwerten sind bislang reine Spekulation. Das Bundesamt für Strahlenschutz „rät zu einem umsichtigen Ausbau von 5G“ und will „die Wirkung der neuen Frequenzbereiche weiter erforschen“. Im Facebook-Beitrag wird außerdem behauptet, dass sich das „Gefährdungspotenzial“ durch 5G um ein mehrfaches steigern werde. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls Spekulation. Das Bundesumweltministerium schreibt dazu: „Die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen sind auch für die derzeit für 5G zur Verfügung stehenden Frequenzen weitestgehend aussagekräftig: Innerhalb der gültigen Grenzwerte und bei Einhaltung der an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gibt es demnach keine bestätigten Belege für eine gesundheitliche Wirkung des Mobilfunks.“ Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestags kam im April 2019 zu dem Fazit, dass die Unsicherheiten zwar nicht völlig ausgeräumt seien. Aber: „Trotz der umfangreichen Untersuchungen konnte bisher kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Mobilfunk und den gesundheitlichen Auswirkungen bestätigt werden.“ Über die Sorge darüber, dass von 5G eine Gefahr für Menschen ausgehen könnte, haben wir einen Hintergrundbericht veröffentlicht, in dem wir auf die aktuelle Studienlage eingehen. Zusammengefasst lässt sich folgendes zu 5G sagen: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf uns wirken könnte. Zudem ist anhand der aktuellen Studienlage nicht belegt, ob und wie gefährlich sie uns werden könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen werden und mehr Forschung zu ihrer Schädlichkeit stattfinden.
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Till Eckert
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-01-20T19:10:12+01:00
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2020-01-20T19:10:12+01:00
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2020-07-17T09:38:13+02:00
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Unbelegt
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Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass die Strahlenbelastung durch 5G zunimmt oder das Gefährdungspotenzial für Menschen steigt.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2020/01/20/keine-belege-dass-die-strahlenbelastung-durch-5g-zunehmen-wird/
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Nein, Tesla wirbt nicht ausschließlich polnische Mitarbeiter für das geplante Werk in Brandenburg an
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Tesla baut in Brandenburg einen neuen Standort und will dort 2021 mit der Produktion starten. Dafür werden Mitarbeiter gesucht, unter anderem mit polnischen Sprachkenntnissen. Die AfD Bayern behauptet deshalb, dass ausschließlich Menschen aus Polen eingestellt werden sollen und liegt damit falsch. von Bianca Hoffmann Eine Stellenanzeige des Elektroauto-Herstellers Tesla für den geplanten neuen Produktionsstandort in Brandenburg hat bei der AfD Bayern offenbar für Verwunderung gesorgt. Darin wird ein „Recruitment Operations Coordinator“ gesucht, der unter anderem Polnisch spricht. Die Partei erstellte ein Bild, das sie am 14. Januar bei Facebook teilte. Die Behauptung lautet, Tesla werbe gezielt polnische Mitarbeiter an. Im dazugehörigen Text behauptet die AfD, Tesla suche „ausschließlich Mitarbeiter, die fließend Polnisch sprechen“. Außerdem wird spekuliert, es sei nie geplant gewesen, deutsche Ingenieure für das Werk in Brandenburg zu gewinnen. Der Blog Politikstube nahm die Behauptungen der AfD auf und veröffentlichte dazu einen Beitrag. Allerdings sind die Behauptungen falsch. Tesla hatte im November 2019 angekündigt, einen Produktionsstandort in Deutschland zu bauen. Dort sollen Batterien und Fahrzeuge gebaut werden. Die Wahl fiel auf den Ort Grünheide in Brandenburg. Hier investiert das Unternehmen mindestens 1,065 Milliarden Euro. Insgesamt sind momentan 35 Stellen für das neue Werk ausgeschrieben (Stand: 17. Januar 2020). Dies sind vor allem Führungspositionen. Unter anderem war bis zum 15. Januar noch die Stelle des „Recruitment Operations Coordinator“ ausgeschrieben. Für diese Stelle sollten die Bewerber über deutsche, polnische und englische Sprachkenntnisse verfügen. Die Stellenausschreibung wurde inzwischen entfernt, wir haben sie aber archiviert. Auf die Frage, ob in Zukunft ausschließlich Mitarbeiter gewonnen werden sollen, die fließend Polnisch sprechen, antwortet Kathrin Schira, Pressesprecherin von Tesla, mit einem Wort: „Nein!” Wer den Job als „Recruitment Operations Coordinator“ bekommt, soll laut Stellenanzeige für die Organisation von Bewerbungsgesprächen zuständig sein. Insgesamt 12.000 Menschen sollen in den kommenden Jahren insgesamt im neuen Tesla-Werk arbeiten, schreibt die Sprecherin des Unternehmens an CORRECTIV. Die polnische Grenze ist vom geplanten Standort nur etwa 60 Kilometer entfernt. „Die Stellenbeschreibung richtet sich an die von uns gesuchten Recruiter, die sich vorzugsweise in Deutsch, Englisch und Polnisch an zukünftige Mitarbeiter wenden können“, so Kathrin Schira. Viele andere Stellenausschreibungen fordern nur Deutsch und Englisch als Sprachkenntnisse (zum Beispiel hier und hier). Selbst die Quellen, die die AfD in ihrem Beitrag nennt – die Welt („Tesla schaltet verräterische Stellenanzeige“) und Achse des Guten („Wenn der Tesla auf polnisch hupt“) – schreiben richtig, dass Tesla wohl „auch Mitarbeiter aus dem Nachbarland“ anwerben wolle. Auch, nicht ausschließlich. Zu der Behauptung der AfD Bayern in ihrem Facebook-Beitrag, es sei nie geplant gewesen, deutsche Ingenieure für das Werk in Brandenburg zu gewinnen, schreibt die Sprecherin: „Das stimmt nicht. Ganz im Gegenteil: Deutschland hat großartige Ingenieure, die wir hoffentlich für uns gewinnen können.“
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Bianca Hoffmann
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Tesla baut in Brandenburg einen neuen Standort und will dort 2021 mit der Produktion starten. Dafür werden Mitarbeiter gesucht, unter anderem mit polnischen Sprachkenntnissen. Die AfD Bayern behauptet deshalb, dass ausschließlich Menschen aus Polen eingestellt werden sollen und liegt damit falsch.
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"Faktencheck",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2020-01-17T18:08:31+01:00
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2020-01-17T18:08:31+01:00
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Falsch
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Es sollen nicht nur Menschen aus Polen im neuen Werk von Tesla in Brandenburg angestellt werden.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/17/nein-tesla-wirbt-nicht-ausschliesslich-polnische-mitarbeiter-fuer-das-geplante-werk-in-brandenburg-an/
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Nein, „C.A.R.E.-Diesel“ ist weder eine „deutsche Innovation“, noch wird er von der Bundesregierung abgelehnt
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Hat die Bundesregierung kein Interesse an alternativen Treibstoffen, die viel CO2 einsparen? Geht es nach einem Bild, das gerade auf Facebook kursiert, könnte man genau das annehmen. An den Behauptungen ist allerdings nicht viel dran. von Bianca Hoffmann Die Facebook-Seite „Informiert statt Uninformiert“ stellt regelmäßig Bilder auf Facebook, die sich die Nutzer herunterladen und weiterverbreiten können. In einem Post vom 18. Dezember 2019 geht es um den sogenannten „C.A.R.E.-Diesel“, einen alternativen Kraftstoff, der angeblich bis zu 65 Prozent CO2 einsparen könne. Das Problem ist laut „Informiert statt Uninformiert“, dass die Bundesregierung die Einführung des Kraftstoffes angeblich ablehnen würde. Inzwischen wurde das Bild schon mehr als 45.000 Mal auf Facebook geteilt (Stand: 15. Januar 2020). CORRECTIV hat sich die Hauptbehauptungen, die im Bild genannt werden, genauer angeschaut. Dafür haben wir mit einem Sprecher des Bundesumweltamtes, dem Geschäftsführer des Unternehmens Tool-Fuel, einem Sprecher des Unternehmens Bosch sowie einem Sprecher des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie gesprochen. Unsere Recherche hat ergeben, dass die Behauptungen zum größten Teil falsch sind. „C.A.R.E.“ ist eine Abkürzung und steht laut Alexander Stöhr, Geschäftsführer des Kraftstoff-Vertreibers Tool-Fuel für: „CO₂ reduction“, „arctic quality“, „renewable sources“ und „emissions reduction“. Es handelt sich dabei um einen alternativen Diesel-Kraftstoff fürs Auto, der aus hydriertem Pflanzenöl besteht (HVO). „Als Rohstoff zur Produktion von HVO können unterschiedliche Pflanzenöle (Palmöl, Rapsöl etc.) oder Abfallfett der Lebensmittelindustrie, Fischerei und Schlachtereien dienen“, schreibt Frank Brühning, Pressesprecher des Verbandes für Biokraftstoffe in einer E-Mail an CORRECTIV. In dem Facebook-Beitrag von „Informiert statt Uninformiert“ ist das Logo des Unternehmens Bosch zu sehen. Dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass Bosch „C.A.R.E.-Diesel“ verkauft oder produziert. Dem ist nicht so, wie Pressesprecher Joern Ebberg gegenüber CORRECTIV bestätigt: „Bosch ist Anwender des ‘C.A.R.E.-Diesels’. Das Unternehmen nutzt den Kraftstoff seit Ende 2018 in Fahrzeugen seiner Geschäftsführung.“ Der Kraftstoff aus Pflanzenöl wird vom finnischen Unternehmen Neste hergestellt – und ist damit keine „deutsche Innovation“, wie im Facebook-Beitrag behauptet. Neste selbst verkauft ihn unter dem Namen „My Renewable Diesel“ zum Beispiel in den Niederlanden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz trägt das Produkt den Namen „C.A.R.E-Diesel“; das Unternehmen Tool-Fuel hat sich nach Angaben des Geschäftsführers Alexander Stöhr den Markennamen eintragen lassen und vertreibt den synthetischen Kraftstoff. „In Deutschland gibt es kein ‘Zulassungsverfahren’ für Kraftstoffe. Der Kraftstoff muss die gesetzlich festgeschriebenen Qualitätsanforderungen erfüllen“, schreibt Christopher Stolzenberg, Pressesprecher des Bundesumweltministeriums, CORRECTIV per E-Mail. Diese Anforderungen sind im Bundes-Imissionsschutzgesetz festgeschrieben. Die Behauptung von „Informiert statt Uninformiert”, dass die Bundesregierung den alternativen Kraftstoff ablehne, ist demnach falsch. Diese Qualitätsanforderungen sind in Deutschland per DIN-Norm geregelt. Für Diesel gelten die Anforderungen der Norm DIN EN 590. Die „Paraffinischen Dieselkraftstoffe aus Synthese oder Hydrierungsverfahren“, zu denen auch „C.A.R.E.-Diesel“ gehört, sind ebenfalls normiert, allerdings in der DIN EN 15940, die keinen Einzug in das Bundes-Imissionsschutzgesetz gefunden hat. Die Bundesregierung habe sich aufgrund fehlender Freigaben der Autohersteller dagegen entschieden, so Stolzenberg. Eine fehlende Freigabe bedeute, dass Fahrzeughalter „den Kraftstoff auf eigenes Risiko verwenden und im Schadensfall auf den Kosten sitzen bleiben.“ Auch Tool-Fuel-Geschäftsführer Alexander Stöhr schreibt CORRECTIV, bislang gebe es in Deutschland keine Pkw, die eine Herstellerfreigabe für „C.A.R.E.-Diesel“ erhalten haben. In anderen europäischen Ländern wurden die synthetischen Dieselkraftstoffe in die Regelwerke der jeweiligen Länder aufgenommen und werden dort bereits verkauft, zum Beispiel in den Niederlanden. Synthetische Kraftstoffe sind in Deutschland jedoch schon im Einsatz. In Reinform dürfen sie beispielsweise in Sportboote mit einem Volvo-Penta-Motor getankt werden. Außerdem erlauben die gesetzlichen Regelungen eine Beimischung der hydrierten Pflanzenöle zu normalem Diesel für Autos von bis zu 26 Prozent, so Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium. Zudem darf bis zu sieben Prozent Biodiesel aus Altspeiseölen hinzugefügt werden. Insgesamt also bis zu 33 Prozent. Und diese Zahl sorgt auch für den Namen, unter dem manche Shell-Tankstellen den Kraftstoff bereits verkaufen: R33 Blue. Er ist laut Shell für alle Dieselfahrzeuge zugelassen. „C.A.R.E.-Diesel“ ist nach Herstellerangaben zu 100 Prozent regenerativ, da er aus Abfällen erstellt werde. Allerdings fielen für die Herstellung des Kraftstoffes Strom, Gas und Transportkosten an. So kommen CO2-Einsparungen zwischen 50 und 90 Prozent (je nach verwendetem Rohstoff) im Vergleich zu normalem Diesel zustande, wie Hersteller Neste auf seiner Homepage schreibt. Frank Brühning, Pressesprecher des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie, schreibt, die Aussage, der Kraftstoff spare 65 Prozent Treibhausgasemissionen ein, sei so pauschal falsch. „Mit Palmöl als Rohstoff erreicht HVO eine Einsparung von ca. 70 Prozent. Wird Abfallöl, also beispielsweise Frittieröl genutzt, kommt man auf etwa 90 Prozent.” Brühning vom Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie schreibt in seiner E-Mail jedoch auch, dass es nicht erstrebenswert sei, wenn an der Tankstelle synthetischer Diesel in Reinform zu kaufen wäre. Dieser wäre nämlich deutlich teurer als normaler Diesel. „Es handelt sich um den mit Abstand teuersten Biokraftstoff auf dem Markt“, so Brühning. Bioethanol und Biodiesel seien hingegen bedeutend günstiger. Alexander Stöhr von Tool-Fuel sagt, dass ein Liter „C.A.R.E.-Diesel“ an der Tankstelle ungefähr 1,55 Euro kosten würde. Der Kraftstoff „hätte damit einen Abstand zum Referenzkraftstoff (Diesel) von ca. 20 bis 30 Eurocent je Liter, eine auf den Verkauf optimierte Infrastruktur vorausgesetzt“. In den Kommentaren zum Facebook-Post von „Informiert statt Uninformiert” wird außerdem immer wieder darauf hingewiesen, dass der synthetische Diesel auch aus Palmöl hergestellt werde. Das ist richtig. „Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse, insbesondere Palmöl, können durch indirekte Landnutzungseffekte teilweise mehrfach höhere Treibhausgasemissionen aufweisen als fossile Kraftstoffe“, schreibt Pressesprecher Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium in einer E-Mail an CORRECTIV. Der Anbau von Palmöl könne zur Entwaldung tropischer Regenwälder oder der Trockenlegung von Moorgebieten führen. Und das wiederum sorge für Treibhausgasemissionen und den Verlust biologischer Vielfalt. Nach Angaben von Tool-Fuel wird deshalb seit Anfang 2019 kein Kraftstoff mehr als „C.A.R.E-Diesel“ verkauft, der Palmöl enthält. „Weil selbst der nachhaltige Anbau von Palmöl zu Verdrängungseffekten in der Region führt, wollen wir bei Tool-Fuel dieses so benötigte Nahrungsmittelquelle nicht weiter unter Druck setzen. […] Stattdessen kommen für die Herstellung von C.A.R.E. Diesel® ausschließlich Rest- und Abfallstoffe nach der aktualisierten Fassung der Erneuerbare Energien-Richtlinie in Frage.“ Update, 20. Januar 2020: In einer früheren Version des Artikels haben wir Tool-Fuel-Geschäftsführer Alexander Stöhr mit den Worten zitiert, es gebe in Deutschland keine Fahrzeuge, die eine Herstellerfreigabe für „C.A.R.E.-Diesel“ erhalten haben. Richtig ist, dass lediglich für Pkw keine Herstellerfreigaben vorliegen, für manche Lkw hingegen schon. Stöhr weist in einer E-Mail an CORRECTIV außerdem darauf hin, dass „C.A.R.E.-Diesel“ in die Regelwerke der anderen EU-Mitgliedsstaaten aufgenommen wurde. Dies haben wir ebenfalls ergänzt.
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Bianca Hoffmann
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Hat die Bundesregierung kein Interesse an alternativen Treibstoffen, die viel CO2 einsparen? Geht es nach einem Bild, das gerade auf Facebook kursiert, könnte man genau das annehmen. An den Behauptungen ist allerdings nicht viel dran.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-01-17T15:55:16+01:00
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2020-01-17T15:55:16+01:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. „C.A.R.E.-Diesel“ ist keine deutsche Innovation. Er wird nicht von der Bundesregierung blockiert, sondern wurde nicht ins Gesetz aufgenommen, weil es keine Herstellerfreigaben für Autos gibt. Der Kraftstoff kann jedoch in normalen Diesel gemischt werden, und dieses Diesel-Arten sind auch in Deutschland erhältlich.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/17/nein-c-a-r-e-diesel-ist-weder-eine-deutsche-innovation-noch-wird-er-von-der-bundesregierung-abgelehnt/
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Buschbrände in Australien: Zahlen zu angeblich festgenommenen Brandstiftern sind irreführend
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In mehreren Meldungen im Netz ist von 180 oder 200 angeblich festgenommenen Brandstiftern in Australien die Rede, im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern. Es handelt sich häufig um irreführend wiedergegebene Zahlen der Polizei New South Wales. von Till Eckert Mehrere Webseiten veröffentlichten in den vergangenen Tagen Artikel, in denen behauptet wird, Auslöser der aktuellen Brände in Australien sei hauptsächlich Brandstiftung. Zudem werden verschiedene Zahlen zu den angeblich festgenommenen Brandstiftern genannt. So ist entweder von mehr als 180 (zum Beispiel bei derSchweizer Webseite Nau) oder von rund 200 Menschen (zum Beispiel bei Watergate TV) die Rede. In einem Übersichtsartikel haben wir einige der Behauptungen entkräftet, die im Umlauf sind. Dabei fiel uns auf, dass die verbreiteten Zahlen zu den angeblichen Brandstiftern häufig irreführend wiedergegeben werden. In mehreren der Artikel, darunter zum Beispiel bei Watergate, wird behauptet, es seien „183 Menschen festgenommen worden, weil sie in verschiedenen Bundestaaten Brände gelegt haben wollen“. Es handelt sich dabei offenbar um Zahlen aus einer Pressemitteilung der Polizei New South Wales, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. Dass also 183 Personen „festgenommen“ worden seien, weil sie „Brände gelegt haben sollen“, lässt sich so nicht sagen. Richtig ist: Es gab in den vergangenen Monaten in verschiedenen Bundesstaaten Ermittlungen gegen Menschen, die mutmaßlich fahrlässig handelten oder absichtlich Feuer legten, also möglicherweise den Straftatbestand der Brandstiftung erfüllten. Ob die aktuellen großen Feuer durch Brandstiftung entstanden sind, ist jedoch unklar. Die Polizei in Victoria etwa widerspricht der Behauptung laut des Guardian – es gäbe dafür keine Indizien. Die Regierung des Bundesstaats South Australia nennt weitere typische Auslöser für Waldbrände, darunter Fehler in elektrischen Anlagen, die eine Überhitzung verursachen, oder Blitzeinschläge. Bei aktuellen großen Feuern in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales bezeichneten die Feuerwehrleute Steve Warrington und Ben Shepherd in Medienberichten hauptsächlich Blitze als Ursache. Auch die australische Meteorologie-Behörde schreibt in einem Infoartikel über „bushfire weather“, in manchen Regionen Australiens seien Blitze die Hauptursache für Buschbrände. Wir haben dazu bei den zuständigen Feuerwehrbehörden angefragt, bis zum Erscheinen dieses Artikels jedoch keine Antwort erhalten. Warum der Klimawandel bei Buschfeuern durchaus eine Rolle spielt, haben wir in einem weiteren Faktencheck erklärt.
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Till Eckert
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In mehreren Meldungen im Netz ist von 180 oder 200 angeblich festgenommenen Brandstiftern in Australien die Rede, im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern. Es handelt sich häufig um irreführend wiedergegebene Zahlen der Polizei New South Wales.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-01-15T14:40:41+01:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Es gab keine hunderten Festnahmen wegen Brandstiftung im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/15/buschbraende-in-australien-zahlen-zu-angeblich-festgenommenen-brandstiftern-sind-irrefuehrend/
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Buschbrände in Australien: Keine Belege für angebliche Brandstiftung durch „IS-Terrorist“
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Die Seite „Wochenblick“ spekuliert, ein angeblicher Brandstifter in Australien könnte „IS-Terrorist“ gewesen sein. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Der Vorwurf gegen den jungen Mann lautet außerdem nicht Brandstiftung, sondern fahrlässiger Umgang mit Feuerwerk. von Alice Echtermann , Till Eckert Die österreichische Seite Wochenblick spekulierte am 8. Januar, dass ein „IS-Terrorist“ Buschbrände in Australien gelegt haben könnte, liefert aber keinen Beleg dafür. In dem Artikel heißt es lediglich, zwei jungen Männern namens Fadi und Abraham Z. werde vorgeworfen, am 22. Dezember ein Grasfeuer in Guildford, einem Vorort von Sydney, verursacht zu haben. „Tatsächlich hat die islamistische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bereits im November dazu aufgerufen, den Dschihad durch Brandstiftung voranzutreiben“, schreibt Wochenblick. Als einzige Quelle gibt die Seite einen Artikel der britischen Boulevardzeitung Daily Mail von November 2019 an, in dem es heißt, der „IS“ habe angeblich dazu aufgerufen, Waldbrände in den USA und Europa zu legen. „Dass diese Forderung nun in Australien umgesetzt wurde, ist ein denkbarer, schrecklicher Verdacht“, so Wochenblick weiter. Einen konkreten Hinweis gibt es für diesen „Verdacht“ aber nicht. Was stimmt, ist, dass es Medienberichte vom 7. Januar über zwei Brüder namens Fadi und Abraham Z. gibt. Sie hätten am 22. Dezember Feuerwerk in einem Park gestartet und ein Grasfeuer ausgelöst. Darüber berichten zum Beispiel Pacific Pundit, der australische Daily Telegraph und The Count. Laut einem weiteren Artikel von Miragenews fand die Gerichtsverhandlung am 7. Januar vor dem Parramatta Local Court statt. In all den Berichten wird nirgends ein islamistischer Hintergrund oder Hinweis auf ein solches Motiv erwähnt. Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt die Pressestelle der lokalen Gerichte in New South Wales per E-Mail mit, es sei nur einer der beiden Männer angeklagt, Abraham Z.. Der Vorwurf gegen ihn laute „fahrlässiger Umgang mit Sprengstoff, um Sachschäden zu verursachen“. Außerdem habe er ein Messer dabei gehabt. Zu weiteren Hintergründen könne man keinen Kommentar abgeben, heißt es in der E-Mail der Pressestelle. Fest steht aber: Es geht bei den Vorwürfen nicht um Brandstiftung und auch nicht um Terror. In dem Wochenblick-Text wird außerdem behauptet, es seien bisher etwa 200 Personen wegen Brandstiftung festgenommen worden. Eine Quelle dafür wird nicht genannt. In Medien kursieren dazu unterschiedliche Behauptungen, oft ist auch von 180 Brandstiftern die Rede. In mehreren der Artikel wird dazu auf Zahlen der Polizei New South Wales verwiesen. Diese veröffentlichte am 6. Januar eine Pressemitteilung, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison in ganz Australien wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum.
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Alice Echtermann
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Die Seite „Wochenblick“ spekuliert, ein angeblicher Brandstifter in Australien könnte „IS-Terrorist“ gewesen sein. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Der Vorwurf gegen den jungen Mann lautet außerdem nicht Brandstiftung, sondern fahrlässiger Umgang mit Feuerwerk.
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"Faktencheck",
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-01-15T12:57:57+01:00
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2020-01-15T12:57:57+01:00
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2021-06-18T10:41:38+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Der Mann ist nicht wegen Brandstiftung angeklagt, es gibt keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Außerdem wurden nicht 200 Brandstifter festgenommen.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/15/buschbraende-in-australien-keine-belege-fuer-angebliche-brandstiftung-durch-is-terrorist/
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Nein, die Buschbrände in Australien sind nicht gelegt worden, um den Weg für eine Bahnstrecke freizumachen
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Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer geplanten Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke und den Buschbränden in Australien? Behauptungen im Netz sollen dies andeuten. Eine ähnliche Falschmeldung kursierte bereits 2018 über Feuer in Kalifornien. von Alice Echtermann Auf Facebook kursiert aktuell ein Bild, das Karten von Australien und Kalifornien mit Gebieten von Bränden zeigen soll. Daneben werden Karten mit angeblich geplanten Verläufen von „Hochgeschwindigkeitsbahnen“ gelegt. Damit wird angedeutet, die Brände seien absichtliche Rodungen gewesen, um Platz für Bahnstrecken zu machen. Einer der Facebook-Beiträge vom 10. Januar wurde bereits mehr als 1.000 Mal geteilt. Die Verschwörungstheorie in Bezug auf Kalifornien kursierte im November 2018. Die Karte oben links mit den roten Flächen stammt von der California of Forestry and Fire Protection, die sie im November 2018 auf Twitter veröffentlichte. Sie zeigt nicht die Ausdehnung der Feuer, sondern Bereiche, in denen eine „red-flag“-Warnung vor Brandgefahr herrschte. Einen Zusammenhang mit dem Verlauf der Hochgeschwindigkeitsbahn gibt es außerdem nicht, die falsche Behauptung wurde bereits 2018 entlarvt, zum Beispiel von den Faktencheckern von Snopes. Die Bahnkarte stammt demnach von der Webseite „America 2050“ und ist veraltet. Eine neuere Karte zeige, dass der Streckenverlauf nicht annähernd mit den roten Feldern übereinstimme. Auf der Seite Metabunk legten Nutzer die Karten grafisch übereinander und zeigten so, dass sie nicht zueinander passen. Auch im Fall von Australien ist an der Theorie nichts dran. Eine Google-Bildersuche zeigt, dass die Karte unten rechts von der australischen Regierung stammt. Sie soll einen möglichen Verlauf einer Hochgeschwindigkeits-Bahn an der Ostküste zeigen, von Melbourne bis Brisbane. Die Karte unten links soll die Feuer zeigen, die angebliche Übereinstimmung ist jedoch nur mit gutem Willen erkennbar. Andere, vollständige Karten der Feuer in Australien, zum Beispiel von My Fire Watch oder von der Nasa zeigen, dass die Feuer nicht entlang der möglichen Bahnstrecke verlaufen – und dass es auch an vielen anderen Orten brennt, an denen keine Bahnen geplant sind. Zum gleichen Ergebnis kam am 10. Januar auch Buzzfeed in dem Faktencheck zu der Behauptung, die offenbar auch auf Englisch ihre Kreise auf Instagram, Youtube, 4chan und Tiktok zieht. Der Facebook-Nutzer, der das Foto am 10. Januar in Deutschland verbreitete, ist übrigens auch der Ansicht, dass in Australien und Kalifornien keine echten Waldbrände wüten, sondern dass dort und auch in Kalifornien Laserwaffen eingesetzt wurden.
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Alice Echtermann
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Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer geplanten Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke und den Buschbränden in Australien? Behauptungen im Netz sollen dies andeuten. Eine ähnliche Falschmeldung kursierte bereits 2018 über Feuer in Kalifornien.
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"Faktencheck",
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-01-15T12:47:05+01:00
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2020-01-15T12:47:05+01:00
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2021-06-18T10:43:09+02:00
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Falsch
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Falsch. Die Waldbrände in Kalifornien und Australien verlaufen nicht entlang der geplanten Bahnstrecke.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/15/nein-die-buschbraende-in-australien-sind-nicht-gelegt-worden-um-den-weg-fuer-eine-bahnstrecke-freizumachen/
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Buschbrände in Australien: Brandstiftung und Klimawandel spielen eine Rolle
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Im Netz sind Meldungen im Umlauf, nach denen allein Brandstiftung die Ursache für die aktuellen großen Feuer in Australien sei. Das ist irreführend – auch der Klimawandel spielt dabei eine Rolle. von Till Eckert Mehrere Webseiten veröffentlichten in den vergangenen Tagen Artikel, in denen behauptet wird, Auslöser der aktuellen Brände in Australien sei hauptsächlich Brandstiftung. So zum Beispiel Connectiv Events (mehr als 500 Mal auf Facebook geteilt) oder Schweizer Morgenpost (mehr als 1.800 Mal auf Facebook geteilt). In den Artikeln werden jeweils Zahlen zu den angeblich festgenommenen Brandstiftern genannt. So ist entweder von mehr als 180 (zum Beispiel hier) oder von rund 200 Menschen (zum Beispiel hier) die Rede. Diese Behauptung kursiert nicht nur in Deutschland. Wir haben sie geprüft. In mehreren der Artikel wird dazu auf Zahlen der Polizei New South Wales verwiesen. Diese veröffentlichte am 6. Januar eine Pressemitteilung, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. Das Umweltbundesamt schrieb in einem Bericht über Waldbrände in Deutschland 2018: „In Fällen, in denen eine Ursache bestimmt werden kann, sind im Wesentlichen zwei Faktorenkomplexe von besonderer Bedeutung für das Waldbrandgeschehen: Zum einen das menschliche Handeln (Brandstiftung und Fahrlässigkeit) und zum anderen das Klima – bzw. Witterungsgeschehen.“ Zu letzterem schreibt das Bundesamt außerdem: „Klima und Witterung beeinflussen zusammen mit den lokalen Gegebenheiten (wie dem Vorhandensein von brennbarem Material) die Disposition einer Waldfläche für die Entzündung und in Folge das weitere Brandgeschehen (Feuerausbreitung).“ Die Regierung des Bundesstaats South Australia nennt aber auch weitere typische Auslöser für Waldbrände, darunter Fehler in elektrischen Anlagen, die eine Überhitzung verursachen, oder Blitzeinschläge. Bei aktuellen großen Feuern in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales bezeichneten die Feuerwehrleute Steve Warrington und Ben Shepherd in Medienberichten hauptsächlich Blitze als Ursache. Auch die australische Meteorologie-Behörde schreibt in einem Infoartikel über „bushfire weather“, in manchen Regionen Australiens seien Blitze die Hauptursache für Buschbrände. Wir haben dazu bei den zuständigen Feuerwehrbehörden angefragt, bis zum Erscheinen dieses Artikels jedoch keine Antwort erhalten. Dürreperioden und schlimme Waldbrände gab es in Australien schon häufiger, zum Beispiel im Januar 1994, im Dezember 2001 und im Oktober 2013, wie einem Sonderbericht der Meteorologie-Behörde von Dezember 2019 zu entnehmen ist. Vergleichbar mit 2019 seien am ehesten die Zustände im Oktober/November 1968 (Seite 19-20). Doch die Intensität der Buschfeuer nimmt in der Langzeitbetrachtung zu. So schrieb das australische Bushfire and Natural Hazard Cooperative Research Centre Mitte Dezember: „Die Tendenz zu intensiveren Brandsaisons und immer früher auftretender Feuergefahr ist ein klarer Trend im australischen Klima, aufgrund von reduzierten oder weniger zuverlässigen Regenfällen in der kühlen Saison und steigenden Temperaturen.“ Auch laut dem jüngsten Langzeit-Klimabericht (State of the Climate 2018) der australischen Meteorologie-Behörde und des Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (Csiro) nimmt die Länge der Buschfeuer-Saison zu, und es kommt häufiger zu sogenanntem „Brandwetter“ (fire weather) (Seite 2). In der Auswertung heißt es klar: „Der Klimawandel, inklusive steigender Temperaturen, trägt zu diesen Veränderungen bei“ (Seite 5). Dem Bericht zufolge hat sich das australische Klima seit 1910 um etwas mehr als ein Grad Celsius erwärmt, was zu einer erhöhten Häufigkeit von extremer Hitze (extreme heat events) führe. Im Südosten und Südwesten Australiens nahmen laut dem Bericht die Regenfälle ab, in Teilen des Nordens nahmen sie zu. Acht der zehn wärmsten Jahre Australiens seit Beginn der Aufzeichnungen seien seit 2005 aufgetreten. Sicher ist, dass steigende Temperaturen und Trockenheit bessere Voraussetzungen für größere und intensivere Feuer schaffen. Pauschal lässt sich weder sagen, es trage allein der Mensch durch Brandstiftung oder Fahrlässigkeit Schuld an den aktuellen Großfeuern in Australien, noch der Klimawandel – beide Faktoren spielen eine Rolle.
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Till Eckert
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Im Netz sind Meldungen im Umlauf, nach denen allein Brandstiftung die Ursache für die aktuellen großen Feuer in Australien sei. Das ist irreführend – auch der Klimawandel spielt dabei eine Rolle.
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"Faktencheck",
"Klima",
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Klima
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2020-01-15T12:31:36+01:00
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2020-01-15T12:31:36+01:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Sowohl Brandstiftung als auch der Klimawandel spielen eine Rolle bei Buschbränden – und bei manchen aktuellen Feuern sollen etwa Blitzeinschläge die Hauptursache gewesen sein.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/15/buschbraende-in-australien-brandstiftung-und-klimawandel-spielen-eine-rolle/
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Das ist kein Satellitenfoto der Nasa, sondern eine 3D-Visualisierung der Brände in Australien
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Auf Facebook kursiert ein Bild von Australien mit roten Markierungen, die für Feuer stehen sollen. Es wird fälschlich als „Nasa-Aufnahme” bezeichnet. Es handelt sich aber nicht um ein Foto. von Alice Echtermann Mehrere Facebook-Nutzer verbreiten derzeit eine Grafik, die wie eine Luftaufnahme von Australien mit glühend roten Buschfeuern aussieht. Am 5. Januar veröffentlichte ein Nutzer die Grafik und schrieb dazu: „Das ist Australien von einem Nasa-Satelliten“. Sein Beitrag wurde mehr als 700 Mal geteilt. Einen Tag später verbreitete ein anderer Nutzer die Grafik mit dem Kommentar: „Diese Nasa-Aufnahme zeigt einen brennenden Kontinent!“ Sein Beitrag wurde rund 200 Mal geteilt. Und in einem Facebook-Beitrag vom 7. Januar (auch rund 200 Mal geteilt) hat jemand der Grafik die Aufschrift „Bild von der Nasa“ hinzugefügt. Die Behauptungen, man sehe hier eine Nasa-Aufnahme und die Quelle sei ein Nasa-Satellit, sind irreführend, weil sie andeuten, dass es sich um ein Foto handelt. In den Kommentaren wiesen andere Facebook-Nutzer bereits darauf hin, dass das Bild eine 3D-Visualisierung sei. Eine Nutzerin verlinkte einen Artikel der US-Faktenchecker von Snopes, in dem dies erklärt wird. Die Visualisierung wurde von dem australischen Fotografen Anthony Hearsey am 5. Januar auf Instagram veröffentlicht. Er nutzte dafür nach eigenen Angaben Daten aus dem „Fire Information for Resource Management System“ der US-Raumfahrtbehörde Nasa zwischen dem 5. Dezember 2019 und 5. Januar 2020. Diese basieren auf Satellitenaufnahmen, es handelt sich aber nicht um ein Foto, sondern um eine Grafik, die aus den Daten über einen ganzen Monat entstanden ist. Hearsey beschrieb die Grafik selbst auf Instagram als „3D Visualisierung der Feuer in Australien“. Die Grafik zeige alle Gebiete, die von Buschfeuern betroffen waren. „Der Maßstab ist ein bisschen übertrieben“, erklärt er außerdem, und: „Beachtet auch, dass nicht all diese Gebiete immer noch brennen“. Als er bemerkte, dass sein Beitrag sich teils mit falscher Deutung verbreitete, änderte Hearsey die Beschreibung auf Instagram und betonte nochmals, dass es sich nicht um ein Foto handele, sondern um eine Daten-Zusammenstellung. Was stimmt: In Australien wüten seit Wochen schlimme Waldbrände, über die auch deutsche Medien und die Nasa berichten. „Luftaufnahmen“ von Waldbränden führten schon öfter zu Missverständnissen. Auch als 2019 weltweit über die Brände im Amazonas-Gebiet berichtet wurde, nutzten Medien Satellitendaten der Nasa. Damals kursierte im Netz der Vorwurf, die Bilder seien falsch und die Medien stellten die Situation absichtlich übertrieben dar – dem war nicht so, wie unser Faktencheck zeigte. Auch bei den Bildern damals handelte es sich um Visualisierungen aus dem Online-Tool des „Fire Information for Resource Management System“, nicht um Fotos.
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Alice Echtermann
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Auf Facebook kursiert ein Bild von Australien mit roten Markierungen, die für Feuer stehen sollen. Es wird fälschlich als „Nasa-Aufnahme” bezeichnet. Es handelt sich aber nicht um ein Foto.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2020-01-08T10:42:56+01:00
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2020-01-08T10:42:56+01:00
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2021-06-18T10:44:02+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Dies ist kein Satellitenfoto, sondern eine Visualisierung der Feuer in Australien über einen längeren Zeitraum.
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https://correctiv.org/faktencheck/2020/01/08/das-ist-kein-satellitenfoto-der-nasa-sondern-eine-3d-visualisierung-der-braende-in-australien/
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Nein, Greta Thunberg ist nicht die Enkelin von George Soros
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Eine Webseite behauptet, dass Greta Thunberg die Enkelin des Investors George Soros sei. Ein Foto dient als angeblicher Beweis. Nur ist das Bild gefälscht und stammt aus einem Satire-Magazin. Greta Thunberg ist nicht die Enkelin von George Soros. von Joana Splieth In einem Artikel vom 15. Dezember 2019 wird behauptet, George Soros sei der Großvater von Greta Thunberg. Als angeblicher Beweis dient ein Bild, das vermeintlich Soros neben Thunberg zeigt. Die Webseite, von der diese Behauptung verbreitet wird, heißt News For Friends. Sie übernimmt oft Texte mit Falschinformationen aus anderen Ländern und veröffentlicht sie übersetzt auf ihrer Webseite. Auch der Artikel mit dem Titel „Greta Thunberg ist die Enkelin des linken Milliardärs Georges Soros“ stammt ursprünglich aus dem französischen Satire-Magazin Secret News. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde er ungefähr 300 Mal auf Facebook geteilt. Auf Französisch wurde die Behauptung mit dem vermeintlichen Beweisfoto bereits am 28. August 2019 veröffentlicht und seitdem mehr als 2.000 Mal auf Facebook geteilt. Nach unserer Recherche ist Greta Thunberg nicht die Enkelin von George Soros. Das Bild, das als Beweis dienen soll, ist ein Fake, und die Seite, von der die Information stammt, bezeichnet sich selbst als Satire-Seite. George Soros ist ein US-amerikanischer Investor und Milliardär und unterstützt mit seinem Vermögen viele soziale Projekte – so hat er die Open Society Foundations gegründet, eine Stiftung [Transparenzhinweis: Auch CORRECTIV hat bereits Spenden von der Stiftung erhalten]. Das angebliche Bild von ihm und Greta Thunberg, das News For Friends verbreitet, ist gefälscht. Als wir mit der Bilderrückwärtssuche bei Bing nach seinem Ursprung suchen, stoßen wir auf das unbearbeitete Original. Es zeigt Greta Thunberg und den Politiker und ehemaligen Vizepräsidenten der USA, Al Gore, der sich für Klimaschutz engagiert. Greta Thunberg teilte das Bild Ende Dezember 2018 auf ihrer Twitter-Seite und schrieb: „Vielen Dank, Al Gore, dafür, ein wahrer Pionier zu sein. Sehr wenige Leute haben mehr getan. Es war mir eine Ehre, Sie kennenzulernen.“ Secret News bezeichnet sich selbst als Satire-Seite: „SecretNews.fr ist ein kostenloses und unabhängiges Parodie-Kollaborationsmedium, das mehrere Mitwirkende zusammenbringt. Die meisten Informationen auf dieser Website sind wahrscheinlich falsch, werden aus satirischen und humoristischen Gründen veröffentlicht und können nicht als authentisch angesehen werden.“ News For Friends ist dagegen keine Satire-Seite, sie hätte die Übersetzung des Artikels also direkt als Satire kennzeichnen müssen. Da dies nicht geschehen ist, ist der Text eine Falschmeldung, mit der Menschen desinformiert werden. Behauptungen, dass die bekannte Klimaaktivistin Greta Thunberg nur Teil eines „globalen Establishments“ sei und allerlei andere Hypothesen über sie finden sich regelmäßig in den Sozialen Netzwerken. CORRECTIV hat einige davon bereits als Falschinformationen entlarvt. Auch über George Soros kursiert Desinformation im Internet. So wurde bereits behauptet, dass EU-Politiker seine Agenten wären, oder dass Russland einen internationalen Haftbefehl gegen ihn ausgesprochen hätte. Soros ist jüdisch und einige Medien machten bereits auf Antisemitismus in den Falschmeldungen über ihn aufmerksam (zum Beispiel die New York Times oder der Spiegel).
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Alice Echtermann
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Eine Webseite behauptet, dass Greta Thunberg die Enkelin des Investors George Soros sei. Ein Foto dient als angeblicher Beweis. Nur ist das Bild gefälscht und stammt aus einem Satire-Magazin. Greta Thunberg ist nicht die Enkelin von George Soros.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-12-20T15:47:41+01:00
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2019-12-20T15:47:41+01:00
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2021-06-18T10:44:33+02:00
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Frei erfunden
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Völlig falsch. Greta Thunberg ist nicht die Enkelin des Investors George Soros. Die Seite, die den Artikel und das Bild veröffentlichte, ist eine Satire-Seite. Das Bild, das die falsche Behauptung stützen soll, ist ein Fake.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/12/20/nein-greta-thunberg-ist-nicht-die-enkelin-von-george-soros/
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Unbelegt: Es ist nicht klar, ob die Batterie eines Tesla-Autos explodierte
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Dominik Freymuth fuhr mit seinem Tesla-Elektroauto in Österreich gegen einen Baum, kurz darauf fing das Auto an zu brennen. Der Fahrer sagt, er habe Explosionen aus dem Auto heraus gehört. Diese sind allerdings nicht belegbar, da eine unabhängige Experteneinschätzung fehlt. von Joana Splieth In einem Artikel der AfD-nahen Zeitung Deutschland-Kurier vom 18. November wird behauptet, dass ein Tesla-Elektroauto explodiert sei. Die Überschrift des Artikels lautet: „Tesla-Explosion: Schrotthändler verweigern Abnahme des giftigen Wracks“. Laut dem Analyse-Tool Crowdtangle wurde er mehr als 2.300 Mal über Facebook geteilt. Im Text geht es um einen Unfall mit einem Tesla-Elektroauto am 4. Oktober 2019 zwischen Kössen und Walchsee in Österreich. Es wird behauptet, dass das Auto dabei explodiert sei. Danach habe es drei Tage lang in einem Wassercontainer liegen müssen, damit sich die Lithium-Ionen-Batterie nicht permanent neu entzünde. Schrotthändler hätten sich zudem geweigert, das Wrack zu entsorgen, da sie giftige Substanzen vermuteten. Als Quelle ist ein Artikel des Österreichischen Rundfunks (ORF) vom 13. November 2019 angegeben. Nach unserer Recherche lässt sich weder belegen noch verneinen, ob etwas an dem Auto explodiert ist. Es brannte jedoch in der Tat größtenteils aus und wurde von der Feuerwehr drei Tage in einen Wassercontainer gelegt. Der Besitzer des Autos, Dominik Freymuth, berichtete CORRECTIV auf Anfrage per E-Mail, dass er am 4. Oktober 2019 um ca. 9:45 Uhr mit ungefähr 60 Kilometern pro Stunde gegen einen Baum gefahren sei. Ein anderer Autofahrer habe ihm nach dem Unfall aus dem Fahrersitz geholfen. Kurz danach habe es die erste Explosion gegeben. Zu dem Zeitpunkt wären sie noch am Auto gewesen, das sich danach sehr schnell mit Rauch gefüllt und angefangen habe, zu brennen. Bis der Rettungshubschrauber angekommen sei, habe es zwei weitere, schwächere Explosionen gegeben, sagte Freymuth. In mehreren Medienberichten wurde anschließend vermutet, dass die Batterie ausgebrannt oder explodiert sei und sich erneut entzünden könnte. Die Brandgefahr erachtet auch der Experte Wolfgang Sigloch, Pressesprecher für den Automobilteil der Prüfgesellschaft Dekra, als plausibel, wie er CORRECTIV per E-Mail schrieb. Das Auto sei später gelöscht worden und in einem Wassercontainer der Freiwilligen Feuerwehr Schwaz für drei Tage zwischengelagert worden, bestätigte uns die Feuerwehr am Telefon. Das sei eine gängige Praxis im Umgang mit verunglückten Elektroautos. Die Behauptung, dass der Tesla in einem Wassercontainer liegen musste, stimmt also. Daraufhin lag das Autowrack mehrere Wochen in einer KFZ-Werkstatt in Walchsee, wie uns deren Betreiber Georg Greiderer per E-Mail bestätigte. In seiner Werkstatt habe der Tesla von Mitte Oktober bis Ende November 2019 auf eine ordentliche Entsorgung gewartet. Lokale Entsorgungsunternehmen wie die Freudenthaler GmbH wollten das Wrack nicht entsorgen – Ingeborg Freudenthaler erklärte uns die Entscheidung der Firma in einer E-Mail damit, dass „das Gefahrenpotential für uns nicht abschätzbar war“. Freymuth sagte uns, dass am 20. November 2019 drei Tesla-Mitarbeiter zu der Werkstatt in Walchsee gekommen seien, um die Batterie aus der Karosserie zu trennen. Sie hätten allerdings keine Genehmigung gehabt, die Batterie vor Ort zu öffnen, weshalb Freymuth sie nach eigener Aussage nur oberflächlich betrachten konnte. Einen Tag später sei die Antriebsbatterie in einer Spezialbox zu der Recyclingfirma SEDA gefahren worden. Das restliche Wrack sei von dem Recyclingunternehmen Mensch Umwelt Technik – Entsorgung GmbH abgeholt worden. Die Firma SEDA hat laut einer Pressemitteilung vom 21. November mit Tesla „Stillschweigen über das weitere Vorgehen vereinbart“. Die Batterie wurde dem Unternehmen demnach zu „Forschungs- und Entwicklungszwecken“ übergeben. Falls es also ein Untersuchungsergebnis gibt, ob die Lithium-Ionen-Batterie tatsächlich explodiert oder verbrannt sein könnte, wird es wohl keine öffentliche Erklärung dazu geben. Wir baten die Experten Dr. Matthias Dürr vom Kompetenzzentrum für Elektromobilität NRW und Wolfgang Sigloch von der Dekra um ihre Meinung. Beide erklärten uns, dass sie sich zu dem Autounfall von Dominik Freymuth nicht äußern könnten, da eine Ferndiagnose nicht möglich sei. Es sei schwierig, zu sagen, was als erstes gebrannt habe, meinte Sigloch. Bei einer Batterieentzündung müssten viele Szenarien in Erwägung gezogen werden: „Zündung innerhalb des Batteriegehäuses durch Zelldefekt, Defekt im Batteriemanagementsystem, Probleme bei der Verarbeitung […], äußere Krafteinwirkung […], Zündung durch äußere Beflammung des Batteriegehäuses […], mechanischer Defekt […]“ und so weiter. Er erklärte uns, dass es sich hier um einen Unfallfolgebrand handele, bei dem meistens kein genaues Gutachten über die Brandursache erstellt werde, „da sich eine Brandentstehung eindeutig mit dem Unfallereignis erklären lässt“. Tesla teilte uns mit, dass weder das Auto noch die Batterie explodiert seien, da der sichtbare Schaden der Antriebsbatterie minimal gewesen sei. Dominik Freymuth sagte uns, dass er nach dem Unfall nie etwas von Tesla über die mögliche Brand- oder Explosionsursache erfahren habe. Tesla habe ihm lediglich telefonisch ungefähr Folgendes mitgeteilt: „Weil das Auto tagelang im Wasser lag, lässt sich der Brand wahrscheinlich nicht mehr rekonstruieren.“ Wir werden von Tesla auf zwei Artikel (OE24 und T3N) von Ende November verwiesen. In beiden wird behauptet, dass ein Experte bestätigt habe, dass die Batterie nicht verbrannt oder explodiert sei. Der Name des Experten wird nicht genannt. Stattdessen verweisen die Texte auf ein Foto der Batterie, nachdem sie aus dem Wrack entfernt wurde. Das Foto stammt von einem Artikel der österreichischen Webseite Auto und Wirtschaft. Er ist hinter einer Paywall verborgen, das Foto ist darin aber trotzdem zu sehen. Es wurde von Georg Greiderer von der Autowerkstatt in Walchsee aufgenommen. Er und Dominik Freymuth bestätigen uns per E-Mail, dass das Bild tatsächlich von dem besagten Fahrzeug stammt. Obwohl die Batterie auf dem Foto relativ intakt aussieht, können wir die Behauptung, sie sei explodiert oder habe gebrannt, weder bestätigen noch negieren. „Testergebnisse und Praxiserfahrungen mit Elektrofahrzeugen zeigen, dass keine größeren Gefahren bei Elektroautos auftreten als bei konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor“, schrieb uns Wolfgang Sigloch. Bevor Elektrofahrzeuge in Europa zugelassen werden würden, müssten sie eine Reihe von Tests durchlaufen, die eine Explosionsgefahr ausschließen könnten. Die Explosion eines kompletten Elektroautos sei ebenso wenig möglich wie die eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Matthias Dürr vom Kompetenzzentrum für Elektromobilität NRW erklärte uns zudem: „Es ist jedoch auch Tatsache, dass Rettungskräfte, wie Feuerwehren, noch wenig Erfahrung mit verunfallten Elektroautos und insbesondere mit beschädigten oder brennenden Batterien haben. Hier ist es notwendig, dass entsprechende Handlungsempfehlungen ausgearbeitet werden und entsprechendes Lösch- und Bergungsmaterial den Feuerwehren zur Verfügung gestellt wird.“ Tesla hat deswegen Informationen für Rettungskräfte herausgegeben, um diese besser zu schulen.
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Alice Echtermann
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Dominik Freymuth fuhr mit seinem Tesla-Elektroauto in Österreich gegen einen Baum, kurz darauf fing das Auto an zu brennen. Der Fahrer sagt, er habe Explosionen aus dem Auto heraus gehört. Diese sind allerdings nicht belegbar, da eine unabhängige Experteneinschätzung fehlt.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-12-19T16:22:55+01:00
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2019-12-19T16:22:55+01:00
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2021-06-18T10:45:06+02:00
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Unbelegt
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Unbelegt. Es ist nicht belegbar, ob es eine Explosion am Elektroauto von Dominik Freymuth gab, und falls ja, was die Ursache gewesen sein könnte.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/12/19/unbelegt-es-ist-nicht-klar-ob-die-batterie-eines-tesla-autos-explodierte/
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Klimawandel? Irreführende Beiträge über die angebliche Austrocknung der Victoriafälle
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Derzeit verbreitet sich auf Facebook eine Collage, die zeigen soll, dass der MDR in einem Beitrag über die Victoriafälle in Afrika eine Falschmeldung verbreitet habe. Es geht um die Frage, ob die Wasserfälle aktuell ungewöhnlich wenig Wasser führen. Wir haben die Fakten recherchiert. von Alice Echtermann Hat der MDR in einem Beitrag über die Victoriafälle in Afrika Falschnachrichten verbreitet? Das behaupten zahlreiche Nutzer auf Facebook. Die Victoriafälle sind ein riesiger Wasserfall des Flusses Sambesi an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia. Der MDR hatte am 7. Dezember einen TV-Beitrag darüber veröffentlicht, der auf der Webseite des Senders mit dem Titel „Klimawandel: Die Victoriafälle sind trocken“ zu finden war. Auf dem Vorschaubild des Videos auf der MDR-Webseite ist ein trockener Abschnitt der Wasserfälle zu sehen. In einer Collage, die nun auf Facebook kursiert, wird daneben eine Luftaufnahme gestellt. Darauf sieht es so aus, als sei an anderer Stelle wesentlich mehr Wasser geflossen. Einer der Facebook-Beiträge mit der Collage vom 12. Dezember wurde mehr als 3.500 Mal geteilt. Der Nutzer behauptet darin, der Bericht über die Wasserfälle sei ein Beispiel für eine „bewusst irreführende Falschmeldung“: „Die angebliche Austrocknung der Victoriafälle gibt es nicht.“ Außerdem veröffentlichte die Seite Politikstube am 14. Dezember einen Artikel mit der Collage und dem Titel „Um den Klimawandel zu belegen, verbreitet der Staatsfunk auch gerne mal Fake News“. Wir haben diese Behauptung geprüft – der Vorwurf der Falschmeldung ist nicht korrekt. Tatsächlich hat der MDR in seinem Beitrag wichtigen Kontext weggelassen. Aber: Dasselbe trifft auch auf den Facebook-Beitrag mit der Collage zu. Die Luftaufnahme der Wasserfälle, die in der Collage verwendet wird, ist mindestens fünf Jahre alt, sie ist also kein Beleg für eine falsche Berichterstattung des MDR. Das Foto haben wir mit Bilder-Rückwärtssuchen bei Google auf einem privaten Blog gefunden. Es stammt demnach von Dezember 2014 und sagt nichts über die Wassermenge im Jahr 2019 aus. Auf der Webseite des MDR und in der ARD-Mediathek ist das Video nicht mehr verfügbar. Der MDR-Beitrag wurde am 8. Dezember im Internet Archive gespeichert. In dieser archivierten Version lässt sich jedoch nicht das Video abrufen. Die Pressestelle des MDR schickte uns auf Anfrage das Video zu. Es ist 1 Minute und 27 Sekunden lang. Zuerst werden Archiv-Aufnahmen der Victoriafälle gezeigt, auf denen viel Wasser fließt. Dann folgen Bilder, auf denen fast kein Wasser zu sehen ist. „So sieht es derzeit aus“, sagt die Sprecherin dazu. Die Fälle seien „nahezu ausgetrocknet“, „ein Rinnsal“. Allerdings ist im Hintergrund der Aufnahmen zu sehen, dass an einer anderen Stelle der Wasserfälle zu diesem Zeitpunkt mehr Wasser floss. Zwei junge einheimische Männer kommen zu Wort, einer sagt laut der Übersetzung: „Eine Trockenzeit von diesem Ausmaß, das gab es noch nie.“ Ein anderer sagt laut Übersetzung: „Klimawandel – ich dachte, die Leute würden nur so reden. Aber jetzt sehen wir: die Wasserfälle sind trocken.“ Dann erklärt die Sprecherin, weite Teile Südafrikas litten derzeit unter einer Dürre. Der MDR ist nicht das einzige Medium, das Anfang Dezember über die Situation der Victoriafälle berichtete. Andere lieferten jedoch mehr Kontext und erwähnten, dass die Wasserfälle jedes Jahr in der Trockenzeit weniger Wasser führen. So veröffentlichte T-Online am 13. Dezember einen Artikel, in dem ein Video mit Aufnahmen der Agentur Reuters zu sehen ist. Eine Sprecherin sagt: „Die Wassermenge ändert sich im Laufe des Jahres. So kann das Volumen während der Trockenzeit im November nur rund ein Zehntel der Menge im April betragen. Bilder von den fast ausgetrockneten Fällen sind also keine Seltenheit. Und doch ist es in diesem Jahr anders, wie etwa Anwohner berichten.“ Dann kommt derselbe junge Mann zu Wort wie in dem MDR-Beitrag, ein Souvenirverkäufer: Er habe gedacht, der Klimawandel sei nur eine Geschichte, bis er zu den Victoriafällen kam. „Während der Trockenzeit kennen wir das so, aber in diesem Jahr hat sie schon im Juni begonnen. Ich würde sagen, das ist die längste Trockenzeit, die wir hier jemals hatten.“ Auch Zeit Online hat am 9. Dezember ein ähnliches Video mit demselben Videomaterial von Reuters veröffentlicht. Darin heißt es: „Im September und Oktober ist die Trockenzeit bekannt, doch dass es noch im Dezember so dramatisch aussieht, ist ungewöhnlich, wie einige der örtlichen Souvenirverkäufer bestätigen.“ Dass es jedes Jahr eine Trockenzeit gibt, in der der Wasserfall wenig Wasser führt, wird in dem MDR-Beitrag nicht deutlich. Die Überschrift „Die Victoriafälle sind trocken“ ist falsch, da die Fälle nie komplett ausgetrocknet waren. Auch international berichteten Medien in den vergangenen Wochen über die Victoriafälle. Auf Youtube kursiert zudem seit September ein Video mit dem Titel „Victoria Falls are almost bone dry“ (Deutsch: Die Victoriafälle sind fast knochentrocken). Es wurde mehr als 51.000 Mal angesehen. Dazu veröffentlichten die Faktenchecker von AFP am 12. Dezember einen Artikel. Sie erklärten, das Youtube-Video lasse den wichtigen Kontext weg, dass die jährliche Trockenzeit stets Auswirkungen auf die Wasserfälle habe. Zum selben Schluss kam auch die Sunday Times in Neuseeland in einem Faktencheck am 13. Dezember. Auf Twitter kursiert außerdem der Hashtag #VictoriaFallsIsNotDry, unter dem Nutzer „Beweisfotos“ von den Wasserfällen veröffentlichen. Offizielle Daten der Zambezi River Authority (Diagramm) zeigen, dass die Victoriafälle zwar im November ähnlich wenig Wasser führten wie in der Saison 1995/96 – dem bisherigen Niedrigrekord. Aber seit Anfang Dezember nimmt die Wassermenge langsam wieder zu. Zudem sei das Wasserlevel 2018 am selben Tag noch niedriger gewesen, schreibt die Behörde (Stand: 19. Dezember): „Der Wasserfluss der Victoriafälle stieg diese Woche und erreichte 282 Kubikmeter pro Sekunde am 18. Dezember 2019. Letztes Jahr am selben Tag waren es 227 Kubikmeter pro Sekunde.“ Aktuelle Fotos der Agentur AFP vom 10. Dezember 2019 zeigen ebenfalls sehr geringe Wassermengen an einigen Stellen und größere Wassermengen an anderen. Fest steht also: Die Victoriafälle sind derzeit nicht völlig trocken und wie sich die Wassermengen in Zukunft entwickeln werden, ist unklar. Der Beitrag des MDR führte tatsächlich in die Irre – durch die falsche Überschrift auf der Webseite und das Weglassen von Kontext im Video. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel ist unbelegt, auch wenn die Häufigkeit von Dürren durch ihn steigen kann. Die Informationen im MDR-Beitrag selbst sind aber nicht falsch. Darüber hinaus sind aber auch die Facebook-Beiträge mit der Collage und der Artikel der Seite Politikstube selbst irreführend. Die Luftaufnahme der Wasserfälle, die in der Collage verwendet wird, ist, wie oben erwähnt, mindestens fünf Jahre alt. Der Facebook-Beitrag behauptet zudem, die Austrocknung der Victoriafälle gebe es nicht. Auch hier wird wichtiger Kontext weggelassen, nämlich dass es tatsächlich im südlichen Afrika in Ländern wie Simbabwe eine schlimme Dürre gibt, dass die Wasserfälle in diesem Jahr den niedrigsten Wasserstand seit vielen Jahren erreichten, und dass Einheimische vor Ort sagen, die Trockenzeit dauere ungewöhnlich lange. Update, 19. Dezember 2019: Kurz nach der Veröffentlichung hat der MDR auf unsere Presseanfrage geantwortet. Das Video sei nicht gelöscht worden, sondern wie alle anderen Nachrichtenbeiträge standardmäßig nach sieben Tagen aus der Mediathek entfernt worden. Der Video-Beitrag sei mit Aufnahmen von Eurovision, einem Verbund für internationalen Nachrichtenaustausch, angefertigt worden. „Die zuständige Redakteurin hat die Bilder genutzt, die mit dem Überspiel zur Verfügung standen. Es wurden keine Aufnahmen weggelassen, die eventuell einen anderen Gesamteindruck ergeben hätten. Behauptungen werden in diesem Beitrag von der Redakteurin nicht aufgestellt. Dass Trockenheit in hohem Maße herrscht und die Viktoria-Fälle viel weniger Wasser führen, als zu dieser Jahreszeit normal wäre, hat die Redaktion nicht behauptet, sondern ein O-Ton-Geber vor Ort, untermauert mit Angaben der UN.“
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Alice Echtermann
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Derzeit verbreitet sich auf Facebook eine Collage, die zeigen soll, dass der MDR in einem Beitrag über die Victoriafälle in Afrika eine Falschmeldung verbreitet habe. Es geht um die Frage, ob die Wasserfälle aktuell ungewöhnlich wenig Wasser führen. Wir haben die Fakten recherchiert.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-12-19T11:52:01+01:00
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2019-12-19T11:52:01+01:00
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2021-06-18T10:45:35+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Der Facebook-Beitrag weist zu Recht auf eine irreführende Berichterstattung des MDR hin. Er führt aber selbst mit einem alten Foto in die Irre und verschweigt, dass die Wassermenge dieses Jahr tatsächlich sehr gering war.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/12/19/klimawandel-irrefuehrende-beitraege-ueber-die-angebliche-austrocknung-der-victoriafaelle/
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Nein, das ZDF hat keine Falschmeldungen über den Klima-Risiko-Index verbreitet
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Auf Facebook zweifelt ein Nutzer die Berichterstattung des ZDF an. Der Sender habe „Fake News“ verbreitet, als er berichtete, Deutschland sei im Klima-Risiko-Index erstmals unter den Top 3 der am stärksten betroffenen Regionen. Dabei entspricht das den Fakten. von Cristina Helberg Auf Facebook behauptete ein Nutzer am 4. Dezember, das ZDF verbreite „wieder mal Fake News“. Der Sender hatte in einem Facebook-Beitrag geschrieben, Deutschland belege im Klima-Risiko-Index für das Jahr 2018 Platz drei der am stärksten von Extremwetter betroffenen Regionen. Der Facebook-Nutzer zweifelt das an und schreibt: „In Wirklichkeit liegt Deutschland im Klima-Risiko-Index 2019 auf Platz 40 […] und die Zahlen aus 2018 und 2019 sind noch gar nicht in den KRI-2019 eingeflossen.“ Der Beitrag wurde bisher 190 Mal geteilt. Wir haben die Behauptungen geprüft. Tatsächlich hat das ZDF am 4. Dezember auf Facebook ein Bild samt Text veröffentlicht: „Zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte des Klima-Risiko-Index gehört Deutschland zu den am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit. Nach Hitzewellen und Rekorddürre im Jahr 2018 belegt die Bundesrepublik den dritten Platz.“ Dazu gab der Sender auch die Quelle an: den Klima-Risiko-Index des Vereins Germanwatch. Der Verein mit Sitz in Bonn will laut eigenen Angaben globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen fördern. Der Klima-Risiko-Index wird laut Germanwatch seit 2006 jährlich bei den Weltklimakonferenzen vorgestellt. Auf der Seite des Vereins Germanwatch ist unter Pressemitteilungen eine Meldung zum Klima-Risiko-Index 2020 vom 4. Dezember 2019 zu lesen, die der Meldung des ZDF in allen Punkten entspricht. Demnach lag Deutschland nach Hitzewellen und Rekorddürre im Jahr 2018 auf Rang 3 hinter Japan und den Philippinen im Klima-Risiko-Index. Auf dem Deckblatt wird, genau wie im Pressetext, deutlich, dass in dem Index mit dem Titel 2020 die Daten für das Jahr 2018 ausgewertet werden. Die Meldung des ZDF entspricht demnach inhaltlich den Fakten. Und was ist mit dem angeblichen Gegenbeweis des Facebook-Nutzers? Er verweist und verlinkt auf den Klima-Risiko-Index 2019, dort liege Deutschland auf Platz 40. Das ist richtig, bezieht sich aber auf Daten aus dem Jahr 2017 – und nicht auf 2018 wie das ZDF. Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV antwortete David Eckstein, einer der Autoren des Index: „Der Klima-Risiko-Index 2020 betrachtet zum einen das Jahr 2018 und zum anderen den 20-Jahres-Zeitraum 1999-2018. Da wir den Index meist im Dezember des jeweiligen Jahres veröffentlichen, haben wir uns entschieden, im Titel immer das Folgejahr anzugeben. Dadurch hat man nicht bereits einen Monat nach Veröffentlichung den Eindruck (z.B. jetzt im Januar 2020), man betrachte hier ein veraltetes Ranking.“ Der Klima-Risiko-Index 2020 bezieht sich demnach auf Daten von 2018 und der Klima-Risiko-Index 2019 bezog sich auf Daten von 2017. Für das Berichtsjahr 2018 landete Deutschland demnach auf Platz 3 (im 20 Jahres Zeitraum 1999-2018 auf Platz 17) und für das Jahr 2017 auf Platz 40 (im 20-Jahres Zeitraum 1998-2017 auf Platz 25). Aber wie kommt es, dass Deutschland in nur einem Jahr von Platz 40 auf Platz 3 hochrutschte? Dazu schreibt Germanwatch: „Der Klima-Risiko-Index für das Jahr 2018 zeigt insbesondere die verheerenden Folgen von außergewöhnlichen Hitzewellen und Dürren.“ In Deutschland habe die Hitze mehr als tausend Todesopfer gefordert. Zu ähnlichen Schätzungen kommen auch Experten, allerdings sind genaue Zahlen schwierig zu ermitteln, weil bei Hitzetoten meist Folgen wie Kreislaufversagen als Todesursache dokumentiert werden. Das Umweltbundesamt beziffert allein die landwirtschaftlichen Schäden in Deutschland 2018 auf rund 700 Millionen Euro. Der Klima-Risiko-Index vergleicht weltweit Todes- und Schadensfälle durch Wetterextreme und nutzt dafür unter anderem Daten einer großen Versicherungsdatenbank.
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Cristina Helberg
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Auf Facebook zweifelt ein Nutzer die Berichterstattung des ZDF an. Der Sender habe „Fake News“ verbreitet, als er berichtete, Deutschland sei im Klima-Risiko-Index erstmals unter den Top 3 der am stärksten betroffenen Regionen. Dabei entspricht das den Fakten.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-12-17T18:31:45+01:00
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2019-12-17T18:31:45+01:00
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2021-06-18T10:46:01+02:00
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Falsch
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Falsch. Der Beitrag des ZDF entspricht den Fakten. Deutschland landete im Klima-Risiko-Index 2020 für das Berichtsjahr 2018 auf Platz 3.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/12/17/nein-das-zdf-hat-keine-falschmeldungen-ueber-den-klima-risiko-index-verbreitet/
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Nein, Bankkunden werden im Krisenfall nicht „komplett enteignet“
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Ein Artikel behauptet, dass ein Gesetz die „komplette Enteignung“ der Bürger festlege. Das ist falsch. Tatsächlich ist es möglich, dass Privatkunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro für die Rettung einer Bank haften. Juristisch ist dies allerdings keine Enteignung. Auch betrifft das nicht Kapital, das außerhalb der Bank liegt. von Joana Splieth Am 14. November 2019 veröffentlichte die Redaktion der Webseite Politaia, die nach eigenen Angaben auch über „Verschwörungstheorien“ berichtet, einen Artikel mit der Überschrift: „Komplette Enteignung der Bürger bereits per Gesetz festgelegt“. Der Text bezieht sich auf das Gesetz zur Sanierung und Abwicklung von Instituten und Finanzgruppen (Sanierungs- und Abwicklungsgesetz – SAG), das seit 2014 die Sanierung von Banken regelt. Eines der darin verankerten Instrumente zur Sanierung von Banken kann auch Konten von Privatpersonen betreffen. Als Quelle nennt Politaia Dr. jur. Wolfgang Phillipp, einen Anwalt aus Mannheim, der ein Buch über die „Bankenrettung“ geschrieben hat. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde der Artikel von Politaia mehr als 700 Mal auf Facebook geteilt. Unsere Recherche zeigt: Die Überschrift des Textes ist irreführend, die „komplette Enteignung“ von Bürgern ist nicht gesetzlich festgelegt. Allerdings kann das Geld von Bankeinlagen mit mehr als 100.000 Euro dennoch, um die Bank im Krisenfall zu retten, eingezogen werden. Das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz, das am 10. Dezember 2014 verabschiedet wurde, kommt zur Anwendung falls sich die Finanzlage einer Bank „wesentlich verschlechtert“, dies zu einem „Krisenfall“ führen könnte (§ 12 SAG) und ein normales Insolvenzverfahren nicht zu einem gleich guten Ergebnis kommen würde (§ 62 Absatz 2 SAG). Allerdings gilt das Gesetz nicht für alle Banken. Vor allem Kreditinstitute und Finanzgruppen, die als „systemrelevant“ bewertet werden, über ein Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro verfügen oder deren Gesamtvermögen 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigt, sind vom Gesetz betroffen (§ 20 SAG). Ob eine Bank zu den „systemrelevanten“ gehört, entscheiden die Bankenaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bundesbank (§20 SAG). Auf der Webseite der BaFin ist eine Auflistung der möglichen „Sanierungs- und Abwicklungsinstrumente“ des SAG für Banken zu finden. Diese Instrumente würden angewendet, falls ein Kreditinstitut oder eine Finanzgruppe gefährdet sei und zum Beispiel die „Finanzstabilität“ zu verlieren drohe. Laut diesen Informationen können „Einlagen von Privatpersonen, Kleinstunternehmen und kleinen und mittelständigen Unternehmen“, die über 100.000 Euro betragen „einschließlich Fest-, Termingelder und Sparguthaben“ während dieses Prozesses konfisziert werden – allerdings als letzte von sieben Möglichkeiten. Privateigentum außerhalb der Bank bleibt unangetastet. Vorher wird unter anderem auf Aktien, Anteile an GmbH, KG oder Genossenschaften, Darlehen oder „unbesicherte unbefristete nachrangige Schuldverschreibungen“ (das sind Anleihen beziehungsweise Wertpapiere) zugegriffen. Dieses Kapital wird „herabgeschrieben“ oder umgewandelt, zum Beispiel in Aktien (Seite 9). Von der BaFin erfahren wir per E-Mail, dass „eine Herabschreibung [der Kontoeinlagen] auf Null in der Praxis wohl kaum vorkommen dürfte“. Laut § 99 SAG ist eine komplette Herabschreibung auf Null allerdings möglich. Sollte ein Kunde durch den ganzen Prozess mehr Geld verlieren als in einem regulären Insolvenzverfahren, steht ihm die Differenz als Entschädigung zu (§ 147 SAG). In einer Tabelle auf der Webseite der BaFin werden außerdem die Instrumente aufgezählt, die im SAG ausgeschlossen sind. So gibt es auch für Privatpersonen mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro ein paar Fälle, bei denen sie nicht betroffen sind: Gedeckte Einlagen oder Anleihen wie Pfandbriefe, die als krisenbewährte Anlagemöglichkeiten gelten, bleiben unter anderem sicher. In Artikel 14 Absatz 3 des Grundgesetzes heißt es: „Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder aufgrund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt.“ Die BaFin schrieb uns dazu, dass es sich beim SAG nicht um eine „Enteignung“ im Sinne des Grundgesetzes handele, sondern um eine „intensiv eingreifende Inhaltsbestimmung“. Das Gesetz diene nicht dazu „das Vermögen des Staates oder eines anderen Enteignungsbegünstigten zu mehren, sondern vielmehr der Abwehr einer Gefahr“, durch ein „bestandsgefährdendes Institut“. Prof. Dr. Joachim Wieland, Experte für öffentliches Wirtschaftsrecht und Verfassungsrecht, schrieb CORRECTIV dazu per E-Mail: „Würde eine Bank insolvent, verlieren deren Kunden regelmäßig praktisch alle Gelder, die sie der Bank anvertraut haben. Das SAG stellt sicher, dass die Kunden möglichst wenig finanzielle Schäden erleiden und besser dastehen als bei einer Insolvenz der betroffenen Bank.“ Weiterhin bestätigt er, dass es sich dabei im juristischen Sinne nicht um eine Enteignung handelt: „Da der Staat den Bankkunden ihre Forderungen nicht entzieht, handelt es sich nicht um eine Enteignung im Sinne von Art. 14 Abs. 3 GG.“ Vielmehr handele es sich beim SAG um Artikel 14 Absatz 1, der die Garantie von Eigentum regelt – nicht die Enteignung. Das Bundesfinanzministerium erklärt uns zudem in einer E-Mail, dass das SAG vor allem darauf ausgelegt sei Bürger zu entlasten und sie nicht mit ihren Steuerzahlungen haften zu lassen: „Das Geld der Bürger (Steuerzahler) soll nicht für Bankenrettungen ausgegeben werden.“ Vielmehr würden vor allem Anteilshaber, Aktionäre und Gläubiger vorrangig die Verluste tragen. Das SAG legt also, anders als von Politaia behauptet, nicht die „komplette Enteignung“ von Bürgern fest. Die Überschrift des Artikels von Politaia ist daher irreführend. In den Artikeln von Politaia, wird das Gesetz als verschwörerisch dargestellt: „Vor leerem Plenum“ sei es zu „später Stunde verabschiedet worden“. Es sei sogar im Gesetz festgelegt, dass alle Funktionsträger über das Verfahren „Stillschweigen zu wahren“ hätten. Tatsächlich gibt es diese Verschwiegenheitsklausel im Gesetz. Sie schreibt Personen in Behörden, die mit dem Abwicklungsprozess der Bank zu tun haben, vor, keine Informationen dazu unbefugt zu veröffentlichen oder verwerten. Die BaFin erklärt uns dazu: „Die Verschwiegenheitspflicht nach § 5 SAG bezieht sich auf vertrauliche Informationen. Hierzu gehören z. B. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von Kreditinstituten oder Dritten. Auch Informationen, deren Schutz im öffentlichen Interesse liegt, z. B. weil ihr Bekanntwerden nachteilige Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität haben kann, unterliegen der Verschwiegenheitspflicht“. Solche Klauseln seien keine Besonderheit des SAG, sondern würden ähnlich für alle Behörden gelten. Sie dienten dem Schutz der Unternehmen und Bürger.
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Tania Röttger
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-12-06T18:41:47+01:00
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2019-12-06T18:41:47+01:00
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2019-12-06T18:41:47+01:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Die Überschrift suggeriert die „komplette Enteignung“ von Bürgern per Gesetz. Eine solche findet nicht statt. Kunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro können allerdings mit diesem Geld für die Rettung der Bank haften. Kapital außerhalb der Bank ist nicht betroffen.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/12/06/nein-bankkunden-werden-im-krisenfall-nicht-komplett-enteignet/
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Nein, es gibt keine „als CO2-Steuer getarnte Flüchtlingssteuer“
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Kürzlich hat der Bundestag das Klimapaket angenommen. Ein Artikel nimmt das zum Anlass, zu behaupten, es sei eine CO2-Steuer beschlossen worden – und diese sei in Wahrheit eine „Flüchtlingssteuer“. Das ist falsch. von Alice Echtermann Die Webseite „Politaufkleber“ führt ihre Leser in die Irre: „Die Flüchtlingssteuer ist beschlossen!“ steht über einem Artikel vom 25. November 2019. Er wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bisher mehr als 700 Mal bei Facebook geteilt. In dem kurzen Text wird klar, dass es eigentlich um eine CO2-Steuer geht. Sie sei eine „getarnte“ Flüchtlingssteuer. Nach einem Absatz kommt zum Weiterlesen ein Link zu einem Artikel der Webseite Deutsche Wirtschafts-Nachrichten vom 15. November 2019 mit dem Titel „Bundestag beschließt CO2-Sondersteuer: Auf den Mittelstand kommen schwere Zeiten zu“. Der Artikel ist hinter einer Paywall verborgen. CORRECTIV-Recherchen zeigen: Es gibt keine „Flüchtlingssteuer“ – und auch die Überschrift des Artikels von Deutsche Wirtschafts-Nachrichten ist irreführend. Der Bundestag hat am 15. November das sogenannte Klimaschutzpaket der Bundesregierung angenommen. Es enthält keine CO2-Steuer, sondern einen nationalen Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten in den Bereichen Wärme und Verkehr. Dieses System soll ab 2021 eingeführt werden. Das heißt, Unternehmen müssen dann CO2-Zertifikate für ihre Emissionen kaufen. In den ersten fünf Jahren funktioniert dieses System laut Bundesumweltministerium über einen Festpreis pro Tonne CO2, ab 2026 sollen die Zertifikate auktioniert werden. So soll sich der CO2-Preis über den Markt regulieren. Insgesamt sollten fossile Brenn- und Kraftstoffe teurer werden (Heizöl, Flüssiggas, Erdgas, Kohle, Benzin und Diesel). Einen ähnlichen Zertifikatehandel gibt es bereits auf EU-Ebene, er deckt aber andere Sektoren ab. Mit Geflüchteten oder Asylbewerbern hat das Klimaschutzpaket nichts zu tun. Dies ist allerdings ein beliebtes Narrativ: So veröffentlichte der Youtuber „Neverforgetniki“ im August ein Video mit dem Titel „Flüchtlingssteuer getarnt als CO2-Steuer?“. Es hat mehr als 220.000 Aufrufe. Für die Behauptungen darin gibt es jedoch keine Grundlage. „Neverforgetniki“ behauptet ohne Angabe von Quellen, der Staat wolle „die Kassen wieder füllen“, weil sie durch die Zuwanderung leer seien. Was bei solchen Behauptungen meist ausgelassen wird, ist, dass die Bundesregierung mit dem Klimapaket nicht nur einen CO2-Preis einführen will, sondern gleichzeitig auch diverse Maßnahmen plant, unter anderem, Pendler zu entlasten und den Strompreis zu senken. Auf Nachfrage von CORRECTIV, ob die Einnahmen auch für andere Zwecke verwendet werden können, verneint das Bundesumweltministerium. Die Mittel sollen für die Energiewende und Klimaschutz-Maßnahmen verwendet werden. Ein Pressesprecher teilt uns per E-Mail mit, der Großteil der Gelder für diese Maßnahmen stamme derzeit aus dem Energie- und Klimafonds. Im Bericht des Bundesfinanzministeriums für 2018/2019 steht genau, wofür die Mittel verwendet werden. In Zukunft sollen für den Klimaschutz neben den Einnahmen aus dem Fonds dann „auch Einnahmen aus dem CO2-Preis in Höhe von rd. 3,6 Mrd. Euro im Jahr 2021, der Lkw-Maut, der erhöhten Abgabe auf Flugtickets und der Kfz-Steuer verwendet werden“, so der Sprecher des Bundesumweltministeriums. Insgesamt sollen laut Bundesfinanzministerium bis 2023 für den Klimaschutz rund 54 Milliarden Euro investiert werden in „neue Technologien, Infrastruktur und umweltfreundliches Verhalten“. Dazu zählen Energieeffizienz von Gebäuden oder Förderung des Schienenverkehrs, aber auch die Bereiche „Bildung und Forschung, Energie, Industrie und Landwirtschaft“.
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Alice Echtermann
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Kürzlich hat der Bundestag das Klimapaket angenommen. Ein Artikel nimmt das zum Anlass, zu behaupten, es sei eine CO2-Steuer beschlossen worden – und diese sei in Wahrheit eine „Flüchtlingssteuer“. Das ist falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-11-27T09:59:04+01:00
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2019-11-27T09:59:04+01:00
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2021-06-18T10:46:26+02:00
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Falsch
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Falsch. Es gibt keine „Flüchtlingssteuer“. Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung sollen für Klimaschutzmaßnahmen verwendet werden.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/11/27/nein-es-gibt-keine-als-co2-steuer-getarnte-fluechtlingssteuer/
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Virales Video aus Kalifornien: Nein, diese Bienen sind nicht wegen 5G-Strahlung gestorben
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Ein virales Youtube-Video suggeriert, Bienen würden in Sierra Madre wegen 5G-Masten in der Nähe sterben. Das ist falsch – es handelt sich dabei weder um 5G-Antennen, noch kann laut Experten der neue Mobilfunkstandard Tieren gefährlich werden. von Till Eckert „Bees dying under 5G poles“ – Bienen sterben unter 5G-Masten. So ist ein Youtube-Video betitelt, das seit 15. Juli bereits mehr als 240.000 Mal angesehen wurde. Hochgeladen hatte es damals ein Nutzer namens Phillip Sites. In dem Handyvideo werden zwei angebliche 5G-Antennen in der kalifornischen Stadt Sierra Madre gezeigt, die sich gegenüberliegen. Dazwischen auf der Straße liegen etliche tote Bienen. Sites sieht dafür nur eine Erklärung: Die mutmaßlichen 5G-Antennen. Nachdem die britische Boulevard-Zeitung Daily Star am 2. August einen Artikel darüber veröffentlichte, griffen zunächst verschiedene englischsprachige Blogs das Thema auf (hier und hier). Im September veröffentlichte auch die deutschsprachige Webseite Altermed Zentrum einen Artikel dazu. Darin wird an mehreren Stellen suggeriert, dass der Tod der Bienen mit 5G-Strahlung zusammenhänge. Mehrfach ist zum Beispiel vom angeblich großen „gesundheitlichen Risiko“ durch 5G zu lesen. Der Text wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bisher mehr als 7.300 Mal auf Facebook geteilt. Wir haben den Sachverhalt überprüft. Zunächst haben wir den exakten Standort der Antennen in Sierra Madre verifiziert. Eine Twitter-Suche nach „5G Sierra Madre“ führt zum Tweet eines Nutzers, der schreibt, dass es sich um alte 4G-Antennen nahe der Methodistenkirche in Sierra Madre handele. Über Google Street View suchten wir nach der Methodistenkirche in der Stadt und wurden fündig: Sie befindet sich an der Straßenecke Sierra Madre Boulevard und Michellinda Avenue nahe Pasadena. Die Google-Aufnahmen sind vom April 2019, also wenige Monate bevor Sites sein Youtube-Video hochgeladen hat. An der Michellinda Avenue finden wir eine Antenne: Sie befindet sich auf dem Parkplatz der Kirche. Das lässt sich anhand des weißen Schildes mit der Aufschrift „FCC“ am „Stamm“ einer der Antennen und den roten Lettern auf dem Gebäude gegenüber erkennen („Animal Hospital“, im Youtube-Video sind die Anfangsbuchstaben „An“ zu sehen): Wir kontaktierten das Rathaus von Sierra Madre zunächst über die nicht verifizierte Facebook-Seite der Stadt. Wir erhielten über eine Direktnachricht die Antwort: „Die Stadt Sierra Madre hat zum aktuellen Zeitpunkt keine 5G-Antennen.“ Diese Antwort hat uns Mitarbeiter Tevin Voong noch einmal per E-Mail bestätigt. Die Behauptung im Youtube-Video, es handele sich um 5G-Antennen, ist demnach falsch, weil es in der Stadt keine gibt. Die Bienen können nicht wegen 5G-Strahlung gestorben sein. Zum Hintergrund: 5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Sie benötigt neue, beziehungsweise mehr Funktechnologie als die bisherigen. So soll sie Daten schneller übertragen und weniger Strom verbrauchen. Das wird laut Bundesamt für Strahlenschutz zu einem „deutlichen Ausbau der Sendeanlagen“ führen. Das beunruhigt derzeit offenbar viele Menschen, denn mehr Funksendeanlagen bedeutet in den Augen vieler auch: mehr Strahlung. Doch kann diese Bienen oder anderen Tieren wirklich gefährlich werden? Wir haben beim Bundesgesundheitsministerium nachgefragt. Per E-Mail antwortete Sprecherin Judith Horrichs: „Die von Ihnen beschriebene Darstellung in dem Video kann so nicht mit 5G-Antennen, wie sie hier in Deutschland eingesetzt werden, in Zusammenhang gebracht werden. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte.“ Der einzige bekannte und wissenschaftlich nachgewiesene Wirkmechanismus hochfrequenter Felder auf Organismen sei laut Horrichs die Erwärmung infolge von Energieabsorption. Die Intensität der Felder, die von Sendeanlagen ausgehen, reiche aber nicht aus, um eine biologisch wirksame Erwärmung von Lebewesen zu verursachen. Das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt die Aussage des Gesundheitsministerium per E-Mail und schreibt: „Dies gilt auch für den neuen Mobilfunkstandard 5G hinsichtlich der bislang in Deutschland versteigerten Frequenzen, da diese Frequenzbereiche vergleichbar sind mit denen, die auch bislang schon für den Mobilfunk genutzt werden.“ In einer Pressemitteilung von 2018 schrieb das Bundesamt zudem: „Wenn die Grenzwerte eingehalten werden, sind nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitsrelevanten Wirkungen zu erwarten.“ Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt auf seiner Webseite auch weitere Informationen zum Einfluss von Strahlung auf Bienen. Dabei geht es vor allem um die Störung der Orientierung der Tiere. Es werden die Ergebnisse mehrerer Studien zitiert, die zwar teilweise einen Einfluss auf Bienen nahelegen, jedoch oft keine kausalen Schlüsse zuließen. Elektromagnetische Felder von Basisstationen spielten beim Bienensterben keine Rolle, schreibt das Bundesamt. Es gebe andere Einflussfaktoren: Krankheiten, Parasiten wie die Varroa Milbe und Pestizide, die das Nervensystem von Insekten schädigen. „In Großstädten, die besonders gut mit Mobilfunk versorgt sind, breiten sich Bienen zunehmend aus und gedeihen besser als in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten.“ CORRECTIV.Faktencheck beobachtet schon länger, dass mit dem Thema 5G Stimmung im Netz gemacht wird. Für einen Hintergrund-Bericht haben wir uns mit der Forschungslage beschäftigt. Zusammengefasst: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt weder abschätz- noch belegbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf uns wirken könnte. Zudem ist nicht belegt, ob sie gesundheitliche Schäden verursachen könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen und erforscht werden
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Till Eckert
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Ein virales Youtube-Video suggeriert, Bienen würden in Sierra Madre wegen 5G-Masten in der Nähe sterben. Das ist falsch – es handelt sich dabei weder um 5G-Antennen, noch kann laut Experten der neue Mobilfunkstandard Tieren gefährlich werden.
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"Gesundheit",
"Medizin und Gesundheit",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Gesundheit
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2019-11-21T13:14:27+01:00
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2019-11-21T13:14:27+01:00
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2022-10-14T09:37:16+02:00
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Falsch
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Falsch. In Sierra Madre gibt es aktuell keine 5G-Antennen. Laut Experten gibt es zudem keine Belege für einen schädlichen Einfluss von 5G auf Bienen.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/11/21/virales-video-aus-kalifornien-nein-diese-bienen-sind-nicht-wegen-5g-strahlung-gestorben/
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Nein, die EU-Kommission will kein „neues, hochgiftiges Bayer-Pestizid“ zulassen
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In einem Artikel der Seite Neopresse wird über die Zulassung eines angeblich neuen Pestizids spekuliert. Der Stoff wurde aber schon vor Jahren in der EU zugelassen. Zudem wurde erst kürzlich entschieden, dass er ab 2020 nicht mehr verwendet werden darf. von Alice Echtermann „Brüssel will neues, hochgiftiges Bayer-Pestizid zulassen“, titelte die Seite Neopresse in einem Artikel am 5. September. Es geht um Thiacloprid, ein Insektizid, das als Wirkstoff in den Produkten Biscaya und Calypso des Pharmakonzerns Bayer enthalten ist. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 6.100 Mal auf Facebook geteilt. Neopresse stellt einige Behauptungen über Thiacloprid auf. So sei die Zulassung in der EU angeblich bereits im April 2017 ausgelaufen, dennoch habe die Kommission sie seitdem jedes Jahr weiter verlängert. Der Stoff dürfe noch bis April 2020 genutzt werden. Bayer habe die Europäische Kommission „davon überzeugt“, dass Landwirte in der EU dieses Pestizid benötigen – und „im schlimmsten Fall“ könne es „noch für weitere sieben Jahre zugelassen werden“. CORRECTIV-Recherchen zeigen: Der Text führt in die Irre. Die Überschrift ist zudem falsch: Sie erweckt den Eindruck, der Stoff sei neu und solle erstmals zugelassen werden. Das stimmt nicht, denn wie im weiteren Verlauf des Artikels von Neopresse auch zu lesen ist, ist Thiacloprid bereits seit Jahren in der EU zugelassen. Tatsächlich ist die Zulassung von Thiacloprid noch bis zum 30. April 2020 gültig. Allerdings bahnte sich ein Verbot schon länger an. Bereits 2015 landete es auf einer Liste von Substanzen, die nach dem Vorschlag der EU möglichst durch andere Stoffe ersetzt werden sollten, aber weiter erhältlich waren. Anfang 2019 veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Bericht über Thiacloprid. Sie wertete Studien über die Substanz aus und kam zu dem Schluss, dass sie nicht die Kriterien für eine Zulassung erfülle. Sie könne zu Fortpflanzungsstörungen führen, wenn Menschen größeren Mengen ausgesetzt seien. Bei Versuchen an Tieren sei ein Risiko für Organschäden oder Krebs festgestellt worden, eine Relevanz für Menschen sei nicht auszuschließen (Seiten 9 und 10). Auf der Grundlage dieses Berichts empfahl die Europäische Kommission nach eigenen Angaben den Vertretern der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futter, die Zulassung des Insektizids nicht zu verlängern. Ihm werde die Eigenschaft zugeschrieben, das Hormonsystem auf unerwünschte Weise zu beeinflussen. Am 22. Oktober stimmten die Vertreter in dem Ständigen Ausschuss dann für den Vorschlag der Kommission beziehungsweise gegen eine Verlängerung der Zulassung für Thiacloprid nach April 2020. Dies bestätigte eine Sprecherin der Kommission, Aikaterini Apostola, CORRECTIV per E-Mail. Auch mehrere Medien, zum Beispiel die Agentur Reuters (22. Oktober) und das Handelsblatt (22. Oktober), berichten über die Entscheidung. Der Artikel von Neopresse erschien im September, also vor der Abstimmung der Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futter. Doch unsere Recherche ergab keine Hinweise darauf, dass die Kommission zu diesem Zeitpunkt die Absicht erklärt hatte, den Stoff weiterhin zuzulassen. Der Bericht der EFSA lag im September bereits öffentlich vor. Zudem hat Neopresse seinen Artikel auch nach dem Beschluss am 22. Oktober nicht aktualisiert.
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Alice Echtermann
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In einem Artikel der Seite Neopresse wird über die Zulassung eines angeblich neuen Pestizids spekuliert. Der Stoff wurde aber schon vor Jahren in der EU zugelassen. Zudem wurde erst kürzlich entschieden, dass er ab 2020 nicht mehr verwendet werden darf.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-11-19T16:34:26+01:00
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2019-11-19T16:34:26+01:00
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2019-11-19T16:34:26+01:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Thiacloprid ist kein neues Pestizid und die EU hat nicht beschlossen, die Zulassung zu verlängern. Im Gegenteil: Es soll ab 2020 nicht mehr erlaubt sein.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/11/19/nein-die-eu-kommission-will-kein-neues-hochgiftiges-bayer-pestizid-zulassen/
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Doch, deutsche Medien haben über die Bauernproteste in den Niederlanden berichtet
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Auf Facebook verbreiten Nutzer falsche Behauptungen über die Bauernproteste in den Niederlanden im Oktober. Es stimmt nicht, dass deutsche Medien diese ignoriert hätten. Und es gibt auch keine Pläne der niederländischen Regierung, 50 Prozent der Bauern die Arbeit wegzunehmen. von Alice Echtermann In einem Facebook-Beitrag vom 21. Oktober behauptet ein Nutzer, Medien in Deutschland würden nicht über die Bauernproteste in den Niederlanden berichten. Er verbreitet ein Foto – offenbar ein Screenshot eines anderen Facebook-Beitrags – mit Text und zwei Bildern von Traktoren auf Straßen. Im Text wird behauptet: „In Holland [sic!] möchte die Regierung wegen des Klimaproblems, 50% der Bauern die Arbeit wegnehmen. Die Bauern demonstrieren schon zwei Wochen mit 2.500 Traktoren und blockieren die Regierungsviertel und verschiedene Regierungsgebäude. Der Staat hat sogar Militär eingesetzt. Komisch das [sic!] die Medien in Deutschland fast nichts darüber berichten. Passt bestimmt nicht ganz in ihren Plan.“ Der Facebook-Beitrag wurde mehr als 14.700 Mal geteilt. Das Bild mit Text wird auch aktuell noch weiterverbreitet. Zum Beispiel lud es am 5. November ein anderer Facebook-Nutzer hoch; sein Beitrag wurde bisher mehr als 380 Mal geteilt. Wir haben die Behauptungen geprüft. Wer der Urheber des Textes ist, ist unklar. Die Behauptung, Medien in Deutschland würden „fast nichts“ über die Bauernproteste in den Niederlanden berichten, ist falsch. Zudem gibt es keinen Beleg für die Aussage, die Regierung wolle dort der Hälfte der Bauern die Arbeit wegnehmen. Zahlreiche große, überregionale Medien in Deutschland haben ab dem 1. Oktober 2019 – dem Beginn der ersten Bauernproteste in den Niederlanden – berichtet. In den ersten Artikeln heißt es, mehr als 2.000 Bauern seien mit Traktoren auf dem Weg zu einer Kundgebung nach Den Haag gefahren und hätten mit langsamer Geschwindigkeit die Straßen blockiert. Dies berichteten am 1. Oktober zum Beispiel die Tagesschau, Spiegel Online, N-TV und Focus Online. Auch etwa zwei Wochen später, beim zweiten Bauernprotest dieser Art, berichteten die deutschen Medien, zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung (15. Oktober) und das ZDF (14. Oktober). Die Formulierung in dem Facebook-Beitrag, es sei „Militär eingesetzt worden“ ist ohne Kontext irreführend. Was stimmt, ist, dass das Verteidigungsministerium laut niederländischen Medienberichten der Gemeinde Den Haag geholfen hat, Straßen zu sperren. Es wurden Militärfahrzeuge eingesetzt, um sie für die Traktoren zu blockieren. Der Auslöser der Proteste sind den Medienberichten zufolge Umweltauflagen der niederländischen Regierung, mit denen der Stickstoffausstoß gesenkt werden soll. Diese betreffen auch Landwirte, die Gülle produzieren und Dünger einsetzen. Eine Entscheidung der Verwaltungsrechtsabteilung des Staatsrates in den Niederlanden (Raad van State) am 29. Mai 2019 hatte für Unruhe gesorgt: Sie erklärte das nationale Programm, mit dem bisher Lizenzen für Projekte vergeben wurden, die Stickstoffausstoß verursachen, für ungültig. Das Programm entspreche nicht den europäischen Auflagen zum Naturschutz. Es könne deshalb nicht mehr zur Genehmigung von Projekten genutzt werden. Man arbeite an einem neuen Ansatz zur Regulierung des Stickstoffausstoßes, schreibt die Zentralregierung auf ihrer Webseite. Nach Angaben der Regierung waren seit Mai schätzungsweise 18.000 Projekte von der Änderung betroffen. Sie seien ausgesetzt worden, bekämen jedoch allmählich neue Genehmigungen. Es ging dabei nicht nur um Landwirte, sondern auch zum Beispiel Bauprojekte. Diese Probleme liefern keine Grundlage für die Behauptung, dass die Regierung „50 % der Bauern die Arbeit wegnehmen“ wolle. Der Facebook-Beitrag könnte sich auch auf eine Aussage eines Politikers der Regierungspartei D66 im September beziehen, die für Aufregung sorgte: Tjeerd de Groot schlug Medienberichten zufolge vor, den Viehbestand zu halbieren, um den Stickstoffausstoß zu senken. Die niederländische Landwirtschaftsministerin sagte jedoch am 1. Oktober in einer Rede, solange sie im Amt sei, werde es keine erzwungene Halbierung des Viehbestands geben. Somit gibt es keine konkreten Pläne der niederländischen Regierung, die die Behauptung aus dem Facebook-Beitrag belegen.
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Alice Echtermann
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Auf Facebook verbreiten Nutzer falsche Behauptungen über die Bauernproteste in den Niederlanden im Oktober. Es stimmt nicht, dass deutsche Medien diese ignoriert hätten. Und es gibt auch keine Pläne der niederländischen Regierung, 50 Prozent der Bauern die Arbeit wegzunehmen.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-11-07T15:48:23+01:00
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2019-11-07T15:48:23+01:00
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2019-11-07T15:48:23+01:00
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Falsch
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Falsch. Deutsche Medien haben über die Bauernproteste in den Niederlanden berichtet. Es gibt zudem keine Pläne der niederländischen Regierung, 50 Prozent der Bauern die Arbeit wegzunehmen.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/11/07/doch-deutsche-medien-haben-ueber-die-bauernproteste-in-den-niederlanden-berichtet/
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Nein, Vulkane verursachen nicht mehr CO2 als Menschen
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Auf Facebook geht die Behauptung viral, der Ausbruch des Vulkans Merapi habe mehr CO2 in die Atmosphäre geschossen, als Menschen „in 200 Jahren einsparen könnten“. Die Aussage ist irreführend – denn Menschen stoßen viel mehr CO2 aus als ein Vulkanausbruch. von Till Eckert In einem viralen Facebook-Beitrag vom 15. Oktober wird behauptet, der Vulkan Merapi in Indonesien habe mehr CO2 in die Atmosphäre geschossen, „als wir in 200 Jahren einsparen könnten“. Die Tagesschau habe außerdem „angestrengt weggesehen“, also nicht darüber berichtet. Der Beitrag wurde bisher mehr als 6.600 Mal geteilt. Wir haben die Behauptungen geprüft. Die Faktencheck-Redaktion der DPA hat die Behauptungen ebenfalls überprüft. Laut ihrer Recherche brach der Vulkan tatsächlich am 14. Oktober aus. Das zeigt ein Beitrag des offiziellen Twitter-Accounts des Katastrophenschutz-Zentrums in Yogyakarta, Indonesien, auf den die DPA hinweist. Demnach seien um 16.30 Uhr herum weiße Aschewolken ausgetreten. Diese sind auch in einem Video der Nachrichtenseite Tribun Jateng zu sehen, das die DPA verlinkt. Die Tagesschau berichtete tatsächlich nicht über diesen Vulkanausbruch, wie eine Suche auf der Webseite der Sendung zeigt. Der letzte Bericht über den Merapi liegt demnach über acht Jahre zurück. Generell haben deutsche Medien über diesen Ausbruch weitestgehend nicht berichtet, wie eine Google-Suche zeigt. Spiegel Online zum Beispiel berichtete zuletzt im Juni 2018 über einen Ausbruch des Vulkans, wie eine Suche auf der Webseite zeigt. Die Behauptung, Vulkane stießen mehr CO2 als Menschen aus, ist nicht neu. Laut Christian von Savigny, geschäftsführender Direktor und Professor am Institut für Physik der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, liege der durchschnittliche weltweite CO2-Ausstoß von Vulkanen zwischen 200 und 300 Millionen Tonnen im Jahr, wie er uns im Juli telefonisch für einen anderen Faktencheck mitteilte. Laut Umweltbundesamt beträgt die Kohlenstoffdioxid-Emission des Menschen mehr als 41 Milliarden Tonnen pro Jahr mit Stand 2018. Forscher von Savigny sagt, dass der jährliche CO2-Ausstoß durch den Menschen zwischen 30 und 35 Milliarden Tonnen betrage und somit etwa 100 mal größer sei als die gesamten vulkanischen CO2-Emissionen pro Jahr. Ebenso ist im Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) von 2013/14 zu finden, dass die vulkanischen CO2-Emissionen mindestens 100 mal kleiner seien als die vom Menschen verursachten Emissionen (Seite 56). Somit lässt sich zusammengefasst sagen: Die vulkanischen Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind deutlich geringer als die durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen. Laut Umweltbundesamt wurden die deutschen CO2-Gesamtemissionen 2017 mit rund 907 Millionen Tonnen berechnet; im Jahr 2018 wurden sie auf 866 Millionen Tonnen geschätzt. Damit liegt allein der jährliche deutsche CO2-Ausstoß fast das Dreifache über dem jährlichen Ausstoß durch Vulkane weltweit. Würde Deutschland den Ausstoß in Zukunft auf etwa 400 bis 450 Millionen Tonnen im Jahr halbieren, wäre mehr eingespart, als alle Vulkane zusammen ausstoßen.
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Till Eckert
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Auf Facebook geht die Behauptung viral, der Ausbruch des Vulkans Merapi habe mehr CO2 in die Atmosphäre geschossen, als Menschen „in 200 Jahren einsparen könnten“. Die Aussage ist irreführend – denn Menschen stoßen viel mehr CO2 aus als ein Vulkanausbruch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-10-29T15:49:12+01:00
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2019-10-29T15:49:12+01:00
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2021-06-18T10:46:52+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Menschen verursachen viel mehr CO2 als Vulkane. Es stimmt allerdings, dass die Tagesschau nicht über den Ausbruch des Merapi berichtete.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/10/29/nein-vulkane-verursachen-nicht-mehr-co2-als-menschen/
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Nein, 1890 war die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nicht genauso hoch wie heute
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In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, dass die CO2-Konzentration der Erdatmosphäre 1890 genauso hoch gewesen sei wie heute. Zu dieser Zeit waren die Messungen jedoch noch sehr ungenau. von Katarina Huth Die Facebook-Seite „Freie Medien – News“ veröffentlichte am 12. August 2019 einen Beitrag, der bisher mehr als als 9.000 Mal geteilt wurde. Darin wird behauptet, dass bereits 1890 eine CO2-Konzentration von 0,04 Prozent in der Atmosphäre bestanden habe. Als Quelle wird „Meyers Lexikon“ genannt, mit einem Bild einer Lexikonseite in altdeutscher Schrift als Beleg. Da der damalige Wert mit dem heutigen übereinstimme, habe es also keine Erhöhung der CO2-Konzentration seit 1890 gegeben. Das ist falsch. Unsere Recherche zeigt, dass es 1890 noch keine genauen Messungen des CO2-Gehalts in der Atmosphäre gab – und neuere Forschungen belegen einen Anstieg. Die im Facebook-Beitrag zitierte Ausgabe des Meyers Lexikon kann man in der Online Retro-Bibliothek einsehen. Meyers Konversations-Lexikon ist eine bedeutende Enzyklopädie des 19. und 20. Jahrhunderts in deutscher Sprache. Unter dem Eintrag zu „Kohlensäure“ steht auf Seite 917 der vierten Auflage (1885 bis 1892) des Lexikons: „Kohlensäure (Kohlensäureanhydrid, Kohlendioxyd) CO2 ^[CO_{2}] findet sich zu etwa 0,04 Proz. in der Atmosphäre[…]“. Es handelt sich also bei dem Foto auf Facebook um den echten Lexikon-Eintrag. Mit der Bezeichnung „Kohlensäure“ ist hier wohl Kohlenstoffdioxid, also CO2, gemeint. Manchmal wird der Begriff „Kohlensäure“ auch heute noch fälschlich für CO2 verwendet. Zur Unterscheidung: Kohlensäure ist eine Säure, die als Reaktion von Kohlenstoffdioxid und Wasser entsteht, CO2 ist ein Gas. Bei CO2 handelt es sich laut Umweltbundesamt nach Wasserdampf um das wichtigste Treibhausgas. Dessen Konzentration in der Atmosphäre habe sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um etwa 44 Prozent durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdgas, Erdöl und Kohle sowie durch großflächige Entwaldung erhöht. Diese Veränderung sorge mit für eine Klimaerwärmung. Der Anteil von CO2 in der Atmosphäre wird in ppm gemessen – Anteile pro Million oder Millionstel. Die 0,04 Prozent, die in Meyers Konversations-Lexikon angegeben werden, entsprechen 400 ppm. Die Messmethoden und Schätzungen der CO2-Konzentration in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten waren jedoch ungenau. Hermann Flohn, ehemaliger Professor für Meteorologie und Direktor des Meteorologischen Instituts der Universität Bonn, schrieb 1984: „Vor Beginn des modernen Industriezeitalters (um 1890) wurde der CO2-Gehalt der Luft (1981: 340 ppm) in verschiedenen, damals noch recht ungenauen Meßserien zu 290 bis 295 ppm bestimmt. [sic!]“ (PDF, Seite 2). Diese Werte weichen stark von den in Meyers Konversations-Lexikon angegebenen 400 ppm ab. Laut Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und dem für dieses Institut tätigen Paläoklimatologen und Ozeanografen Stefan Rahmstorf, gibt es echte und direkte Messungen der CO2-Konzentration erst seit den 1950er-Jahren (PDF, Seite 33). Damals habe Charles Keeling, ehemaliger Professor für Chemie an der Scripps Institution of Oceanography, seine CO2-Messungen auf einem der größten aktiven Vulkane der Erde, dem Mauna Loa auf Hawaii, begonnen. Diese seien später Grundlage der berühmten Keeling-Kurve geworden. Sie zeige zum einen die jahreszeitlichen Schwankungen der CO2-Konzentration, also die unterschiedliche Auf- und Abnahme des CO2 durch die Biosphäre im Jahresrhythmus. Zum anderen zeige sie einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Über die Werte vor den 1950er Jahren geben Eiskernbohrungen in der Antarktis Aufschluss. Erste Untersuchungen von gewonnen Eiskernen gab es Ende der 1950er-Jahren (PDF, Seite 2526). Laut der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) konnte anhand der im kilometerdicken Eis eingeschlossenen Gasproben bestimmt werden, dass während der Eiszeitzyklen der letzten 800.000 Jahre die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre nie über 300 ppm betrug. Vor Beginn der Industriellen Revolution Mitte des 17. Jahrhunderts habe die globale durchschnittliche CO2-Konzentration rund 280 ppm betragen. 2015 habe die globale CO2-Konzentration erstmals 400 ppm überschritten. Nur etwa die Hälfte der CO2-Emissionen durch den Menschen konnten laut einem Report des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) seit der vorindustriellen Zeit in den natürlichen CO2-Kreislauf von sogenannten natürlichen CO2-Senken aufgenommen werden (PDF, Seite 467). Natürliche Senken sind Ökosysteme, die Kohlenstoff in Biomasse speichern, wie zum Beispiel Wälder. Durch den menschlichen Einfluss ist die globale Durchschnittstemperatur seit der vorindustriellen Zeit bis 2017 laut IPCC um etwa ein Grad Celsius gestiegen (siehe Sonderbericht des IPCC 2018, Chapter eins, Executive Summary). Im Juli gab das Umweltbundesamt eine aktuelle globale CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 407,38 ppm an. Laut der US-amerikanischen Nasa beträgt sie Stand September 2019 412 ppm. Somit belegt die Forschung, dass es einen Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gibt.
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Katarina Huth
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-10-29T13:53:34+01:00
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2019-10-29T13:53:34+01:00
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2021-06-18T10:47:22+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Der Lexikon-Eintrag ist korrekt wiedergegeben, aber keine belastbare Quelle, da es 1890 noch keine genauen Messungen gab. Heute kann die Forschung belegen, dass die CO2-Konzentration damals bei unter 300 ppm lag – und heute bei über 400 ppm liegt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/10/29/nein-1890-war-die-co2-konzentration-in-der-atmosphaere-nicht-genauso-hoch-wie-heute/
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Mann reicht Eisbär die Hand: Ja, dieses Bild ist echt
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Eine Facebook-Seite veröffentlichte ein Schwarz-Weiß-Foto, auf dem ein Mensch einen Eisbär füttert. Viele Leser vermuten eine Fälschung. Doch das Bild ist echt. von Cristina Helberg Am 8. Oktober veröffentlichte die Facebook-Seite „Unser Planet“ ein Schwarz-Weiß-Foto. Es zeigt einen Mann in einer Schneelandschaft, der seine Hand einem ausgewachsenen Eisbär reicht, während ein Eisbärenjunges sein Bein umklammert. Dazu schrieb die Seite: „Zur Info: Das Bild ist echt. Es wurde in den 70ern aufgenommen und zeigt einen Russen, wie er einen Eisbären füttert.“ Der Beitrag wurde bisher mehr als 1.490 Mal geteilt. Zahlreiche Nutzer halten das Bild offenbar für gefälscht. Das geht aus mehrere Kommentaren hervor. Wir haben das Bild geprüft. Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Faktencheck der US-amerikanischen Redaktion Snopes von August 2019. Die Redaktion kommt in dem Text zu dem Schluss, das Foto sei echt und schreibt auf Englisch: „Es wurde irgendwann in den 1970er Jahren in der Nähe der sibirischen Stadt Cape Schmidt vor der Küste der Tschuktschensee aufgenommen und zeigt einen Mann namens Nikolai Machulyak.“ Als Belege führen die Faktenchecker zwei Quellen an. Die erste ist ein Artikel im russischen Reisemagazin Вокруг света (Deutsch: Um die Welt) aus dem Jahr 1977. Auf Seite 19 im Heft ist eine ähnliche Szene wie im Facebook-Beitrag abgedruckt. Die Position der Eisbären ist jedoch etwas anders. Eine CORRECTIV-Anfrage an die Redaktion von Вокруг света nach dem Ursprung des Fotos blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet. Der zweite Beleg für die Echtheit des Fotos, den Snopes anführt, ist ein archivierter Artikel auf der Webseite der Russischen Geographische Gesellschaft aus dem Jahr 2014. Darin sind mehrere Fotos ähnlicher Szenen zu sehen, darunter auch das Bild aus dem Facebook-Beitrag. Sie stammen laut der Webseite aus dem Archiv des oben genannten russischen Reisemagazins Вокруг света. Die Russische Geographische Gesellschaft schreibt dazu, es handele sich um Nikolai Machulyak, der Eisbären in der Region regelmäßig gefüttert habe. Auch in einer Google Book Vorschau der Zeitschrift Soviet Life taucht ein ähnliches Foto in einem Artikel des Autors Vladimir Filimonov über Nikolai Machulyak auf. Wir konnten während unserer Recherche keine Hinweise finden, die dagegen sprechen, dass das Foto echt ist. Die Originalquelle lässt sich nicht verifizieren, jedoch gibt es zusätzlich weitere Fotos, die ähnliche Szenen mit dem Mann und den Eisbären zeigen.
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Cristina Helberg
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Eine Facebook-Seite veröffentlichte ein Schwarz-Weiß-Foto, auf dem ein Mensch einen Eisbär füttert. Viele Leser vermuten eine Fälschung. Doch das Bild ist echt.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-10-15T14:28:52+02:00
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2019-10-15T14:28:52+02:00
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2019-10-15T16:30:25+02:00
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Richtig
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Richtig. Das russische Reisemagazin Вокруг света druckte 1977 eine Geschichte über die Szene mit einem ähnlichen Foto ab.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/10/15/mann-reicht-eisbaer-die-hand-ja-dieses-bild-ist-echt/
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Nein, Lego stellt nicht die gesamte Produktion auf Hanfplastik um
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In einem Artikel der Webseite Hanf-Magazin wird behauptet, Lego werde bis 2030 seine gesamte Produktion auf Hanfplastik umstellen. Dafür gibt es aber keinen Beleg – und der Spielzeughersteller dementiert uns gegenüber. von Till Eckert „LEGO will bis 2030 die gesamte Produktion auf Hanfplastik umstellen“, titelt die Webseite Hanf-Magazin in einem Artikel vom 10. Juli. Im Text steht weiter: „Jetzt investiert der größte Spielzeughersteller der Welt Millionen, um die Kunststoffsteine in Zukunft aus Hanf zu fertigen.“ Die Umstellung solle bis 2030 geschehen. Als Quelle wird eine Webseite namens Plastic News genannt. Das Hanf-Magazin verlinkt die angebliche Quelle, die Webseite Plastic News, nicht im Artikel. Eine Google-Suche nach den Worten „Lego Hemp“ führt auf einen englischsprachigen Artikel der Webseite Real Cannabis Entrepreneur vom Juli. Auch dort wird behauptet, Lego werde bis 2030 die Produktion auf Hanfplastik umstellen. In einem Update wird der Artikel von Plastics-News (nicht Plastic News) verlinkt, der die Quelle sein soll. Der Hanf-Magazin-Artikel bezieht sich wohl darauf, denn darin wird angekündigt, Lego wolle seine Produktion bis 2030 auf einen Biokunststoff umstellen. Zudem wird die Zahl von 6.000 Tonnen Plastik pro Jahr genannt, die das Hanf-Magazin zitiert. Allerdings steht im Text von Plastics News nirgends etwas von Hanfplastik. Allan Rasmussen, ein Projektmanager bei Lego, habe lediglich berichtet, dass das Unternehmen Legosteine auf Basis von Polymilchsäure getestet habe. Auch in einem späteren Artikel der Webseite Plastics News von 2015 mit der Überschrift „Lego investiert in die Herstellung nachhaltiger Plastiksteine“ geht es nicht um Plastik aus Hanf. Plastik auf Hanfbasis wird laut einem Artikel von Forbes vom Juni 2019 von verschiedenen Unternehmen für Produkte getestet, unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen dazu sind aber schwer zu finden oder veraltet. Wir haben bei Lego angefragt, ob der Artikel des Hanf-Magazins auf Fakten basiert. Matt Whitby, Environmental Engagement Manager, antwortete per E-Mail: „Nein, wir planen nicht, Hanfkunststoffe in Produkten zu verwenden“. Allerdings gebe es neue Produkte aus „biobasierten Quellen“, in diesem Fall aus Zuckerrohr.
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Till Eckert
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In einem Artikel der Webseite „Hanf-Magazin“ wird behauptet, Lego werde bis 2030 seine gesamte Produktion auf Hanfplastik umstellen. Dafür gibt es aber keinen Beleg – und der Spielzeughersteller dementiert uns gegenüber.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-10-15T11:24:03+02:00
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Falsch
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Falsch. Ein Beleg für die Behauptung lässt sich nicht finden und Lego plant nach eigenen Angaben nicht, die Produktion auf Hanfplastik umzustellen.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/10/15/nein-lego-stellt-nicht-die-gesamte-produktion-auf-hanfplastik-um/
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Offener Brief zum Klimawandel: Weder haben „500 Wissenschaftler“ unterzeichnet, noch stimmen alle Behauptungen
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Einige Medien berichten über einen offenen Brief an die UN, den 500 Wissenschaftler unterzeichnet haben sollen. Darin wird erklärt, es gebe keinen „Klimanotfall“. Die aufgestellten Thesen sind ohne Kontext und teils irreführend. Außerdem sind nicht alle Unterzeichner Wissenschaftler. von Alice Echtermann , Till Eckert Haben sich 500 Wissenschaftler gegen die aktuelle Klimapolitik gewandt und die Gefährlichkeit des Klimawandels bestritten? So jedenfalls liest es sich in Berichten auf Webseiten wie Tichys Einblick. Dort erschien am 26. September ein Artikel mit dem Titel „500 Wissenschaftler erklären: ‘Es gibt keinen Klimanotfall’“. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 6.900 Mal auf Facebook geteilt. Ein weiterer Artikel („Über 500 Wissenschaftler widersprechen These vom ‘menschengemachten Klimawandel’“) der Seite Unsere Natur wurde mehr als 9.800 Mal geteilt. Auch Epoch Times (2.200 Mal geteilt) und Watergate.tv (2.000 Mal geteilt) schreiben von „500 Wissenschaftlern“, ebenso wie die US-Webseite Breitbart am 24. September (20.000 Mal geteilt). Die Berichte beziehen sich auf einen offenen Brief mit der Überschrift „There is no Climate Emergency“ („Es gibt keinen Klimanotfall“). Er ist an den UN-Generalsekretär António Guterres und die Exekutivsekretärin Patricia Espinosa Cantellano vom Sekretariat UN Climate Change adressiert und wurde am 22. September auf der Webseite der niederländischen Stiftung Climate Intelligence Foundation (Clintel) veröffentlicht. Die Verfasser des offenen Briefs behaupten selbst nicht, dass es sich bei den Unterzeichnern nur um Wissenschaftler handele. Die Liste der Unterzeichner enthält etwas mehr als 500 Namen, aus 24 Ländern. Sie werden als „scientists and professionals“ (Wissenschaftler und Experten) bezeichnet. In dem Brief finden sich Forderungen und Kritik an der „Klimapolitik“ oder Forschungsgrundlagen, außerdem auch fünf Tatsachenbehauptungen ohne Quellenangabe. Inzwischen gab es in mehreren Ländern Faktenchecks dazu, zum Beispiel von Climate Feedback. Wir haben sie ebenfalls geprüft: Unter diesem Punkt steht im Brief: „Das geologische Archiv zeigt, dass das Erdklima sich schon so lange verändert, hat, wie es den Planeten gibt, mit natürlichen Kalt- und Warmphasen. Erst 1850 endete die Kleine Eiszeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir jetzt eine Phase der Erwärmung erleben.“ Dass es sowohl natürliche als auch menschliche Einflüsse auf die Erderwärmung gibt, darin stimmen Forscher großteils überein. Jedoch werden die Faktoren unterschiedlich gewichtet – und der menschliche Einfluss dabei meist höher, zumindest seit der Industrialisierung. In einem kürzlich veröffentlichten Faktencheck zitierten wir dazu aus einem aktuellen Bericht zu natürlichen Klimafaktoren des U.S. Global Change Research Program, an dem unter anderem die US-Weltraumbehörde Nasa mitwirkt. In dem Bericht steht (unter Punkt 2.3), dass zu den „wichtigen Klimafaktoren im Industriezeitalter“ sowohl menschliche Aktivitäten gehören, als auch „in geringerem Maße“ solche natürlichen Ursprungs. Auch das Umweltbundesamt schreibt auf seiner Webseite über natürliche Faktoren für Erderwärmung und stellt die Industrialisierung heraus: „Bis zum Beginn der Industrialisierung waren die Auswirkungen menschlicher Eingriffe lokal oder regional begrenzt. Seit der Industrialisierung werden jedoch deutliche überregionale und globale Änderungen im Stoffhaushalt der Atmosphäre als Folge menschlichen Wirkens beobachtet.“ Richtig ist laut der Freien Universität Berlin, dass die Kleine Eiszeit bis 1850 andauerte und wir gerade in einem sogenannten Holozän, einer Warmzeit innerhalb eines Eiszeitalters leben. Laut den Ergebnissen einer Studie unter anderem des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung von 2016, könnte die derzeitige Warmzeit weitere 50.000 Jahre anhalten. Nach Ansicht der Forscher könnten CO2-Emissionen die nächste Kaltzeit aber auch um mindestens 100.000 Jahre aufschieben. Dazu steht im Brief: „Die Welt hat sich mit weniger als der Hälfte der ursprünglich vorhergesagten Rate erwärmt, und mit weniger als der Hälfte der Rate, die aufgrund vom tatsächlichen menschlichen Einfluss und Strahlungsungleichgewicht zu erwarten ist. Es sagt uns, dass wir weit davon entfernt sind, den Klimawandel zu verstehen.“ Unerwähnt bleibt, wer diese Erwärmungsrate „vorhergesagt“ haben soll und auf welche Grundlage sich das stützt. Ebenso wird nicht angegeben, wie hoch oder niedrig diese „Rate“ geschätzt worden sein soll oder wie hoch sie jetzt sei. Ohne diesen Kontext und Quellenangaben ist es schwierig, die Behauptung zu verifizieren. Es gab in der Vergangenheit zwar immer wieder Studien, die eine schnelle Erwärmungsrate thematisieren, in der Regel aber im Vergleich zu in anderen Zeiträumen gemessenen Temperaturen; so zum Beispiel in dieser Studie der Universität Maryland, die im Juli veröffentlicht wurde. Dabei wurde die Klimaentwicklung der vergangenen 2.000 Jahre anhand von Aufzeichnungen rekonstruiert. Unter anderem die US-Weltraumbehörde Nasa erhebt Daten zum Temperaturanstieg auf der Erde. In einer Grafik ist beispielsweise zu sehen, wie die Temperatur in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich anstieg, die Sonneneinstrahlung in der gleichen Zeit aber zurückging. Der offene Brief liefert keine Belege für die Behauptung, die Erderwärmung verlaufe langsamer als vorhergesagt. Dazu steht im Brief: „Klimamodelle haben viele Mängel und sind als politische Instrumente nicht im Entferntesten plausibel. Außerdem übertreiben sie höchstwahrscheinlich die Wirkung von Treibhausgasen wie CO2. Darüber hinaus ignorieren sie die Tatsache, dass die Anreicherung der Atmosphäre mit CO2 von Vorteil ist.“ Welche Klimamodelle konkret „Mängel“ aufweisen sollen und wie diese aussehen, wird in dem Brief nicht erwähnt. Wir haben daher beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung um eine allgemeine Einschätzung zu Klimamodellen gebeten. Eine Sprecherin verwies per E-Mail auf den Blogbeitrag eines Abteilungsleiters des Instituts, Stefan Rahmstorf. Rahmstorf schreibt darin: „Seit den 1970er Jahren gibt es quantitative Modelle zur Vorhersage der Erwärmung, und seither läuft die Erwärmung übrigens auch ziemlich genauso ab wie vorhergesagt.“ Forschungsverbünde wie der Weltklimarat IPCC oder das U.S. Gobal Change Program geben zu ihren Aussagen und Prognosen außerdem jeweils an, wie wahrscheinlich sie sind. Das basiert darauf, wie sicher zum Beispiel eintreffende Klimaereignisse prognostiziert werden können, wie gut messbar und plausibel die gesammelten Forschungsergebnisse dazu sind. Der derzeitige Forschungsstand wird somit transparent und nachvollziehbar gemacht – und wo und warum es Zweifel gibt, wird es kenntlich gemacht. Dass die Klimaforschung generell unplausibel oder mangelhaft sei, ist demnach nicht richtig. Ob die Wirkung von Treibhausgas „übertrieben“ oder die Anreicherung von CO2 wirklich „von Vorteil“ ist, prüfen wir in den nächsten Punkten. Im Brief steht zu diesem Punkt: „CO2 ist kein Schadstoff. Es ist für alles Leben auf der Erde unerlässlich. Photosynthese ist ein Segen. Mehr CO2 ist für die Natur von Vorteil und begrünt die Erde: Zusätzliches CO2 in der Luft hat das Wachstum der globalen pflanzlichen Biomasse gefördert. Es ist auch gut für die Landwirtschaft, da es die Erträge der Pflanzen weltweit erhöht.“ Dass CO2 eine Art Düngeeffekt für die Erde hätte und mehr davon von Vorteil für Pflanzenwachstum wäre, ist keine neue Behauptung. Sie ist seit mindestens zehn Jahren im Umlauf, wie ein Artikel unserer US-amerikanischen Faktencheck-Kollegen von Politifact von 2009 zeigt. Verschiedene Forscher und Studien widersprechen dieser Darstellung jedoch. Rob Jackson, Professor für Klimawandel und Biologie an der Duke Universität in Durham, sagte Politifact dazu damals: „Ist Kohlendioxid gut für Pflanzen? Die knappe Antwort ist: ja. Aber ich denke es ist irreführend zu sagen, dass, nur weil CO2 gut für Pflanzen ist, es gut für die Umwelt ist. Das ist so wie wenn man sagen würde, dass Steroide gut für Menschen sind – sie bauen ja Knochen und Muskeln auf. Aber sie haben auch andere Wirkungen.“ Rob Jacksons Forschung zeige zum Beispiel, dass es bei höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre mehr Holzwachstum geben würde, aber dass es durch die höheren Temperaturen auch mehr Schädlinge und durch mehr Verdunstung längere Dürren geben könnte, schreibt Politifact. In der Forschung werden unter anderem genau diese zwei Faktoren, höhere Temperaturen und mehr Dürren, als Folgen des Klimawandels erwartet. Dass mehr CO2 „gut für die Landwirtschaft“ sei, wie im Brief behauptet, ist so nicht richtig: Die Webseite Klimafakten hat für einen Artikel zum Thema vier Studien zusammengetragen, die zum Ergebnis kommen, dass infolge der Erderwärmung Ernteerträge abnehmen würden (von 2014, 2015, 2016, 2016). Der Weltklimarat IPCC warnt in seinem fünften Sachstandsbericht, dass die Erträge von Weizen, Reis und Mais infolge der Erderwärmung zurückgehen könnten. In einer Studie von 2017 kommen mehrere Forscher nach Tests zum Ergebnis, dass das Baumwachstum unter erhöhtem CO2 nicht signifikant zugenommen hat; was wiederum einem Teil von Rob Jacksons Forschung widerspricht. Die Aussage, wonach mehr CO2 ausschließlich vorteilhaft für die Erde sei, lässt demnach gegenteilige Forschungsergebnisse außer Acht und kann nicht so pauschal getroffen werden. Dazu steht im Brief: „Es gibt keine statistischen Belege dafür, dass die globale Erwärmung Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren und ähnliche Naturkatastrophen verstärkt oder häufiger verursacht. CO2-Minderungsmaßnahmen sind jedoch ebenso schädlich wie kostspielig. So töten Windkraftanlagen Vögel und Fledermäuse, und Palmölplantagen zerstören die Biodiversität der Regenwälder.“ „Statistische Belege“ oder Daten dafür, dass die globale Erwärmung zu einer steigenden Anzahl Naturkatastrophen führt, sind schwer zu erheben, weil das Klima ständig variiert. Mehrere offizieller Stellen und Forschungsverbünde gehen aber wegen einer Zunahme von Hitzewellen oder Starkregenereignissen davon aus, dass auch Naturkatastrophen zunehmen werden. Mehrere US-Behörden, darunter die Nasa, veröffentlichten Ende 2018 einen Bericht, in dem sie vor einer Verschärfung von Naturkatastrophen durch die globale Erwärmung warnen. In einem Bericht von 2017 steht mit „mittelmäßiger Sicherheit“: „Menschliche Aktivitäten haben wesentlich zur beobachteten Variabilität der Ozean-Atmosphäre im Atlantik beigetragen und diese Veränderungen haben zu dem seit den 1970-er Jahren beobachteten Aufwärtstrend der nordatlantischen Hurrikaneaktivität beigetragen.“ Das Umweltbundesamt schreibt auf seiner Webseite zu diesem Thema: „Nach gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird die fortschreitende Klimaerwärmung zu Veränderungen der Stärke, der Häufigkeit, der räumlichen Ausdehnung und der Dauer von Extremwetterereignissen führen.“ Dass „CO2-Minderungsmaßnahmen“ wie Windkraftanlagen Vögel und Fledermäuse töten, stimmt. Eine abschließende Beurteilung zum Ausmaß des Schadens für Vögel oder Fledermäuse durch Windenergie ist aber nicht möglich, wie wir für einen Faktencheck recherchiert haben. Eine gängige Windkraftanlage spart nach Ansicht von Experten im Durchschnitt zudem wesentlich mehr CO2 ein als der dafür gerodete Wald; das haben wir ebenfalls für einen Faktencheck recherchiert. Dass Palmölanlagen die Biodiversität der Regenwälder zerstören, oder zumindest dazu beitragen, stimmt laut Umweltbundesamt größtenteils. Es schreibt dazu auf seiner Webseite: „Die Ölpalmen-Plantagen in Monokultur schaden der Umwelt. Menschen und Tiere verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Das Grundwasser wird durch die Düngung der Pflanzen geschädigt. Das Klima leidet unter der Entwaldung.“ Dieser letzte Punkt ist keine Tatsachenbehauptung sondern eine Meinung. Meinungen können wir nicht prüfen. Die Aussagen sind – bis auf zwei – zwar in Teilen richtig, sie lassen aber oft zentralen Kontext aus, etwa zu bisheriger Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen. Weil diese wichtigen Positionen fehlen, können die Behauptungen irreführend gelesen werden. Zudem werden zu keiner einzigen Behauptung nachvollziehbare Quellen, Belege oder Zitate angeführt, obwohl das in der Wissenschaft eigentlich die Norm ist. Unsere Faktencheck-Kollegen von Climate Feedback haben den Brief von sechs Forschern analysieren lassen: Diese kommen zum Schluss, dass seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit insgesamt als „sehr gering“ zu bewerten ist. So handele es sich dabei eher um „Rosinenpflücken“, der Brief sei inakkurat und voreingenommen. Die sogenannte „European Climate Declaration“ wurde von der Climate Intelligence Foundation (Clintel) aus den Niederlanden veröffentlicht, die sich 2019 gründete. Die Stiftung will sich nach eigenen Angaben für eine „positivere Sicht“ auf den Klimawandel und eine Veränderung der Klimapolitik einsetzen. Im Mittelpunkt steht die Ansicht, dass der Einfluss von CO2 auf das Klima geringer sei als behauptet. Clintels Mitgründer Guus Berkhout wird als Initiator der Aktion genannt. Berkhout studierte Elektrotechnik, startete seine Karriere in den 60ern beim Ölkonzern Shell und lehrte dann an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden. Die meisten Personen auf der Liste stammen aus Europa, aber es sind auch Personen aus den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland dabei. Einer der prominentesten Namen auf der Liste ist Vaclav Klaus, ehemaliger Ministerpräsident der Tschechischen Republik, der bereits 2007 in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln: Was ist bedroht? Das Klima oder die Freiheit?“ die Angst vor dem Klimawandel als übertrieben und sogar gefährlich darstellte. Auch viele andere der Unterzeichner sind bekannt dafür, die Gefahren durch den Klimawandel und den Einfluss des Menschen und des CO2 auf die globale Erwärmung als gering zu bezeichnen. Von den 13 Deutschen, die auf der Liste stehen, sind dies zum Beispiel Horst-Joachim Lüdecke und Fritz Vahrenholt. Lüdecke war nach Angaben einer Sprecherin bis 2008 Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands, im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Lehrgebiet „Praktische Informatik“. Vahrenholt vertritt die Ansicht, der Einfluss des Menschen auf das Klima – im Wesentlichen durch den gestiegenen CO2-Ausstoß – sei nur halb so groß wie vom IPCC angenommen. Darauf wies er uns nach Veröffentlichung dieses Artikels per E-Mail hin. Vahrenholt arbeitete früher als Honorarprofessor an der Universität Hamburg im Fachbereich Chemie, war außerdem Hamburger Umweltsenator für die SPD, danach Manager bei Shell. Er baute die Windkraft-Firma Repower mit auf. 2008 bis 2012 arbeitete er bei RWE Innogy erst als Geschäftsführer und dann nach Aussage eines RWE-Sprechers von 2012 bis 2014 als Aufsichtsratsvorsitzender. Heute ist Vahrenholt Alleinvorstand der Deutschen Wildtier-Stiftung. Mindestens acht der 13 Deutschen sind im Ruhestand. Drei haben eine direkte Verbindung zum Europäischen Institut für Klima und Energie (Eike), ein deutscher Verein, der den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel als nicht bewiesen bezeichnet. Sie sind dort entweder als Autoren tätig (Döhler) oder sitzen im Fachbeirat (Lüdecke, Ewert). Weitere Personen von der Liste werden häufig von Eike zitiert oder traten bei Veranstaltungen des Vereins auf (Vahrenholt, Kirstein, Kutschera, Harde, Kröpelin, Weiss). Auffällig ist auch: Bei einigen Deutschen stimmen die Angaben zur Biografie, die in der Liste stehen, nicht. So steht bei Carl-Otto Weiss, er sei unter anderem „emeritierter Professor in Nichtlinearer Physik“ und „ehemaliger Präsident des Deutschen Meteorologischen Instituts in Braunschweig“. Wir fanden jedoch keinen Beleg, dass Weiss Professor an einer Universität oder Hochschule war. Und in Braunschweig, wo er zwar von 1973 bis 2006 Mitarbeiter bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) war, gibt es kein „Deutsches Meteorologisches Institut“, wie uns ein Pressesprecher per E-Mail mitteilte. „Die PTB ist das ‘Nationale Metrologieinstitut Deutschlands’, d.h., es geht in der PTB um die Wissenschaft des Messens und nicht um das Wetter.“ Weiss sei promovierter Wissenschaftler, nicht Professor. Zuletzt habe er bei der PTB nicht als Präsident sondern als Leiter des Fachbereichs „Zeit und Frequenz“ gearbeitet. Zwei weitere Beispiele für irreführende biografische Angaben in der Liste sind Dietrich Bannert, angeblich „Professor Honoris Causa“ der Universität Marburg, und Klaus-Dieter Döhler, angeblich „Professor für Pharmawissenschaften an der Universität Hannover“. Bannert ist seit 1995 Honorarprofessor des Fachbereichs Geowissenschaften der Universität Marburg. „Dabei handelt es sich nicht um eine Ehrenprofessur, wie die Angabe ‘Professor Honoris Causa’ vermuten lässt“, teilte uns eine Pressesprecherin der Uni per E-Mail mit. Bannert hatte als promovierter Geologe also keine Professorenstelle inne, hielt aber nach Angaben der Sprecherin bis 1995 Lehrveranstaltungen ab. Über Döhlers angebliche Professur an der Universität Hannover fanden wir keine Belege. Bis 1984 arbeitete er an der Medizinischen Hochschule Hannover im Bereich Klinische Endokrinologie. Er bekam dort außerdem den Titel „außerplanmäßiger Professor“ verliehen. Aktuell ist er ist Geschäftsführer der Firma Curatis Pharma in Hannover. Um zu prüfen, ob die Menschen auf der Liste den offenen Brief tatsächlich unterzeichnet haben, kontaktierten wir stichprobenartig zehn Personen. Alle haben naturwissenschaftliche Fachgebiete und sind noch nicht in Rente. Von den zehn antworteten acht auf unsere E-Mails: D’Aleo, Mazzarella, Andresen, Walters, Birlenbach, Kutschera, Döhler und Zharkova bestätigten, dass sie den Brief unterschrieben haben und die darin aufgestellten Thesen und Forderungen unterstützen. Lediglich Kutschera schrieb, er unterstütze nicht alle Aussagen in dem offenen Brief völlig: Er sehe im Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre „ein Problem, das angegangen werden muss […] aber ohne Panik und Hysterie – die Probleme sind lösbar.“ Wir haben die Liste systematisch nach bestimmten Begriffen durchsucht, um herauszufinden, welchen Fachgebieten die Personen angehören. Die Suche zeigt: Von den 500 sind längst nicht alle Wissenschaftler. Zum Beispiel Campbell Rankine aus Australien ist Rechtsanwalt, spezialisiert auf Steuerrecht. Reynier Pronk aus den Niederlanden wird bezeichnet als „ehemaliger IT-Manager, Berater für Projektmanagement und Trainer“. Christopher Monckton ist ehemaliger Politiker, unter anderem mit Verbindungen zur britischen Ukip-Partei. Und Marcel Crok, Mitgründer der niederländischen Stiftung Clintel, ist laut der Liste ein Journalist. Andere Unterzeichner haben zwar akademischen Hintergrund, jedoch nicht in naturwissenschaftlichen Fächern – wie Drieu Godefridi aus Belgien („Doktor in Jura“), Jean-Pierre Bardinet aus Frankreich („Ingenieur“) oder Marian Radetzki aus Schweden („emeritierter Professor für Wirtschaft, Luleå Universität“). Insgesamt werden 179 Personen in der Liste als „Professor“ bezeichnet. CORRECTIV ist es nicht möglich, die Qualifikation von allen zu überprüfen. Um herauszufinden, wie viele sich – nach den Angaben in der Liste – vollständig und wissenschaftlich auf das Thema Thema Klima spezialisiert haben, suchten wir nach dem Wort „Klimatologie“ auf verschiedenen Sprachen (Englisch: „climatology“ / Spanisch oder Italienisch: „climatologia“). Die Suche förderte fünf Treffer zutage. Davon sind zwei Personen bereits im Ruhestand. Eine weitere Suche nach dem Wort „climate“ in dem Dokument führt zu 46 Personen. Davon werden nur 13 explizit als Naturwissenschaftler bezeichnet, und davon wiederum seien mindestens sieben im Ruhestand. Die anderen seien zum Beispiel Journalisten, Publizisten, Ökonomen oder Ingenieure. Manche werden ohne weitere Erklärungen als „climate researcher“ bezeichnet. Was außerdem auffällt: Viele Personen in der Liste sind bereits im Ruhestand: Die Suche nach „Emeritus“ ergibt 72 Treffer. Eine weitere Suche nach „retired“ (im Ruhestand) erzielt 59 Treffer. Update, 8. Juni 2020: Am 27. Mai hat das Oberlandesgericht Karlsruhe entschieden, dass dieser Artikel nicht mehr auf Facebook mit dem Beitrag auf Tichys Einblick über das Backend verknüpft werden darf, da die Formulierung der beanstandenden Verknüpfung missverständlich gewesen sei. CORRECTIV hat die Verknüpfung auf Facebook aus diesem Grund entfernt. Dieser Artikel ist weiterhin online, da er vom Urteil des Gerichts nicht beanstandet wurde. Mehr zu der Entscheidung lesen Sie hier. Update, 18. Oktober 2019: Wir haben weitere biografische Daten zu Fritz Vahrenholt und Horst-Joachim Lüdecke ergänzt. Update, 17.Oktober 2019: Inzwischen hat uns der Pressesprecher der Medizinischen Hochschule Hannover telefonisch bestätigt, dass Klaus-Dieter Döhler dort bis 1984 im Bereich Endokrinologie arbeitete und etwas später den Titel „außerplanmäßiger Professor“ bekam. Wir haben daher das Wort „mutmaßlich“ aus dem Text gestrichen. Update, 14. Oktober 2019: Wir haben zwei Angaben zu Fritz Vahrenholt ergänzt. Zum einen zu seinen Ansichten über den CO2-Einfluss, zum anderen über seine Tätigkeiten im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien.
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Till Eckert
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Einige Medien berichten über einen offenen Brief an die UN, den 500 Wissenschaftler unterzeichnet haben sollen. Darin wird erklärt, es gebe keinen „Klimanotfall“. Die aufgestellten Thesen sind ohne Kontext und teils irreführend. Außerdem sind nicht alle Unterzeichner Wissenschaftler.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-10-11T16:38:16+02:00
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2019-10-11T16:38:16+02:00
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2021-06-18T10:47:54+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Es handelt sich nicht um 500 Wissenschaftler. Zudem lassen die Aussagen im Brief teils Kontext zu bisheriger Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen aus und sind deshalb irreführend.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/10/11/offener-brief-zum-klimawandel-weder-haben-500-wissenschaftler-unterzeichnet-noch-stimmen-alle-behauptungen/
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Nein, Oliver Welke hat keinen Bitcoin-Investment-Deal angepriesen
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Manchmal benutzen Webseiten ungefragt Namen und Gesichter prominenter Menschen, um ihre Produkte zu bewerben. So ein Fall kursiert gerade im Zusammenhang mit Bitcoin. von Tania Röttger Anfang Oktober bat uns ein Leser in unserer Facebook-Gruppe, einen Beitrag zu prüfen: „Hier wird eine Werbung mit Herrn Welke gemacht…“. Dazu schickte er einen Link zur Webseite Tercabaikan. Folgt man dem Link, erscheint eine Seite, die das Logo des ZDF trägt. Logo und URL der Webseite passen also nicht zusammen. Oliver Welke ist unter anderem Moderator der satirischen Sendung Heute Show im ZDF. Laut des Textes habe er bei der TV-Sendung Late Night Berlin mit Klaas Heufer-Umlauf „vor einer Woche“ eine neue „Kapital-Gesetzeslücke“ angepriesen. Der Artikel trägt kein Erscheinungsdatum. Oliver Welke war dieses Jahr bei Late Night Berlin, und zwar im Mai. Auf der Webseite des Senders ProSieben ist die Folge zu sehen, der Auftritt dauert knapp 20 Minuten. Sie sprechen jedoch nicht über Gesetzeslücken, Investments oder Bitcoin. Vielmehr geht es um Witze, Journalismus, Sportler und Politiker. Die Webseite behauptet weiter, sie habe mit Welke gesprochen und der habe im Gespräch die Plattform Bitcoin Profit beworben. Auf Anfrage von CORRECTIV weist Welkes Agentur das per E-Mail zurück – Welke habe sich nicht zu dem Thema geäußert: „Bei den ‘Artikeln’ bzw. ‘Meldungen’ handelt es sich um Fälschungen.“ In dem angeblichen Interview sind die Worte Bitcoin Profit verlinkt, die Links führen zu einer Webseite, auf der Interessierte ihre Daten eingeben sollen, um „Millionen“ zu verdienen. Ein Impressum hat die Seite nicht. Dafür zeigt sie angebliche Erfahrungserlebnisse mit Fotos von Menschen, die angeblich viel Geld mit Bitcoin Profit verdient haben. Ganz unten auf der Seite steht aber: „Alle auf dieser Webseite dargestellten Personen, Informationen und Ereignisse sind vollständig fiktiv.“ Neben Welke sollen auch andere mit „Bitcoin Profit“ reich geworden sein, unter anderem „Klaus“. „Klaus ist ein 53-jähriger Vater von 2 Töchtern“ steht dort. Eine Bilder-Rückwärtssuche auf der Suchmaschine Yandex führt zu anderen Artikeln, die das Foto verwendet haben. Zum Beispiel zu einer Fälschung der Seite Business Insider, laut der Investor und Erfinder Elon Musk angeblich eine Investition in Bitcoin-Technologie bekannt gibt. Demnach heiße der Mann auf dem Bild Matthew Grant, sei 35 Jahre alt und habe drei Kinder. Auch Elon Musk musste schon einmal für eine Falschmeldung über eine angebliche Investition herhalten. Auch in der Türkei kursierte eine ähnliche Geschichte mit dem Foto der Familie. Dort hieß der Mann angeblich Yaman. Unsere Kollegen der türkischen Faktencheck-Organisation Teyit veröffentlichten im Juli 2019 einen Artikel über die Falschmeldung. Seit 2014 erschien das Bild der Familie vor allem auf Webseiten der Zeugen Jehovas, wie eine Suche auf der Bilderdatenbank Tineye ergab. Es ist eine Taktik, auf Webseiten mit den Logos seriöser Medien Werbung für zweifelhafte Produkte zu machen. Wir haben in einem anderen Faktencheck über einen ähnlichen Fall berichtet, dabei ging es um eine angebliche Abnehmpille.
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Tania Röttger
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-10-10T15:16:30+02:00
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2019-10-10T15:16:30+02:00
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2025-01-31T08:50:47+01:00
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Frei erfunden
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Völlig falsch. Die Webseite ist eine Fälschung, die angebliche TV-Sendung gab es nicht und auch der Erfahrungsbericht über den angeblichen Familienvater Klaus stimmt nicht.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/10/10/nein-oliver-welke-hat-keinen-bitcoin-investment-deal-angepriesen/
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Bildmanipulation: Dieser Löwe hat eigentlich weißes Fell
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Seit Jahren zirkuliert ein Bild im Netz, das einen schwarzen Löwen zeigt. Oft zusammen mit der Warnung, es gebe nur noch wenige Tiere dieser Art. Das Foto wurde jedoch manipuliert – im Original hat der Löwe weißes Fell. von Till Eckert Das Bild eines Löwen mit angeblich schwarzem Fell verbreitet sich seit einigen Tagen auf Facebook. Darüber steht zusammen mit einem Aufruf zum Teilen: „Solche Löwen gibt es nur zwei Mal auf der Welt.“ Veröffentlicht hat das Bild die Seite „G-LUX. Zitate & Sprüche“ am 3. Oktober; es wurde bisher mehr als 2.000 Mal geteilt. Viele Facebook-Nutzer reagieren überrascht auf den Beitrag. Gibt es Löwen mit dieser Fellfarbe wirklich? Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google führt zu einem Artikel der österreichischen Faktenchecker von Mimikama von 2016. Damals war laut der Recherche das gleiche Bild mit derselben Beschriftung auf Facebook im Umlauf. Ursprünglich war das Bild nach der Mimikama-Recherche wohl im März 2012 auf der Künstler-Plattform „Deviantart“ hochgeladen worden, durch den Nutzer Pavol Dvorsk. Tatsächlich ist dies laut der Bilder-Rückwärtssuche bei Google der älteste Treffer für das Foto. Dvorsk verlinkt in der Beschreibung des Fotos unter „used picture“ (Deutsch: verwendetes Bild), also als Quelle, auf den Flickr-Account des Nutzers Dennis Painting. Dieser hatte ein Foto des Löwen – allerdings mit weißer Fellfarbe – unter dem Titel „Timbavati White Lion“ im Februar 2011 dort hochgeladen. Er gibt an, der Urheber des Bildes zu sein und schreibt, der weiße Löwe stamme von der Cango Wildlife Ranch. Das Foto ist Teil einer Galerie von Bildern, in der weitere weiße Löwen zu sehen sind. Unter dem Foto des schwarzen Löwen auf „Deviantart“ fragte eine Nutzerin im September 2017, ob das Bild einen echten Löwen zeige. Dvorsk reagierte mit den Worten: „Nein, es ist nur eine Bildmanipulation.“ Auch laut eines Facebook-Beitrags der Cango Wildlife Ranch selbst von 2013 wurde das Original-Foto des weißen Löwen dort aufgenommen. Dazu schreibt die Ranch: „Do you recognise the Black Lion in the picture? We do, it’s a photoshopped version of our White Lion, Tribe!“ (Deutsch: Erkennt ihr den schwarzen Löwen auf diesem Foto wieder? Wir schon, es ist eine gephotoshopte Version unseres weißen Löwen Tribe!). Demnach hat die Ranch den Löwen offenbar „Tribe“ genannt. Er wird auch in später veröffentlichten Bildern auf ihrer Facebook-Seite gezeigt, zum Beispiel von 2015, 2017 und von Februar 2019. Dort steht, dass der Löwe 13 Jahre alt sei. Auf CORRECTIV-Anfrage an das Bundesamt für Naturschutz, ob es Löwen mit schwarzer Fellfarbe überhaupt gibt, antwortete Mona van Schingen aus dem Fachbereich Zoologischer Artenschutz per E-Mail: „Dem BfN liegen keine Informationen darüber vor, dass Melanismus (Schwarzfärbung) bei Löwen vorkommt. Allerdings gibt es Tiere mit besonders dunkler, bis schwarzer Mähne. Ganzheitlich schwarz gefärbte Löwen, wie auf dem von Ihnen gezeigten Bild, wurden nach unseren Informationen noch nicht dokumentiert.“
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Cristina Helberg
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Seit Jahren zirkuliert ein Bild im Netz, das einen schwarzen Löwen zeigt. Oft zusammen mit der Warnung, es gebe nur noch wenige Tiere dieser Art. Das Foto wurde jedoch manipuliert – im Original hat der Löwe weißes Fell.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-10-09T11:57:34+02:00
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2019-10-09T11:57:34+02:00
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2019-10-09T11:58:25+02:00
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Frei erfunden
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Völlig falsch. Bei dem Bild des Löwen mit schwarzem Fell handelt es sich um eine Fälschung – laut Experten gibt es solche Tiere nicht.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/10/09/bildmanipulation-dieser-loewe-hat-eigentlich-weisses-fell/
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Nein, der abgeholzte Wald für eine Windkraftanlage nimmt nicht mehr CO2 auf, als die Anlage vermeiden kann
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Ein Foto sorgt für Empörung im Netz: Es zeigt Windkraftanlagen mitten im Wald, für die offenbar viele Bäume gefällt wurden. Nur stammt das Bild gar nicht aus Deutschland. Und auch die Behauptung, der gerodete Wald hätte mehr CO2 aufgenommen als die Windkraftanlage einspare, ist falsch. von Alice Echtermann Auf Facebook wird derzeit ein Foto verbreitet, auf dem eine Reihe Windkraftanlagen in einem Wald zu sehen ist. Für jede Anlage wurden offenbar viele Bäume gefällt, denn sie stehen auf kahlen Lichtungen. Am 7. August veröffentlichte ein Nutzer das Foto auf seinem Facebook-Profil. Im Text darüber wird behauptet: „Der abgehackte Wald hätte übrigens mehr CO2 aufgenommen, als durch die wenigen lächerlichen Windräder CO2 gespart wird…“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 3.300 Mal geteilt. CORRECTIV hat geprüft, woher das Foto stammt, und ob die Behauptung über die Einsparung von CO2 stimmt. Über die Bilder-Rückwärtssuche der Suchmaschine Yandex findet sich ein Artikel der University of Virginia in den USA von 2007, in dem das Foto verwendet wurde. In der Bildunterschrift steht, es zeige das Windenergie-Projekt „Mountaineer“ mit 44 Turbinen in West Virginia. Eine Quelle wird nicht angegeben, aber es ist ein Vergleich mit Satellitenaufnahmen des Windparks namens Mountaineer Wind Energy Center möglich. Er steht tatsächlich im Wald und besteht aus 44 Turbinen mit jeweils einer Leistung von 1,5 Megawatt. In den Satellitenaufnahmen von Google Earth ist zu sehen, dass die Anordnung der Lichtungen mit dem Foto übereinstimmt. Das Foto aus dem Facebook-Beitrag wird immer wieder von Windkraftgegnern in Deutschland verwendet, zum Beispiel von Webseiten namens „Windwahn“ oder „Science-Sceptical“. Oft wird, zum Beispiel mit Bezug auf die Proteste gegen die Abholzung des Hambacher Forsts, suggeriert, das Bild zeige Deutschland. Das Foto stammt zwar nicht aus Deutschland, das heißt jedoch nicht, dass hierzulande kein Wald für Windkraftanlagen abgeholzt wird. Mit einem Beispiel haben wir uns im Oktober 2018 in einem Faktencheck beschäftigt. Doch wie viel CO2 spart eine Windkraftanlage ein, und wie viel kann der Wald aufnehmen, der für sie weichen muss? Hier sind nur theoretische Berechnungen möglich, da jeder Wald verschieden ist und es verschiedene Typen von Windkraftanlagen gibt. Das Umweltbundesamt hat für 2017 die Emissionsbilanzen von Erneuerbaren Energien berechnet. In dem Bericht steht, für Windkraftanlagen an Land sei der Netto-Vermeidungsfaktor 606,14 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom. „Netto“ bedeutet, in dieser Bilanz sind CO2-Emissionen, die zum Beispiel durch die Herstellung der Windkraftanlage verursacht werden, schon berücksichtigt. Auf Nachfrage schreibt Fabian Sandau vom Umweltbundesamt per E-Mail, eine allgemein gültige Berechnung der jährlichen Stromerzeugung einer Windkraftanlage und somit der CO2-Einsparung sei nicht möglich. Allerdings könne man ein konkretes Beispiel berechnen. Eine der meistgebauten Anlagen sei der Typ E-115 des Unternehmens Enercon mit einer Leistung von drei Megawatt. An einem „schlechten Standort“ speise sie jährlich etwa sechs Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz ein. Mit dem Vermeidungsfaktor von 606,14 Gramm CO2 pro Kilowattstunde ergebe sich „eine jährliche CO2-Netto-Vermeidung von rund 3.600 Tonnen CO2“, so Sandau. „Damit handelt es sich lediglich um eine konservative Abschätzung, da die Vermeidung weiterer Treibhausgase nicht berücksichtigt ist.“ Wir haben zu diesem Thema auch eine Anfrage an László Maráz, Wald-Experte beim Forum Umwelt und Entwicklung, geschickt. Das Forum Umwelt und Entwicklung ist eine Dachorganisation für deutsche Nichtregierungsorganisationen und koordiniert nach eigenen Angaben deren „Aktivitäten […] in internationalen Politikprozessen zu nachhaltiger Entwicklung“. In einer E-Mail an CORRECTIV schreibt Maráz, für eine Windkraftanlage werde ein halber Hektar Wald gerodet. Andere Stellen gehen von noch weniger Fläche aus: Für eine Windkraftanlage müssen laut Hessischem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Schnitt 0,3 Hektar Wald gerodet werden. Und in einer Antwort der Landesregierung Nordrhein-Westfalen auf eine Kleine Anfrage der Grünen 2018 steht, es müssten im Schnitt 0,28 Hektar Wald pro Windkraftanlage abgeholzt werden. Für Zufahrtswege und Materiallager müsse zusätzlich eine Fläche von „durchschnittlich 0,35 ha bis 0,45 ha“ eingerechnet werden. Wälder sind sogenannte natürliche Kohlenstoffsenken; sie entziehen während ihres Wachstums der Atmosphäre CO2, geben Sauerstoff (O) frei und speichern Kohlenstoff (C) in ihrem Holz. Eine allgemein gültige Zahl, wie viel CO2 aufgenommen wird, lässt sich hier nicht nennen, da jeder Wald anders ist. Auf Anfrage von CORRECTIV verweist die Pressestelle des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft auf die „Kohlenstoffinventur 2017“, die vom Thünen-Institut für Waldökosysteme im Auftrag des Ministeriums durchgeführt wurde. Die Autoren des Berichts schreiben, dass sich die Menge des gebundenen Kohlenstoffs unter anderem aus den Holzvolumen errechnen lasse. Daraus wiederum lässt sich ableiten, wie viel CO2 der Atmosphäre entzogen wird. „Der Wald entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 62 Mio. Tonnen Kohlendioxid. Damit kompensiert er ca. 7 Prozent der Emissionen in Deutschland“, heißt es in dem Bericht zum deutschen Wald weiter. Geteilt durch die Gesamtfläche des Waldes in Deutschland – nach Angaben des Thünen-Instituts 2017 insgesamt circa 11,4 Millionen Hektar – ergibt das rund 5,4 Tonnen CO2 pro Hektar Wald und Jahr. Fabian Sandau vom Bundesumweltamt schreibt, dieser Durchschnittswert sollte „keineswegs pauschal genutzt werden“, da „die tatsächliche CO2-Aufnahme […] sehr stark von Art und Alter des Baumbestandes abhängig“ sei. Allerdings zeige sich anhand des Vergleichs mit den 62 Millionen Tonnen CO2, die der ganze Wald in Deutschland aufnehmen könne, bereits die „große Bedeutung“ der Windenergie – „denn die insgesamt durch Windenergieanlagen an Land vermiedenen CO2-Emissionen betrugen im Jahr 2017 ca. 54 Mio. Tonnen CO2.“ Beide Experten, Fabian Sandau vom Bundesumweltamt und László Maráz vom Forum Umwelt und Entwicklung, sind der Ansicht, dass ein durchschnittliches Windrad mehr CO2 einspart als der Wald, der dafür schätzungsweise gerodet wird. Maráz schreibt: „Das Spiel geht mehrere Hundert zu eins für die Windkraftanlage aus.“ Ein Hektar Wald könnte seiner Berechnung nach 700 Tonnen CO2 aufnehmen – allerdings frühestens nach einem Zeitraum von 150 bis 200 Jahren, erklärt er in einer zweiten Mail an CORRECTIV. Dennoch betont Maráz, es spreche natürlich mehr für die Erhaltung des Waldes als die reine Kohlenstoffbilanz. Auf der Basis der CO2-Bilanz geht der Vergleich jedoch zugunsten der Windkraftanlage aus. Geht man davon aus, dass ein halber Hektar für eine Anlage gerodet wird, hätte diese Waldfläche pro Jahr theoretisch 2,7 Tonnen CO2 aufnehmen können. Im Gegensatz dazu spart eine typische Windkraftanlage nach einer exemplarischen Berechnung des Umweltbundesamts mindestens 3.600 Tonnen CO2 im Jahr. Update (11. Oktober 2019): Mehrere Leserinnen und Leser wiesen uns darauf hin, dass sie die Überschrift dieses Artikels in Kombination mit der Bewertung „Falsch“ irreführend fanden. Deshalb haben wir sie aktualisiert. Die alte Überschrift lautete „Eine Windkraftanlage spart mehr CO2 als der Wald, der für sie gerodet wird“. Zu diesem Faktencheck erreichten uns außerdem inhaltliche Nachfragen und Kommentare. Wir haben deshalb erneut beim Umweltbundesamt nachgefragt und gehen auf folgende Frage ein: Frage von Lesern: Verdrängt Strom aus Windkraft in Deutschland nicht vor allem Strom aus Atomkraftwerken? Antwort: Nein, laut Umweltbundesamt ersetzt Windkraft im Stromnetz vor allem Strom aus Steinkohle- und Erdgaskraftwerken, nicht aber aus Kernkraft oder Braunkohle. Im Jahr 2017 hat das Umweltbundesamt berechnet, wie hoch die Emissionen von erneuerbaren Energien sind – darauf bezieht sich auch unser Faktencheck. Auf Seite 47 steht: „Entscheidend bei der Stromerzeugung aus Windenergie ist das stark fluktuierende Einspeiseprofil in Abhängigkeit von den Wetterbedingungen. Bei den in der Simulation angesetzten Brennstoffpreisrelationen für Steinkohle und Gas ersetzt Windkraft hauptsächlich Steinkohlekraftwerke und in geringerem Umfang auch Erdgaskraftwerke. Aufgrund der Stellung in der deutschen und europäischen Merit-Order wird weder Strom aus Braunkohle noch aus Kernenergie verdrängt.“ Das bedeutet: Wenn mehr Strom aus Windkraft produziert wird, ersetzt er theoretisch im Netz Strom aus konventionellen Energieträgern. Die Merit-Order ist die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken. Sie funktioniert nach dem Prinzip, dass die teureren Stromarten zuerst verdrängt werden (PDF, Seite 8). So kommt es, dass in der Rechnung des Umweltbundesamtes Windenergie vor allem Strom aus Steinkohle ersetzt. Auf unsere Nachfrage erklärt ein Experte vom Umweltbundesamt per E-Mail, dies habe vor allem technische Gründe: Kohle- und Gaskraftwerke ließen sich besser regeln als Atomkraftwerke, welche tendenziell konstant Energie erzeugten. Das heißt, die Stromproduktion aus Atomkraftwerken lässt sich nicht so einfach kurzfristig reduzieren wie die aus den anderen Kraftwerken. Wichtig ist: Die von uns zitierte Berechnung des Umweltbundesamtes zur CO2-Bilanz von Windkraftanlagen an Land bezieht sich nicht auf das Gesamtbild seit der Energiewende 2011. In der Zeit ist der Anteil der Atomenergie an der Stromproduktion in Deutschland stark gesunken (Tabelle „Strommix“ 1990 bis 2018). Das treibt die CO2-Emissionen Deutschlands bei der Stromproduktion in die Höhe. Die Strommenge aus erneuerbaren Energien – insbesondere Windkraft an Land – ist gleichzeitig stark gestiegen. Das senkt wiederum die CO2-Emissionen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kernkraft nur durch Windenergie ersetzt wurde. Insgesamt sinken die Emissionen Deutschlands, weil die Faktoren für CO2-Vermeidung stärker sind als die Faktoren, die mehr CO2 verursachen.
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Alice Echtermann
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Ein Foto sorgt für Empörung im Netz: Es zeigt Windkraftanlagen mitten im Wald, für die offenbar viele Bäume gefällt wurden. Nur stammt das Bild gar nicht aus Deutschland. Und auch die Behauptung, der gerodete Wald hätte mehr CO2 aufgenommen als die Windkraftanlage einspare, ist falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-09-27T12:05:53+02:00
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2019-09-27T12:05:53+02:00
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2021-06-18T10:48:21+02:00
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Falsch
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Falsch. Eine gängige Windkraftanlage spart nach Ansicht von Experten im Durchschnitt wesentlich mehr CO2 ein als der dafür gerodete Wald. Das Foto stammt zudem nicht aus Deutschland.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/09/27/eine-windkraftanlage-spart-mehr-co2-als-der-wald-der-fuer-sie-gerodet-wird/
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Ja, die Max-Brauer-Allee in Hamburg ist für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt – um Abgase zu reduzieren
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In einem zurzeit oft geteilten Facebook-Beitrag ist eine Straßenkarte zu sehen, die einer angeblich für Diesel gesperrten Straße eine wesentlich längere Ausweichroute gegenübergestellt. Die Darstellung lässt Kontext außer Acht – die Sperrung gilt nicht für alle Diesel-Fahrzeuge und soll die Luftqualität verbessern. von Philip Steeg Ein Facebook-Beitrag vom 1. September 2019 vergleicht auf einer Straßenkarte eine für Diesel angeblich gesperrte Teilstrecke mit einer wesentlich längeren Ausweichroute. Diese Regelung wird als absurder „grüner ‘Umweltschutz’“ dargestellt. Der Beitrag wurde mittlerweile mehr als 5.000 Mal geteilt. Die Behauptungen sind weitestgehend zutreffend. Die Grafik mit dem Stadtplan bezieht sich auf die Stadt Hamburg. Seit dem 31. Mai 2018 ist laut einer Mitteilung der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie der in dem Facebook-Beitrag rot markierte Teilabschnitt der Max-Brauer-Allee (zwischen Julius-Leber-Straße und Holstenstraße) für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt. Es sind also nicht alle Diesel-Fahrzeuge betroffen, wie im Facebook-Beitrag behauptet wird, sondern nur solche, die nicht der Euronorm 6 (PKW) beziehungsweise Euronorm VI (LKW) entsprechen. Die im Facebook-Beitrag markierte Ausweichroute weicht leicht von der im Hamburger Stadtportal angegebene Route ab. Diese führt nicht wie im Beitrag markiert über die Palmaille, sondern über die Königsstraße, ist aber tatsächlich etwa 3,4 Kilometer lang. Das Durchfahrtsverbot gelte zudem nicht für Anlieger, schreibt die Behörde für Umwelt und Energie in ihrer Pressemitteilung. In einer Übersicht zählt die Behörde auf, für wen die Ausnahmeregelung für Anlieger gelte: „Anwohner sowie deren Besucher, Kunden und Beschäftigte von ansässigen Geschäften, Büros, Praxen oder Kanzleien, Krankenwagen, Müllautos, Handwerker oder Lieferverkehre innerhalb des betreffenden Straßenabschnitts“. Die Maßnahme sei zum Gesundheitsschutz der betroffenen Anwohner im Zuge des „Luftreinhalteplans“ eingeführt worden. Der Grund für die Sperrung sei, dass an dieser Stelle der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten werde. Es geht also nicht vorrangig um „Umweltschutz“, wie im Facebook-Beitrag behauptet wird, sondern um eine Verringerung der Schadstoffbelastung auf einem bestimmten Streckenabschnitt. Beschlossen wurde die Regelung vom Hamburger Senat am 30. Juni 2017. Der Senat wurde zu dieser Zeit von Olaf Scholz (SPD) als Regierungschef einer Koalition von SPD und Grünen geleitet.
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Cristina Helberg
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In einem zurzeit oft geteilten Facebook-Beitrag ist eine Straßenkarte zu sehen, die einer angeblich für Diesel gesperrten Straße eine wesentlich längere Ausweichroute gegenübergestellt. Die Darstellung lässt Kontext außer Acht – die Sperrung gilt nicht für alle Diesel-Fahrzeuge und soll die Luftqualität verbessern.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-09-26T14:40:58+02:00
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2019-09-26T14:40:58+02:00
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2021-06-18T10:48:46+02:00
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Größtenteils richtig
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Größtenteils richtig. Die markierte Strecke ist nur für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt, weil dort die EU-Stickoxid-Grenzwerte überschritten wurden. Ausnahmen gelten für Anwohner.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/09/26/ja-die-max-brauer-allee-in-hamburg-ist-fuer-aeltere-dieselfahrzeuge-gesperrt-um-abgase-zu-reduzieren/
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Nein, die Nasa glaubt nicht, dass der Klimawandel allein durch „Veränderungen der Erdumlaufbahn“ verursacht wird
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In einem zehntausendfach geteilten Artikel wird behauptet, die Nasa gehe davon aus, dass der Klimawandel nicht menschengemacht sei, sondern durch sogenannte Milanković-Zyklen entstehe. Das stimmt nicht – die US-Weltraumbehörde schätzt den menschlichen Einfluss höher ein. von Till Eckert Hat die Nasa herausgefunden, dass der Klimawandel nicht menschengemacht, sondern durch „Veränderungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne und Veränderungen der Axialneigung verursacht“ wird? Das zumindest wird in einem Artikel der Webseite Transinformation vom 21. September behauptet, der bisher mehr als 19.000 Mal auf Facebook geteilt wurde. Die Nasa habe schon 1958 erstmals „beobachtet“, dass Veränderungen der Sonnenumlaufbahn der Erde sowie in der Axialneigung der Erde für die Erderwärmung verantwortlich seien, nicht die Menschen, schreiben die Autoren des Artikels. 1958 ist das Gründungsjahr der Behörde. Die Nasa wisse das also seit „mehr als 60 Jahren“, habe sich aber dazu entschieden, „den Schwindel der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung zu verbreiten und bestehen zu lassen“. Als angeblicher Beweis dafür wird ein Artikel über die sogenannten Milanković-Zyklen genannt, welchen die Nasa im Jahr 2000 in ihrem Online-Magazin Earth Observatory veröffentlichte. Bei dem Artikel von Transinformation handelt es sich um eine wörtliche Übersetzung eines Artikel der US-amerikanischen Webseite Natural News vom 30. August, der laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 264.000 Mal auf Facebook geteilt wurde. Unsere Faktencheck-Kollegen von Snopes haben diesen Text bereits geprüft. Ihr Ergebnis: Die Behauptungen sind falsch. Wir haben das Thema ebenfalls recherchiert und ein Statement der Nasa dazu eingeholt. CORRECTIV kontaktierte die NASA zu dem Artikel von Transinformation. Steve Cole, ein Sprecher der Nasa, verweist in seiner Antwort auf einen aktuellen Bericht zu natürlichen Klimafaktoren des U.S. Global Change Research Program. Die Nasa wirke an diesen Berichten mit und unterstütze die Ergebnisse. In dem Bericht steht (unter Punkt 2.3), dass zu den „wichtigen Klimafaktoren im Industriezeitalter“ sowohl menschliche Aktivitäten gehören, als auch „in geringerem Maße“ solche natürlichen Ursprungs. „Die einzigen wesentlichen natürlichen Klimafaktoren im Industriezeitalter sind Veränderungen der Sonneneinstrahlung, Vulkanausbrüche und die El-Niño-Southern-Oscillation.“ Es gäbe laut des Berichts weitere „Treiber“ natürlichen Ursprungs, die auf längeren Zeitskalen arbeiten würden; darunter die Milanković-Zyklen oder „Veränderungen im atmosphärischen CO2 durch chemische Verwitterung des Gesteins“. Cole verweist außerdem auf eine Webseite, auf der die Nasa über die Gründe für den Klimawandel schreibt. Darin steht unter anderem: „In seinem fünften Bewertungsbericht kam das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), eine Gruppe von 1.300 unabhängigen wissenschaftlichen Experten aus Ländern der ganzen Welt unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, zu dem Schluss, dass es eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 95 Prozent gibt, dass menschliche Aktivitäten in den letzten 50 Jahren unseren Planeten erwärmt haben.“ Die Nasa geht also nicht davon aus, dass „Veränderungen der Umlaufbahn“ oder die Milanković-Zyklen allein verantwortlich für den Klimawandel seien und der Mensch keinen Einfluss darauf nehme. Die Weltraumbehörde definiert im Gegenteil mehrere Gründe für den Klimawandel und nennt die Zyklen als einen davon – sie seien jedoch in einem geringeren Maße für die Veränderung des Klimas verantwortlich als etwa von Menschen emittierte Treibhausgase. In einem Studienprojekt des Fachbereichs Geowissenschaften der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie werden die Milanković-Zyklen „neben der Drehung der Erde um sich selbst (Tag und Nacht) und der Rotation um die Sonne (Jahreszeiten)“ als „drei weitere Kreisläufe, die die Temperatur beeinflussen und dadurch das Klima verändern“ erklärt (PDF). Dabei gehe es darum, wie schräg oder gerade die Erdachse während ihres Kreislaufs um die Sonne steht, in welchem Winkel die Erdachse geneigt ist, und welche Form die Umlaufbahn hat (eher rund oder eher elliptisch). Diese drei Zyklen führen in Kombination dazu, dass die Sonneneinstrahlung in verschiedenen Winkeln auf die Erde trifft, was zu Veränderungen der Temperatur auf der Erde führt. Die Milanković-Zyklen dauern jedoch 25.000 bis 100.000 Jahre, geschehen also viel langsamer als die aktuelle Klimaerwärmung, die durch von Menschen emittiertes CO2 verursacht wird (hier eine Erklärung dazu in einem unserer Faktenchecks). Die Forscher der Universität Bremen schreiben: „Definitive Klimaprognosen kann man nicht allein auf diesen Zyklen aufbauen.“ Die Sonneneinstrahlung auf die Erde sei seit 1980 zurückgegangen – die Temperatur aber angestiegen. Und: „Momentan wird die Umlaufbahn der Erde kreisförmiger und ist auf dem besten Wege zu einer Eiszeit.“ Wir leben derzeit in einem Eiszeitalter. Die Faktenchecker von Snopes verweisen auf Ergebnisse einer Studie, die 2016 im Wissenschafts-Magazin Nature erschienen ist. Ihr zufolge könnte uns die derzeitige Umlaufbahn-Anordnung weitere 50.000 Jahre in der aktuellen Interglazial-Periode halten – einer Warmzeit innerhalb eines Eiszeitalters. Nach Ansicht der Forscher könnten CO2-Emissionen die nächste Kaltzeit um 100.000 Jahre verschieben. Snopes schreibt: „In anderen Worten: Die schnellen Temperaturanstiege, die derzeit auf menschlicher Zeitskala beobachtet werden, können nicht durch Milanković-Zyklen erklärt werden.“
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Till Eckert
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In einem zehntausendfach geteilten Artikel wird behauptet, die Nasa gehe davon aus, dass der Klimawandel nicht menschengemacht sei, sondern durch sogenannte Milanković-Zyklen entstehe. Das stimmt nicht – die US-Weltraumbehörde schätzt den menschlichen Einfluss höher ein.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-09-25T14:40:28+02:00
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2019-09-25T14:40:28+02:00
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2021-06-18T10:49:13+02:00
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Falsch
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Falsch. Die Nasa nennt die Milanković-Zyklen zwar als einen natürlich Grund für die Erderwärmung, schätzt den menschlichen Einfluss aber höher ein.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/09/25/nein-die-nasa-glaubt-nicht-dass-der-klimawandel-allein-durch-veraenderungen-der-erd-umlaufbahn-verursacht-wird/
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Doch, Medien berichteten über die Brände im Amazonasgebiet
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Bei Facebook teilte eine Nutzerin eine Bildcollage brennender Wälder. Sie behauptet, es gebe keine Medienberichterstattung darüber. Das ist falsch. Die von ihr geteilten Fotos zeigen wahrscheinlich Brände in Bolivien. von Cristina Helberg Am 23. August veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Collage aus sechs Bildern von brennenden Wäldern, darüber liegt eine schwarze Kondolenzschleife. Dazu schrieb sie: „Als Notre Dame brannte, berichteten die Medien der Welt über jeden Moment und Milliardäre eilten, um es wiederherzustellen. Im Moment brennt der Amazonas, die Lunge unseres Planeten. Es brennt jetzt seit 3 Wochen. Keine Medienberichterstattung. Keine Milliardäre“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 38.200 Mal geteilt. Die Verfasserin suggeriert, die Fotos würden die aktuelle Situation im Amazonasgebiet zeigen und Medien würden nicht über die Brände dort berichten. Wir haben beide Behauptungen überprüft. Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa die Intensität und Anzahl der Waldfeuer im brasilianischen Amazonasgebiet im August so hoch waren wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. Neben den Fotos behauptete die Facebook-Nutzerin am 23. August, Medien würden nicht über die Brände berichten. Das ist falsch. So berichteten zwei Tage vorher, am 21. August, zahlreiche deutsche Medien über die Brände, darunter die Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, Zeit, Stern, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle. Aber zeigten die Bilder aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? Mit einer Google-Bilder-Rückwärtssuche haben wir versucht, den Ursprung der Foto-Collage zu finden. Einige Treffer erwähnen die Begriffe „Chiquitania Bolivia“. Chiquitania ist eine Provinz im Osten Boliviens. Offenbar kämpften die Behörden dort im August gegen Waldbrände. Wir haben deshalb nach den spanischen Suchbegriffen „chiquitania bolivia fuego“ (Deutsch: „Chiquitania Bolivien Feuer“) bei Google gesucht. Einer der ersten Treffer ist ein Bild aus der Facebook-Collage. Es stammt aus einer Bildergalerie der bolivianischen Zeitung El Diario vom 19. August 2019. Darin findet sich auch ein zweites Bild aus der Facebook-Collage. Im dazugehörigen Artikel berichtet die Redaktion über seit zwei Wochen andauernde Waldbrände in der Region von Chiquitania. Die Quelle der Bilder ist jedoch nicht angegeben. In der Bildunterschrift steht unter dem ersten Bild: „Der Wind half, das Feuer auszubreiten, das in den letzten Wochen tausende von Hektar in Chiquitania verwüstet hat.“ Und unter dem zweiten Bild: „Internetnutzer teilten Bilder, die den Notfall widerspiegeln.“ Konkrete Angaben zu Fotografen, Datum und Ort der Aufnahme fehlen jedoch. Um auch die weiteren Bilder aus der Facebook-Collage zu finden, haben wir eine Bilder-Rückwärtssuche mit den Suchwörtern „chiquitania bolivia“ ergänzt. Diese Suche führt zu einem weiteren Bild der Collage auf der südamerikanischen Webseite Movisis Noticias in einem Artikel über die Brände in Chiquitania vom 19. August 2019. Auch dort fehlen konkrete Quellenangaben. Den oberen Teil der Facebook-Collage mit vier Fotos finden wir in einem Artikel der bolivianischen Zeitung El Día vom 28. August über die Waldbrände in Chiquitanía. Auch ein fünftes Foto aus der Collage ist dort zu sehen. Allerdings tragen die Bilder auch hier weder eine Bildunterschrift, noch wird eine Quelle genannt. Eine Bilder-Rückwärtssuche nach dieser Collage aus vier Bildern führt wiederum zu der bolivianischen Nachrichtenseite eju.tv, die ebenfalls keine Quelle angibt. Da die Quelle der Fotos unbekannt ist, lässt sich kein endgültiger Beweis erbringen, dass sie tatsächlich in Bolivien aufgenommen wurden. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie dort aufgenommen wurden und aus dem Sommer 2019 stammen. Hinweise auf frühere Verwendung der Bilder im Netz haben wir nicht gefunden. In den letzten Wochen haben andere Nutzer wiederholt veraltete Fotos oder gar nicht aus der Amazonasregion stammende Bilder verbreitet. Tatsächlich gab es in Bolivien im August 2019 genau wie in Brasilien viele Waldbrände. Auf Satellitenkarten, die die US-Raumfahrtbehörde Nasa auf ihrer Webseite veröffentlichte, sind die Feuer in Bolivien deutlich zu erkennen.
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Cristina Helberg
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Bei Facebook teilte eine Nutzerin eine Bildcollage brennender Wälder. Sie behauptet, es gebe keine Medienberichterstattung darüber. Das ist falsch. Die von ihr geteilten Fotos zeigen wahrscheinlich Brände in Bolivien.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-09-24T10:54:02+02:00
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2019-09-24T10:54:02+02:00
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2021-06-18T10:49:36+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Deutsche Medien haben schon vor dem Facebook-Beitrag über die Waldbrände im Amazonasgebiet berichtet. Die Fotos stammen mutmaßlich aus Bolivien.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/09/24/doch-medien-berichteten-ueber-die-braende-im-amazonasgebiet/
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Weltweiter Klimastreik: Foto von vermülltem Park soll Teilnehmer diskreditieren – es entstand aber im April in London
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In mehreren Ländern ging das Foto eines verdreckten Parks viral, das angeblich nach den Klimastreiks am vergangenen Freitag entstanden sein soll. Es stammt aber von April und entstand in anderem Kontext. von Till Eckert „So sieht’s aus wenn die dummen Kinder von Deutschland gegen das Klima streiken [sic]“, schreibt ein Facebook-Nutzer in einem Beitrag vom 21. September, einen Tag nachdem weltweit Menschen an Klimastreiks teilnahmen. Dazu veröffentlichte der Nutzer ein Foto, das einen vermüllten Park zeigt. Das Bild entstand allerdings nicht, wie der Nutzer suggeriert, bei den Klimastreiks am vergangenen Freitag – und auch nicht in Deutschland. Laut Guardian ging dasselbe Foto auch in Australien viral. Dabei wurde suggeriert, die australischen Teilnehmer der Klimastreiks hätten einen Park so hinterlassen. Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass dasselbe Foto schon am 21. April mehrfach auf Twitter hochgeladen wurde, zum Beispiel hier und hier. In den Tweets steht, dass darauf der Hyde Park in London zu sehen sei. Die Twitter-Nutzer bringen außerdem die Klimaschutz-Bewegung „Extinction Rebellion“ damit in Verbindung, die kurz zuvor eine Veranstaltung dort abgehalten haben soll. Aktivisten von „Extinction Rebellion“ haben am Samstag, den 20. April, tatsächlich beim Marble-Arch-Monument in London demonstriert – das direkt neben dem Hyde Park liegt. Das haben unsere französischen Faktencheck-Kollegen von AFP im Mai aufgrund eines viralen englischsprachigen Beitrags mit dem Foto recherchiert. Laut BBC seien dabei 750 Menschen verhaftet worden. Im Park selbst jedoch fand laut einer Facebook-Veranstaltung und Medienberichten zeitgleich eine andere Veranstaltung statt: Hier versammelten sich Teilnehmer für das jährliche „4/20 Smoke-up“, hauptsächlich Befürworter einer Cannabis-Legalisierung. Das Magazin Vice veröffentlichte am 23. April Fotos von der Veranstaltung in einem Artikel. Dort ist unter anderem zu sehen, wie hunderte Menschen im Hyde Park sitzen. Die Bekleidungsmarke „THTC Clothing“ schrieb am 21. April auf Twitter zu dem Foto, dass es den Hyde Park nach der Cannabis-Veranstaltung zeige. Am 22. April twitterte „Extinction Rebellion“ selbst dazu, dass es sich dabei „um eine komplett separate Veranstaltung“ gehandelt habe. Mehrere Aktivisten der Bewegung hätten später dabei geholfen, den Hyde Park aufzuräumen, weil „es uns genauso angewidert hat wie euch“. Der Twitter-Account von „Royal Parks“, einer wohltätigen Organisation, die sich laut eigenen Angaben um acht Londoner Parks kümmert, schrieb am 23. April zu dem Foto: „Es machen heute Morgen viele falsche Informationen auf Twitter die Runde. Dieses Foto ist das Ergebnis einer inoffiziellen Veranstaltung im Hyde Park am Samstag, nicht der #ExtinctionRebellion-Aktivisten beim Marble Arch.“ Damit kann nur die Cannabis-Veranstaltung gemeint sein. Es sind auch weitere Fotos aus anderen Blickwinkeln auf Twitter zu finden, die den Müll im Hyde Park zeigen.
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Till Eckert
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In mehreren Ländern ging das Foto eines verdreckten Parks viral, das angeblich nach den Klimastreiks am vergangenen Freitag entstanden sein soll. Es stammt aber von April und entstand in anderem Kontext.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-09-23T18:19:51+02:00
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2019-09-23T18:19:51+02:00
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2021-06-18T10:50:01+02:00
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Falsch
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Falsch. Das Foto entstand nicht nach den Klimastreiks in Deutschland im September 2019, sondern im April 2019 im Londoner Hyde Park.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/09/23/weltweiter-klimastreik-foto-von-vermuelltem-park-soll-teilnehmer-diskreditieren-es-entstand-aber-im-april-in-london/
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Nein, es gibt kein Gerichtsurteil, das die Forschung von Klimatologe Michael Mann „als Lüge entlarvt“
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Im Netz wird die Behauptung verbreitet, der Klimatologe Michael Mann habe einen Prozess verloren – und das Urteil widerlege seine Theorie vom Klimawandel. Das ist falsch. Es ging um Verleumdung, und es kam gar nicht zu einem Prozess. von Alice Echtermann Am 22. August verwarf ein Richter am kanadischen Supreme Court of British Columbia eine Verleumdungsklage, die sich acht Jahre lang hingezogen hatte. Geklagt hatte der Klimatologe Michael Mann gegen den Geologen Timothy Ball. Was wie eine Randnotiz wirkt, zog Ende August und Anfang September zahlreiche Artikel nach sich – auf Deutsch und Englisch. Sie schreiben fälschlicherweise von einem Urteil, das die Forschung Michael Manns über den Klimawandel als „Lüge“ entlarve. Die Seite Tichys Einblick titelte: „Gericht urteilt gegen den Schöpfer des Klimawandel-Hockeyschlägers“. Der Text wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bereits mehr als 3.100 Mal auf Facebook geteilt. Weitere Artikel von Achse des Guten („Beweise bitte! – Ein Star der Klimaforschung scheitert vor Gericht“, 1.400 Mal geteilt) und Anonymousnews („Urteil mit Sprengkraft: Gericht entlarvt Lüge vom menschengemachten Klimawandel“, 740 Mal geteilt) stellen den Sachverhalt ebenfalls falsch dar. Der Achgut-Text wurde auch wortgleich auf der Webseite Eike-Klima-Energie veröffentlicht, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel leugnet. In allen Berichten heißt es, Michael Mann habe einen „Prozess verloren“. Achgut schrieb zudem, er müsse die Gerichtskosten tragen. Das Verfahren sei bedeutend, weil sein Ausgang „die Mär vom ausschließlich menschengemachten Klimawandel“ ins Wanken bringe, gemeinsam mit ihrer „graphische[n] Inkarnation, [der] wie ein Hockeyschläger steil nach oben abknickende Temperaturkurve, auch als ‘Hockeystick-Kurve’ einschlägig bekannt geworden.“ Es wird also behauptet, es gebe eine Gerichtsentscheidung, die zeige, dass Michael Manns Forschung und seine „Hockeyschläger-Kurve“ nicht glaubwürdig seien. CORRECTIV-Recherchen ergeben jedoch: Die Aussagen über das angebliche Gerichtsurteil sind falsch. Das Gericht in Kanada verwarf die Verleumdungsklage, weil das Verfahren sich seit acht Jahren hinzog und es immer wieder zu großen Verzögerungen gekommen war. Es kam gar nicht zu einem Prozess. Das geht aus der Abschrift der mündlichen Entscheidung des Richters hervor, die am 18. September vom Supreme Court veröffentlicht wurde. Der Klimatologe Michael Mann ist Professor an der Pennsylvania State University und der Urheber der sogenannten „Hockeyschläger-Kurve“. Die wissenschaftliche Arbeit dahinter veröffentlichte er erstmals 1998. Darin stellte er die Entwicklung der Erdtemperatur dar. Die Kurve zeigt steil nach oben, weshalb sie ein bisschen aussieht wie ein Hockeyschläger. Die treibende Kraft des Wandels seien im 20. Jahrhundert die Treibhausgase gewesen, schreiben Mann und seine Co-Autoren. Timothy Ball – ein pensionierter Professor für Geographie von der University of Winnipeg – bestreitet den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Mann verklagte ihn wegen diverser verbaler Angriffe 2011 wegen Verleumdung. Wie der Richter am Supreme Court feststellte: „Der Kläger, Dr. Mann, und der Beklagte, Dr. Ball, haben dramatisch unterschiedliche Meinungen über den Klimawandel. Ich habe nicht vor, auf diese Unterschiede näher einzugehen. Es soll ausreichen, dass der eine glaubt, der Klimawandel sei menschengemacht, und der andere tut das nicht. Als Konsequenz lagen die beiden über viele Jahre beinahe ständig im Konflikt.“ Im Zentrum der Klageschrift, die CORRECTIV von Manns Anwalt zugeschickt wurde, steht eine Aussage von Timothy Ball in einem Interview 2011. Ball wurde darin auf den sogenannten „Climategate“-Skandal angesprochen und sagte, Michael Mann gehöre ins Gefängnis. Gegen diese Aussage und weitere von Ball richtet sich die Klage. Bei „Climategate“ ging es 2009 um Vorwürfe, Klimawissenschaftler hätten ihre Forschungsergebnisse verfälscht. Die Grundlage waren gehackte E-Mails von Wissenschaftlern der University of East Anglia in Großbritannien. Deren Untersuchungskommission äußerte 2010 eine Rüge wegen mangelnder Transparenz der Wissenschaftler, kam jedoch zu dem Schluss, dass sie im Wesentlichen korrekt gearbeitet hätten (PDF, Seite 11). Auch gegen Michael Mann wurden Vorwürfe erhoben. Diese wurden 2010 ebenfalls durch die Pennsylvania State University entkräftet. Manns Klage richtete sich auch gegen das Frontier Centre for Public Policy (FCPP), ein kanadisches Think-Tank, auf dessen Webseite das Interview mit Ball verbreitet wurde. Diesen Teil des Rechtsstreits regelte Mann im Juni 2019 außergerichtlich – das FCPP äußerte eine Entschuldigung, wie Mann auf Twitter schrieb. Übrig blieb die Klage gegen Timothy Ball. In der mündlichen Begründung der Entscheidung, das Verfahren einzustellen, erklärte der Richter, die jahrelange Verzögerung sei seiner Ansicht nach nicht zu entschuldigen. Es habe mindestens zwei monatelange Zeiträume gegeben, in denen nichts geschehen sei. „Es gibt keine Beweisstücke des Klägers, die die Verzögerung erklären.“ Es scheine, als gebe Mann der Sache keine Priorität. Die Verzögerung sei außerdem in gewisser Weise zum Nachteil des Beklagten, da dieser vier Zeugen hatte anrufen wollen, von denen inzwischen drei gestorben und einer nicht mehr in der Lage sei, zu reisen. Zudem sei auch Ball sehr betagt und bei schlechter Gesundheit. „Die Erinnerungen aller Beteiligten und Zeugen werden verblasst sein, wenn die Sache vor Gericht geht.“ Ein faires Verfahren sei so kaum möglich, deshalb werde es eingestellt. CORRECTIV hat die Anwälte von Michael Mann und Timothy Ball kontaktiert. Von Michael Scherr – Balls Anwalt – kam bisher keine Antwort. Manns Anwalt, Roger McConchie, antwortete per E-Mail: „Die kürzliche Gerichtsentscheidung vom 22. August 2019 war die Antwort auf einen Antrag des Beschuldigten Ball, dass das Verfahren eingestellt werden solle – wegen Verzögerung. Balls Argument, dass der Fall nicht vor Gericht gehen solle, stützte sich stark auf Balls angeblichen Gesundheitszustand. […] Das Gericht kam in keiner Weise zu dem Schluss, dass eine von Balls Verteidigungen Bestand habe, oder dass Dr. Manns Aussagen nicht valide seien.“ Durch die Einstellung des Verfahrens sei es gar nicht zu einem Prozess gekommen, erklärt McConchie. Deshalb gebe es kein Gerichtsurteil darüber, welche der beiden Parteien Recht habe – und somit keinen „Verlierer“. Wenn der Court of Appeal in British Columbia die Entscheidung des Supreme Court nicht zurücknehme, müsse Ball sich nicht vor Gericht gegen Manns Klage verteidigen. Auf die Frage, worum es in dem Verfahren ging, betont McConchie: „Ob der Klimawandel stattfindet oder nicht, und ob der Mensch dazu beiträgt, war nie ein Thema vor Gericht.“ Die Berichte über einen „verlorenen Prozess“, der angeblich den menschengemachten Klimawandel „als Lüge entlarve“, nennt McConchie „böswillige Lügen“. Zu den Vorwürfen des unwissenschaftlichen Arbeitens gegen Michael Mann schreibt sein Anwalt, Mann habe von Anfang an alle Daten seiner Forschung veröffentlicht, zunächst mit Ausnahme des Computercodes (Quellcode). 2005 habe er den Code jedoch ebenfalls veröffentlicht. Zudem gebe es die Untersuchung der Pennsylvania State University von 2010 zu den Climategate-Vorwürfen gegen ihn. All diese Informationen seien öffentlich zugänglich gewesen, als Ball seine Anschuldigungen gegen Mann machte. Auch Michael Mann selbst äußerte sich auf Twitter zu den Berichten über das angebliche Gerichtsurteil gegen ihn. Die Aussagen in den Berichten seien „unwahr“. Die Entscheidung des Gerichts bedeute auch nicht, dass er Balls Kosten übernehmen werde.
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Alice Echtermann
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Im Netz wird die Behauptung verbreitet, der Klimatologe Michael Mann habe einen Prozess verloren – und das Urteil widerlege seine Theorie vom Klimawandel. Das ist falsch. Es ging um Verleumdung, und es kam gar nicht zu einem Prozess.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-09-20T16:50:49+02:00
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2019-09-20T16:50:49+02:00
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2021-06-18T10:50:26+02:00
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Falsch
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Falsch. Es gab keinen Prozess und somit kein Gerichtsurteil gegen den Klimatologen Michael Mann. Das Verfahren wurde wegen Verzögerung eingestellt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/09/20/nein-es-gibt-kein-gerichtsurteil-das-die-forschung-von-klimatologe-michael-mann-als-luege-entlarvt/
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Keine Hinweise, dass diese Bilder verletzter Affen aus Lateinamerika stammen
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In Sozialen Netzwerken teilen Nutzer Bilder von verletzten Affen. Für die Behauptung, es handele sich um Vorfälle im Amazonasgebiet, gibt es keine Belege. Die Bilder wurden wahrscheinlich in Algerien aufgenommen. von Cristina Helberg Zwei Fotos von Affen mit Verletzungen teilte eine Facebook-Nutzerin am 27. August 2019. Dazu schrieb sie: „Die verbrannten Tiere von am Amazonas [sic]“. Der Beitrag wurde mehr als 9.500 Mal geteilt. Für die Ortsangabe lieferte die Nutzerin jedoch keine Belege. Auch Quellenangaben zu den Fotos fehlen. Wir haben die Fotos in die Rückwärtssuche verschiedener Suchmaschinen hochgeladen und so den mutmaßlichen Ursprung recherchiert. Lädt man die Fotos zum Beispiel in der Google-Bilder-Rückwärtssuche hoch, ergänzt die Suchmaschine automatisiert Suchbegriffe. In diesem Fall ergänzte Google die Suche für das Bild des Affenpaars mit den Begriffen „feu en kabylie 2019“. Das ist Französisch und heißt übersetzt: „Feuer in Kabylie 2019“. Kabylie ist eine Region in Algerien. Tatsächlich liegt die automatische Suchwörter-Ergänzung von Google in diesem Fall mutmaßlich richtig. Gleich der erste Treffer ist ein Youtube-Video mit dem Titel: „Kabylie: Plusieurs forêts ravagées par le feu“ (deutsch: „Kabylie: Mehrere Wälder vom Feuer verwüstet“), veröffentlicht am 27. Juli 2019. Darin ist ein Ausschnitt einer Nachrichtensendung des algerisch-französischen Fernsehsenders und gleichnamigen Youtube-Kanals Berbère Télévision zu sehen. In dem Video werden auch die zwei Affen mit dem Jungtier aus dem Facebook-Beitrag gezeigt, allerdings aus einem anderen Winkel fotografiert. Auch in Bolivien wurden die Fotos aus dem Facebook-Beitrag in Sozialen Netzwerken mit dem fragwürdigen Hinweis verbreitet, es handele sich um Aufnahmen aus der lateinamerikanischen Region. Die Faktenchecker von Bolivia Verifica veröffentlichten dazu am 2. September 2019 einen Artikel und kamen zu dem Schluss, es handele sich nicht um Bilder aus Bolivien. Sie verwiesen zum Ursprung der zwei Fotos auf die algerischen Nachrichtenseiten Ennahar-Online und Le Matin d’Algerie. Tatsächlich zeigt Ennahar-Online das Foto aus dem Youtube-Video und das aus dem Facebook-Beitrag, auf dem jemand den Affen in den Händen hält. Le Matin d’Algerie zeigt das andere Foto aus dem Facebook-Beitrag. Beide Redaktionen nennen jedoch keine Quellenangabe. Am 1. August 2019 veröffentlichte auch die Webseite MaghrebOrnitho einen Artikel mit den Fotos der verletzten Affen und der Überschrift: „Barbary macaques burnt alive by Algeria wildfires“ (deutsch: Berberaffen lebendig verbrannt bei Waldbränden in Algerien). Als Belege führt die Seite Berichte der Nachrichtenagentur Algérie Presse Service vom 26. Juli 2019 und der Webseite El Watan vom 28. Juli 2019 an. Tatsächlich berichteten sowohl die algerische Nachrichtenagentur als auch El Watan in den Artikeln über Affen, die durch die Waldbrände getötet worden seien. Algérie Presse Service schreibt: „[…] sowie in Tikjda, wo mehrere Magotaffen und andere Tierarten durch die Flammen ums Leben gekommen sind […]“ (übersetzt aus dem Französischen). El Watan berichtete: „Dutzende von Tieren der Berberaffen, allgemein als Magot bekannt, und andere Arten sind umgekommen“ (übersetzt aus dem Französischen). Zwar berichten beide Seiten über getötete Affen, zeigen jedoch keine Bilder davon. Damit lässt sich kein endgültiger Beweis erbringen, dass die Fotos tatsächlich in Algerien aufgenommen wurden. Es ist aber wahrscheinlich. Wir haben außerdem keine Hinweise darauf gefunden, dass die Fotos, wie behauptet, in Lateinamerika entstanden sein könnten.
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Cristina Helberg
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In Sozialen Netzwerken teilen Nutzer Bilder von verletzten Affen. Für die Behauptung, es handele sich um Vorfälle im Amazonasgebiet, gibt es keine Belege. Die Bilder wurden wahrscheinlich in Algerien aufgenommen.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-09-19T15:40:11+02:00
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2019-09-19T15:40:11+02:00
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2019-09-19T15:40:11+02:00
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Unbelegt
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Unbelegt. Es gibt keine Belege oder Hinweise, dass die Fotos in Lateinamerika entstanden sind. Wahrscheinlich wurden sie in Algerien im Sommer 2019 aufgenommen.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/09/19/keine-hinweise-dass-diese-bilder-verletzter-affen-aus-lateinamerika-stammen/
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Ja, in Berlin werden Elektro-Roller zum Aufladen auch durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt
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In einem Facebook-Beitrag, der derzeit häufig geteilt wird, wird behauptet, dass in Berlin jeden Abend Elektro-Roller zum Aufladen durch Dieselfahrzeuge eingesammelt würden. Dass zum Transport der E-Scooter teilweise Fahrzeuge mit Dieselmotor eingesetzt werden, ist richtig. von Philip Steeg In einem Facebook-Beitrag vom 23. August heißt es: „Berlin 1600 E-Scooter werden jeden Abend zum Aufladen mit 48 Kleinbustouren eingesammelt. Das ist ‘grüne’ Umweltpolitik’“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 19.000 Mal geteilt. Eine Recherche von CORRECTIV zeigt: Dass Elektro-Roller durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt werden, ist richtig. Für die angegebenen Zahlen gibt es allerdings keine Belege. In Berlin gibt es laut Hauptstadtportal momentan fünf verschiedene Anbieter der ausleihbaren Elektro-Scooter: Bird und Lime (zwei US-amerikanische Firmen), Voi (ein schwedisches Start-Up) Circ (ein Unternehmen aus Luxemburg) und Tier (ein Start-Up aus Berlin selbst). Um zu erfahren, wie diese fünf Firmen ihre Elektro-Roller aufladen und transportieren, hat CORRECTIV per Mail Anfragen an die jeweilige Pressestelle der Unternehmen gesendet. Dass es Dieselfahrzeuge sind, wird nicht von allen Firmen explizit bestätigt. Allerdings werden von allen E-Scooter-Sharing-Diensten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor genutzt. Wie viele Dieselfahrzeuge jeden Abend verwendet werden, ist nicht eindeutig zu beziffern. Auch deshalb, weil die Nutzung der Sharing-Angebote von Tag zu Tag variiert. Auch die Gesamtzahl der in Berlin von allen fünf Anbietern zur Verfügung gestellten Elektro-Scooter ist nicht genau zu ermitteln. Der Pressesprecher von Lime möchte die Anzahl der Roller aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Alle anderen Anbieter machten hierzu gegenüber CORRECTIV Angaben. Insgesamt stehen demnach in Berlin mindestens 7.200 Scooter zur Verfügung. Die E-Scooter dürfen seit Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung vom 15. Juni 2019 und der allgemeinen Betriebserlaubnis für die einzelnen Elektro-Roller-Typen im Straßenverkehr genutzt werden. Durch diese beiden Rahmenbedingungen wurde es den Sharing-Diensten von Elektro-Rollern ermöglicht, auch in deutschen Städten ihre Produkte anzubieten. Sowohl für die Verordnung als auch für die Betriebserlaubnis ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zuständig. Dieses Ministerium wird vom CSU-Politiker Andreas Scheuer geleitet. Der Minister hatte sich laut Medienberichten vehement für die schnelle Zulassung der Scooter eingesetzt – als Alternative zum Auto oder Motorroller, um die Verkehrswende voranzubringen, wie es von Seiten des Ministeriums heißt. Wie viele Menschen in Berlin aufgrund der angebotenen Elektroroller auf eine Fahrt mit dem Auto verzichten, ist unklar. Eine Mobilitätsstudie der französischen Agentur 6T für Paris zeigt allerdings, dass zumindest in der französischen Hauptstadt die erhofften Effekte ausgeblieben sind. Demnach sind die Sharing-Angebote hauptsächlich für Touristen attraktiv. Auch die Grünen haben die Zulassung von Elektrokleinstfahrzeugen generell befürwortet. Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, setzte sich zum Beispiel in einem Gastbeitrag für Spiegel Online für die Roller ein. Subventionen von staatlichen Stellen beziehe aber keiner der Anbieter, berichten alle Pressesprecher der Sharing-Dienste übereinstimmend. Die Pressesprecherin des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gibt auf schriftliche Anfrage von CORRECTIV ebenfalls an, dass die Verleiher nicht durch Mittel des Bundes gefördert werden. Auch der Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz schreibt in einer Mail, dass die Betreiber der Elektro-Scooter „nicht öffentlich gefördert werden“. Außerdem unterliegen die Sharing-Dienste nach seinen Angaben keiner weiteren Genehmigungspflicht. „Die Verleiher können im Rahmen des Gemeingebrauchs öffentliche Straßen nutzen“. Weiter stellt der Sprecher klar: „Es handelt sich um ein Angebot des freien Marktes.“
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Alice Echtermann
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In einem Facebook-Beitrag, der derzeit häufig geteilt wird, wird behauptet, dass in Berlin jeden Abend Elektro-Roller zum Aufladen durch Dieselfahrzeuge eingesammelt würden. Dass zum Transport der E-Scooter teilweise Fahrzeuge mit Dieselmotor eingesetzt werden, ist richtig.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-09-13T13:33:06+02:00
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2019-09-13T13:33:06+02:00
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2021-06-18T10:50:51+02:00
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Größtenteils richtig
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Größtenteils richtig. Dass E-Scooter in Berlin auch durch Dieselfahrzeuge eingesammelt werden, ist richtig. Wie viele genau dafür täglich im Einsatz sind, ist nicht belegbar. Mit einer 'grünen Umweltpolitik' allein lässt sich die Einführung der Roller nicht erklären.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/09/13/ja-in-berlin-werden-elektro-roller-zum-aufladen-auch-durch-fahrzeuge-mit-dieselmotoren-eingesammelt/
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Wie diese Satellitenbilder der Waldbrände in Südamerika entstanden sind
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Zur Veranschaulichung der aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet werden Satellitenbilder der NASA herangezogen. Deren Echtheit wird in den Sozialen Netzwerken teilweise infrage gestellt – sie sind aber korrekt. Wir erklären, warum. von Philip Steeg Momentan kursieren viele Meldungen über Waldbrände im Amazonasgebiet. So berichtet unter anderem das ZDF über das Thema und nutzt in einem Beitrag auf Facebook ein Satellitenbild, das die Brände zeigen soll. Auch andere Facebook-Nutzer verbreiten Beiträge zu den Waldbränden, in denen Satellitenbilder zu sehen sind. Die Satellitenbilder werden jedoch meist nicht weiter erklärt und daher oft von Facebook-Nutzern falsch interpretiert oder als unglaubwürdig bezeichnet. So fragt ein Facebook-Nutzer: „Und wir sollen nun glauben, dass die orangen Flecken die Feuerglut ist?“ [sic] Ein anderer erklärt die Technik falsch: „Ist eine Wärmebildkamera und zeigt rot alles, was warm ist… klar auch Brände, aber eben nicht nur. Vollkommen irreführend das Bild (…).“ [sic] Die Bilder zeigen tatsächlich die aktuellen Waldbrände in Südamerika. Sie sind Screenshots aus dem Online-Tool des „Fire Information for Resource Management System“, kurz FIRMS, der NASA. Dabei sind jedoch keine Fotos im herkömmlichen Sinne zu sehen, sondern eine Kombination verschiedener Satellitenbilder und Daten, die zur Visualisierung von Bränden erhoben wurden. Die Grundlage für das Bild ist ein Zusammenschnitt verschiedener Satellitenbilder, die nicht alle zum gleichen Zeitpunkt aufgenommen wurden. Diese Bildgrundlage trägt den Namen „Blue Marble“ und wurde im Verlauf des Jahres 2004 von der NASA zusammengestellt. Dass im FIRMS-Tool der NASA als Bildgrundlage „Blue Marble“ verwendet wird, kann man unter dem Reiter „Base Layers“ am unteren Rand der interaktiven Karte sehen. Das Zusammenfügen einzelner Bilder zu einem großen Bild ist zum einen notwendig, da die Sensoren der Satelliten schlicht nicht groß genug sind, um einen gesamten Kontinent, geschweige denn die ganze Erde auf einmal abbilden zu können. Wie die NASA an dieser Stelle erklärt, hat der zur Erzeugung von „Blue Marble“ verwendete Sensor „eine Sichtfeldbreite von 2.330 km und nimmt alle ein bis zwei Tage die gesamte Erdoberfläche auf“. Zum anderen wurden, wie die NASA hier erläutert, zur besseren Übersicht, nur Ausschnitte verwendet, auf denen über den entsprechenden Gebieten keine Wolken vorhanden sind. Dies ist natürlich nicht über jedem Ort des Kontinents zum gleichen Zeitpunkt der Fall. Wenn man im FIRMS-Tool der NASA die Reiter auf der rechten Seite aktiviert (VIIRS 375m/Modis Aqua/Modis Terra) wird eine weitere Bildebene gezeigt, die die Brände visualisiert: Welche Technik im speziellen zur Erkennung von Bränden durch die NASA genutzt wird und welche Satelliten diese Technik an Bord haben, wird auf dieser Seite erläutert. Wie sie Feuer erkennt, erklärt die NASA an dieser Stelle: Die roten Flächen, die auf den Bildern zu sehen sind, zeigen jedoch nicht, wie einige Facebook-Nutzer irrtümlicherweise annehmen, die Brände im Original, so wie sie das menschliche Auge aus der Perspektive des Satelliten wahrnehmen würde. Das liegt daran, dass Feuer am besten durch Infrarot-Sensoren erkennbar sind. Der Wellenlängenbereich von Infrarotwellen, die von den Sensoren der Satelliten aufgenommen werden, sind für das menschliche Auge allerdings nicht sichtbar. Daher müssen die Daten der Satelliten grafisch aufbereitet werden, um die Brände sichtbar zu machen. In dem Online-Tool der NASA kann die Farbe der Darstellung beliebig gewählt werden. So kann man beispielsweise die Feuer pink erscheinen lassen. Um die Satellitenbilder nachvollziehen zu können, muss man außerdem die Auflösung der verwendeten Sensoren beachten. Für das FIRMS-Tool werden Daten von Sensoren verwendet, deren Pixel „circa 1.000 Meter lang und breit, (im präzisesten Fall) circa 375 Meter lang und breit sind“ (eigene Übersetzung). Nimmt der Sensor innerhalb dieses Pixels eine entsprechend hohe Infrarotstrahlung auf, wird dieser durch die Analyseprogramme der NASA eingefärbt. Das heißt aber nicht, dass die gesamte aufgenommene Fläche in Flammen steht, sondern dass es innerhalb dieses Pixels einen nennenswerten Brand gibt. Die NASA schreibt in ihrer Erklärung: „Wir können nicht die genaue Größe des Feuers bestimmen, wissen aber, dass sich in dem markierten Pixel mindestens ein Feuer befindet“ (eigene Übersetzung). So kommt es, dass beispielsweise auch in oder um urbane Gebiete Feuer dargestellt werden. Die Größe der Feuer, die von der NASA erkannt werden können, variiert mit den Beobachtungsbedingungen. Feuer von einer Größe ab 1.000 Quadratmeter werde allerdings in der Regel erkannt, wie die NASA hier erklärt. Will man den gesamten lateinamerikanischen Kontinent abbilden, sind mehr aufgenommen Pixel vorhanden, als ein Computerbildschirm darstellen kann. So erscheint eine wesentlich größere Fläche betroffen, als es tatsächlich der Fall ist. Zoomt man näher heran, wird dies deutlich. Ein weiteres von der NASA veröffentlichtes Satellitenbild zeigt einen kleinen Ausschnitt des südamerikanischen Kontinents. In diesem Bild sind Wolken zu sehen und auch nebelartige Schwaden, die laut NASA den Rauch darstellen, der durch die Feuer im Amazonas und den angrenzenden Gebieten entstehen. Auffällig an dem Satellitenbild ist ein sich von oben nach unten leicht schräg durch das Bild ziehender Strich. Wolken wirken darin teilweise abgeschnitten. Dies liegt daran, dass Satellitenbilder, wie bereits erwähnt, meist Zusammenschnitte verschiedener Aufnahmen, also verschiedener, zeitnaher Überflüge des Satelliten sind. Wie intensiv die Brände dargestellt werden, hängt davon ab, welche Zeitspanne man sich vom NASA-Tool anzeigen lässt. Der Screenshot, den das ZDF verwendet, zeigt wesentlich weniger Brände als der im zweiten genannten Facebook-Beitrag verwendete Screenshot. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass eine geringere Zeitspanne ausgewählt wurde. Der Facebook-Beitrag des ZDF wurde am Nachmittag des 23. August erstellt. Gibt man in der Suchmaske des Online-Tools der NASA an, nur die Feuer sehen zu wollen, die am 22. August existierten, sieht man ein sehr vergleichbares Muster zu dem Screenshot des ZDF. Daher ist davon auszugehen, dass bei diesem nur ein Zeitraum von 24 Stunden abgebildet wurde. Der direkte Vergleich: Im Screenshot des zweiten genannten Facebook-Beitrags sind wesentlich mehr Brände zu sehen, als in dem des ZDFs. Wie unter dem Beitrag erklärt wird, wurde hier eine Zeitspanne von 72 Stunden, also drei Tagen ausgewählt. Dementsprechend werden alle Brände, die in diesen 72 Stunden existierten, dargestellt. Da von „den letzten 72 Stunden“ die Rede ist und der Facebook-Beitrag am Abend des 22. August verfasst wurde, ist davon auszugehen, dass bei der Darstellung im Online-Tool der NASA der Zeitraum 20. bis 22. August gewählt wurde. Vergleicht man den Screenshot aus dem Beitrag mit der Visualisierung des Online-Tools im entsprechenden Zeitraum, werden Feuer in gleicher Intensität und an den gleichen Orten angezeigt. Der direkte Vergleich: Zu dieser Frage schreibt die NASA (eigene Übersetzung aus dem Englischen): „Wissenschaftler, die die NASA-Satelliten zur Verfolgung der Brand-Aktivitäten einsetzen, haben eine Zunahme und Intensität der Brände im brasilianischen Amazonasgebiet im Jahr 2019 bestätigt. Demnach ist es das Feuer-reichste Jahr in dieser Region seit 2010.“ Außerdem heißt es zu den Brandursachen (eigene Übersetzung): „Der August 2019 zeichnet sich durch einen spürbaren Anstieg der großen, intensiven und anhaltenden Brände entlang der Hauptstraßen des zentralbrasilianischen Amazonas aus (…). (…) Zeitpunkte und Orte der Branderkennungen zu Beginn der Trockenzeit 2019 stimmen eher mit dem Muster von Rodungen als mit dem regionaler Dürre überein.“
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Alice Echtermann
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Zur Veranschaulichung der aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet werden Satellitenbilder der NASA herangezogen. Deren Echtheit wird in den Sozialen Netzwerken teilweise infrage gestellt – sie sind aber korrekt. Wir erklären, warum.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-30T09:27:22+02:00
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2019-08-30T09:27:22+02:00
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2021-06-18T10:51:20+02:00
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Richtig
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Richtig. Die genutzten Satellitenbilder zeigen beide die aktuellen Waldbrände in Südamerika. Es handelt sich um eine Kombination verschiedener, tatsächlicher Aufnahmen und visualisierter Daten. Die Intensität der Waldbrände ist laut NASA ungewöhnlich hoch.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/30/wie-diese-satellitenbilder-der-waldbraende-in-suedamerika-entstanden-sind/
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Verursacht eine Katze so viel CO2 wie ein Ägypter? Keine pauschalen Aussagen zur Umweltbelastung durch Haustiere möglich
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In einem Artikel von „Neues Deutschland“ werden Zahlen zur Umweltbelastung durch Haustiere genannt. Einige stimmen, andere sind veraltet und wenig belastbar. von Alice Echtermann In einem Meinungsbeitrag in Neues Deutschland vom 17. Juli 2019 fordert die Autorin Katharina Schwirkus: „Lasst uns die Köter abschaffen“. Damit löste sie im Netz empörte Reaktionen aus. Der Artikel wurde laut dem Analyse-Tool Crowdtangle mehr als 8.600 Mal auf Facebook geteilt. Schwirkus vertritt die Ansicht, die Haustiere hätten in Städten nichts zu suchen. Den Haltern sollte das Leben daher möglichst schwer gemacht werden. Hunde und Katzen seien zudem schlecht für das Klima, erklärt sie, und stellt als Beleg zwei Behauptungen mit Zahlen zur CO2-Bilanz der Tiere auf. CORRECTIV hat diese Angaben überprüft. Die erste Behauptung lautet: „Die Ökobilanz eines Hundes entspricht einer jährlichen Autofahrleistung von 3.700 Kilometern, die einer Katze 1.400 jährlichen Fahrkilometern. Ein durchschnittliches Fahrzeug in Deutschland legt pro Jahr 13.000 Kilometer zurück.“ Als Quelle wird ein Artikel der Süddeutschen Zeitung von Januar 2019 genannt. Die Zahlen stammen aus dem Bericht eines Unternehmens namens ESU-Services, das die Ökobilanzen von Haustieren in der Schweiz berechnet hat. Es kam für Hunde und Katzen tatsächlich etwa zu dem zitierten Ergebnis, wie aus dem ausführlichen Bericht hervorgeht (Seite 22). Die Studie wurde Ende 2018 veröffentlicht und erschien 2019 noch einmal in einer überarbeiteten Version. Die von Neues Deutschland genannten Kilometerangaben beziehen sich auf die Umweltbelastung, gemessen in Umweltbelastungspunkten (UBP). Dies ist die Maßeinheit nach der sogenannten Methode der ökologischen Knappheit. Sie gewichtet laut ESU-Services „in einer Ökobilanz verschiedene Umweltwirkungen – Schadstoffemissionen und Ressourcenverbrauch – mittels so genannter Ökofaktoren“. Der Ökofaktor eines Stoffes sei umso höher, je mehr die aktuellen Emissionen das politisch gesetzte Umweltschutz-Ziel überschreiten. Umgerechnet in „CO2-Äquivalente“ sind die Werte niedriger; da entspricht laut ESU-Services die Haltung eines Hundes einer Autofahrdistanz von 2.828 Kilometern, die einer Katze 1.164 Kilometern. Der Chef von ESU-Services, Niels Jungbluth, der auch einer der Autoren der Studie ist, weist in einer Mail an CORRECTIV darauf hin, der Begriff „Ökobilanz“ sei zwar „sprachlich falsch“, da dies keine Maßeinheit sei. Aber: „Umweltbelastungen werden mit den Umweltbelastungspunkten UBP gemessen. Die Fakten sind also nicht falsch dargestellt.“ Die zweite Behauptung im Artikel von Neues Deutschland lautet: „Der ökologische Fußabdruck einer deutschen Katze ist im Durchschnitt genauso groß wie der eines Ägypters.“ Als Quelle für diese Aussage diente offenbar das Buch „Der Beschiss-Atlas“ von 2012. Bereits am 15. Juni 2011 erschien jedoch ein Artikel der Taz mit dieser Behauptung, der auch auf Wikipedia zum Thema „CO2-Bilanz“ als Quelle angegeben wird. Darin heißt es, eine Katze verursache pro Jahr 2,2 Tonnen CO2, ein Ägypter 2,3 Tonnen. Die Zahlen sind schon etliche Jahre alt. Unsere Recherchen ergeben, dass das deutsche Unternehmen Climate-Partner sie im Auftrag des Internetportals Utopia und des Axel-Springer-Verlags erstellt hat. Der Bericht von Utopia ist nicht mehr auffindbar, doch es gibt einen Artikel der Bild von 2009. Auf Nachfrage bestätigte ein Sprecher von Climate-Partner, Moritz Lehmkuhl, CORRECTIV am Telefon, das Unternehmen habe Auswertungen zum Thema Haustiere für die beiden Medien 2008 erstellt. Wenn die Studie 2008 erschienen ist, könnten die Emissionswerte für Ägypten von 2007 stammen. Laut Global Carbon Atlas lag der Ausstoß von CO2 durch Konsum pro Kopf in Ägypten 2007 tatsächlich bei 2,3 Tonnen. 2008 waren es bereits 2,4 Tonnen, und auf diesem Niveau lagen die Emissionen auch 2016. Neuere Daten liegen im Global Carbon Atlas nicht vor. (Zum Vergleich: Für die Schweiz lag der Wert 2016 bei 14 Tonnen CO2 pro Kopf, für Deutschland bei 11 Tonnen.) Ein Vergleich mit einer deutschen Hauskatze, wie er in dem Artikel von Neues Deutschland gezogen wird, wäre nur dann möglich, wenn die Pro-Kopf-Emissionen von Katzen in Deutschland zuverlässig berechnet würden. Zu den durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Katze gibt es aber keine Zahlen. Die Firmen Climate-Partner und ESU-Services haben keinen Durchschnitt berechnet, sondern typische Haltungs-Beispiele. ESU-Services schreibt: „Dabei gibt es nicht den einen durchschnittlichen Wert pro Haustier da jeweils nur einzelne realistische Szenarien untersucht wurden. Es zeigt sich, dass diese Belastungen von verschiedenen Einflussgrössen abhängen und diese somit von der Haltung beeinflusst werden können.“ Deshalb ist auch der oben erwähnte Vergleich des CO2-Ausstoßes eines Tieres mit dem einer Autofahrt nur eine Beispielrechnung ohne Allgemeingültigkeit. Auch Moritz Lehmkuhl von der Firma Climate-Partner sagte CORRECTIV am Telefon: Die 2,2 Tonnen CO2 pro Katze seien ein Wert, der auf konkreten Annahmen zur Haltung beruhte. Die Angaben zur Futtermenge und dergleichen habe das Unternehmen sich von Experten besorgt und keine eigenen Berechnungen dazu durchgeführt. Für Hunde – konkret einen Dackel – kam Climate-Partner auf 1,8 Tonnen CO2 jährlich. Aufgrund der unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen weichen diese Daten stark von den Zahlen von ESU-Services ab. Demnach verursacht eine Katze wesentlich weniger CO2 als ein Ägypter (ab Seite 27): Ihre Haltung entspreche pro Jahr 390 Kilogramm CO2-Äquivalenten – das sind rund 0,4 Tonnen. Laut ESU-Services verursacht eine Katze auch weniger CO2 als ein Hund: Die Bilanz eines mittelgroßen Hundes liege bei 950 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Jahr (Seite 25) – rund einer Tonne. Climate-Partner kommt also für einen Hund auf fast die doppelte Menge CO2 wie ESU-Services und bei einer Katze sogar auf mehr als das Fünffache. Wie ESU-Services im eigenen Bericht darlegt, ist eine mögliche Erklärung, dass Climate-Partner zum Beispiel für einen Dackel von einer viel höheren täglichen Futtermenge ausgegangen sei (Seite 39 bis 40). An diesen Differenzen zeigt sich, dass es keinen allgemeingültigen Wert für CO2-Emissionen einer Katze gibt.
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Alice Echtermann
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In einem Artikel von „Neues Deutschland“ werden Zahlen zur Umweltbelastung durch Haustiere genannt. Einige stimmen, andere sind veraltet und wenig belastbar.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-28T15:31:53+02:00
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2019-08-28T15:31:53+02:00
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2021-06-18T10:51:47+02:00
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Größtenteils richtig
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Größtenteils richtig. Die Zahlen stammen aus zwei Studien zur Umweltbelastung durch Haustiere. Die Berechnungen sind jedoch nicht allgemeingültig.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/28/verursacht-eine-katze-so-viel-co2-wie-ein-aegypter-angaben-zur-umweltbelastung-durch-haustiere-erlauben-keine-pauschalen-schluesse/
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Amazonas-Brände: Nein, diese drei Fotos zeigen nicht die aktuellen Feuer in der Region
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Nutzer teilen in Sozialen Netzwerken zahlreiche Bilder von brennenden Wäldern, die angeblich die aktuellen Feuer im Amazonasgebiet zeigen sollen. Die drei Fotos, die wir in diesem Faktencheck untersuchen, sind jedoch schon Jahre alt. von Cristina Helberg Am 21. August veröffentlichte ein Facebook-Nutzer einen Beitrag mit drei Fotos, die brennende Wälder und Felder zeigen. Im Beitrag wird suggeriert, die Fotos würden die aktuelle Situation im Amazonasgebiet zeigen. Zu den Fotos schrieb der Nutzer unter anderem: „Seit 16 Tagen brennt der Amazonas, die Lunge der Welt, die mehr als 600 Arten beherbergt und niemand tut etwas, weder die Medien noch die Regierungen.“ Der Beitrag wurde bisher mehr als 10.700 Mal geteilt. Aber zeigen die vom Nutzer veröffentlichten Fotos wirklich die aktuelle Situation in der Region? Wir haben sie geprüft. Die brasilianischen Faktenchecker von Agência Lupa veröffentlichten bereits am 20. August einen Faktencheck zu dem Bild, auf dem ein Tier vor Flammen im Hintergrund flieht. Sie recherchierten, dass der Fotograf Silva Júnior das Foto am 17. August 2011 in der brasilianischen Gemeinde Sertãozinho aufnahm. Die Bildunterschrift des Fotos im Archiv der Nachrichtenagentur Folhapress lautet: „Tiere fliehen vor der Verbrennung von Zuckerrohr.“ Das Bild wurde also im Jahr 2011 in Brasilien aufgenommen. Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Artikel der Umweltschutzorganisation Greenpeace. In einer Bildergalerie auf der Seite ist das Foto eingefügt. Als Fotograf gibt Greenpeace dort Daniel Beltra an. Orts- und Zeitangaben zum Foto fehlen jedoch. Eine um die Suchwörter „Daniel Beltra“ und „Greenpeace“ erweiterte Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu weiteren Treffern. Auf einer schwedischen Regionalseite veröffentlichte Greenpeace das Bild am 17. April 2009 zusammen mit einem Artikel über den Fotografen. Der Fotograf Daniel Beltra selbst veröffentlichte am 17. September 2018 das Bild auf seinem Instagram-Kanal mit einer detaillierten Erklärung zum Kontext. Er schrieb: „Auf diesem Luftbild aus geringer Höhe brennen Feuer und bereiten den Boden für Landwirtschaft in der Gemeinde Sao Felix Do Xingu im Bundesstaat Para, Brasilien im Jahr 2008 vor.“ Das Instagram-Profil von Daniel Beltra ist nicht durch einen blauen Haken verifiziert, scheint aber echt zu sein. Es enthält insgesamt 236 Beiträge mit Naturaufnahmen, der erste Beitrag stammt vom 18. April 2015. Die Taz berichtete am 22. August 2019, Greenpeace habe das elf Jahre alte Bild für aktuelle Beiträge zu den Amazonas-Feuern genutzt und nicht gekennzeichnet, dass es sich dabei um Archivaufnahmen handele. Am 23. August aktualisierte die Taz den Artikel mit dem Hinweis, Greenpeace habe mittlerweile reagiert und das Foto „der Bildkampagne aus dem Netz genommen und vor der erneuten Veröffentlichung mit dem Hinweis ‘Archivbild’ versehen“. Zu dem dritten Bild des Facebook-Beitrages haben wir bereits einen eigenen Faktencheck veröffentlicht. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Yandex führte uns in diesem Fall zu der Fotoarchiv-Seite Alamy mit demselben Bild. Auf der Seite ist auch ein Fotograf angegeben: Loren McIntyre. Als Beschreibung steht unter dem Bild nur: „Amazonas Regenwald brennt“. Eine genaue Orts- und Zeitangabe fehlt. McIntyre war nach Angaben von National Geographic als Fotograf und Autor für die Zeitschrift tätig. In einem im November 2016 veröffentlichten National-Geographic-Artikel steht, er sei im Jahr 2003 gestorben. Das Bild muss demnach spätestens im Jahr 2003 entstanden sein.
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Cristina Helberg
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Nutzer teilen in Sozialen Netzwerken zahlreiche Bilder von brennenden Wäldern, die angeblich die aktuellen Feuer im Amazonasgebiet zeigen sollen. Die drei Fotos, die wir in diesem Faktencheck untersuchen, sind jedoch schon Jahre alt.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-28T14:36:39+02:00
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2019-08-28T14:36:39+02:00
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2021-06-18T10:52:12+02:00
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Falsch
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Falsch. Keines der drei Bilder zeigt aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet im August 2019.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/28/amazonas-braende-nein-diese-drei-fotos-zeigen-nicht-die-aktuellen-feuer-in-der-region/
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Waldbrände im Amazonasgebiet: Von diesen drei angeblichen aktuellen Fotos sind zwei mindestens 16 Jahre alt und eins aus Indien
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Tausende Nutzer teilen in Sozialen Netzwerken Bilder, die angeblich aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen sollen. In diesem Fall teilte ein Nutzer insgesamt drei Bilder in einer Collage. Keines zeigt die aktuelle Situation in Brasilien. von Cristina Helberg Am 23. August veröffentlichte ein Facebook-Nutzer eine Bildcollage aus drei Bildern, die dramatische Szene zeigen. Auf zwei Bildern sind riesige Rauchschwaden über Regenwäldern zu sehen. Auf einem dritten Bild ist ein schreiender Affe abgebildet, der ein offenbar lebloses Junges im Arm hält. Der Nutzer schrieb dazu: „Der Regenwald brennt nieder und nicht’s davon in den Medien. Ausser den von Politikern gemachten Unsinn“ [sic]. Der Beitrag wurde bisher mehr als 5.900 Mal geteilt. Der Nutzer suggeriert, das Bild zeige aktuelle Feuer in den Amazonaswäldern und Medien würden nicht über diese Feuer berichten. Wir haben beide Behauptungen geprüft. Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa Intensität und Anzahl der Waldfeuer in Brasilien aktuell so hoch sind wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. Aber zeigen die Bilder aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? Eine Rückwärtssuche des ersten Fotos mit der Bilder-Suchmaschine Tineye führt zu zwei Treffern in Fotoarchiven. Im Media Bakery Archiv ist in den Quellengaben zum Bild der Fotograf Loren McIntyre genannt. Auch auf der Website des Archivs Alamy wird er für das Foto als Fotograf genannt. Loren McIntyre war nach Angaben von National Geographic als Fotograf und Autor für die Zeitschrift tätig. In einem im November 2016 veröffentlichten National Geographic-Artikel steht, er sei im Jahr 2003 gestorben. Das Bild muss demnach spätestens im Jahr 2003 entstanden sein. Das zweite Bild haben wir bereits in einem anderen Faktencheck thematisiert. Der schreiende Affe wurde vom Fotografen Avinash Lodhi 2017 in Indien aufgenommen. In einem aktuellen Beitrag vom 22. August schreibt Lodhi bei Facebook, er sei geschockt, dass sein Bild mit den Feuern im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht wird: „Bitte verbreitet keine Falschmeldungen. Das Bild stammt aus Indien (Jabalpur), nicht vom Amazonas.“ Lodhi teilte zudem kürzlich den Link zu einem Faktencheck von India Today vom 23. August auf Facebook. Darin wird ebenfalls auf den Ursprung des Fotos verwiesen, das Lodhi 2017 in Jabalpur, Indien, schoss. Auch zum dritten Bild des Facebook-Beitrages haben wir bereits einen ausführlichen Faktencheck verfasst. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Yandex führte zu der Fotoarchiv-Seite Alamy mit dem Bild. Auf der Seite ist auch ein Fotograf angegeben: Loren McIntyre. Als Beschreibung steht unter dem Bild nur: „Amazonas Regenwald brennt“. Eine genaue Orts- und Zeitangabe fehlt. Auch in diesem Fall muss das Bild aber spätestens im Jahr 2003 aufgenommen worden sein, bevor der Fotograf verstarb. Neben den Fotos behauptete der Facebook-Nutzer am 23. August, Medien würden nicht über die aktuellen Brände berichten. Das ist falsch. So berichteten am 21. August, zwei Tage vor seiner Behauptung, zahlreiche deutsche Medien über die Brände, darunter Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, Zeit, Stern, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle.
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Cristina Helberg
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Tausende Nutzer teilen in Sozialen Netzwerken Bilder, die angeblich aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen sollen. In diesem Fall teilte ein Nutzer insgesamt drei Bilder in einer Collage. Keines zeigt die aktuelle Situation in Brasilien.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-27T16:26:48+02:00
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2019-08-27T16:26:48+02:00
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2021-06-18T11:19:42+02:00
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Falsch
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Falsch. Zwei der drei Fotos wurde von einem Fotografen aufgenommen, der im Jahr 2003 verstarb. Sie können deshalb nicht die aktuellen Waldbrände in Brasilien zeigen. Das dritte Bild wurde 2017 in Indien aufgenommen. Deutsche Medien haben zudem bereits vor dem 23. August 2019 über die Brände berichtet.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/27/waldbraende-im-amazonas-gebiet-von-diesen-drei-angeblichen-aktuellen-fotos-sind-zwei-mindestens-16-jahre-alt-und-eins-aus-indien/
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Nein, das ist kein aktuelles Bild der Waldbrände im Amazonasgebiet
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Zehntausendfach teilen Menschen im Netz zurzeit Bilder, die angeblich die aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen sollen. Viele Bilder sind jedoch entweder schon Jahre alt oder an anderen Orten entstanden. Wir haben ein Bild geprüft, das auch der französische Präsident Macron bei Twitter teilte. von Cristina Helberg Am 22. August veröffentlichte ein Facebook-Nutzer ein Bild, das dichte Rauchschwaden über einem Regenwald zeigt. Dazu schrieb er: „Übrigens die Amzonaswälder, die Lungen dieser Welt, brennen seit 3 Wochen. Aber das interessiert die Medien nicht, denn es ist ja weitaus wichtiger, jeden Tag über eine Göre zu berichten, die übers Meer nach Amerika segelt…“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 21.000 Mal geteilt. Der Nutzer suggeriert, das Bild zeige ein aktuelles Feuer in den Amazonaswäldern und Medien würden nicht über diese Feuer berichten. Wir haben beide Behauptungen geprüft. Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa Intensität und Anzahl der Waldfeuer in Brasilien aktuell so hoch sind wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. Aber zeigt das Bild aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Yandex führt mit dem zweiten Treffer zu der Fotoarchiv-Seite Alamy mit demselben Bild. Auf der Seite ist auch ein Fotograf angegeben: Loren McIntyre. Als Beschreibung steht unter dem Bild nur: „Amazonas Regenwald brennt“. Eine genaue Orts- und Zeitangabe fehlt. McIntyre war nach Angaben von National Geographic als Fotograf und Autor für die Zeitschrift tätig. In einem im November 2016 veröffentlichten National Geographic-Artikel steht, er sei im Jahr 2003 gestorben. Das Bild muss demnach spätestens im Jahr 2003 entstanden sein. Die französischen Faktenchecker von 20minutes recherchierten den Hintergrund des Fotos bereits am 23. August. Am selben Tag wie der Facebook-Nutzer, um dessen Beitrag es in diesem Faktencheck geht, hatte nämlich auch der französische Präsident Emmanuel Macron das Bild auf Twitter im vermeintlichen Kontext der aktuellen Brände geteilt. Die Tweets auf Englisch und Französisch sind noch immer verfügbar; die englische Version wurde bisher mehr als 58.000 Mal retweetet und mehr als 160.000 Mal mit „Gefällt mir“ angeklickt. Neben dem Jahre alten Foto behauptete der Facebook-Nutzer am 22. August, Medien würden nicht über die aktuellen Brände berichten. Das ist falsch. So berichteten am 21. August, einen Tag vor seiner Behauptung, zahlreiche deutsche Medien über die Brände, darunter tagesschau.de, Süddeutsche Zeitung, Zeit, Stern, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle. Aktuell kursieren neben diesem Beispiel zahlreiche weitere Bilder im Netz, die fälschlicherweise mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht werden. Darunter das Bild eines schreienden Affen, der ein lebloses Junges im Arm hält. Das Bild entstand 2017 in Indien und nicht in Brasilien, wie wir in einem Faktencheck recherchiert haben. Außerdem werden aktuell Bilder aus Brasilien verbreitet, die jedoch in vergangenen Jahren aufgenommen wurden, wie wir in diesem Faktencheck nachgewiesen haben.
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Cristina Helberg
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Zehntausendfach teilen Menschen im Netz zurzeit Bilder, die angeblich die aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen sollen. Viele Bilder sind jedoch entweder schon Jahre alt oder an anderen Orten entstanden. Wir haben ein Bild geprüft, das auch der französische Präsident Macron bei Twitter teilte.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-27T15:18:20+02:00
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2019-08-27T15:18:20+02:00
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2021-06-18T11:20:10+02:00
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Falsch
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Falsch. Das Foto wurde von einem Fotografen aufgenommen, der im Jahr 2003 verstarb. Es kann deshalb nicht die aktuellen Waldbrände in Brasilien zeigen. Deutsche Medien haben zudem bereits vor dem 22. August 2019 über die Brände berichtet.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/27/nein-das-ist-kein-aktuelles-bild-der-waldbraende-im-amazonasgebiet/
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Nein, diese Bilder zeigen nicht die aktuellen Brände im Amazonasgebiet
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Zehntausende Nutzer teilen im Netz angeblich aktuelle Bilder der Waldbrände im Amazonasgebiet. Viele Bilder sind entweder schon Jahre alt oder an anderen Orten entstanden. Wir haben vier Bilder geprüft. von Cristina Helberg Am 24. August veröffentlichte die Facebook-Seite „Schule des Lebens“ eine Bildcollage, die angeblich vier Szenen der aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen soll. Der Beitrag wurde bisher mehr als 30.000 Mal geteilt. Drei der Bilder zeigen brennende Wälder, ein Bild ein verkohltes Tier. Dazu schrieben die Autoren der Seite unter anderem: „In Brasilien brennt der Wald und zwar nicht irgendein Wald, sondern der wichtigste Wald unserer Erde.“ Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa Intensität und Anzahl der Waldfeuer in Brasilien aktuell so hoch sind wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. Aber zeigen die Bilder aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? Das erste Bild der Bildcollage zeigt eine Brandschneise, die quer durch ein Waldgebiet verläuft. Eine Rückwärtssuche mit der Bilder-Suchmaschine Tineye führt zu einer Fotogalerie des Guardian aus dem Jahr 2007. Darin ist dasselbe Bild zu sehen, das nun als Ausschnitt auf Facebook als vermeintlich aktuelle Aufnahme verbreitet wird. Als Bildunterschrift steht in der Galerie des Guardian: „Juni 1989, Brasilien: Der Wald brennt […]“ Als Fotograf ist „Sipa Press/Rex Features“ angegeben. Das Bild ist demnach nicht aktuell. Auf der Webseite des angegeben Archivs „Rex Features“ ist das Bild ebenfalls zu finden. Auch dort ist als Jahr der Aufnahme 1989 angegeben. Auf dem zweiten Bild der Facebook-Collage ist ein Brand in einem Wald zu sehen. In Deutschland nutzten Medien und zum Beispiel die Gemeinde Wandlitz in Brandenburg das Bild in der Vergangenheit, um vor Bränden durch Trockenheit zu warnen. Am 20. April 2018 veröffentlichte das Radio Bayernwelle auf seiner Internetseite das Bild zusammen mit einer Warnung vor möglichen Waldbränden in Oberbayern. Als Quelle gab die Redaktion das kostenlose Bilderarchiv Pixabay an. Auf Pixabay wird als Veröffentlichungsdatum des Bildes der 2. September 2014 angegeben. Das Foto wurde also offenbar mindestens im September 2014 aufgenommen. Wo das Bild aufgenommen wurde, ist nicht angegeben. Die aktuellen Brände im Amazonasgebiet kann es aber nicht zeigen. Das dritte Bild der Facebook-Collage zeigt ähnlich wie das erste Bild eine Brandschneise, die quer durch ein Waldgebiet verläuft. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Google führt zu einem Artikel der Bild vom 23. August 2019. Darin wird das Bild, genau wie im Facebook-Beitrag von „Schule des Lebens“, mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht. Als Quelle ist die Nachrichtenagentur Reuters angegeben, allerdings keine Zeitangabe, wann das Foto aufgenommen wurde. Auch die Zeit nutzte das Bild am 20. Mai 2019 ohne Zeitangabe für einen Artikel. Dort steht der Name des Fotografen: Bruno Kelly und ebenfalls Reuters. Wir ergänzen die Google-Rückwärtssuche um das Wort „Reuters“. Ein Treffer zeigt das Bild im Adobe Stock Archiv. Auch dort sind als Quelle Reuters und der Fotograf Bruno Kelly angegeben. Die Bildbeschreibung lautet: „Zu sehen ist ein brennender Wald während der ‘Operation Green Wave’, die von Agenten des Brasilianischen Instituts für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen, kurz Ibama, durchgeführt wurde, um den illegalen Holzeinschlag in Apui in der südlichen Region des Bundesstaates Amazonas, Brasilien, zu bekämpfen, 4. August 2017“. Auch ein Reuters-Artikel mit dem Bild taucht in der Bilder-Rückwärtssuche auf, er wurde von dem Fotografen Bruno Kelly selbst geschrieben. Unter dem Text ist ein ausführliches Essay zum Foto verlinkt. Das Bild entstand demnach im Jahr 2017 in Brasilien. Auf dem vierten Bild ist ein verkohltes, totes Tier zu sehen. Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Bericht der brasilianischen Webseite Para-Web-News vom 21. August 2019 über ältere Bilder von Tieren, die nun fälschlicherweise in Verbindung mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet gebracht würden. Unter den Beispielen ist auch das Bild aus der Facebook-Collage. Para-Web-News schreibt, zwar habe die Redaktion den genauen Ursprung des Bildes nicht rekonstruieren können, aber es kursiere mindestens seit 2016 im Netz. Als Beleg führt die Seite einen Link der Webseite Journal Terceira Opinao an. Tatsächlich hat diese Seite das Bild bereits im Oktober 2016 veröffentlicht und berichtete, das Tier sei ein Jaguar, der auf einem Zuckerrohrfeld in der Nähe der Gemeinde Centenário do Sul verbrannt sei. Ob das Foto tatsächlich diesen Vorfall zeigt, lässt sich nicht überprüfen. Die aktuellen Brände im Amazonasgebiet zeigt das Bild aber nicht. Aktuell kursieren neben diesen vier Beispielen zahlreiche weitere Bilder im Netz, die fälschlicherweise mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht werden. Darunter auch das Bild eines schreienden Affen, der ein lebloses Junges im Arm hält. Das Bild entstand 2017 in Indien und nicht in Brasilien, wie wir in einem Faktencheck recherchiert haben.
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Cristina Helberg
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Zehntausende Nutzer teilen im Netz angeblich aktuelle Bilder der Waldbrände im Amazonasgebiet. Viele Bilder sind entweder schon Jahre alt oder an anderen Orten entstanden. Wir haben vier Bilder geprüft.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-27T14:41:04+02:00
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2019-08-27T14:41:04+02:00
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Falsch
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Falsch. Keines der vier Bilder zeigt aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet im August 2019.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/27/nein-diese-bilder-zeigen-nicht-die-aktuellen-braende-im-amazonasgebiet/
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Dieses Bild stammt nicht aus dem Amazonasgebiet, sondern aus Indien und wurde nachbearbeitet
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Im Netz sind Bilder im Umlauf, die Nutzer fälschlicherweise mit den aktuellen Bränden im Amazonas-Gebiet in Verbindung bringen. Das eines schreienden Affen wird zehntausendfach auf Facebook geteilt, obwohl es 2017 in Indien entstand. von Till Eckert „Das Bild vom brennenden Regenwald muss um die Welt gehen, und nicht der Segeltörn von Greta! Aber die Menschen wachen einfach nicht alle auf!“, steht in einem Facebook-Beitrag über dem Bild eines Affen, der umringt von Flammen ein Junges in den Armen hält. Er wurde bisher mehr als 56.000 Mal geteilt. Ebenfalls am 24. August lud ein anderer Nutzer dasselbe Bild auf Facebook hoch, dieser Beitrag wurde bisher mehr als 36.000 Mal geteilt. Das Bild – ohne Flammen – ist auch auf Instagram und Twitter im Umlauf. Der Facebook-Beitrag bezieht sich offenbar auf die Brände in den Regenwäldern des Amazonasgebiets. Laut Satellitenbild-Auswertungen der NASA sind Intensität und Anzahl der Feuer angestiegen, 2019 seien Waldfeuer in Brasilien am aktivsten seit 2010. Das Bild, das aktuell mit der Behauptung viral geht, es sei dort entstanden, stammt allerdings nicht aus dieser Gegend. Eine Bilder-Rückwärtssuche über die Suchmaschine Yandex zeigt, dass es schon seit 2017 im Netz kursiert – ohne die Flammen, die offenbar nachträglich in das Foto montiert wurden. In einer Bildvorschau ist zu lesen: „Foto de Avinash Lodhi“. Avinash Lodhi ist laut seiner Facebookseite Fotograf. Er lud das Foto der Affen am 14. Mai 2017 dort hoch. In den Kommentaren unter seinem Foto antwortet er auf die Frage, ob er der Fotograf sei: „Ja, das bin ich (…).“ In einem aktuelleren Beitrag vom 22. August schreibt Lodhi, er sei geschockt, dass sein Bild mit den Feuern im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht wird: „Bitte verbreitet keine Falschmeldungen. Das Bild stammt aus Indien (Jabalpur), nicht vom Amazonas.“ Lodhi teilte zudem kürzlich den Link zu einem Faktencheck von India Today vom 23. August auf Facebook. Darin wird ebenfalls auf den Ursprung des Fotos verwiesen, das Lodhi 2017 in Jabalpur, Indien, schoss. In einem Interview mit der indischen Website Ichowk sagte Lodhi am 10. Mai 2017 (mit Google übersetzt): „Dieses Bild liegt mir sehr am Herzen, das ich im April in Jabalpur aufgenommen habe.[…] Ich habe noch nie solche Szenen und Gesichtsausdrücke an einem wilden Tier gesehen. Das Kind dieses Affen wurde plötzlich bewusstlos. Dann gab es Ausdrücke auf dem Gesicht seiner Mutter, er war schockiert. Es ist sehr plötzlich passiert, ich habe das Foto gemacht.[…]“
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Till Eckert
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Im Netz sind Bilder im Umlauf, die Nutzer fälschlicherweise mit den aktuellen Bränden im Amazonas-Gebiet in Verbindung bringen. Das eines schreienden Affen wird zehntausendfach auf Facebook geteilt, obwohl es 2017 in Indien entstand.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-26T14:08:18+02:00
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2019-08-26T14:08:18+02:00
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2021-06-18T11:23:32+02:00
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Falsch
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Falsch. Dieses Foto stammt nicht aus dem Amazonas-Gebiet, sondern entstand 2017 in Indien.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/26/dieses-bild-stammt-nicht-aus-dem-amazonas-gebiet-sondern-aus-indien-und-wurde-nachbearbeitet/
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Nein, für Greta Thunbergs Atlantiküberquerung sind keine Militärflugzeuge im Einsatz
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In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, die Atlantik-Überquerung von Greta Thunberg mit einem Segelboot würde von „mehr als einem Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen“ überwacht. Das stimmt nicht. von Alice Echtermann Ein Facebook-Nutzer hat am 14. August ein Bild mit Text hochgeladen, das bisher mehr als 1.700 Mal geteilt wurde. Darauf steht: „Wusstest Du das [sic] bei der Atlantiküberquerung der Greta Thunberg auf einem Segelboot auch ein Filmteam (aus medialen Gründen) an Bord der Jacht ist und die Fahrt der Jacht von mehr als ein Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen mit weit mehr als 100 Einsatzflügen über dem Nordatlantik aus Sicherheitsgründen überwacht wird…“ Die Faktenchecker der Deutschen Presse-Agentur und von Mimikama haben die Behauptung bereits als falsch eingestuft. CORRECTIV hat überprüft, ob sich ein Filmteam an Bord befindet und ob die Jacht von militärische Überwachungsflugzeugen überwacht wird, die dafür Einsätze fliegen. Die weiteren Behauptungen auf dem Bild, dies sei die „mit Abstand teuerste Atlantiküberquerung der Neuzeit“ mit dem höchsten CO2-Verbrauch „seit dem 2. Weltkrieg“ lassen sich nicht überprüfen. Greta Thunberg segelt mit der Jacht „Malizia II“ über den Atlantik. Es handelt sich um eine Sportjacht, mit dem das „Team Malizia“ normalerweise in Regatten antritt. Sie verfügt zwar über einen Motor, der werde jedoch während der Überfahrt nach Angaben des Teams nicht genutzt. Neben Greta Thunberg seien ihr Vater Svante Thunberg, der schwedische Filmemacher Nathan Grossman, „Team-Malizia“-Gründer Pierre Casiraghi aus Monaco und der deutsche Segler Boris Herrmann an Bord. Herrmann und Casiraghi segeln gemeinsam bei Regatten von „Team Malizia“. Von einem ganzen Filmteam ist also nicht die Rede – es handelt sich um eine Person, Nathan Grossman. Auf einem Foto von Bord des Segelschiffs, das Boris Herrmann selbst machte und das im Südkurier veröffentlicht wurde, ist die vollständige Crew auch zu sehen – ebenso wie in einem Tweet von Greta Thunberg selbst am 19. August. Wären Militärflieger für Thunberg im Einsatz, müssten Behörden davon Kenntnis haben – das Militär ist schließlich eine staatliche Institution. Das Schiff „Malizia II“ segelt unter deutscher Flagge. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Markus Herholt, sagte auf CORRECTIV-Anfrage am Telefon, er könne die Behauptung, es gebe militärische Überwachungsflüge über dem Atlantik, nicht bestätigen. Ein Nato-Sprecher schrieb CORRECTIV per Email: „Keine Einsatzkräfte unter Nato-Kommando verfolgen diese Reise.“ Und auch ein Sprecher des schwedischen Verteidigungsministeriums schrieb auf unsere Frage, ob Schwedens Militär Thunbergs Reise aus der Luft verfolge: „Die Antwort ist definitiv absolut nicht.“ Auf eine Anfrage per Email antwortete zudem der Sprecher des Segelteams, Andreas Kling, es finde „überhaupt keine Überwachung mit Flugzeugen“ statt. Die Fahrt werde mit einem GPS-basierten Tracker überwacht, mit dem auch jeder auf der Webseite von „Boris Herrmann Racing“ – dem offiziellen Internetauftritt von „Team Malizia“ – die Reise des Schiffes nachverfolgen könne. Auch auf der Webseite Marine Traffic gibt es Informationen zur aktuellen Position. Außerdem gebe es eine Internetverbindung per Satellit mit dem Team an Land. Ebenfalls per Satellit stehe der Crew eine Wetterberatung und medizinische Beratung zur Verfügung, so Kling. Das Segelschiff sei ganz allein unterwegs und werde auch nicht von anderen Booten begleitet, heißt es auch auf der Webseite von „Team Malizia“.
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Alice Echtermann
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In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, die Atlantik-Überquerung von Greta Thunberg mit einem Segelboot würde von „mehr als einem Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen“ überwacht. Das stimmt nicht.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-22T13:54:20+02:00
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2019-08-22T13:54:20+02:00
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2021-06-18T11:24:49+02:00
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Falsch
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Falsch. Greta Thunbergs Reise über den Atlantik wird nicht von Militärflugzeugen überwacht oder begleitet.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/22/nein-fuer-greta-thunbergs-atlantikueberquerung-sind-keine-militaerflugzeuge-im-einsatz/
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Dieses Bild eines Kreuzfahrtschiffs in Venedig ist eine Fotomontage
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Ein Bild eines riesigen Kreuzfahrtschiffs in Venedig kursiert seit Jahren im Netz. Es handelt sich um das Filmplakat einer Dokumentation über Tourismus in der italienischen Stadt – und ist nicht echt. von Alice Echtermann Ein gigantisches Kreuzfahrtschiff ragt im Hintergrund der malerischen Kulisse von Venedig auf: Dieses Bild wird seit Jahren im Netz geteilt. Zuletzt wurde es am 5. August von der italienischen Seite „S.O.S Terra“ auf Facebook hochgeladen und seitdem mehr als 40.300 Mal geteilt. Viele Nutzer weisen in den Kommentaren darauf hin, dass sie das Bild für eine Fotomontage halten. Ein Nutzer lud eine Montage der Stadt Venedig mit einer gigantischen Katze im Hintergrund hoch und schrieb dazu: „Schaut mal was ich heute in Venedig gesehen habe.“ Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass das Bild auf vielen verschiedenen Internetseiten verwendet wird. In einem Artikel von Utopia namens „7 Orte, die der Tourismus zerstört hat“ zum Beispiel wird auf einen Twitter-Kanal verlinkt, auf dem es 2014 hochgeladen wurde. Auch wenn große Kreuzfahrtschiffe im Vergleich zur Stadtkulisse Venedigs tatsächlich überdimensioniert aussehen, haben die Skeptiker in diesem Fall recht: Es handelt sich um eine Fotomontage. Es ist das Plakat eines Dokumentarfilms von 2012 namens „Das Venedig Prinzip“ über den Massentourismus und seine Folgen in Venedig. Auf der Webseite Moviepilot ist das Bild auch in Gänze zu sehen. Als Quelle wird die deutsche Filmverleih-Agentur Real Fiction angegeben, die die Dokumentation im Repertoire hat. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt der Geschäftsführer der Produktionsfirma Filmtank, Thomas Tielsch, per Email: „Das ist natürlich eine Fotomontage. Es ist ein Ausschnitt aus dem Kinoplakat zu unserem Dokumentarfilm ‘Das Venedig Prinzip’ von Andreas Pichler, und in seiner Gänze wird es auch gemeinhin nicht als ‘real’ empfunden, sondern eben als plakative Aussage. Im Übrigen entspricht diese zugespitzte Montage durchaus dem realen Empfinden, wenn man in Venedig steht und ein solches Monster vorbeikommt.“
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Alice Echtermann
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Ein Bild eines riesigen Kreuzfahrtschiffs in Venedig kursiert seit Jahren im Netz. Es handelt sich um das Filmplakat einer Dokumentation über Tourismus in der italienischen Stadt – und ist nicht echt.
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"Wirtschaft und Umwelt"
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Wirtschaft und Umwelt
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2019-08-19T14:13:11+02:00
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2019-08-19T14:13:11+02:00
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2019-08-19T14:13:11+02:00
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Falsch
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Falsch. Das Bild ist nicht echt, sondern eine Montage.
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https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2019/08/19/dieses-bild-eines-kreuzfahrtschiffs-in-venedig-ist-eine-fotomontage/
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Doch, CO2-Emissionen haben Einfluss auf das Klima
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Der Einfluss von CO2 auf die Erderwärmung sei fast nicht vorhanden und Deutschlands CO2-Emissionen könnten folglich vernachlässigt werden – das wird in einem Video behauptet, welches auf Facebook geteilt wird. Die Aussagen sind größtenteils falsch. von Katarina Huth Auf Facebook wurde auf der Seite „Klimaschwindel” am 17. Juli 2019 ein Video mit dem Titel „Drei von 10 Millionen Gasmolekülen sind CO2 aus Deutschland” geteilt. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Beitrag fast 1.500 Mal geteilt. Die Hauptaussagen des Videos sind, dass der Anteil von CO2 an der gesamten Erdatmosphäre sehr gering ist und folglich CO2-Emissionen so gut wie keinen Einfluss auf das Erdklima hätten. Deutschland könne also das Klima mit seinen CO2-Emissionen nicht beeinflussen. Das Land habe keinerlei Verantwortung in puncto Klimaschutz. Als einzige Quelle für die Aussagen wird eine Seite des Europäischen Instituts für Klima & Energie (EIKE) eingeblendet. EIKE ist entgegen seines Namens kein Institut, sondern ein Verein, der sich auf seiner Webseite immer wieder mit der Meinung positioniert, der menschenverursachte Klimawandel sei eine Lüge. Im Video wird grafisch dargestellt, wie gering der Anteil der CO2-Emissionen von Deutschland an der Erdatmosphäre sei. So wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Die Dicke des Papiers entspreche den CO2-Emissionen Deutschlands; die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Erdatmosphäre, heißt es. In dem Video wird die Zusammensetzung der Luft folgendermaßen aufgeschlüsselt: 78,08 Prozent der Luft bestehe aus Stickstoff, 20,95 Prozent aus Sauerstoff, 0,93 Prozent aus Argon, Dämpfen und Spurengase und 0,04 Prozent aus Kohlenstoffdioxid, kurz CO2. Somit seien 4.000 von 10 Millionen Molekülen in der Luft CO2. Diese Angaben sind in etwa korrekt, wie in einem regelmäßig aktualisierten Datenblatt der NASA nachgelesen werden kann. Des Weiteren wird in dem Video angegeben, dass 120 von den 4.000 CO2-Molekülen menschengemacht seien, und davon kämen drei aus Deutschland. Es wären also drei von 10 Millionen Gasmolekülen in der Atmosphäre CO2 aus Deutschland. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, dass CO2 nur wenig zum Erdklima beitrage und Deutschland sich völlig „zurücklehnen” könne. Doch an dieser Stelle ist im Video ein entscheidender Denkfehler passiert. Laut Aussage per E-Mail an CORRECTIV von Norbert Frank, geschäftsführender Direktor des Instituts für Umweltphysik der Uni Heidelberg, werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Stickstoff, Sauerstoff und Argon tragen gar nicht zum Treibhauseffekt der Erde bei und seien somit völlig irrelevant in der Betrachtung, wie viel Anteil der Mensch am Klimawandel hat. Nur Wasserdampf und Treibhausgase hätten einen Effekt auf die globale Erwärmung. Wasserdampf sei laut Sceptical Science in Hinsicht auf den anthropogenen also vom Menschen verursachten Treibhauseffekt nicht als ursprünglicher Faktor zu betrachten, sondern lediglich als Feedback-Faktor, das heißt als sogenannter Verstärker des Temperaturanstiegs durch CO2-Emissionen. Somit ist ein Vergleich der unterschiedlichen Gase Stickstoff, Sauerstoff, Argon und CO2 laut Norbert Frank nicht sinnvoll. 9.996.000 Moleküle der im Video zur Veranschaulichung genannten 10 Millionen Moleküle in der Luft fallen demnach aus der obigen Rechnung raus, weil sie nicht relevant für den Treibhauseffekt sind. 4000 Moleküle (0,04 Prozent CO2-Anteil an der gesamten Luft) sind also für 100 Prozent des Klima-Effektes verantwortlich. Eric Fee vom Umweltbundesamt bestätigte CORRECTIV bereits für einen anderen Faktencheck per E-Mail, dass 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen natürlichen Ursprungs seien und somit Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Folglich sind drei Prozent der jährlichen CO2-Emissionen menschengemacht, werden also vom Menschen emittiert. Die Angabe bezieht sich jedoch nur auf den jährlichen CO2-Ausstoß. Da das vom Menschen emittierte CO2 laut Norbert Frank nur etwa zur Hälfte von der Biosphäre und den Ozeanen, also dem natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden kann, verbleibt der Rest in der Atmosphäre und addiert sich dort Jahr für Jahr. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilte CORRECTIV für einen anderen Faktencheck per Email mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 44 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Atmosphäre verblieben und nicht vom natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden konnten. Dieser Anteil erhöhe den CO2-Gehalt der Luft. 29 Prozent des in diesem Zeitraum vom Menschen verursachten CO2 wurde den Angaben des PIK zufolge von der Landvegetation aufgenommen und 22 Prozent von den Ozeanen. Die restlichen fünf Prozent könnten zum Teil auf Rundungsfehler und zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass die Emissionen und natürlichen Senken nicht genau bestimmbar seien. Bei natürlichen Senken handelt es sich laut waldwissen.net um Kohlenstoffspeicher, die mehr CO2 aufnehmen, als ausstoßen, wie beispielsweise Wälder. Somit hat der Mensch laut Norbert Frank etwa 25 Prozent des CO2-Kreislaufs aus dem Gleichgewicht gebracht. Nach der Rechnung im Video wären das etwa 1.000 von 4.000 Molekülen statt der im Video genannten 120 Moleküle ausmacht. Auf Youtube wird die Störung des CO2-Kreislaufs seit ca. 1850 in einem Video veranschaulicht. Es ist zu erkennen, dass sich im Jahr 2017 deutlich mehr CO2 in der Atmosphäre befindet als im vorindustriellen Zeitraum und außerdem CO2 aus Industrie und fossilen Energieträgern hinzu kommt. Es ist also korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre gering ist. Im Juni 2019 teilte Eric Fee vom Umweltbundesamt CORRECTIV für einen anderen Faktencheck zum Thema Klimawandel mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm.” Die durch die anthropogenen CO2-Emissionen erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist dennoch die Hauptursache für den Klimawandel, wie auch im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab. Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) hat Deutschland laut „Global Carbon Atlas“ einen Anteil von 2,21 Prozent am weltweiten jährlichen CO2-Ausstoß – und liegt auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Damit emittiert es pro Kopf etwa das Doppelte des weltweiten Mittels, wie Werner Aeschbach, Professor am Institut für Umweltphysik der Uni Heidelberg, CORRECTIV per E-Mail mitteilte. Somit hat Deutschland maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung und Verantwortung in Sachen Klimaschutz. Update (16. August 2019): Wir haben einen Fehler berichtigt. Im Text fehlte die Angabe, dass Deutschland „pro Kopf“ etwa das Doppelte des weltweiten Mittels CO2 ausstoße. Das haben wir ergänzt. Update (20. August 2019): Wir haben einen Fehler korrigiert. Im Text stand, dass im Mittel von 2008 bis 2017 56 Prozent (falsch) anstatt 44 Prozent (richtig) des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Luft verbleibe. Außerdem haben wir hinzugefügt, wo die restlichen 56 Prozent verbleiben.
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Katarina Huth
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-14T12:59:34+02:00
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2019-08-14T12:59:34+02:00
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2021-06-18T11:25:14+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Dass der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre gering ist, ist korrekt. Die Schlussfolgerung, dass CO2-Emissionen des Menschen deswegen keinen Einfluss auf das Klima haben, stimmt nicht.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/14/doch-co2-emissionen-haben-einfluss-auf-das-klima/
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Ja, Greta Thunberg ist laut ihrem Vater eine entfernte Verwandte von Svante Arrhenius
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Auf Facebook wurde ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass der Nobelpreisträger Svante Arrhenius der Urgroßvater von Klima-Aktivistin Greta Thunberg sei. Arrhenius war der Erste, der 1895 eine globale Erwärmung prognostizierte. Laut Aussagen von Thunbergs Vater ist sie mit Svante Arrhenius entfernt verwandt. von Katarina Huth Auf Facebook wurde am 26. Juli 2019 ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass „[…]der Urgroßvater von Greta Thunberg der Erfinder des Klimawandels“ sei. Zusammen mit dem Text wurden vier Bilder geteilt: Ein Foto von Greta Thunberg, eines von dem Nobelpreisträger Svante Arrhenius, eine Grafik zur Zusammensetzung der Luft und ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. Der schwedische Wissenschaftler Svante Arrhenius, der von 1859 bis 1927 lebte, war laut NASA der Erste, der die Auswirkungen von steigenden CO2-Emissionen auf die Temperatur am Erdboden entdeckte. Er berechnete laut Umweltbundesamt, dass eine Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu einem globalen Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad Celsius führen würde. 1903 erhielt er den Nobelpreis in Chemie, allerdings nicht wegen der Entdeckung, dass es einen Zusammenhang zwischen CO2 und der Erderwärmung gibt, sondern für seine Theorien zur elektrolytischen Dissoziation – dem Zerfall von Anionen und Kationen in einem Lösungsmittel. In einem Interview des US-Politmagazins Democracy Now mit Greta Thunberg und ihrem Vater Svante Thunberg erzählte Svante Thunberg (ab Minute 35:19), Svante Arrhenius sei ein „entfernter Verwandter” gewesen, vermutlich „ein Cousin [s]einer Urgroßmutter”. Sein Vater habe ihn nach Svante Arrhenius benannt, doch der Name habe für ihn keine Bedeutung gehabt bis er anfing, sich mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen. Greta Thunberg ist also nach Aussage ihres Vaters eine entfernte Verwandte von Svante Arrhenius. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Wissenschaftler den Klimawandel „erfunden“ – also erlogen – hat. Eines der anderen Bilder, die mit dem Foto von Arrhenius geteilt wurden, ist eine Grafik, in der der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre der Gesamtheit der Gasmoleküle in der Luft gegenübergestellt wird. Dabei sei der Anteil von CO2 0,038 %. Das Größenverhältnis ist in der Grafik korrekt dargestellt. Die Angaben sind allerdings etwas veraltet. Im Mai 2019 wurde durch das Earth System Research Laboratory ein CO2-Anteil von 414,66 pm in der Atmosphäre gemessen. Ppm steht für „parts per million”, also entspricht 1 ppm einem Anteil an der Atmosphäre von 0,0001 Prozent. 416,66 ppm sind also 0,041466 Prozent. Die CO2-Konzentration in der Luft ist seit Beginn der Industrialisierung stark gestiegen. 1855 betrug sie noch 288 ppm. Laut NASA überstieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre 2013 erstmals in der aufgezeichneten Geschichte 440 ppm. Der Anteil des CO2 an der gesamten Atmosphäre ist gering. Dies heißt allerdings nicht, dass der Anstieg des CO2-Anteils keine Wirkung hat. CORRECTIV veröffentlichte hierzu bereits einen Faktencheck. In diesem wird deutlich, dass sich durch die CO2-Emissionen des Menschen die CO2-Konzentration in der Luft erhöht, da nur ein Teil der Emissionen durch die Natur aufgenommen werden kann. Diese Erhöhung der CO2-Konzentration gehe immer mit einer globalen Erwärmung einher, erläuterte uns das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Das vierte Bild ist ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. Es wurde wurde in den letzten Wochen viel in den Sozialen Medien geteilt, etwa auf Facebook. Der Titel wurde dabei oft so verstanden, dass 1975 eine Temperatur von 40 Grad Celsius gemessen wurde. Dies ist allerdings nicht korrekt – es handelte sich um eine Wetterprognose, wie aus dem Artikel hervorgeht. Sie bestätigte sich nicht. Tatsächlich lag die höchste Temperatur, die 1975 in Deutschland gemessen wurde, bei 32 Grad. CORRECTIV veröffentlichte auch hierzu bereits einen Faktencheck. Die Behauptung, dass der Wissenschaftler Svante Arrhenius ein entfernter Verwandter von Greta Thunbergs ist, stimmt nach Aussage ihres Vaters. Insgesamt sollen die vier Bilder in Kombination jedoch in die Irre führen und den Eindruck erzeugen, der Klimawandel existiere nicht – er sei eine „Erfindung“ von Thunbergs Vorfahr. Die Thesen von Arrhenius wurden jedoch seitdem zahlreich bestätigt, beispielsweise durch diese Studie von US-Wissenschaftlern, die 2015 in der internationalen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Dass der CO2-Anteil an der Luft gering ist, bedeutet nicht, dass er einen geringen Einfluss auf das Klima hat. Und die alte Titelseite der Bild-Zeitung belegt nicht, dass es in Deutschland schon 1975 40 Grad warm war. Update 12. November 2019: Wir haben im Titel und im Text das Wort „Nachfahrin“ mit dem Begriff „entfernte Verwandte“ ersetzt. Da Greta Thunberg nicht in direkter Linie von Svante Arrhenius abstammt, ist sie keine Nachfahrin von ihm. Laut Greta Thunbergs Vater haben sie gemeinsame Vorfahren, sind also entfernte Verwandte.
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Katarina Huth
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-12T10:16:50+02:00
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2019-08-12T10:16:50+02:00
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2021-06-18T11:25:37+02:00
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Größtenteils richtig
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Größtenteils richtig. Greta Thunberg ist nach Aussage ihres Vaters eine entfernte Verwandte des Chemie-Nobelpreisträgers Svante Arrhenius. Die weiteren Schlussfolgerungen des Beitrags zum Klimawandel führen jedoch in die Irre.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/12/ja-greta-thunberg-ist-laut-ihrem-vater-eine-nachfahrin-von-svante-arrhenius/
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Doch, brennende Elektroautos können gelöscht werden
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In den sozialen Medien wird behauptet, man könne den Brand eines Elektroautos nicht löschen. Stattdessen müsse die Batterie „über Tage kontrolliert ausbrennen“. Das stimmt so nicht. von Till Eckert Eine Facebook-Nutzerin teilte am 20. Juli die Aufnahme eines brennenden Autos mit dem Schriftzug: „Den Brand eines Elektroautos kann man nicht löschen. Die Batterie muss über Tage kontrolliert ausbrennen.” Dazu schrieb die Nutzerin: „Das ist also ‘klimaneutral’. Aha.“ Auf Facebook wurde der Beitrag bisher fast 18.000 Mal geteilt. Auch auf Twitter ist das Bild – ein Standbild eines Videos aus einem Beitrag von SWR Aktuell über den Brand eines Tesla 2018 in der Schweiz – mit der Schrift und demselben Kommentar zu finden. Hier wurde die Behauptung über 200 Mal retweetet. CORRECTIV hat sie überprüft. Über das grundsätzliche Gefahrenpotenzial durch Lithium-Ionen-Batterien informiert das Umweltbundesamt CORRECTIV auf Anfrage per Mail: „Die Lithium-Ionen-Batterien, die derzeit zum Großteil im Bereich der Elektromobilität eingesetzt werden, sind nach unserer Kenntnis Batteriesysteme mit Nickel-Mangan-Kobalt- und Nickel-Kobalt-Aluminium-Anode (LNMC und LNCA). Lithium ist ein hochreaktives Metall.“ Das Material solle daher nicht mit Wasser in Berührung kommen, „da es sonst zu heftigen Reaktionen bis hin zu Bränden oder Explosionen kommen kann“. Die Batterien sollten laut Umweltbundesamt auch keiner zu großen Hitze ausgesetzt sein oder geöffnet werden. Es drohe die Gefahr einer explosionsartigen Zündung. Das allerdings gilt für den Normalzustand, also verbaute Batterien, die nicht bereits in Flammen stehen. Für Fragen zur optimalen Brandbekämpfung und die Dauer des Löschvorgangs verweist das Umweltbundesamt an den Deutschen Feuerwehrverband. Die Behauptung aus dem Facebook-Beitrag, man könne Elektroautos nicht löschen, entstammt offenbar einem Artikel der Hessenschau vom 9. Februar 2019. Dort wird Andreas Ruhs, Abteilungsleiter für Vorbeugung und Planung bei der Frankfurter Feuerwehr, zitiert, der sagt: „Eigentlich kann man es (das Elektroauto) nicht löschen.“ Und: „Es muss kontrolliert abbrennen oder ausbrennen.“ Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband schreibt CORRECTIV jedoch per Mail: „Die Behauptung ist so nicht richtig.“ Pix verweist auf ein Video des Verbands, in dem die Problematik behandelt wird: Christian Emrich, Feuerwehrmann und Koordinator für Fachempfehlungen zum Thema Lithium-Ionen-Batterien, berichtet darin, wie der Brand eines solchen Akkus zu bekämpfen ist: „Die Feuerwehr sollte ganz normal vorgehen. Wir nutzen unser Hauptlöschmittel Wasser, um einen hohen und schnellen Kühleffekt innerhalb des Akkus zu erzeugen und die Prozessgeschwindigkeit zu reduzieren.“ Aufgrund des entstehenden Rauches und Gases werde die normale persönliche Schutzausrüstung und Atemschutz genutzt, wie auch bei Bränden mit Kunststoffbeteiligung. „Es ist keine besondere Schutzausrüstung notwendig. Die aktuellen Standards sind ausreichend“, sagt der Fachmann. Man benötige allerdings mehr Wasser, weil lange gekühlt werden müsse. In einem gemeinsamen Empfehlungsschreiben des Deutschen Feuerwehrverbandes und verschiedener Forschungseinrichtungen von Mai 2018 (PDF, Seite 3) steht: „Im Brandfall sind Elektrofahrzeuge mit Wasser zu löschen. Löschmittelzusätze können verwendet werden. (…) Um Rückzündungen zu vermeiden, ist der Batteriebereich ausreichend lange mit Wasser bis zur Übergabe an den Abschleppdienst zu kühlen.“ Ruhs von der Feuerwehr Frankfurt bestätigt seine Aussage in der Hessenschau gegenüber CORRECTIV noch einmal am Telefon, differenziert aber: „Natürlich ist der Hauptbrand, das Fahrzeug, genauso wie sonst auch zu löschen. Nur stellt der Akku eine Herausforderung dar, weil man zwar kühlen, aber nicht hundertprozentig sicherstellen kann, dass die Brandgefahr in den Zellen, in denen chemische Reaktionen stattfinden, beseitigt ist.“ Dafür müsste das Fahrzeug laut Ruhs in ein Wasserbad getaucht werden, das auf einer Autobahn nicht mal eben zur Verfügung stehe. Innerhalb der Feuerwehren werde über dieses Thema viel diskutiert, es kursierten viele unterschiedliche Meinungen. Grundsätzlich stimmt Ruhs mit der Einschätzung des Feuerwehrverbands überein, dass Elektrofahrzeuge sehr wohl gelöscht werden können – nur sei der Aufwand eben ein ganz anderer. Neue Technologien, die Wasser mit sehr hohem Druck durch die Spritzschläuche befördern könnten, könnten das laut Ruhs allerdings erheblich vereinfachen.
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Till Eckert
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In den sozialen Medien wird behauptet, man könne den Brand eines Elektroautos nicht löschen. Stattdessen müsse die Batterie „über Tage kontrolliert ausbrennen“. Das stimmt so nicht.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-08-02T15:33:38+02:00
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2019-08-02T15:33:38+02:00
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2021-06-18T11:25:59+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Brennende Elektrofahrzeuge werden von der Feuerwehr ganz normal mit Wasser gelöscht – die Akkus jedoch stellen eine Herausforderung dar.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/08/02/doch-brennende-elektroautos-koennen-geloescht-werden/
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Nein, Deutschland beeinflusst nicht 0,00004712 Prozent des CO2-Anteils in der Luft
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Eine Rechnung soll zeigen, wie gering der Beitrag des Menschen zum Klimawandel angeblich ist. Sie wird seit 2010 immer wieder zitiert. Sie fußt nicht nur auf falschen Annahmen sondern ist auch unlogisch. von Nina Breher , Katarina Huth Eine Rechnung zum Thema „Klimawandel und CO2“ kommt zu dem Ergebnis, Deutschland beeinflusse das in der Luft befindliche CO2 „mit nur 0,00004712 Prozent“. Das stehe nicht im Verhältnis zu geplanten Investitionen in den Klimaschutz – so impliziert es der Text auf einer Facebook-Grafik, die am 16. Juli auf der Facebook-Seite „Freie Medien“ veröffentlicht und seitdem rund 24.000 Mal geteilt wurde. Wahrscheinlich tauchte die CO2-Rechnung erstmals im Januar 2010 in einem Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf (kostenpflichtig). Der Leser hatte damals den Wert von 0,0004712 Prozent errechnet. Viele berufen sich beim Teilen auf den Verein „EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie“, wo die Rechnung am 20. Januar 2010 unter Nennung des Leserbriefs als Quelle publiziert worden war. CORRECTIV hat kürzlich einen Faktencheck zu dem Text veröffentlicht. Da die Rechnung aber in verschiedenen Kontexten zitiert wird und nicht nur auf falschen Annahmen aufbaut, sondern auch in sich unlogisch ist, widmen wir ihr an dieser Stelle einen eigenen Faktencheck. Ausgangsbasis für die Berechnung ist die Annahme, dass 0,038 Prozent der Luft aus CO2 bestehe und weltweit 4 Prozent dieses CO2 von Menschen verursacht werde. Daraus wird geschlussfolgert, der Anteil des Menschen an dem CO2 in der Luft betrage „4 Prozent von 0,038 Prozent, also 0,00152 Prozent“. Diese Folgerung ist aus zwei Gründen falsch: Erstens wird hier der Beitrag des Menschen zum CO2-Vorkommen ins Verhältnis zur gesamten Luft (100 Prozent) gesetzt – nicht ins Verhältnis zu den 0,038 Prozent CO2, die sich in der Luft befinden. Der Mensch beeinflusst mit seinen CO2-Emissionen 0,00152 Prozent der Luft, nicht 0,00152 Prozent des in der Luft befindlichen CO2. Der menschliche Anteil an den CO2-Emissionen würde nach dieser Rechnung vier Prozent betragen. Dass der CO2-Anteil an der Luft so gering ist, heißt zweitens nicht, dass ein Anstieg dieses Anteils keine Wirkung hat. Eric Fee vom Umweltbundesamt teilte CORRECTIV bereits im Juni 2019 per E-Mail mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm. Durch diese vergleichsweise starke Erhöhung der Konzentration ist die globale Durchschnittstemperatur um ca. 1°C gestiegen (Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) 2018, Punkt A.1).“ Die Werte, die der Rechnung zugrunde gelegt wurden, sind inzwischen meist veraltet, teilweise auch ungenau. Sie beginnt mit der Angabe, die Luft bestehe aus „78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff, 1 Prozent Edelgasen und 0,038 Prozent CO2“. Nimmt man an, dass die Zahl 0,038 – so wie die ersten auffindbaren Artikel zu dem Thema – aus dem Jahr 2010 stammt, stimmt das: Die CO2-Konzentration betrug laut dem Earth System Research Laboratory 2010 389 ppm (Textdatei), das entspricht 0,0389 Prozent CO2. Mittlerweile ist diese Zahl veraltet. 2018 wurden 407 ppm gemessen, das sind 0,0407 Prozent. Die Rechnung gibt zweitens an, vier Prozent des globalen CO2 werde vom Menschen produziert. Damit sind Emissionen gemeint. Diese Zahl ist Wissenschaftlern zufolge etwas zu hoch gegriffen: „Etwa 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen sind natürlichen Ursprungs“, so Fee. Demzufolge verursacht der Mensch etwa drei Prozent der globalen CO2-Emissionen. Zudem heißt es, Deutschland verursache 3,1 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen weltweit. Daraus zieht die Rechnung die Schlussfolgerung, Deutschlands Anteil am CO2 in der Luft betrage 0,00004712 Prozent. Das ist jedoch falsch, denn auch diese Angabe bezieht sich auf die Luft insgesamt, nicht auf das CO2 darin. Laut Daten der Weltbank ist der Wert von 3,1 Prozent zu hoch gegriffen: 2010 haben Menschen weltweit 33.472 Millionen Tonnen CO2 emittiert, davon Deutschland 758 Millionen Tonnen. Diese Angaben beziehen sich auf die CO2-Emissionen, die aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Herstellung von Zement stammen. Dazu gehört Kohlenstoffdioxid, das beim Verbrauch von festen, flüssigen und gasförmigen Brennstoffen und beim Abfackeln von Gas entsteht. Das heißt, Deutschland hat laut den Daten der Weltbank 2010 2,27 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht. Die aktuellsten Werte der Weltbank stammen von 2014, ihnen zufolge hat Deutschland in diesem Jahr 1,99 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen verursacht. CORRECTIV hat bereits in einem Faktencheck dargelegt, dass Deutschlands CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren gesunken sind. Betrachtet man die Pro-Kopf-Emissionen, liegt Deutschland weltweit auf Rang 33. Das geht ebenfalls aus einer Übersicht der Weltbank von 2014 hervor. Die weitere Behauptung in der Rechnung, dass die Bekämpfung des Klimawandels Deutschland „ca. 50 Milliarden Euro Steuern und Belastungen“ koste, lässt sich nur schwer überprüfen, weil der Facebook-Beitrag offen lässt, was genau damit gemeint ist. Tatsächlich investiert Deutschland seit Jahren Geld in den Klimaschutz. Seit dem Pariser Übereinkommen 2015 werde gefordert, dass Investitionen in klimafreundliche Technologien fließen, so das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in einer Zusammenfassung der Pariser Klimakonferenz. „Sowohl öffentliche als auch private Investitionen müssen die Umsetzung der vereinbarten Klimaziele unterstützen.“ 2015 investierte Deutschland zum Beispiel 13.880 Millionen Euro in die Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen, 2016 waren es 15.380 Millionen Euro und 2017 wurden 15.730 Millionen Euro investiert. Das geht aus Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hervor (PDF, S. 14, Stand Dezember 2018). Selbst wenn die ganze Rechnung formal stimmen würde, wäre sie nicht sinnvoll. Denn CO2, das die Natur selbst emittiert, bleibt nicht in der Atmosphäre, sondern wird auf unterschiedliche Weisen umgesetzt („Kohlenstoffzyklus“). Laut dem Synthesebericht 2007 (Seite 78) des IPCC erhöhen die menschlichen CO2-Emissionen die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, denn sie können im Kohlenstoffzyklus nicht komplett umgesetzt werden: Ein Teil des von Menschen produzierten CO2 verbleibt in der Atmosphäre. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilt CORRECTIV per Email mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 44 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Atmosphäre verblieben und nicht vom natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden konnten. Dieser Anteil erhöhe den CO2-Gehalt der Luft. 29 Prozent des in diesem Zeitraum vom Menschen verursachten CO2 wurde den Angaben des PIK zufolge von der Landvegetation aufgenommen und 22 Prozent von den Ozeanen. Die restlichen fünf Prozent könnten zum Teil auf Rundungsfehler und zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass die Emissionen und natürlichen Senken nicht genau bestimmbar seien. Bei natürlichen Senken handelt es sich laut waldwissen.net um Kohlenstoffspeicher, die mehr CO2 aufnehmen, als ausstoßen, wie beispielsweise Wälder. Die „vom Menschen zur Energiegewinnung praktizierten Verbrennung fossiler Energieträger, wie Kohle, Erdöl und Erdgas, die Millionen von Jahren in der Erdkruste eingelagert und somit dem natürlichen Kreislauf entzogen waren, sowie (in geringerem Umfang) [die] Veränderung von Landflächennutzungen (…) führen zu einer zusätzlichen Emission von CO2 und tragen zu dessen Anreicherung in der Atmosphäre bei“, so Eric Fee vom Umweltbundesamt. Eine Gegenüberstellung von menschlichen und natürlichen CO2-Emissionen erlaubt also keine Schlüsse über den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel. Die Emissionen der Natur erhöhen die CO2-Konzentration in der Luft nicht, die des Menschen schon. Update (7. August 2019): Wir haben drei Fehler im Text korrigiert. Ursprünglich hatten wir geschrieben, dass Deutschland 2010 758 Tonnen CO2 emittiert habe. Richtig sind 758 Millionen Tonnen. Zudem haben wir in diesem Satz einen Tippfehler korrigiert: „Im Mittel konnten von 2008 bis 2017 nur 44 Prozent des insgesamt von Menschen produzierten CO2 von der Natur umgesetzt werden.” Statt 2008 hatten wir 2018 geschrieben. Direkt im Anschlussatz stand dann, dass folglich 66 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen nicht vom CO2-Kreislauf gelangten. Es handelt sich natürlich um 56 Prozent. Wir haben die Zahl korrigiert. Update (20. August 2019): Wir haben einen Fehler korrigiert. Im Text stand, dass im Mittel von 2008 bis 2017 56 Prozent (falsch) anstatt 44 Prozent (richtig) des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Luft verbleibe. Außerdem haben wir hinzugefügt, wo die restlichen 56 Prozent verbleiben. Update (26. November 2019): Wir haben im Text hinzugefügt, dass sich die Daten der Weltbank zu den CO2-Emissionen Deutschlands auf CO2 bezieht, dass aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Herstellung von Zement stammt. Dazu gehört CO2, das beim Verbrauch von festen, flüssigen und gasförmigen Brennstoffen und beim Abfackeln von Gas entsteht.
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Alice Echtermann
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Eine Rechnung soll zeigen, wie gering der Beitrag des Menschen zum Klimawandel angeblich ist. Sie wird seit 2010 immer wieder zitiert. Sie fußt nicht nur auf falschen Annahmen sondern ist auch unlogisch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-30T15:15:18+02:00
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2019-07-30T15:15:18+02:00
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2021-06-18T11:26:21+02:00
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Falsch
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Falsch. Die Ausgangszahlen sind zwar realistisch, aber weder die Rechnung selbst, noch die aus den Zahlen gezogenen Schlussfolgerungen stimmen.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/30/nein-deutschland-beeinflusst-nicht-000004712-prozent-des-co2-anteils-in-der-luft/
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Nein, im August 1975 wurde keine Temperatur von 40 Grad Celsius gemessen
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Aus einer „Bild“-Schlagzeile von 1975 schließen einige Facebook-Nutzer, vor 44 Jahren seien in Deutschland 40 Grad Lufttemperatur gemessen worden. Das ist nicht der Fall. von Nina Breher Ein auf Facebook seit dem 25. Juli 2019 rund 28.000 Mal geteilter Beitrag erweckt den Eindruck, bereits im August 1975 seien in Deutschland 40 Grad gemessen worden. Es handelt sich um ein Foto von einer Bild-Schlagzeile in der Ausgabe vom 8. August 1975. Aus der jetzt wieder geteilten Zeitungsseite schließen einige Nutzer, die aktuelle Debatte um Klimaschutz sei überflüssig. „Früher sagte man einfach nur Sommer“, kommentiert ein Nutzer. Ein anderer schreibt: „Was ihr euch nur alle aufregt. Die Erde hat schon immer Klimawandel durchgemacht.“ Der Axel-Springer-Verlag bestätigt CORRECTIV auf Anfrage per E-Mail die Echtheit des Fotos: „Die genannte Seite ist genauso in unserer Datenbank dokumentiert.“ Es handele sich um die Bundesausgabe der Bild vom 8. August 1975. Die Überschrift „40 Grad Hitze – Jetzt wird das Wetter lebensgefährlich“ erweckt den Eindruck, 40 Grad seien gemessen worden. Aus dem Artikel selbst geht jedoch hervor, dass es sich um eine Prognose handelt, nicht um eine gemessene Temperatur. „Am Sonntag könnten es 40 Grad im Schatten werden, meint Diplom-Meteorologe Rainer Ripke vom Wetteramt Essen“, steht im Text. Im Zeitungsausschnitt ist außerdem zu lesen, dass am 23. Juli 1911 eine Temperatur von 39,9 Grad Celsius in Jena gemessen worden sei und ein Hitzerekord aufgestellt wurde. Der Deutsche Wetterdienst teilte uns hierzu per E-Mail mit, dass an diesem Datum an der Station Jena eine Temperatur von 37,2 Grad Celsius gemessen worden sei. Die Höchsttemperatur sei an diesem Tag mit 37,5 Grad Celsius in Frankfurt am Main gemessen worden. Es gebe von dieser Zeit nicht viele Stationswerte, es sei aber aufgrund der flächendeckenden Wetterlage davon auszugehen, dass keine Temperaturen an die 40 Grad herrschten. Die damals vom Wetteramt Essen prognostizierte Temperatur wurde nicht erreicht. Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich, Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst (DWD), hat die 1975 in Essen gemessenen Temperaturen für CORRECTIV überprüft: „Am 10. August wurde in Essen ein Höchstwert von 30,8 Grad Celsius gemessen“, so Friedrich am Telefon. Die Höchsttemperatur in Essen im August 1975 habe 31,7 Grad betragen (7. August). „Das waren im Vergleich zu heute sehr moderate Temperaturen“, so Friedrich am Telefon. Ein Blick in die Suchmaschine Wolfram Alpha zeigt, dass die Höchsttemperaturen in Deutschland 1975 bei etwa 35 Grad lagen, zum Beispiel am 9. August in Worpswede. In Essen wurden bis heute noch nie 40 Grad oder mehr gemessen. Der bisherige Essener Hitzerekord von 36,6 Grad wurde im August 2003 aufgestellt. Der gesamtdeutsche Hitzerekord wurde am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst mit jeweils 41,2 Grad Celsius gemessen. Zunächst hatte der DWD via Twitter verkündet, im niedersächsischen Lingen seien 42,6 Grad Celsius gemessen worden – die Entscheidung wurde jedoch am 30. Juli 2019 zurückgezogen. Update, 9. Oktober 2019: Im Zeitungsausschnitt ist zu lesen, dass der Hitzerekord in Deutschland am 23. Juli 2011 mit 39,9 Grad Celsius in Jena gemessen worden sei. Wir haben im Text ergänzt, dass laut Deutschem Wetterdienst (DWD) an diesem Tag in Jena eine Temperatur von 37,2 Grad Celsius herrschte. Der DWD gab uns außerdem an, dass aufgrund der flächendeckenden Wetterlage nicht davon auszugehen sei, dass in Deutschland Temperaturen an die 40 Grad Celsius herrschten. Update, 25. Juni 2021: Wir haben Informationen im Text aktualisiert. Am 30. Juni 2019 wurde Lingen der Höchstrekord aberkannt, seitdem führen Duisburg-Baerl und Tönisvorst das Ranking an. Außerdem lagen die Höchsttemperaturen in Deutschland 1975 bei etwa 35 Grad.
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Alice Echtermann
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Aus einem Zeitungsartikel von 1975 schließen einige User, vor 44 Jahren seien in Deutschland 40 Grad gemessen worden. Das ist falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-29T16:31:19+02:00
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2019-07-29T16:31:19+02:00
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2021-06-25T15:55:25+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Der Zeitungsartikel ist echt, die Temperaturangabe ist aber eine Wetterprognose gewesen, die sich nicht erfüllt hat.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/29/nein-im-august-1975-wurden-keine-temperaturen-von-40-grad-celsius-gemessen/
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Nein, der ausgebrannte Bus in Kusterdingen war kein Elektrofahrzeug
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Ein Video auf Facebook zeigt einen brennenden Linienbus. Nun wird behauptet, das Fahrzeug sei ein Elektrobus gewesen. Das stimmt nicht. von Alice Echtermann Ein Video, das aus einem fahrenden Auto aufgenommen wurde, zeigt einen brennenden Linienbus in einer schmalen Straße mit historischen Häusern. Es wurde auf Facebook am 18. Juli hochgeladen und seitdem mehr als 5.800 Mal geteilt. Der Nutzer, der es veröffentlichte, schrieb dazu: „Klimaneutraler Elektrobus. Wer fängt jetzt die Co2 Belastung ein? GRETA wo bist du?“ In den Kommentaren wies ein Nutzer bereits darauf hin, dass die Behauptung nicht stimme; der Brand sei in Kusterdingen geschehen und es handele sich um ein Dieselfahrzeug. CORRECTIV hat das überprüft. Tatsächlich brannte am 7. Juli 2019 ein Linienbus in Kusterdingen, Baden-Württemberg, vollständig aus. Mehrere Medien wie die Südwest-Presse und T-Online berichteten darüber. Auf den Fotos ist das Fachwerkhaus zu sehen, das im Video sichtbar ist. Laut der Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Reutlingen zu dem Vorfall geriet der Bus am 7. Juli in Brand, verletzt wurde niemand. Ursache soll ein technischer Defekt sein. Das Feuer sei im Motorraum ausgebrochen. Zum Modell des Busses steht dort nichts. Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte Polizeisprecher Martin Raff per Mail mit, es habe sich bei dem Linienbus nicht um einen Elektrobus gehandelt sondern um ein Dieselfahrzeug, das bereits etwa 20 Jahre alt gewesen sei.
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Alice Echtermann
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Ein Video auf Facebook zeigt einen brennenden Linienbus. Nun wird behauptet, das Fahrzeug sei ein Elektrobus gewesen. Das stimmt nicht.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-29T14:34:04+02:00
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2019-07-29T14:34:04+02:00
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2021-06-18T11:27:11+02:00
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Falsch
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Falsch. Der ausgebrannte Bus war ein älteres Dieselfahrzeug.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/29/nein-der-ausgebrannte-bus-in-kusterdingen-war-kein-elektrofahrzeug/
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Nein, dieses Foto zeigt nicht das Resultat einer Umweltschutz-Demo
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Auf Facebook wird ein Foto einer völlig mit Plastikmüll verschmutzten Straße verbreitet – mit der Behauptung, es stamme von einer Demonstration von Umweltschützern. Das ist falsch. Das Bild entstand nach einem Festival für Lesben, Schwule und Transgender in Madrid mit 400.000 Teilnehmern. von Alice Echtermann Eine Straße bei Nacht, überall liegt Plastikmüll: Dieses Foto hat ein Nutzer auf Facebook am 19. Juli hochgeladen. Er kommentiert dazu: „Madrid, Überreste einer Demo… gegen Umweltverschmutzung.“ Das Bild wurde innerhalb von einer Woche mehr als 5.300 Mal geteilt. Zahlreiche Nutzer ziehen in den Kommentaren darunter jedoch die Echtheit des Fotos in Zweifel. CORRECTIV hat geprüft, woher die Aufnahme stammt. Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass das Foto vor allem auf Twitter zahlreich hochgeladen wurde. Die früheste Version, die wir finden konnten, wurde am 8. Juli 2019 gegen 4.30 Uhr morgens veröffentlicht. Der Twitter-Nutzer schrieb dazu auf Spanisch: „So war Madrid nach dem ‘LGTBIQ Pride’-Marsch… Alles sehr bürgerlich, höflich und respektvoll, wie man (…) auch an diesem Bild (sieht), das den ‘Gemeinsinn’ der Demonstranten demonstriert.“ LGTBIQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen. Ein anderer Twitter-Nutzer veröffentlichte das Foto am 8. Juli um 10.30 Uhr und verband es mit der Behauptung, dieselben Leute, die den Müll verursacht hätten, seien die, die anderen Lektionen über Umweltschutz erteilen wollten. Zahlreiche Belege weisen jedoch darauf hin, dass die Demonstration in Madrid, nach der diese Bilder aufgenommen wurden, nichts mit dem Thema Umweltschutz zu tun hatte. Ein Pressesprecher der Stadt Madrid, Javier Monzón Piñeiro, antwortete per Mail auf eine Anfrage von CORRECTIV, ihm sei dieses Foto nicht bekannt. Es zeige aber eine Straße in Madrid, den Paseo del Prado auf Höhe des Platzes Plaza de Cibeles. Auf Google Streetview ist erkennbar, dass die Gebäude dort mit denen auf dem Foto übereinstimmen. Vom 28. Juni bis 7. Juli fand in Madrid ein großes LGBT-Festival („Madrid Orgullo“, kurz „Mado“) für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender statt. Der Höhepunkt mit einer großen Parade („Manifestación“) war am Samstag, 6. Juli. Insgesamt nahmen laut Medienberichten an dem Wochenende rund 400.000 Personen teil. Die Menschenmassen verursachten große Mengen Müll. Einer Pressemitteilung der Stadt Madrid vom 8. Juli zufolge wurden im gesamten Zeitraum des Festivals 603.350 Kilogramm Abfall gesammelt (inklusive der mobilen Toiletten). Das sei noch einmal eine „Steigerung von 19,08 Prozent gegenüber dem World Pride 2017“, bei dem bisher am meisten gesammelt worden war. 2017 wurde in Madrid das 40. Jubiläum des ersten Marsches für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern in Spanien gefeiert. Auch die spanische Zeitung El Independiente berichtete am 7. Juli über die Plastikmassen in Madrid und begleitete die Reinigungskräfte am Morgen nach der Parade im Stadtteil Chueca. Die Zeitung veröffentlichte am selben Tag auch ein Video auf Youtube, in dem die Verschmutzung der Straßen zu sehen ist. Ein weiterer Beleg, dass das Foto von dem LGBT-Event stammt, ist ein anderes Bild vom 8. Juli auf dem Internet-Portal Picbear. Es zeigt ebenfalls die Müllmassen auf der Straße. Das markante, bunt erleuchtete Gebäude auf der linken Seite ist der Palacio de Cibeles. Somit wurde dieses Foto ebenfalls an der Plaza de Cibeles aufgenommen, aus einem anderen Blickwinkel. Demnach werden beide Fotos beim selben Event entstanden sein: dem „Madrid Orgullo 2019“.
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Alice Echtermann
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Auf Facebook wird ein Foto einer völlig mit Plastikmüll verschmutzten Straße verbreitet – mit der Behauptung, es stamme von einer Demonstration von Umweltschützern. Das ist falsch. Das Bild entstand nach einem Festival für Lesben, Schwule und Transgender in Madrid mit 400.000 Teilnehmern.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-25T10:41:38+02:00
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2019-07-25T10:41:38+02:00
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2021-06-18T11:27:40+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Die Aufnahme stammt aus Madrid, zeigt aber nicht das Resultat einer Demo von Umweltschützern sondern eines großen LGBT-Festivals.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/25/nein-dieses-foto-zeigt-nicht-das-resultat-einer-umweltschutz-demo/
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Ja, der CO2-Ausstoß von Deutschland ist seit 1990 gesunken
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Auf Facebook wird eine Grafik verbreitet, in der behauptet wird, der weltweite CO2-Ausstoß sei von 1990 bis 2015 gestiegen – der von Deutschland jedoch gesunken. Die dargestellten Trends sind korrekt. von Katarina Huth Auf Facebook wird seit dem 14. Juli 2019 eine Grafik verbreitet, in der die Entwicklung des CO2-Ausstoßes von Deutschland und der Welt von 1990 bis 2015 gegenübergestellt wird. Es werden weder Quellen noch Maßeinheiten für die Zahlen angegeben. Vermutlich wurden die Daten aus einer Grafik vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) übernommen und geben den CO2-Ausstoß in Millionen Tonnen an. Das Bild mit Text und einem Säulendiagramm wurde innerhalb von drei Tagen fast 5.000 Mal auf Facebook geteilt. In weißer Schrift auf dunkelgrauem Hintergrund ist in Großbuchstaben zu lesen: „Während unser CO2-Ausstoß sinkt, nimmt er weltweit zu. Vor allem in Asien und Amerika. Was soll da eine CO2-Steuer bringen?“ Das Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt gibt in einer Grafik dieselben Daten wie die Facebook-Grafik für die Entwicklung des CO2-Ausstoßes an. Als Quelle wird die Internationale Energieagentur angegeben. Deren Dokument von 2017 bezieht sich allerdings nur auf CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung (Fuel Combustion). Die Werte für Deutschland und die Welt stimmen mit denen in der Facebook-Grafik überein. Deutschland liegt hier im Vergleich der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß weltweit auf Platz sechs hinter China, den USA, Indien, Russland und Japan (S. 12). Für den CO2-Ausstoß weltweit gibt die Grafik an, er sei von 20.509 Millionen (1990) auf 32.294,2 Millionen Tonnen (2015) angestiegen. CORRECTIV hat die Zahlen mit anderen verfügbaren Quellen abgeglichen; die Werte weichen nach oben ab, die Tendenz aber bleibt bei allen gleich. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sich die Grafik ausschließlich auf CO2 durch Kraftstoffverbrennung bezieht. Laut der Weltbankgruppe lag der weltweite CO2-Ausstoß Die Werte beziehen sich auf den CO2-Ausstoß durch Verbrennung fossiler Energieträger und Zementherstellung und enthalten auch die CO2-Produktion durch den Konsum von Fest-, Flüssig- und Gasbrennstoffen sowie das Abfackeln von Gas. Laut Global Carbon Atlas sind weltweit… Es wird deutlich, dass die CO2-Emissionen weltweit stark angestiegen sind. Je nach Berechnungsgrundlage ergibt sich ein Anstieg von 57,5 Prozent (Internationale Energieagentur) oder 46,6 Prozent (Weltbankgruppe und Global Carbon Atlas). Für Deutschland gibt die Internationale Energieagentur an, der Ausstoß von CO2 sei von 940,3 Millionen (1990) auf 729,8 Millionen Tonnen (2015) gesunken. Zum Vergleich hat CORRECTIV Daten des Umweltbundesamts herangezogen. In seiner Trendtabelle über Treibhausgase von 2017 heißt es, Deutschland emittierte Diese Berechnungen beziehen sich auf sämtliche CO2-Emissionen; auch hier liegen die Werte etwas höher als die der Internationalen Energieagentur, die sich nur auf Kraftstoffverbrennung beziehen. Übereinstimmend zeigt sich ein Abwärtstrend der CO2-Emissionen Deutschlands. Deutschland verringerte seine CO2-Emissionen laut Internationaler Energieagentur von 1990 bis 2015 um 22,4 Prozent, nach Umweltbundesamt um 24,4 Prozent. Der Global Carbon Atlas gibt an, dass sich der CO2-Ausstoß von Europa im gleichen Zeitraum etwa um 30 Prozent verringerte. Zum CO2-Ausstoß von Asien und Amerika nennt die Grafik auf Facebook keine genauen Werte, sondern trifft die generelle Aussage, die Emissionen seien von 1990 bis 2005 gestiegen. CORRECTIV hat die Behauptung anhand der Daten für Amerika als Kontinent überprüft. Die Internationale Energieagentur, dessen Zahlen in der Grafik verwendet werden und die sich nur auf den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung beziehen, gibt an, dass sich die CO2-Emissionen von Amerika von 1990 bis 2015 um 18,8 Prozent und von Asien im gleichen Zeitraum um 196,3 Prozent gesteigert haben (Seite 94). Laut Global Carbon Atlas hatte Amerika im Jahr 1990 insgesamt einen CO2-Ausstoß von 6.584 Millionen Tonnen. 2015 hatte Amerika insgesamt einen CO2-Ausstoß von 7.857 Millionen Tonnen. Zwischen 1990 und 2015 stiegen die CO-Emissionen von Amerika also um fast 20 Prozent. Manchmal wird Amerika auch synonym für die USA verstanden. Der Global Carbon Atlas gibt an, dass die CO2-Emissionen von den USA von 5121 Megatonnen (1990) auf 5421 Megatonnen (2015) um 5,5 Prozent gestiegen sind. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die CO2-Emissionen von Amerika gestiegen sind, unabhängig davon, ob Nord-, Zentral- und Südamerika oder auch nur die USA betrachtet werden. Für den Kontinent Asien hat CORRECTIV die Daten des Global Carbon Atlas für „Asien“ und den „Mittleren Osten“ addiert. Sie zeigen, dass Asien 1990 einen CO2-Ausstoß von 6.592 Millionen Tonnen hatte. Im Jahr 2015 erreichte der Kontinent einen Wert von 18.930 Millionen Tonnen. In Asien haben sich die CO2-Emissionen von 1990 bis 2015 folglich fast verdreifacht. China allein als weltweit größter CO2-Emittent hat seinen CO2-Ausstoß von 2420 Megatonnen (1990) auf 9717 Megatonnen (2015) fast vervierfacht. Es ist korrekt, dass Europa und insbesondere Deutschland die CO2-Emissionen im betrachteten Zeitraum verringern konnten und es im Gegensatz dazu auf den anderen Kontinenten einen starken Anstieg dieser Emissionen gab. Die Grafik suggeriert, Deutschland spiele für die Bekämpfung der globalen Klimakrise keine große Rolle. Allerdings darf die Verantwortung Deutschlands nicht unterschätzt werden. Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) liegt Deutschland laut Global Carbon Atlas immer noch auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Es hat somit maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung. Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat sich Deutschland das Ziel gesetzt, seine klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zum Basisjahr um 40 Prozent bis 2020 zu senken. Im Klimaschutzbericht der Bundesregierung 2018 steht, dass dieses Ziel vermutlich noch weiter verfehlt werden wird, als im Klimaschutzbericht im Jahr zuvor geschätzt. Somit wird Deutschland im Jahr 2020 seine Treibhausgas-Emissionen, darunter auch CO2, lediglich um 32 Prozent verringert haben (Seite 18).
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Katarina Huth
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-23T11:10:17+02:00
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2019-07-23T11:10:17+02:00
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2021-06-18T11:28:04+02:00
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Richtig
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Richtig. Die in der Grafik angegeben Daten stammen von der Internationalen Energieagentur und beziehen sich auf CO2-Emissionen durch Kraftstoffverbrennung. Andere Quellen nennen abweichende Zahlen, beschreiben die Trends jedoch ähnlich.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/23/ja-der-co2-ausstoss-von-deutschland-ist-seit-1990-gesunken/
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Nein, der Ätna stößt nicht mehr CO2 aus als der Mensch
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Auf Facebook wird ein Bild verbreitet, welches einen Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna zeigen soll. Die Behauptung, dass bei solch einem Ausbruch mehr CO2 ausgestoßen wird, als durch den Menschen je produziert wurde, ist nicht korrekt. von Katarina Huth Auf Facebook wurde am 7. Juli 2019 ein Foto veröffentlicht, welches einen Ausbruch des Ätna, des höchstgelegensten aktiven Vulkan Europas, zeigen soll. Der Urheber des Fotos ist unbekannt. Das Foto lässt sich zurückverfolgen zu einem Twitter-Post aus dem Dezember 2015. Es ist nicht genau belegbar, ob das Foto tatsächlich den in Sizilien gelegenen Ätna zeigt. Der Beitragstext zum Foto lautet: „Liebe Umweltaktivisten, dieser kleine Rülpser des Ätna hat mehr CO2 in die Luft geblasen, als die gesamte Menschheit während ihres Daseins auf der Erde von sich gegeben hat. Aber keine Sorge, das ist ja Italien – also weit weg…“ Innerhalb von drei Tagen wurde der Beitrag über 13.000 mal geteilt. Der Vulkan Ätna ist zuletzt am 1. Juni 2019 ausgebrochen. Er ist laut British Geological Survey der größte und meistgasendste Vulkan Europas (Seite 6). Laut Boris Behncke, Vulkanologe am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Italien, ist der Ätna mit einer täglichen CO2-Produktion von etwa 16.000 Tonnen einer der weltweit bedeutendsten vulkanischen CO2-Produzenten. Behncke schrieb uns per E-Mail, dass das Kohlenstoffdioxid zum großen Teil dem Magma des Vulkans entweicht – bereits lange bevor das CO2 die Erdoberfläche erreicht. Es wird also nicht erst durch den Ausbruch selbst ausgestoßen. Das heißt, selbst größere Eruptionen des Ätna produzieren nicht sehr viel mehr CO2 als sein normaler, alltäglicher Gasausstoß. Somit spielt weniger der einzelne Vulkanausbruch eine Rolle als die insgesamte CO2-Emission. In der British Geological Survey wird der jährliche CO2-Ausstoß des Ätnas auf maximal 25 Millionen Tonnen geschätzt (Seite 6). Laut Christian von Savigny, geschäftsführender Direktor und Professor am Institut für Physik der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, liege der durchschnittliche weltweite CO2-Ausstoß von Vulkanen zwischen 200 und 300 Millionen Tonnen im Jahr, wie er uns telefonisch mitteilte. Laut Umweltbundesamt beträgt die Kohlenstoffdioxid-Emission des Menschen um die 30 Milliarden Tonnen pro Jahr (2013). Auch von Savigny sagt, dass der jährliche CO2-Ausstoß durch den Menschen zwischen 30 und 35 Milliarden Tonnen betrage und somit etwa 100 mal größer sei als die insgesamten vulkanischen CO2-Emissionen pro Jahr. Ebenso ist im Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) von 2013/14 zu finden, dass die vulkanischen CO2-Emissionen mindestens 100 mal kleiner sind als die vom Menschen verursachten Emissionen (Seite 56). Somit lässt sich zusammengefasst sagen: Die vulkanischen Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind nur ein Bruchteil der durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen.
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Katarina Huth
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Auf Facebook wird ein Bild verbreitet, welches einen Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna zeigen soll. Die Behauptung, dass bei solch einem Ausbruch mehr CO2 ausgestoßen wird, als durch den Menschen je produziert wurde, ist nicht korrekt.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-17T13:48:59+02:00
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2019-07-17T13:48:59+02:00
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Falsch
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Falsch. Bei einem Vulkanausbruch wird nur ein Bruchteil des CO2 ausgestoßen, welches durch den Menschen produziert wird.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/17/nein-der-aetna-stoesst-nicht-mehr-co2-aus-als-der-mensch/
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Elektroauto mit „Salzwasser“-Antrieb? So einfach ist es nicht
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In einem Blog wird behauptet, es gebe ein extrem leistungsstarkes Elektroauto, das mit Salzwasser angetrieben werde und in der EU zugelassen sei. Das Modell war jedoch nur ein Prototyp – und die Aussage zu seinem Antrieb ist stark vereinfacht. von Alice Echtermann Der schweizerische Blog „Claudio Graf“ bebildert einen Artikel vom 27. Januar 2019 mit einem silbernen Sportwagen. Darauf steht: „Dieses Auto wird mit Salzwasser angetrieben. 920 PS, schafft 350 km/h und hat EU-Zulassung.“ Der Artikel trägt die Überschrift „Salzwasser als Treibstoff…ist Realität“. Er wurde auf Facebook bisher mehr als 37.300 Mal geteilt. Im Text geht es um ein Elektroauto der Firma Nanoflowcell, das auf dem 84. Genfer Autosalon vorgestellt worden sei. Das war 2014. „Claudio Graf“ schreibt, das Auto sei „die Alternative, die schon lange publik gemacht sein sollte“. Es könne den „ganze(n) Elite-Scheiss von Windräder, E-Mobiles (mit dreckigem und zu wenig Strom) Solar-Energie, CO₂-Lüge, Klima-Lüge, Missbrauch von jungen Menschen (Schüler und Kinder, wie die Greta Thunberg), endlich beenden.“ Als Quellen werden die Firma Nanoflowcell, die das Auto entwickelte, und ein Artikel des Focus von Mitte 2018 genannt. Darin heißt es, Investoren hätten 25.500 Elektroautos von Nanoflowcell bestellt, für 3,1 Milliarden Euro. In dem Focus-Artikel wird auch erwähnt, dass es bisher keine Belege für die Angaben der Firma gebe. Der weitere Text von „Claudio Graf“ findet sich wortgleich auf diversen Internetseiten, zum Beispiel einer namens Der Storyteller. Die früheste Version, die wir finden konnten, stammt von August 2018 und wurde auf der Webseite Unser Planet veröffentlicht. Unsere Recherche zeigt: Vor einigen Jahren existierte tatsächlich ein Prototyp der Schweizer Firma Nanoflowcell namens Quant-E, auf den die von „Claudio Graf“ genannten Angaben zu PS und Spitzengeschwindigkeit passen. Allerdings lässt sich abgesehen von offiziellen Aussagen des Unternehmens nicht prüfen, ob das Auto wirklich diese Leistung bringen konnte. Zudem ist die Aussage, es werde mit „Salzwasser“ betrieben, stark vereinfacht und somit irreführend. Es gibt zahlreiche Medienberichte über das Elektroauto mit dem angeblichen Salzwasser-Antrieb. Nanoflowcell bezeichnet sich selbst nicht als Hersteller von Elektrofahrzeugen, sondern als „Forschungs- und Entwicklungs-Partner der Industrie um umweltgerechte und zukunftsfähige Energieträger sowie innovative Antriebstechnologien“. Ein Bericht der Welt von 2014 und Pressemitteilungen der Firma Nanoflowcell stützen die Behauptungen aus dem Artikel von „Claudio Graf“ (925 PS, 350 km/h). Die Welt sprach in ihrem Artikel von einem „Salzwasser-Elektroauto“, das beim Genfer Automobilsalon vorgestellt worden sei. Zudem heißt es darin, das Auto habe die Abnahme durch den TÜV erhalten und sei somit für den Straßenverkehr zugelassen. Auch das deckt sich mit einer Pressemitteilung von Nanoflowcell. Die Firma schrieb 2014, der TÜV Saar habe dem Forschungsfahrzeug die Fahrerlaubnis für Deutschland und Europa erteilt. Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV bestätigt ein Sprecher von Nanoflowcell, Ralf Kaiser, dass die bei „Claudio Graf“ angegebenen Leistungsdaten für den Quant-E korrekt seien. Allerdings werde das Fahrzeug bereits seit mehreren Jahren nicht mehr getestet. „Der QUANT-E ist ein Hochvolt-Elektrofahrzeug mit Flusszellenantrieb, das 2014 debütierte und über 920 PS sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h verfügte“, so Kaiser per E-Mail. „Seit 2017 sind wir bei allen unseren Testfahrzeugen auf den nanoFlowcell 48Volt Niedervolt E-Antrieb umgestiegen.“ Von „Hochspannung“ ist per Definition die Rede, wenn mehr als 30 Volt Wechselspannung oder mehr als 60 Volt Gleichspannung vorhanden sind. Die Nachfolgemodelle des Quant-E heißen Quantino-48-Volt und Quant-48-Volt. Sie haben laut Nanoflowcell wesentlich weniger Leistung. Es handelt sich auch dabei nur um Testfahrzeuge, die man bisher nirgends kaufen kann. Die Aussage, das Elektroauto habe einen Antrieb, der mit Salzwasser funktioniere, sei „zu kurz gegriffen“, erklärt Kaiser weiter. Die Fahrzeuge haben laut Nanoflowcell einen sogenannten Flusszellenantrieb. Eine Flusszellenbatterie ist laut Fraunhofer-Institut für chemische Technologie ein elektrochemischer Energiespeicher mit einem flüssigen Speichermedium. Sie wird auch Redox-Flow-Batterie genannt. Diese Akkus seien sehr effizient und „deutlich langlebiger“ als herkömmliche Batterien. In einer Broschüre wird erklärt, wie das System funktioniert: Die Elektroden der Plus- und Minuspole sind jeweils von Flüssigkeit umgeben, der Elektrolytlösung. Eine ist positiv, die andere negativ geladen. Dazwischen gibt es eine spezielle Membran. Die Elektrolyte können durch eine externe Stromquelle geladen werden; so wird der Akku aufgeladen. „Die Idee einer Redox-Flow-Batterie ist die einer unsterblichen Batterie“, erklärt Peter Fischer vom Fraunhofer-Institut auf Anfrage von CORRECTIV telefonisch. Da die Flüssigkeiten in separaten Tanks gespeichert würden, findet laut der Broschüre im Stillstand „praktisch keine Selbstentladung statt“. Weltweit würden solche Flüssigzellen bereits als Großspeicher für Strom aus Solar- und Windenergie genutzt. Aber es handelt sich bei der Flüssigkeit nicht um Salzwasser, stellt Nanoflowcell-Sprecher Ralf Kaiser auf unsere Anfrage klar. Die Elektrolytlösung namens „bi-ION“ bestehe aus einer Trägerflüssigkeit aus Wasser und darin gelösten „anorganischen und organischen Salzen“. Der eigentliche Ladungsträger sei ein spezielles, im Labor entwickeltes Molekül. Auf seiner Webseite gibt das Unternehmen an, die Elektrolytlösung sei von der Energiedichte her „gleichauf“ mit Lithium-Ionen-Batterien. Die Aussagen in dem Text von „Claudio Graf“, aber auch die Darstellung zum Beispiel in dem Artikel der Welt („Salzwasser-Auto“) vereinfachen also die tatsächliche Technologie sehr stark. Was zudem aus dem Artikel von „Claudio Graf“ nicht deutlich wird, ist, dass von dem Elektroauto bisher nur Prototypen existieren und dass das Sportmodell Quant-E seit zwei Jahren nicht mehr getestet wird. Für die Leistung der Fahrzeuge und Behauptungen zur Umweltfreundlichkeit („keine schädlichen Emissionen, umweltfreundlich und nachhaltig im Betrieb, weder brennbar noch explosiv, zudem gesundheitlich unbedenklich, sicher in der Handhabung und umweltgerecht recycelbar“) gibt es bisher keine Beweise abgesehen von den Aussagen von Nanoflowcell. Journalisten von Auto-Motor-Sport und der BBC durften 2016 das Quantino-Modell zwar zur Probe fahren. Die Reichweite von angeblich insgesamt 1.401 Kilometern wurde damit aber nicht nachgewiesen. Zudem heißt es in dem Artikel von Auto-Motor-Sport, man habe den „Tankvorgang“ mit der Elektrolytlösung nicht sehen können. Peter Fischer, der seit 2011 beim Fraunhofer-Institut für chemische Technologie an Redox-Flow-Batterien forscht, ist skeptisch, was die Versprechen von Nanoflowcell angeht. Flüssige Energieträger seien wegen der geringen Energiedichte problematisch, erklärt er uns am Telefon. Eine hohe Spannung mit wässrigen Lösungen zu erzeugen sei sehr schwierig. Es gebe Grenzen bei der Löslichkeit von Stoffen. Bei so vielen Hindernissen müsste Nanoflowcell „etwas sehr Geniales gemacht haben“, sagt Fischer. Es sei problematisch, dass die Firma seit Jahren ein großes Geheimnis daraus mache, wie genau ihr Antrieb funktioniere. Möglich sei, dass es sich um eine Art Brennstoffzelle statt einer echten Redox-Flow-Batterie handele, so Fischer. Eine Brennstoffzelle würde die Flüssigkeit, mit der sie funktioniert, verbrauchen. Das deckt sich mit einem Zitat von Nanoflowcell-Chef Nuncio la Vecchia gegenüber Auto-Motor-Sport: „Im Gegensatz zur normalen Redox-Technologie tauschen wir das Elektrolyt nicht aus, sondern es wird während der Fahrt verbraucht. Nach einer Filterung der Salze wird es fein zerstäubt als Wasser auf die Straße gesprüht.“ Die Firma Nanoflowcell wurde 2013 gegründet. Seit der Vorstellung des Flusszellenantriebs beim Genfer Automobilsalon 2014 sind fünf Jahre vergangen. Laut Nanoflowcell-Sprecher Kaiser wird es zudem noch bis zu weiteren fünf Jahren dauern, bis es zur „großserientechnischen Herstellung“ der Elektrolytlösungen kommt. Hinweis (14. August 2019): Ein Redakteur von Focus Online hat uns in einer Mail gebeten, darauf hinzuweisen, dass man in der weiteren Berichterstattung über Nanoflowcell Mitte 2018 auch Zweifel an der Plausibilität der Aussagen der Firma geäußert habe.
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Alice Echtermann
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In einem Blog wird behauptet, es gebe ein extrem leistungsstarkes Elektroauto, das mit Salzwasser angetrieben werde und in der EU zugelassen sei. Das Modell war jedoch nur ein Prototyp – und die Aussage zu seinem Antrieb ist stark vereinfacht.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-16T11:56:05+02:00
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2019-07-16T11:56:05+02:00
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2021-06-18T11:28:58+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Bei dem Auto handelte es sich um einen Prototypen, dessen Antrieb mit speziellen Elektrolytlösungen funktionieren sollte. Nachweise über die Leistung und Umweltfreundlichkeit des Fahrzeugs gibt es bisher nicht.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/16/elektroauto-mit-salzwasser-antrieb-so-einfach-ist-es-nicht/
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Nein, durch die CO2-Steuer zahlt nicht jeder Pendler 1.000 Euro mehr im Jahr
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Auf Facebook wird ein Foto von Umweltministerin Svenja Schulze neben einem großen BMW verbreitet, um ihre Pläne für eine CO2-Steuer zu kritisieren. Diese koste jeden Berufspendler jährlich 1.000 Euro mehr. Das stimmt nicht. von Alice Echtermann Die Facebook-Seite „Befreiter Blick“ veröffentlichte am 9. Juli ein Foto von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), das bisher mehr als 19.500 Mal geteilt wurde. Es zeigt Schulze beim Aussteigen aus einem großen Auto, einem BMW. Darüber schreibt „Befreiter Blick“: „Hier sehen wir unsere Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit Ihrem ‘Kleinwagen’. Sie wird dafür sorgen, dass demnächst jeder kleine Berufspendler ca. 1000€ zusätzliche CO2-Steuer im Jahr zahlen wird.“ Damit, dass Schulze mit einem großen Auto unterwegs ist, sollen ihre jüngst vorgestellten Pläne für eine Bepreisung von CO2 unglaubwürdig gemacht werden. CORRECTIV hat geprüft, ob die Behauptung, eine CO2-Steuer würde jeden Pendler 1.000 Euro im Jahr kosten, stimmt – und um was für ein Auto es sich auf dem Foto handelt. Die eigentliche Behauptung von „Befreiter Blick“ bezieht sich auf die Anfang Juli vorgestellten Pläne von Schulze, eine CO2-Steuer einzuführen. Drei Gutachten hat das Bundesministerium dazu in Auftrag gegeben: vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) und dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). Vorweg: Die Aussage auf Facebook, Svenja Schule werde „dafür sorgen, dass demnächst jeder kleine Berufspendler ca. 1000€ zusätzliche CO2-Steuer im Jahr zahlen wird“ ist irreführend, weil sie andeutet, die Steuer sei beschlossene Sache. Das ist nicht so, wie wir in einem anderen Faktencheck bereits geschrieben haben: Die politische Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. So hat aktuellen Medienberichten vom Freitag, 12. Juli, zufolge, eine Gruppe Abgeordneter von CDU und CSU noch einen Alternativvorschlag vorgelegt, in dem sie für einen kombinierten CO2-Preis aus einem festen Sockelbetrag und einem variablen Marktpreis plädieren. Zudem legten am Freitag auch die sogenannten Wirtschaftsweisen ein eigenes Sondergutachten zur CO2-Steuer vor. Das Klimakabinett der Bundesregierung will sich den Berichten zufolge ab dem 18. Juli mit den verschiedenen Vorschlägen befassen, im September solle eine Entscheidung getroffen werden. Mit den folgenden Eckdaten der möglichen CO2-Steuer haben alle drei Gutachter ihre Modelle durchgerechnet: 35 Euro pro Tonne CO2 als Einstieg im Jahr 2020, dann eine lineare Erhöhung auf bis zu 180 Euro pro Tonne im Jahr 2030. Die wahrscheinliche Quelle für die Aussage, dass Berufspendler angeblich etwa 1.000 Euro mehr im Jahr zahlen müssten, ist ein Artikel des Focus vom 10. Juli. Er trägt den Titel „Fast 1000 Euro mehr pro Jahr: Das kostet Autofahrer die neue Luft-Steuer“. Focus rechnet darin ein konkretes Beispiel vor. Ausgehend von einem aktuellen Benzinpreis von 1,50 Euro würde ein Liter Benzin sich angeblich folgendermaßen verteuern: Das würde am Ende eine Preissteigerung pro Liter Benzin von rund 33 Prozent bedeuten. Für Diesel, ausgehend von aktuell 1,30 Euro pro Liter, betrage die Preissteigerung ab 2030 57 Cent (rund 43,9 Prozent). Focus schreibt selbst, dass dabei Schwankungen im Ölpreis nicht mit einkalkuliert seien. Wenn ein Berufspendler jeden Tag 50 Kilometer jeweils hin und zurück zur Arbeit fahre, und sein Auto im Schnitt acht Liter Benzin auf hundert Kilometern verbrauche, zahle er im Jahr 2.760 Euro, so Focus weiter. Mit der Preiserhöhung durch die CO2-Steuer seien es 2030 dann 3.680 Euro pro Jahr. Ein Plus von 920 Euro, also „fast 1.000 Euro“. Wir haben die Annahmen des Focus zu den steigenden Spritpreisen anhand der Gutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums überprüft; sie sind plausibel. Das Gutachten des FÖS und das des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnen die Preissteigerungen bis zum Jahr 2023 (80 Euro pro Tonne CO2). Übereinstimmend kommen sie dabei für Benzin für das Jahr 2020 auf eine Steigerung von rund 10 Cent pro Liter. Für 2023 sind es rund 22 Cent mehr. Eine weitere Quelle ist der Verein CO2-Abgabe; er berechnet auf seiner Webseite den Benzinpreis bis zur Stufe von 120 Euro pro Tonne CO2. Diese Stufe wäre ungefähr im Jahr 2026 erreicht. Dann würde dem Verein zufolge ein Liter Benzin rund 35 Cent mehr kosten. Auch das passt zu den Werten des Focus. Wichtig ist aber: Die Berechnung des Focus lässt sich nicht auf alle Pendler übertragen. Wenn „Befreiter Blick“ von 1.000 Euro mehr für „jeden kleinen Berufspendler“ spricht, ist das falsch. Denn nicht jeder Pendler fährt 50 Kilometer zur Arbeit und hat ein Auto, das acht Liter Benzin auf 100 Kilometern verbraucht. „Befreiter Blick“ berücksichtigt auch andere Faktoren einer möglichen CO2-Steuer nicht. Zum Beispiel, dass nicht nur die Spritpreise steigen würden, sondern auch die für Erdgas und Heizöl. Jeder Haushalt würde unterschiedlich stark belastet, je nachdem, wie viele Personen darin leben, wie hoch das Einkommen ist und wie viel konsumiert wird. Zudem enthalten alle Gutachten für eine CO2-Steuer einen sozialen Ausgleich, eine Rückzahlung an die Bürger, teilweise zusätzlich kombiniert mit einer Senkung der Stromsteuer oder der EEG-Umlage. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zum Beispiel rechnet für alle Einkommensgruppen verschiedene Modelle durch, mit Rückzahlungen einer „Klimaprämie“ zwischen 80 und 100 Euro pro Kopf und Jahr. Gleichzeitig werden auch mögliche Entlastungen beim Strompreis berechnet. Jedes Modell unterscheidet sich vom anderen. Im Szenario einer „Klimaprämie“ von 100 Euro und einer gleichzeitigen Absenkung der Stromsteuer geht das FÖS zum Beispiel für das Jahr 2021 davon aus, dass nur hohe Einkommensgruppen zu Nettozahlern werden. Pendler stellen allerdings einen Sonderfall dar. Zwei der Gutachten enthalten deshalb Berechnungen für Pendlerhaushalte. Diese werden darin definiert als Haushalte, in denen mindestens eine Person mehr als 20 Kilometer täglich zur Arbeit fährt. „Pendlerhaushalte dürften von der CO2-Steuer stärker belastet werden und haben angesichts des lückenhaften öffentlichen Personenverkehrs in vielen Regionen ggf. keine Ausweichmöglichkeiten“, schreiben die Gutachter von der Hans-Böckler-Stiftung (S. 31). Und: „Durchschnittlich haben alle Pendlerhaushalte eine deutliche Nettobelastung, die zwischen 220 Euro und 560 Euro im Jahr 2030 liegen wird.“ (Seite 46) Durchgerechnet werden in dem Gutachten drei Beispiele für Pendlerhaushalte: Paare mit und ohne Kinder und Singles, jeweils vom Land und in der Stadt. Darin wird deutlich, dass tatsächlich oft Mehrausgaben von mehr als 1.000 Euro pro Jahr anfallen. Doch das ist nicht die Summe, die sie am Ende netto mehr zahlen. Den höchsten Nettoeffekt erreicht eine Familie mit zwei Kindern, in der zwei Personen pendeln. Sie hätte im Jahr 2030 Mehrkosten von mehr als 1.700 Euro; netto wäre das eine Belastung von 616,20 Euro. Das Gutachten des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Seite 14) kommt zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Beide schlussfolgern, dass finanzielle Entlastungen für Pendler nötig seien. Kurzfristig könne dies zum Beispiel über eine Anhebung der Pendlerpauschale oder ein „Pendlergeld“ geschehen (PDF, Seite 52). „Die aktuelle Regelung einer Entfernungspauschale ist nur wenig geeignet, Haushalte mit geringen Einkommen zu entlasten“, schreibt die Hans-Böckler-Stiftung. „Viele – insbesondere Familien mit mehreren Kindern – zahlen keine Einkommensteuer und können durch die Entfernungspauschale nicht entlastet werden.“ Die Erhöhung des Pendlergeldes käme daher vor allem Haushalten mit höherem Einkommen zugute. Ein Pendlergeld oder „Mobilitätsgeld“ habe eine bessere Wirkung, sei aber „sehr kostspielig“ und komme deshalb nur als „Härtefallregelung“ für Menschen mit geringem Einkommen infrage (Seite 55). Langfristig seien diese Maßnahmen zudem nicht sinnvoll; um die gewünschte Lenkungswirkung zu erzielen, sollten stattdessen „klimafreundliche Verhaltensweisen“ gezielt gefördert werden. Zusätzlich haben wir den Hintergrund des Fotos geprüft, mit dem der Beitrag illustriert wurde. Die Urheberin ist die Deutsche Presse-Agentur; es stammt offenbar von der Webseite der Schwäbischen Zeitung, wo es mit Angabe der Quelle verwendet wurde. Auf unsere Nachfrage teilt die Pressesprecherin des Bundesumweltministeriums, Svenja Kleinschmidt, mit, bei dem BMW auf dem Foto handele sich sich um den Dienstwagen von Svenja Schulze, einen BMW 740e iPerformance in der Version von 2018. Das Fahrzeug ist also ein sogenannter Plug-In-Hybrid. Insgesamt bestehe die Flotte des Umweltministeriums aus 22 Fahrzeugen: zwei Elektrofahrzeugen, 18 Plug-In-Hybridfahrzeugen und zwei Diesel-Kleinbussen, so Kleinschmidt. Im Katalog von BMW (ab Seite 24) von Juli 2018 sind Abbildungen des Fahrzeugs zu sehen. Es ist plausibel, dass es sich um dasselbe Modell wie das auf dem Foto handelt. Die Aussage, Pendler würden 1.000 Euro mehr im Monat zahlen, bezieht sich auf einen Artikel des Focus. Darin wird jedoch nur ein ganz spezieller Fall eines Pendlers durchgerechnet, der sich nicht auf alle übertragen lässt. Gutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums stellen zwar klar, dass eine CO2-Steuer sich für Pendler ungünstig auswirken kann, insbesondere, wenn sie zu den unteren Einkommensgruppen gehören. Die Aussage, „jeder kleine Berufspendler“ würde 1.000 Euro mehr pro Jahr zahlen, lässt sich aber daraus nicht ableiten. Es werden zahlreiche mögliche finanzielle Entlastungen im Rahmen einer CO2-Steuer außer Acht gelassen. Bei dem Foto von Umweltministerin Svenja Schulze fehlt ebenfalls Kontext. Mit der Aufnahme soll ihre Motivation für die Einführung einer CO2-Steuer unglaubwürdig gemacht werden. Es handelt sich bei dem abgebildeten Auto um ihren Dienstwagen; einen Plug-In-Hybrid. Update, 17. Juli 2019: Im Fazit hatten wir versehentlich einmal von 1000 Euro „pro Monat“ geschrieben. Wir haben den Fehler korrigiert.
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Alice Echtermann
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Auf Facebook wird ein Foto von Umweltministerin Svenja Schulze neben einem großen BMW verbreitet, um ihre Pläne für eine CO2-Steuer zu kritisieren. Diese koste jeden Berufspendler jährlich 1.000 Euro mehr. Das stimmt nicht.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-12T15:53:47+02:00
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2019-07-12T15:53:47+02:00
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2022-05-19T09:37:18+02:00
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Teilweise falsch
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Teilweise falsch. Nicht jeder Pendler würde durch eine CO2-Steuer 1.000 Euro mehr pro Jahr zahlen, hier wird wichtiger Kontext weggelassen. Bei dem Dienstauto von Svenja Schulze handelt es sich um einen Plug-In-Hybrid.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/12/nein-durch-die-co2-steuer-zahlt-nicht-jeder-pendler-1-000-euro-mehr-im-jahr/
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Diese „4 unglaublichen Klimafakten“ stimmen nur zum Teil
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Auf Facebook wird eine Grafik mit vier Behauptungen zum Thema Klima verbreitet. Es geht um den Anteil verschiedener Länder an Emissionen sowie den Bau von Kern- und Kohlekraftwerken. Die Behauptungen sind größtenteils falsch. von Katarina Huth Die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ veröffentlichte am 1. Juli 2019 eine Grafik, auf der vier Tatsachenbehauptungen zum Thema Klima in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zu sehen sind. Sie wurde bisher mehr als 17.000 mal geteilt (Stand: 8. Juli 2019). Die Aussagen auf der Grafik wurden weder mit Quellen noch Belegen gestützt. Außerdem ist in roter Schrift und Großbuchstaben zu lesen: „Aber Deutschland will die Welt retten, indem es alles abschaltet, verbietet, versteuert und seine Schlüsselindustrie demontiert???“. Im Hintergrund der Grafik ist der Weltraum, ein Satellit und ein Teil der Erde zu sehen. Es wird suggeriert, dass Deutschland so gut wie keine Beteiligung an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen habe und eine umwelt- und klimafreundliche Politik zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger falle, anstatt in ihrem Sinne zu sein. Mittlerweile hat die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ ihren Beitrag selbst korrigiert, indem die Graphik durch den Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur im Beitragstext ergänzt wurde. Allerdings wird die unkorrigierte Graphik selbst nach wie vor geteilt und verbreitet. Das Prüfen der einzelnen Aussagen ergab folgendes Ergebnis: Behauptung Nr. 1: „85 Prozent sämtlicher Emissionen werden von drei Ländern erzeugt: China, Indien und den USA.“ Dies ist nicht korrekt. Laut dem Emissions Gap Report 2018 erzeugen die drei Länder China, Indien und USA zusammen einen Anteil von 47,1 Prozent an sämtlichen Treibhausgas-Emissionen weltweit. Dabei hat China einen Anteil von 27 Prozent, Indien von 7,1 Prozent und die USA von 13 Prozent (Seite 7 des Reports). Der Emissions Gap Report ist ein vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen regelmäßig herausgegebener Bericht zu den Themen Klimawandel und Treibhausgas-Ausstoß. Behauptung Nr. 2: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kohlekraftwerke beträgt 1400.“ Diese Aussage stimmt in etwa. In einer Pressemitteilung gab die Kohle-kritische Umweltorganisation Coalexit im Oktober 2018 an, dass derzeit 1380 neue Kohlekraftwerke in 59 Ländern in Planung sind oder gebaut werden. Das Umweltbundesamt kann diese Angabe weder bestätigen noch widerlegen, doch schätzt die Größenordnung der Zahl als korrekt ein, wie sie uns per Email mitteilten. Behauptung Nr.3: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kernkraftwerke beträgt 147.“ Diese Zahl stimmt nicht. Eine Übersicht der Internationalen Atomenergie-Organsiation IAEO zeigt, dass derzeit 54 Kernkraftwerke in 18 verschiedenen Ländern gebaut werden. Die IAEO ist eine autonome zwischenstaatliche Organisation, die regelmäßig an die Generalversammlung der Vereinten Nationen berichtet. Sie setzt sich ein für den sicheren und friedvollen Einsatz von Atomwissenschaft und -technologie und ist verpflichtet, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen direkt anzurufen, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt. Behauptung Nr. 4: „Der Anteil des von Deutschland ausgestoßen CO2 beträgt im Verhältnis zum Gesamtvorkommen des CO2 in der Luft 0,0004712 Prozent.“ Diese Zahl ist seit Jahren im Internet an mehreren Stellen zu finden – vor allem in Foren, Kommentarspalten oder persönlichen Blogs, in denen der menschengemachte Klimawandel als Schwindel dargestellt wird. Es ist korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre sehr gering ist. Allerdings hat er großen Einfluss auf das Klima. Das durch den Menschen produzierte CO2 bringt zudem den natürlichen CO2-Haushalt der Erde aus dem Gleichgewicht und ist Hauptursache für den Klimawandel, wie im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). Laut IPCC wird natürlich produziertes CO2 ausgeglichen, in dem es auf natürlichem Wege absorbiert wird. Das anthropogene CO2, das heißt, das CO2, das von Menschen produziert wird, kommt zusätzlich hinzu und kann nur zum Teil von der Natur aufgenommen werden. Im Sonderbericht des IPCC von 2018 wird dargestellt, dass die derzeitige Klimaerwärmung vorrangig anthropogen, also durch die vom Menschen produzierten Treibhausgase verursacht wird. Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, die sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab. Es macht demnach also Sinn, den Anteil Deutschlands an den anthropogenen CO2-Emissionen zu betrachten. Deutschland stößt laut Bundesumweltamt rund 798 Millionen Tonnen (2017) CO2 jährlich aus und ist damit auf Platz 6 der Länder mit der größten CO2-Emission. Die Aussage, Deutschland beeinflusse nur einen geringen Teil des gesamten CO2-Gehalts in der Luft, ist zwar korrekt, es darf aber nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass dieser Einfluss irrelevant wäre. Dies haben wir auch in einem anderen Faktencheck bereits gezeigt.
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Katarina Huth
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Auf Facebook wird eine Grafik mit vier Behauptungen zum Thema Klima verbreitet. Es geht um den Anteil verschiedener Länder an Emissionen sowie den Bau von Kern- und Kohlekraftwerken. Die Behauptungen sind größtenteils falsch.
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Klima
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2019-07-11T15:43:56+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Zwei der drei Aussagen sind eindeutig nicht korrekt. Die letzte Aussage vermittelt einen falschen Eindruck.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/11/diese-4-unglaublichen-klimafakten-stimmen-nur-zum-teil/
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Keine Belege, dass diese Mars-Verpackung jemals im Meer war
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In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder einer angeblich mehr als 33 Jahre alten Verpackung eines Schokoriegels, welche kürzlich an einen Strand gespült worden sei. Sie zeigt zwar das Logo des Riegels aus den 80er Jahren, jedoch lässt sich nicht überprüfen, ob sie jemals im Meer war. von Hüdaverdi Güngör Die Facebook-Seite „Train Hard Vienna by Melissa“ veröffentlichte am 24. Juni eine Text-Bild-Collage. Auf dem Text über den Bildern ist zu lesen: „Wer bei dieser kürzlich am Strand angespülten Verpackung denkt, wir hätten kein Problem mit Plastik, sollte seine Lebenseinstellung überdenken! Abgelaufen am am 27.09.1986!! Bitte ganz oft teilen“ Auf den Bildern ist eine Verpackung der Schokoriegel-Marke„Mars“ zu sehen. Auch erkennt man das im Beitrag erwähnte Haltbarkeitsdatum und einen Strand im Hintergrund. Der Beitrag wurde über 13.000 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, woher das Bild stammt. Wir haben die Fotos aus der Behauptung der MARS GmbH in Deutschland vorgelegt. Auf Nachfrage wollte MARS die Echtheit der Verpackung nicht bestätigen, weil die Fotos die Verpackung nur Ansatzweise zeigen würden. Trotzdem haben wir die Logos der Marke verglichen. Zumindestens wurde das Logo auf der Verpackung auch in den 80’er Jahren verwendet. Mittlerweile nutzt MARS ein anderes Logo. Wir haben die Bilder der Verpackung durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und haben die Urheberin des Fotos gefunden. Laut eines am 10. Mai von Cornwalllive veröffentlichten Artikels hat Emily Stevenson das Foto gemacht. Stevenson säubert regelmäßig mit ihrer Organisation Beach Guardian (deutsch: Strandwächter) verschiedene Strände. Ihre Funde präsentieren die Umweltschützer regelmäßig auf Facebook und Instagram. Bereits am 9. Mai veröffentlichte die Organisation die Fotos der Schokoriegel-Verpackung auf ihrem Instagram-Account. Allerdings ohne den deutschen Text. Im Beitrag zu den Bildern schreibt die Organisation unter anderem: „I found this #MarsBar wrapper from 1986 on a beach in #NorthCornwall this week…“ (Deutsch: Ich habe diese Mars-Verpackung von 1986 diese Woche an einem Strand in North Cornwall gefunden) Die Verpackung wurde also an einem Strand in England gefunden. Die Organisation Beach Guardian konkretisiert in den Kommentaren die Umstände des Fundes: „We find old packaging on this beach all the time. This beach has some of the biggest sand dunes in Cornwall. When they break down, the packets come out!“ (Deutsch: „Wir finden an diesem Strand immer wieder alte Verpackungen. Dieser Strand hat einige der größten Sanddünen Cornwalls. Wenn sie zusammenbrechen, kommen die Verpackungen heraus!“) Anders als in der deutschen Behauptung wird jedoch nicht erwähnt, dass die Verpackung kürzlich aus dem Meer an den Strand gespült worden sei. Wir haben die Text-Bild-Collage Dr. Ulrike Braun von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung vorgelegt und um eine Einschätzung gebeten. In einer Mail an CORRECTIV schreibt Braun: „Eine Bewertung des Materials anhand eines Bildes ist natürlich aus wissenschaftlicher Sicht nicht möglich, insbesondere auch nicht deshalb, weil ich nicht weiß, welches Material eine Mars Verpackung ist. Persönlich halte ich es aber für unwahrscheinlich, dass die Verpackung über 20-30 Jahre einer Beanspruchung in der Umwelt, inklusive UV, Wasser und Wärme, ausgesetzt war. Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe e.V. schreibt in einer Einschätzung für CORRECTIV: „Angenommen, die Verpackung und das Ablaufdatum sind echt, dann muss es zunächst für etwa 30 Jahre in einer sehr konservierenden Umgebung gelagert gewesen sein und erst kurz vor dem Foto an den Strand gelangt sein.“ Auch ein Facebook-Nutzer stellt in den Kommentaren unter dem Instagram-Beitrag von Beach Guardian die Echtheit des Bildes infrage: „… all I am seeing here is a wrapper from 1986 & no proof of where it came from either…“ (Deutsch: „… alles, was ich sehe, ist eine Verpackung von 1986 und keinen Beweis dafür, woher sie kommt…“) Die Organisation verweist in ihrer Antwort auf ein Video, das den Fund zeigen soll. Auf dem Video (ab Minute 5:35) ist zu sehen, wie die Verpackung aus einem Gebüsch am Strand herausgeholt wird. Auch soll die Verpackung jahrelang unter dem Sand gelegen haben; sie sei erst durch die Erosion der Dünen zum Vorschein gekommen. Anders als in der deutschen Text-Bild-Collage behaupten die Urheber der Fotos also nicht, dass die Verpackung kürzlich an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde die Verpackung im Sand am Strand gefunden. In einer Mail an CORRECTIV bestätigt Beach Guardian, dass die Verpackung nicht im Meer, sondern im Sand gefunden wurde und vermutet: „This Mars bar wrapper must have been dropped by someone having a picnic on a beach in 1985 or 1986. It would have blown into the sand dunes and was covered by sand where it could have stayed preserved probably in definitely…“ (Deutsch: „Diese Mars-Verpackung muss von jemandem fallen gelassen worden sein, der 1985 oder 1986 ein Picknick an dem Strand machte. Es könnte vom Wind in die Sanddünen geblasen worden sein und war mit Sand bedeckt, wo er wahrscheinlich in diesem Zustand erhalten blieb.“) Trotzdem gibt der Fundort der Verpackung keine Entwarnung für die Gefahr von Plastik im Meer. Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe weist in seiner Antwort darauf hin, dass die Zersetzung von Plastikmüll im Meer Jahre bis Jahrzehnte dauern kann.
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Hüdaverdi Güngör
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In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder einer angeblich mehr als 33 Jahre alten Verpackung eines Schokoriegels, welche kürzlich an einen Strand gespült worden sei. Sie zeigt zwar das Logo des Riegels aus den 80er Jahren, jedoch lässt sich nicht überprüfen, ob sie jemals im Meer war.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-09T15:52:53+02:00
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2019-07-09T15:52:53+02:00
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2021-06-18T11:30:24+02:00
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Unbelegt
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Keine Belege: Die Urheber des Fotos haben nie behauptet, dass die Verpackung an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde sie im Sand einer Düne gefunden.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/09/keine-belege-dass-diese-mars-verpackung-jemals-im-meer-war/
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Zwölf Jahre altes Video von Spiegel TV streut Zweifel am menschengemachten Klimawandel
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Ein Beitrag von Spiegel TV aus dem Jahr 2007, in dem der menschliche Beitrag zum Klimawandel angezweifelt wird, wird immer wieder in den sozialen Medien geteilt. CORRECTIV erläutert den Kontext des Clips und überprüft zentrale Behauptungen. von Nina Breher Ein Video von Spiegel TV, das 2007 ausgestrahlt wurde, wird seit 2017 wiederholt in sozialen Netzwerken geteilt. Eine im Juni 2017 auf Facebook veröffentlichte Version wurde bisher rund 810.000 Mal angesehen. Im Beitragstext steht: „Dieses über zehn Jahre alte Video entlarvt die Klimalüge der Regierungen.“ Die Internetseite Epoch Times berichtet außerdem über eine weitere Version des Videos, die von Youtube wegen Urheberrechtsverletzungen entfernt worden sei. Ein Nutzer reichte den Clip am 27. Juni 2019 in der CORRECTIV.Faktencheck-Facebookgruppe zur Überprüfung ein. Der Beitrag von Spiegel TV sammelt Aussagen von Wissenschaftlern, die der Meinung sind, die globale Erwärmung sei kein Grund zur Sorge. Einige der Interviewten bezweifeln, dass CO2-Emissionen einen nennenswerten Effekt auf die Erderwärmung haben, einige konstatieren, die Klimaveränderung werde nur zu einem geringen Teil von Menschen verursacht. Spiegel-TV-Produzentin Maria Gresz bestätigt CORRECTIV auf Anfrage, dass der Beitrag „am 29.4.2007 in unserer SPIEGEL-TV-Magazin-Sendung auf RTL“ ausgestrahlt worden sei. Sie schreibt, der Text des Kommentators des „aus heutiger Sicht sicherlich umstrittenen“ Films sei „im Gegensatz zu den befragten ‘Experten’ (…) eher neutral gehalten“. Anlass der Sendung sei laut Gresz wohl „die Klima-Dokumentation des Ex-US-Vizepräsidenten Al Gore und der anstehende dritte Bericht des IPCC zum globalen Temperaturanstieg“ gewesen. CORRECTIV hat zwei zentrale Behauptungen überprüft, zu denen sich Wissenschaftler in dem Video äußern. In dem Video äußern die Wissenschaftler John Christy und Siegfried Frederick Singer Zweifel daran, dass Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind. Der Einfluss der von Menschen verursachten CO2-Emissionen auf das Klima gilt in der Wissenschaft heute aber als unbestritten. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), eine von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Institution, fasst den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammen. So sollen wissenschaftliche Grundlagen für Entscheidungen geschaffen werden. Das IPCC stellt in seinem „Climate Change 2014 Synthesis Report“ fest: „Es ist extrem wahrscheinlich, dass mehr als die Hälfte des beobachteten Anstiegs der globalen durchschnittlichen Oberflächentemperatur von 1951 bis 2010 auf den anthropogenen Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen und anderer anthropogener Kräfte zusammen zurückzuführen ist.“ (PDF, S. 5) „Dass der heute beobachtete Klimawandel maßgeblich vom Menschen verursacht ist, hat das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) seit langem mit hoher Gewissheit festgestellt“, so ein Mitarbeiter der Pressestelle des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in einer E-Mail an CORRECTIV. In dem aktuellsten Bericht des IPCC von 2014, auf den das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hinweist, heißt es: „Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist unbestritten“ (PDF, S. 2). Auch eine Peer-Review-Studie untersuchte 2013 11.944 Abstracts wissenschaftlicher Studien, die sich mit „Klimawandel“ oder „globaler Erwärmung“ beschäftigen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass „97 Prozent der Studien zu dem Ergebnis kamen, dass Menschen die globale Erwärmung verursachen“. 2016 überprüfte und bestätigte eine weitere Studie diese Ergebnisse. Der Umweltforscher Siegfried Fred Singer, Professor an der University of Virginia (seit 1994 im Ruhestand), behauptet im Beitrag von Spiegel TV zudem, der Anstieg von CO2 sei nicht die Ursache globaler Erwärmung, sondern ein Effekt: „Am Ende von Eiszeiten erwärmt sich das Klima plötzlich. Das CO2 steigt ebenfalls an, aber später. Daraus folgt, dass die Erwärmung nicht durch CO2 verursacht wurde, denn die Ursache kommt immer vor der Wirkung.“ Tatsächlich haben einem Artikel in der Fachzeitschrift Science zufolge Eisbohrungen gezeigt, dass der CO2-Anstieg verzögert erfolgte, und zwar des Artikels „800 plusminus 200 Jahre“ nach der Erwärmung der Antarktis. Jedoch gibt es keine Belege dafür, dass CO2 nicht auch die Ursache von Klimaveränderungen sein kann. Eine Studie von Wissenschaftlern des Joint Research Centers der Europäischen Kommission, die 2016 in der Fachzeitzeitschrift Nature erschien, kam „eindeutig“ zu dem Ergebnis, dass „eine Einwegkausalität zwischen Treibhausgasen und globaler Erwärmung vorliegt. Insbesondere kann bestätigt werden, dass Treibhausgase – insbesondere CO2 – die Hauptursachen der aktuellen Erwärmung sind.“
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Alice Echtermann
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Ein Beitrag von Spiegel TV aus dem Jahr 2007, in dem der menschliche Beitrag zum Klimawandel angezweifelt wird, wird immer wieder in den sozialen Medien geteilt. CORRECTIV erläutert den Kontext des Clips und überprüft zentrale Behauptungen.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-08T14:51:55+02:00
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2019-07-08T14:51:55+02:00
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2021-06-18T11:30:50+02:00
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Falsch
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Falsch. Das Video von Spiegel TV ist echt, zentrale Aussagen der Wissenschaftler wurden aber durch zahlreiche Studien widerlegt.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/08/zwoelf-jahre-altes-video-von-spiegel-tv-streut-zweifel-am-menschengemachten-klimawandel/
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Ein Text zieht falsche Schlussfolgerungen aus von Menschen produzierter CO2-Menge
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In einem Text, der zum wiederholten Mal über soziale Medien verbreitet wird, geht es um den CO2-Anteil in der Luft. Die Schlussfolgerungen und Zahlen sind falsch. von Nina Breher Ein Text, der derzeit wieder in den sozialen Medien geteilt wird, erzählt eine angebliche Begegnung. Demnach traf ein Passant auf den Betreuer eines Klimaschutz-Standes. Er habe den Klimaschützer damit konfrontiert, dass „nur 0,038 Prozent CO2 in unserer Atemluft“ enthalten seien. Dies habe den Klimaschützer aus dem Konzept gebracht: „Das glaubte er mir einfach nicht und ließ mich stehen.“ Der Text schließt mit einer Rechnung, die belegen soll, dass der Einfluss des Menschen auf den CO2-Gehalt in der Luft irrelevant sei. Von den 0,038 Prozent CO2 in der Luft produziere „die Natur selbst etwa 96 Prozent. Den Rest, also 4 Prozent, der Mensch“. Der Text ist mit einem Bild der Klimaaktivistin Greta Thunberg versehen. Als Quelle wird im geteilten Text „Robert Imberger“ angegeben, der „Reaktorphysik und Thermohydraulik an der TU Aachen“ studiert und diese Anekdote aufgeschrieben habe. Die TU Aachen gibt es nicht, an der RWTH Aachen gab es zu keiner Zeit ein Thermohydraulik- oder ein Reaktorphysik-Studium. Dies ergab eine Anfrage von CORRECTIV an die Universität. „Es kann höchstens sein, dass einzelne Vorlesungen zu dem Thema angeboten wurden“, teilt Filis Falldorf vom Archiv der RWTH Aachen CORRECTIV telefonisch mit. Zudem war der Text bereits mit anderen Quellenangaben im Umlauf: Im Dezember 2018 geben geteilte Versionen an, Imberger habe an der FH Ulm studiert (hier ein Beispiel) – auch hier existierten seine angeblichen Studienfächer nicht, wie der Faktencheck-Verein Mimikama recherchierte. In einer noch älteren Version aus dem Winter 2015 trug sich die Szene angeblich auf einem Weihnachtsmarkt zu. In einer weiteren Fassung, die bereits seit 2010 auf der Internetseite des Klimawandel-skeptischen Vereins EIKE zu finden ist, ist der Klimaaktivist weiblich und Robert Imberger ist „Dr. Ing. Urban Cleve aus Dortmund“. CO2 macht tatsächlich nur einen kleinen Teil der Luft aus, der Anteil ist aber laut dem Intergovernmental Panel for Climate Change (IPCC) in den letzten Jahren so hoch wie seit mindestens 800.000 Jahren nicht mehr (PDF, S. 467). „2013 hat der CO2-Anteil in der Atmosphäre erstmals in der aufgezeichneten Geschichte 400 ppm überschritten“, so die NASA. „Ppm“ steht für „parts per million“, 1 ppm ist ein Millionstel. Für Mai 2019 hat die US-Regierungsinstitution Earth System Research Laboratory 414,66 ppm CO2-Anteil in der Atmosphäre gemessen. Zum Vergleich: 1855 betrug der Anteil von CO2 288 ppm. 414 ppm entsprechen 0,0414 Prozent Anteil in der Luft. Die im Text genannte Prozentzahl von „0,038 Prozent CO2 in der Luft“ stimmt also in etwa. Dass der Anteil gering ist, heißt aber nicht, dass ein Anstieg dieses Anteils keine Wirkung haben kann. Dass die Natur wesentlich mehr CO2 emittiert als der Mensch, stimmt. „Etwa 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen sind natürlichen Ursprungs und damit Bestandteil des globalen natürlichen Kohlenstoffkreislaufs (IPCC, 2013; USGCRP, 2018)“, teilt Eric Fee vom Umweltbundesamt CORRECTIV schriftlich mit. Der Mensch hat 2017 rund 41 Milliarden Tonnen CO2 produziert, wie Wissenschaftler aus dem Umfeld des Global Carbon Projects errechneten. Das Global Carbon Project ist eine Institution, der Wissenschaftler renommierter Universitäten vorsitzen. Sowohl das Umweltbundesamt als auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) bestätigen diese Zahl per E-Mail. Während die Natur jedoch wieder aufnimmt, was sie emittiert, verbleibt ein Teil der menschlichen Emissionen in der Atmosphäre, so Fee vom Umweltbundesamt: „Der Mensch bringt eine Nettoerhöhung des CO2.“ Laut dem PIK absorbieren Biosphäre und Ozeane einen Teil dieser Emissionen, der Rest – „im Mittel 44 Prozent für 2008 bis 2017“ – würden jedoch in der Atmosphäre verbleiben. Diese Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre durch menschliche CO2-Emissionen sei laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung problematisch, weil CO2 ein Treibhausgas ist, „das die vom warmen Erdboden ausgesandte Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) absorbiert und dadurch die Atmosphäre erwärmt. CO2 ist deswegen so wirksam, weil es genau bei den Wellenlängen absorbiert, bei denen die warme Erdoberfläche am meisten Strahlung aussendet.“ Eine Erhöhung der CO2-Konzentration gehe daher immer mit einer globalen Erwärmung einher, erläutert das PIK. Die so zustande kommende Ansammlung von CO2 in der Atmosphäre verursacht die globale Erwärmung: „Mit großer Sicherheit sind der Anstieg der CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und die durch Landnutzungsänderungen verursachten CO2-Emissionen die Hauptursache für den beobachteten Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration“, so der IPCC (PDF, S. 467). Anmerkung, 9. Juli 2019: Wir haben zwei Stellen im Text geändert, um richtig zu stellen, dass ppm für „parts per million“ steht.
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Till Eckert
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In einem Text, der zum wiederholten Mal über soziale Medien verbreitet wird, geht es um den CO2-Anteil in der Luft. Die Schlussfolgerungen und Zahlen sind falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-08T09:36:15+02:00
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2019-07-08T09:36:15+02:00
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2021-06-18T11:31:12+02:00
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Die Zahlen stimmen ungefähr, die Schlussfolgerungen, die aus ihnen gezogen werden, sind jedoch falsch.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/08/ein-text-zieht-falsche-schlussfolgerungen-aus-von-menschen-produzierter-co2-menge/
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Nein, dieses Elektroauto wird nicht mit einem Dieselaggregat geladen
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Eine Facebook-Seite veröffentlichte ein Foto, auf dem ein vermutlich liegengebliebenes Elektroauto geladen wird. Unter dem Bild wird behauptet, es handele sich bei dem Ladegerät um ein Dieselaggregat. Diese Behauptung ist falsch. von Hüdaverdi Güngör Die Facebook-Seite „Vergeben und Vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer“ veröffentlichte am 29. Juni ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie ein Elektroauto mit einem Aggregat geladen wird. Auf schwarzem Hintergrund und in weißer Schrift steht unter dem Foto: „Umweltschutz vom Feinsten Dieselaggregat lädt liegengebliebenes e-Auto genau mein Humor“. Für die Behauptung nennt die Facebook-Seite weder eine Quelle noch einen Beleg. Das Foto wurde bisher mehr als 2700 Mal geteilt. Wir haben überprüft, ob es sich bei dem abgebildeten Gerät, wie behauptet, um ein Dieselaggregat handelt. Bei näherer Betrachtung ist auf dem Autoanhänger, auf dem das Aggregat platziert ist, ein Name zu erkennen: „ÖAMTC Kompetenz“. Der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring-Club (ÖAMTC) ist ein Automobilclub, der ähnlich arbeitet wie der ADAC in Deutschland. Ebenso ist auf dem Hilfsfahrzeug die Rufnummer „120“ zu lesen. Auf der Webseite des ÖAMTC wird diese Rufnummer als Nothilfe-Nummer geführt. Wir haben die Pressestelle des ÖAMTC mit der Behauptung konfrontiert. In einer E-Mail erklärt der Leiter des mobilen Dienstes, Gerhard Samek: „Bei dem abgebildeten Gerät handelt es sich um kein Dieselaggregat.“ Auf der Internetseite wurde das Gerät in einem Artikel von 2018 als „eine Art Powerbank“ für E-Autos vorgestellt. Auf Nachfrage teilt der ÖAMTC mit, die Batterie bestehe aus Lithium-Eisen-Phosphat. Der ÖAMTC veröffentlichte bereits am 8. Juni dasselbe Foto wie im Facebook-Beitrag ohne Text auf seinem Instagram-Account. In der Beschreibung weist das Unternehmen unter anderem darauf hin, dass es sich bei dem Gerät um eine „Mobile Powerbank“ für Elektroautos handele.
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Hüdaverdi Güngör
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Unter einem Bild wird behauptet, ein liegengebliebenes Elektroauto werde mit einem Dieselaggregat geladen. Diese Behauptung ist falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-07-02T16:25:53+02:00
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2019-07-02T16:25:53+02:00
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2021-10-27T10:50:30+02:00
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Falsch
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Falsch. Bei dem Aggregat handelt es sich nicht um ein Dieselaggregat, sondern um eine mobile Ladestation für Elektroautos. Diese „mobile Powerbank“ besteht laut dem Betreiber aus einer Batterie aus Lithium-Eisen-Phosphat.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/07/02/nein-dieses-elektroauto-wird-nicht-mit-einem-dieselaggregat-geladen/
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Nein, die Stadtwerke Mühlhausen laden ihre Elektroautos nicht mit einem Dieselgenerator auf
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Ein Video auf Facebook zeigt Elektroautos der Stadtwerke in Mühlhausen in Thüringen, die neben einem Dieselstromaggregat stehen. Die Behauptung, die Fahrzeuge würden damit aufgeladen, ist aber falsch. von Alice Echtermann Ein Video auf Facebook soll zeigen, dass die Elektroautos der Stadtwerke Mühlhausen angeblich mit Strom aus einem Dieselaggregat aufgeladen werden. Die Seite „Kein KFZ Dieselverbot in Deutschland“ hat es am 22. Juni hochgeladen, seitdem wurde es mehr als 5.000 Mal geteilt und mehr als 205.000 Mal aufgerufen. Im Video ist ein großer, orangefarbener Wagen mit der Aufschrift „Power Generator“ und „Stadtwerke Mühlhausen“ zu sehen. Daneben parken mehrere Elektroautos, auf denen „Mühlstrom Mobil“ steht. Vorne in einem der Autos steckt ein Ladekabel. Weitere Kabel liegen auf dem Boden und führen um den Dieselgenerator herum. Die Stimme eines Mannes sagt dazu: „Also, das ist genau nach meinem Humor: Hier ist ein Elektrofahrzeug von den Stadtwerken und hier haben wir ein Dieselaggregat, damit werden die geladen. Das muss man sich mal reinziehen. (…) Naja gut, hat man eine saubere Stadt und lädt eben dreckig. Geile Nummer.“ Das Video ist schon älter; bereits im Mai hatten die Faktenchecker von Mimikama dazu einen Bericht veröffentlicht, der zu dem Schluss kam, dass die Elektroautos nicht mit dem Dieselaggregat aufgeladen werden. Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt ein Sprecher der Stadtwerke Mühlhausen, Michael Hünermund, per E-Mail mit, die Elektroautos würden nicht mit Strom aus dem Dieselgenerator geladen. „Ganz ausdrücklich möchten wir darauf hinweisen, dass keine Verbindung zwischen dem Notstromaggregat und den E-Ladesäulen auf unserem Betriebsgelände besteht, d.h., unser Notstromaggregat versorgt selbstverständlich nicht unsere Elektroautos.“ Vielmehr sei der Generator dafür da, im Falle einer „Havarie“ das Gebäude der Stadtwerke mit Strom zu versorgen. „Diese Sicherheitsanforderungen müssen wir als zertifiziertes Stadtwerk erfüllen, um bei Störungen kommunizieren zu können.“ Die Stadtwerke hatten im Mai auch eine Pressemitteilung zu dem Fall mit dem Titel „Notstrom-Aggregat und E-Mobilität stiften Verwirrung“ veröffentlicht. Darin heißt es ebenfalls, der Generator werde nicht für Elektroladesäulen genutzt. Die Stadtwerke schickten CORRECTIV auf Anfrage zudem ein Foto, das die Ladesäulen für die Elektroautos zeigt. Die Rückseite der Ladesäule ist auf dem Facebook-Video auch zu sehen, inklusive des in Schlingen darüber gelegten Kabels. Der Mann mit der Kamera muss also direkt davor gestanden haben. Gestützt wird die Aussage der Stadtwerke zusätzlich von einer Karte der Bundesnetzagentur, auf der alle Ladestationen in Deutschland verzeichnet sind. Sie zeigt zwei Ladepunkte für die Stadtwerke Mühlhausen an der Adresse, die auch auf der Webseite der Firma steht.
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Alice Echtermann
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Ein Video auf Facebook zeigt Elektroautos der Stadtwerke in Mühlhausen in Thüringen, die neben einem Dieselstromaggregat stehen. Die Behauptung, die Fahrzeuge würden damit aufgeladen, ist aber falsch.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-06-28T15:01:24+02:00
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2019-06-28T15:01:24+02:00
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2021-06-18T11:31:53+02:00
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Falsch
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Falsch. Die Elektroautos der Stadtwerke Mühlhausen werden nicht mit Strom aus einem Dieselgenerator aufgeladen.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/06/28/nein-die-stadtwerke-muehlhausen-laden-ihre-elektroautos-nicht-mit-einem-dieselgenerator-auf/
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Ja, 30 neue Berliner Elektrobusse kosten jeweils 600.000 Euro und werden mit Diesel geheizt – doch die Klimaanlage ist elektrisch
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Ein auf Facebook geteiltes Bild kritisiert die neuen Elektrobusse der Berliner Verkehrsbetriebe. Sie seien deutlich teurer als Dieselbusse, aber ihre Heizungen und Klimaanlagen würden weiterhin mit Diesel betrieben. Diese Informationen sind richtig – bis auf eine Ausnahme. von Nina Breher Der Beitrag eines Facebook-Nutzers vom 7. Juni 2019 wurde bisher über 5.000 Mal geteilt. In einem Bild wird behauptet, die Stadt Berlin habe sich „30 neue Elektrobusse für 600.000 Euro pro Stück“ gekauft. „Herkömmliche Dieselbusse kosten mit 200.000 Euro pro Stück weit weniger.“ Außerdem würden „Heizungen und Klimaanlagen in den neuen Elektrobussen (…) mit Diesel betrieben.“ CORRECTIV hat diese Aussagen überprüft. Tatsächlich hat Berlin am 27. März 2019 neue Elektrobusse vorgestellt, wie aus einer Pressemitteilung der BVG hervorgeht. 30 Fahrzeuge sollten noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Mehrere Medien berichteten darüber, darunter die Berliner Zeitung und rbb24. Der in dem Facebook-Beitrag genannte Preis von durchschnittlich 600.000 Euro pro Bus stimmt. „Das Investitionsvolumen für die ersten Serien-E-Busse beläuft sich auf rund 18 Millionen Euro“, so die BVG in der Pressemitteilung. Daraus ergibt sich ein Durchschnittspreis von 600.000 Euro pro Bus. Dass die herkömmlichen Dieselbusse in der Anschaffung günstiger waren, geht aus einer Schriftlichen Anfrage des SPD-Wahlkreisabgeordneten Tino Schopf an das Abgeordnetenhaus Berlin hervor: „Für Dieselbusse betragen die Anschaffungskosten nach Auskunft der BVG etwa 250.0000 Euro für Eindeckomnibusse und etwa 350.000 Euro pro Fahrzeug für Gelenkomnibusse.“ Das teilte Jens-Holger Kirchner von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am 22. Januar 2018 mit. Die Angabe auf dem Bild, ein Dieselbus koste „200.000 pro Stück“, ist also etwas niedrig gegriffen. Dass der Preis deutlich niedriger war als für die Elektrobusse, ist korrekt. Ein BVG-Pressesprecher teilt auf CORRECTIV-Anfrage per Mail mit: „Die Heizungen dieser 30 Busse werden mit Diesel betrieben, eine elektrische Heizung ist nicht verbaut. Allerdings wird erst ab einstelligen Temperaturbereichen (ca. fünf bis acht Grad Außentemperatur) mit Diesel zugeheizt. Bis dahin erfolgt die Beheizung des Busses über einen Bremswiderstand.“ Das gelte jedoch nur für die 30 Busse, die derzeit ausgeliefert werden. Weitere Busse, die ab 2020 geliefert werden, „werden keine Diesel-, sondern eine Elektroheizung haben. Diese Fahrzeuge sind dann zu 100 Prozent lokal emissionsfrei.“ Die Klimaanlagen der 30 Busse hingegen werden elektrisch betrieben, so der Pressesprecher.
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Till Eckert
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Ein auf Facebook geteiltes Bild kritisiert die neuen Elektrobusse der Berliner Verkehrsbetriebe. Sie seien deutlich teurer als Dieselbusse, aber ihre Heizungen und Klimaanlagen würden weiterhin mit Diesel betrieben. Diese Informationen sind richtig – bis auf eine Ausnahme.
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"Faktencheck",
"Klima",
"Wirtschaft und Umwelt"
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Klima
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2019-06-21T14:11:35+02:00
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2019-06-21T14:11:35+02:00
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2021-06-18T11:32:15+02:00
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Größtenteils richtig
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Größtenteils richtig. Die ersten 30 Elektrobusse der BVG sind mit durchschnittlich 600.000 Euro pro Stück teurer als vergleichbare Dieselbusse, und bei niedrigen Temperaturen heizen die aktuellen E-Busse mit Diesel. Die Klimaanlagen sind jedoch elektrisch.
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https://correctiv.org/faktencheck/2019/06/21/ja-30-neue-berliner-elektrobusse-kosten-jeweils-600-000-euro-und-werden-mit-diesel-geheizt-doch-die-klimaanlage-ist-elektrisch/
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